Lyriost – Madentiraden

04.03.2008 um 10:01 Uhr

Bilder

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Bilder

Lieber schlechte Bilder an der Wand als falsche im Kopf. 

04.03.2008 um 09:39 Uhr

Superbia

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Superbia

Es gibt überall in den Internetforen diesen unangenehmen Menschentypus des selbstgewiß scheinenden Großwissenden, der auf einer mächtigen Palme sitzt und aus dieser höheren Warte das Weltgeschehen und seine Mitmenschen beURTEILt. Das ist legitim und unproblematisch. Solche Leute können durchaus nützlich sein bei der Meinungsbildung, denn manchmal regen ihre Bekundungen nicht nur sie selbst an, sondern zugleich die Hirntätigkeit der anderen.

Nun ist es aber leider so, daß die gleichen Großwisser, ich nenne sie mal empathiedefizitäre Intellektualanalphabeten, nichts lieber tun, als über andere, die ihrer Meinung nach mit weniger Weitblick und geringerem intellektuellem Leistungsvermögen gesegnet sind als sie, mit beißendem Spott, guten Ratschlägen und Schlimmerem herzufallen. Da ist dann schnell die Rede von Psychiater, Therapie und dergleichen. Natürlich sucht man sich besonders gern diejenigen aus, deren orthographische Kenntnisse zu wünschen übriglassen und die auffallend ungelenk beim Formulieren ihrer Botschaften sind – oder auch nur erscheinen.

Daß intellektuelle Überheblichkeit eine völkerrechtlich zu ächtende Waffe wäre, will ich allerdings nicht behaupten, ganz im Gegenteil: Sie ist ein probates Mittel, um anmaßende Dummköpfe zu maßregeln und sie auf den Teppich zu holen. Und anmaßende Dummköpfe fallen bekanntlich in Scharen wie Heuschrecken über die Foren im Internet her, was sich in letzter Zeit noch dadurch verstärkt, daß an vielen Stammtischen inzwischen das Rauchverbot durchgesetzt wird.

Wichtig für den, der mit Arroganz auf Äußerungen anderer reagiert, ist die Fähigkeit, die Diversibilität der Adressaten im Blick zu behalten und wirklich angemessen zu urteilen. Diese Fähigkeit vermisse ich bei vielen.

Mein Eindruck ist, daß so mancher, der sich und seinen Gehirnstoffwechsel für super hält, nichts Besseres zu tun hat, als sich an Kleinen zu vergreifen, und sei es auch nur jovial mit altväterlichen guten Ratschlägen. Und wenn die so Angesprochenen nicht gleich demütig das Haupt neigen, dann werden sie runtergeputzt.

Was steckt hinter diesem Phänomen des kognitiven Hochmutes? Es ist vor allem die Unfähigkeit oder der mangelnde Wille, die eigenen kognitiven Fähigkeiten auf sich selbst zu verwenden, viel Unsicherheit bei der Reflexion des eigenen Selbstwertgefühls und mangelnde Einsicht in die eigene charakterliche Inferiorität.

Wer die eigenen Fehler nicht erkennt, sucht sie bei andern. Irgendwo müssen sie sein.

zeit.de

03.03.2008 um 08:47 Uhr

Roy Andersson und die Avantgarde

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Roy Andersson und die Avantgarde

Avantgardisten nennen sich jene, die vor den Planierraupen herlaufen, die im Dunkel der Nacht die Gegend für neue Hauptstraßen plattmachen. Meist läuft die Avantgarde dabei im Zickzack, ihre Taschenlampen hin und her schwenkend, um auf sich aufmerksam zu machen, bis die Vorhüpfer dann endlich von den Lichtkegeln der auf die Planierraupen folgenden Walzen erfaßt werden.

Nun können die Handlichter ins Gestrüpp am Wegrand geworfen werden – die Batterien sind ohnehin inzwischen so gut wie leer –, die selbsternannte Avantgarde muß aber aufpassen, daß sie nicht von den mechanisch vorrückenden Metallkolossen erfaßt und gnadenlos zu Straßenbelag gewellt wird.

Die wirklichen Avantgardisten sitzen derweil abseits der Szenerie auf kleinen Erhöhungen im Gebüsch, schauen sich das Ganze lächelnd und mit der einen oder anderen verdrückten Träne an und sprechen leise vor sich hin.

So einer ist Roy Andersson – ein ganz normaler Weiser am Rande des Geschehens.

Am 19. März um 00.30 Uhr, im Dunkel der Nacht, wird im WDR-Fernsehen ein Porträt Anderssons gezeigt mit dem Titel "Die heitere Apokalypse".

02.03.2008 um 16:54 Uhr

Gedankenkomprimierung

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Gedankenkomprimierung

Die größte Schwierigkeit beim Schreiben: der Stil. Der eigene Senf muß erst mal in eine ansehnliche Tube, bevor man ihn andern auf die Wurst schmieren kann.  

01.03.2008 um 10:31 Uhr

Pulver unterm Hemd

von: Lyriost   Kategorie: Aphorismen

Pulver unterm Hemd

Hier und dort gibt es Leute, die bereits mit ausgefahrenen Ellbogen auf die Welt gekommen zu sein scheinen. Wenn ich früher mit solchen Mitmenschen konfrontiert wurde, begannen meine Ellbogen zu kribbeln. Heute juckt es mich nur noch in den Fingern, und ich überlege, wo ich die Dose mit dem Juckpulver gelassen habe. So ein bißchen Pulver unterm Hemd wirkt manchmal Wunder.

Doch wozu sich bemühen? Die meisten Ellbogenboxer bepulvern sich selbst.

01.03.2008 um 10:14 Uhr

Wichtigtuer

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken   Stichwörter: Broder

Wichtigtuer

Dem Wichtigtuer besonders verhaßt sind andere Wichtigtuer, und deshalb versucht er sie von der medialen Bühne zu schubsen, so wie Heinrich Broder das mit Niggemeiers Stefan tut. Am übelsten aber stößt es dem Wichtigtuer auf, wenn jemandem außer ihm selbst in der öffentlichen Wahrnehmung lorbeermäßig Gutes widerfährt. Dann greift er in die Schmocktrickkiste, die jeder Schmock, der was auf sich hält, neben dem Bleistiftanspitzer stehen hat. Das eigene Spiegelbild wird mit einem Grafikprogramm verfremdet, etwas koloriert und dann als "Schmock der Woche" verkauft. Und wie das bei älteren Leuten manchmal so ist, hat der Selbstdarsteller schon beim Abspeichern der veränderten Grafik vergessen, daß der Selbstdarsteller, den er nun süffisant schmockiert, bei genauerer Betrachtung niemand anderer ist als er selbst.

Köstlich.

Schmock der Woche

PS: "Abgesehen von dem hochoriginellen Einstieg mit einem Adverb ('Einfach ist es nicht mehr ...'), der erratischen Zeichensetzung ...", so beginnt Broders Kritik. Das finde ich nun hochoriginell daneben, denn erstens ist "einfach" bekanntlich ein Adjektiv – und kein Adverb –, und zum zweiten kann keinesfalls von "erratischer Zeichensetzung" gesprochen werden, wenn einer mal ein Komma vergißt. Das ist nun wirklich Erbsenzählerei. Vor allem dann, wenn die eigene Zeichensetzung ebenso stark von der Norm abweicht wie die des Kritisierten. Daß Broder aus einem "Botschafter" einen "Botschafters" macht, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Nicht mal abschreiben kann er richtig, wenn die Hetzlust ihn gepackt hat.