Lyriost – Madentiraden

16.12.2013 um 22:27 Uhr

Der Neid als mangelndes Bedenken?

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Der Neid als mangelndes Bedenken?

Sehr viele Menschen werden von Neidgefühlen geplagt, die sich langsam, aber beständig in ihnen hochfressen, wenn sie die andern sehen, die mehr Brötchen im Schrank haben oder weniger angelagertes Alchimistengold am Beckenrand. Ich selbst behandle den Neid eher philosophisch, als Ausdruck von Unwissenheit. Wenn wir in allen Einzelheiten wüßten, wie es der beneideten Person geht - und, vor allem ginge, wenn wir sie wären -, würden wir lieber die Finger davon lassen, sie sein zu wollen. Ich selbst habe noch keinen gesehen, mit dem ich tauschen möchte, nicht mal mit mir selbst, denn auch an mir gibt es bei näherer Betrachtung so gar nichts Beneidenswertes, außer vielleicht meinen Mangel an Neid. Obgleich es vielleicht doch ein wenig beneidenswert ist, wenig oder keinen Neid zu empfinden.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenUnbreakable schreibt am 16.12.2013 um 23:32 Uhr:Wenn ich du wäre, wäre ich lieber ich. (Das kleinere Übel?)

    Damit bist du sicher nicht allein.
  2. zitierenAmanita schreibt am 17.12.2013 um 10:26 Uhr:Tauschen möchte ich auch mit keinem, aber ich muss zugeben, dass ich manchmal vor lauter Neid den Menschen gar nicht mehr sehe :-)))
  3. zitierenTearsforFears schreibt am 17.12.2013 um 12:09 Uhr:Neid ist etwas völlig Natürliches, sogar Begrüßenswertes. Er ist uns Antrieb und Inspiration. Und er äußert sich i.d.R. ja auch nur in Teilbereichen.
    Wer seinen Neid leugnet, leugnet sich selbst.

    Die hässliche Schwester des Neides - die Missgunst - hingegen ist destruktiv und immer auch ein charakterliches Armutszeugnis.

    Leider sind in unserer Welt immer viel mehr Menschen arm als reich. *schmunzel* Und so kommt es, dass nachweislich die meisten Menschen lieber auf einen eigenen Vorteil verzichten, als dem Dritten einen größeren Vorteil zu gönnen- Ein Umstand, den man dann mit "Fairness" und "Gerechtigkeit" erklärt.

    Man kann eben jede Frau schön saufen und jede Selbstlüge rechtfertigen, wenn man sich nur weit genug von sich selbst entfernt.
  4. zitierenLyriost schreibt am 17.12.2013 um 14:32 Uhr:Ach, TearsforFears, ich komme ganz gut ohne solchen Antrieb und solche Inspiration aus. Wenn du das brauchst ... Ich möchte das, was du sagst, mal so präzisieren: Der Neidische, der seinen Neid leugnet, verleugnet sich selbst. Und zur Mißgunst: Warum sollte ich dem einsamen Geldsammler seinen damit verbundenen Alkoholismus nicht gönnen und dem Dagobert auf dem Friedhof nicht seinen übergroßen Grabstein. Gönne ich ihnen von Herzen, kannst du mir glauben. Ich gehöre zu einer Generation, die es nie gekümmert hat, ob der Nachbar ein größeres oder neueres Auto besitzt. Was mich freut, ist, daß ich weder innen noch außen graue Haare habe, aber das gönnte ich auch allen, die zwanzig Jahre jünger sind, aber darauf habe ich natürlich keinen Einfluß.

    Wenn die Menschen so sind, wie du beschreibst, sind sie halt unreif; tut mir leid für sie.

    Deinen letzten Satz verstehe ich gar nicht.
  5. zitierenTearsforFears schreibt am 17.12.2013 um 14:58 Uhr:Das du ihn nicht verstehst, kann ich verstehen, Lyriost.

    ich möchte mich auch nicht wirklich mit dir im negativen Sinne streiten, sondern eben lieber etwas die Säbel kreuzen. Das ist m.E. die zentrale Herausforderung eines Blogs - der (durchaus kontroverse) Gedanken- und Meinungsaustausch.

    Wenn es dir eher Tagebuch und/oder privater Raum ist, entschuldige die Störung.

    Und natürlich sind die Menschen unreif, sie treten gerade erst in die Pubertät ihres Daseins ein. Das ist - gerade für einen alten 68er - jedoch kein Grund sie zu bemitleiden, zumal Mitleid einfach nur eine hässliche Krankheit ist.

    Ich nehme dein Bild und deine Äußerung zum Anlass zu behaupten, dass du zu einer Generation gehörst, die sich im Grunde nur einfach nie gekümmert hat was außerhalb ihrer Selbstwahrnehmung und Ideologie geschah.

    Denn wie du es auch drehst und wendest - das "Heute" ist das Ergebnis oder zumindest die Folge deines "Damals". Deine Generation hat erst möglich gemacht, was du heute verurteilst.

    Wir ernten, was wir säen.

    Abgesehen davon sind wir wohl altersmäßig nicht wirklich weit auseinander. ;O) Ich musste mich in meiner Jugend schon gleich mit Ökofaschisten und Teestuben und unglaublich leeren Lehrkörpern rumärgern.

    Du wirkst ein bissel so, als würde dich nichts berühren. ich glaube nicht, dass dem so ist.
  6. zitierenLyriost schreibt am 17.12.2013 um 15:10 Uhr:Noch mal zum Neid

    Wenn einer irgendwas an der nicht ungleichen, sondern skandalösen Ressourcenverteilung in der Welt zu bemängeln hat, kommen gleich Heerscharen von Leuten angelaufen, die ihm Neid und Mißgunst unterstellen und daß er in Wirklichkeit selbst gerne einen nagelneuen Maserati fahren möchte, wenn er die Meinung äußert, einer von den Milliarden-Reedern in Griechenland sollte doch lieber erst mal seine Steuerschulden bezahlen, bevor er sich seinen fünften Quattroporte zulegt.
    Was mich betrifft, mir reicht mein altes Auto, das ohnehin die meiste Zeit in der Garage steht, weil ich nicht nach dem Motto lebe "Ich weiß zwar nicht, wohin ich fahr, aber dafür bin ich schneller da", wie einer meiner Profs an der Uni, ein gewisser Herr Maurer, das im Philosophieseminar mal genial ausdrückte.

    Wenn mir einer also Neid oder Mißgunst oder beides unterstellt, weil ich etwas kritisiere, dann gehe ich davon aus, daß dieser nicht über den Tellerrand zu schauen imstande ist und deshalb nicht bemerkt, daß nicht jeder so ist wie er, daß dieser tatsächlich meint, Charakter und Mackensammlung wären dasselbe und wo er eine Macke hätte, müßte bei andern auch eine sein. Das ist jedoch nicht so. Die Erfahrung wird es ihn lehren. Aber das kann dauern. Und manchmal scheitert er daran.
  7. zitierenTearsforFears schreibt am 17.12.2013 um 16:05 Uhr:olala ^^ Nur ein Absatz, da hatte aber jemand Druck. Das musste raus, hm?

    aber du hast vollkommen Recht.

    Ressourcenverteilung - Skandal!
    Maserati fahren - Skandal!
    Unterstellte Unterstellung - Skandal!
    Überhaupt jede Art der Gotteslästerung an deiner einzigen Wahrheit - Skandal!

    Da steht also das Auto - in einer Garage - quasi unbenutzt, während sich überall auf der Welt Skandale abspielen. Da sitzt also der Philosoph in seinem Elfenbeinturm bei 22 Grad in einer von gierigen Kapitalisten völlig überteuert vermieten Wohnung am PC mit 16 Mbit (oder eben im Wald in der selbstgebauten Lehmhütte im Pulli aus selbst gepflückter Baumwolle) und richtet über die Welt.

    Du bist ein Fossil, lieber Lyriost und auch wenn deine Motive ehrenhaft und wohlwollend sind, so bist du doch in deren Überbringung selbstgerecht und gegen Dritte ungerecht. Ein Jeder wird in seine Welt geboren und muss seinen Weg finden, mit sich und dem Leben zurecht zu kommen. Jeder nach seinen Fähigkeiten und Talenten und eben auch nach seinen Möglichkeiten.

    Glaubst du tatsächlich, den reichen Banker treibt die Gier, denkst du wirklich, der fünfte Maserati macht glücklich oder auch nur zufrieden? Diese Menschen treibt - wie uns alle - einzig die Angst. Und sie haben eben ihren Weg damit umzugehen. Und ich halte die - nennen wir es - Abfallprodukte dieses Weges für die Menschheit für dienlicher als eine ewige Gesellschaftskritik an eben jener Gesellschaft, die man selber erschaffen hat.

    Abgesehen davon hat niemand ein größeres Interesse an sozialem Frieden als der Reiche, denn er hat das meiste zu verlieren.

    Und solange - Achtung, was für den Philosophiekursstudenten - Hobbes Recht hat, solange werden Ressourcen immer unterschiedlich, niemals jedoch ungerecht verteilt sein.

    Zu allem weiteren möchte ich nur anmerken:

    Ich ben e'ne Kölsche Jung, wat willste maache?
  8. zitierenLyriost schreibt am 17.12.2013 um 16:33 Uhr:Gar nichts will ich machen, wozu auch? Du sagst doch selbst: "Ein Jeder wird in seine Welt geboren und muss seinen Weg finden, mit sich und dem Leben zurecht zu kommen. Jeder nach seinen Fähigkeiten und Talenten und eben auch nach seinen Möglichkeiten." Das gilt für dich wie für mich. In deine Wegfindung will ich mich nicht einmischen, und meine, nun ja, das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil von Fossilien: Die hüpfen nicht suchend in der Gegend rum, brauchen das nicht mehr. Die schauen sich das Ganze nur noch an und machen ihre Bemerkungen. Und das Wichtigste ist: Fossilien kann man nicht mehr aus der Ruhe bringen. Als Fossil habe ich auch auch keinen Druck, und ich sitze nicht in einer Lehmhütte, da kann ich dich beruhigen; und es sind gerade 23 Grad, mir heute eigentlich ein wenig zu warm; deshalb hab ich die Heizung jetzt etwas runtergestellt.

    Aber ganz unabhängig von meiner Bekleidung habe ich natürlich jedes Recht, meine Meinung über die Welt und die Menschen zu sagen, und ich bin nicht verantwortlich für die Dummheiten der andern, sondern nur für meine eigenen.

    Du aber auch. ;-)

  9. zitierenTearsforFears schreibt am 17.12.2013 um 16:41 Uhr:Nun, das sehe ich anders.
    Ich fühle mich verantwortlich auch für die Dummheiten der anderen. denn just mit dem Erkennen selbiger erwächst mir die Pflicht nach meinen Talenten, Möglichkeiten und Fähigkeiten einzugreifen.

    Wir haben da wahrscheinlich einfach einen anderen Ansatz.

    Aber jetzt brauche ich doch mal kurz deine Hilfe. Ich hatte bei irgendeinem Typen gelesen, man solle selber denken und nicht zitieren, weil es arm wäre, oder so ähnlich. Weisst du noch, wer das geschrieben hat? ^^
  10. zitierenLyriost schreibt am 17.12.2013 um 16:50 Uhr:Ganz sicher ist selber denken besser als zitieren. Zitieren sollte man nur zur Illustration des eigenen Denkens, nicht um eigenes Denken zu simulieren.
  11. zitierenTearsforFears schreibt am 17.12.2013 um 17:06 Uhr:*schmunzel*

    Leider hast du nicht die Größe, einfach mal lachend "gotcha" zu sagen.

    Das soll deine Zuleser überzeugen? Nun, wenn es das tut...

    Wenn mir einer also simulliertes Denken unterstellt, weil ich etwas kritisiere, dann gehe ich davon aus, daß dieser nicht über den Tellerrand zu schauen imstande ist und deshalb nicht bemerkt, daß nicht jeder so ist wie er, daß dieser tatsächlich meint, Charakter und Mackensammlung wären dasselbe und wo er eine Macke hätte, müßte bei andern auch eine sein. Das ist jedoch nicht so. Die Erfahrung wird es ihn lehren. Aber das kann dauern. Und manchmal scheitert er daran.
  12. zitierenLyriost schreibt am 17.12.2013 um 17:09 Uhr:Ich will niemanden überzeugen.
  13. zitierenTearsforFears schreibt am 17.12.2013 um 17:36 Uhr:Püh, das erleichtert mich. Ich hätte immo gar nicht gewußt, wie ich es dir sagen sollte...

    Dann verbleiben wir doch einfach mit einem 3-fach donnernden Ho Chio Minh auf Fritz Teufel komm raus!


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