Statische Psyche
Als wär ich bebleit
ein Sommervogel
aus Gneis
metamorph wie
ein Schmetterling
mit Marmorflügeln
granitgleich erdvertraut
wie soll man
da fliegen
Steinerweichen
Die Töne schwingen
in offnen Muscheln
nicht falsch noch richtig
ohrgenehm
in tauben
Ohren pfeift
der Wind
Tirade 149 – Der Schwere entgehenHerz erfüllt
Die Ohren klingen
Herz erfüllt vom rauschenden
Tönen der Liebe
Des Sturmes Lippen so fern
wie die Augen der Sonne
Verstummen
Ich wasche magre Wörter
im Speichel müder Tage
sie bröckeln manchmal
brechen durch
im Mund wie alte Honigwaben
und ich verschluck
mich dran und spuck sie
aus wie Rotz.
Und dann ist
Ruh.
Die Vögelein schweigen im Walde.
Und nur ein Baum
knarrt leis im Wind
ein Wort.
Die Steine schweigen
und alle Sterne knien nieder.
Ohnmacht beginnt.
Die Nacht geht
nicht mehr
fort.
Tirade 147 – Ansprache
Die Botschaften fließen
Wenn du zu lesen verstehst
das eigene Wort
im Gewebe der Zeiten
verborgene Flaschenpost
Mutter (2006)
Ich schaue nicht
aus deinen Augen
doch du aus meinen
ohne es zu merken
um all die Lichter
einzusaugen
die Dunkelheit zum
Bild verstärken.
Ich bin aus dir
emporgestiegen
und lasse doch
fast nichts zurück.
Nur aus der Ferne
spürst du manchmal
den einen oder
andern Blick.
Musengemüse
Wer der Muse den
Kuß verweigert
den stürzt sie
unerbittlich
wenn auch nicht
immer augenblicklich
ins Mus und
er wird –
ob er will oder nicht
er muß –
zu Musengemüse
Nimm deine Wünsche
presse sie in Theorie
platte Papiere
mit Herzblut färben
dann laß sie fliegen
sie flattern bald im Wind
wie blutbefleckte Fahnen