Lyriost – Madentiraden

24.04.2015 um 03:56 Uhr

Schönheit

von: Lyriost   Kategorie: Gedanken

Schönheit und ihr Ideal

In der Antike, als die meisten Menschen noch weitgehend ungestört sinnliche Erfahrungen machen durften und mußten, meißelte man seine Vorstellungen von Schönheit in Stein. Schon frühe Artefakte sind Ausdruck der Auseinandersetzung mit der Anmut des Lebendigen und dessen weniger geschätzten Teilen wie auch mit den ambivalenten Erscheinungen der Natur.

Nach und nach entstanden ästhetische Theorien, die dazu beitrugen, den subjektiv-sinnlichen Anteil bei der Herausbildung des Schönheitsgefühls zurückzudrängen und das in den Vordergrund zu schieben, was wir als Schönheitsideal bezeichnen. Im Zusammenspiel zwischen ästhetischer Theorie und Kunst, aber auch mit Religionen und Moden, entwickelten sich die Schönheitsideale der verschiedenen Kulturen und Epochen.

Heute, im Zeitalter von Globalisierung und technischer Perfektionierung, ist das Schönheitsideal in erster Linie Ausdruck von Warenästhetik und einer computergestützten Glättung des Realen. Am Ende steht das Ideal des Photoshop-Realismus: der faltenfreie schlanke Mensch, der mit sich selbst reparierenden technischen Geräten hantiert, wie dem Smartphone, dessen Oberfläche selbsttätig etwaige Kratzer „heilt“.

Das Schönheitsideal der Zukunft wird Benutzungsspuren nicht mehr tolerieren. Und vermutlich auch keine Zeichen gelebten Lebens.  

Was übrigbleibt, ist ein industriell vorgegebenes universelles Wahrnehmungsmuster höhergradiger Perfektion, ein nicht mehr in Frage zu stellendes Ideal der Ideale.   


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