Lyriost – Madentiraden

17.08.2010 um 00:14 Uhr

Statische Psyche

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Statische Psyche

Als wär ich bebleit 
ein Sommervogel
aus Gneis
metamorph wie
ein Schmetterling
mit Marmorflügeln
granitgleich erdvertraut
wie soll man
da fliegen

16.08.2010 um 14:37 Uhr

Tirade 150 – Entwiren

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Tirade 150 – Entwiren

Wir stöhnt von Liebe
taumelt barfuß in Scherben
das Ende vericht

kaum hörbar leises Sirren
im Donnern schwerer Stiefel

12.08.2010 um 17:19 Uhr

Steinerweichen

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Steinerweichen

Die Töne schwingen
in offnen Muscheln
nicht falsch noch richtig
ohrgenehm
in tauben
Ohren pfeift
der Wind

05.08.2010 um 22:53 Uhr

Tirade 149 – Der Schwere entgehen

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Tirade 149 – Der Schwere entgehen

Du pustest Wörter
buntschillernde Gebilde
glänzende Blasen

sie taumeln schweigsam davon
platzen im Wind wie dein Traum

05.08.2010 um 18:08 Uhr

Grün und grau

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Tirade 148 – Grün und grau

In herber Landschaft
liegen atmende Steine
verzartet bemoost

wie Tau in braunen Tundren
urzeitlicher Gräberschmuck

10.06.2010 um 14:36 Uhr

Herz erfüllt

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Herz erfüllt

Die Ohren klingen
Herz erfüllt vom rauschenden
Tönen der Liebe

Des Sturmes Lippen so fern
wie die Augen der Sonne

03.06.2010 um 14:02 Uhr

Beige beigebogen

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Beige beigebogen

Wie soll ich mich zeigen
um zu gefallen
fragte mich die Schauspielerin
erfolglos tränenfeucht
schau in die Schaufenster
sagte ich
wie die Puppen
Farben tanzen
da wird dir der Erfolg
im Vorbeigehen
beigebogen

02.06.2010 um 20:25 Uhr

Jambisches Wörterschütteln

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Jambisches Wörterschütteln

Zieh blank den Vers als wär er kaltes Eisen
und schlag hinein in Reihen weißer Zähne
die durcheinanderpurzeln wie gekalkte Wörter
und Dichtermund spuckt leise weise Stummel

Aus unvertrauten Seelenkatakomben
drängt Ekles hoch und ungezügelt Übel
das knitternde Papier empfängt die Saat
im Mund erblühen ätzende Gestalten

Frisch wie der Morgen grau wie fahler Tag
am Abend folgt in Schwärmen rotes Bluten

02.06.2010 um 11:51 Uhr

Mitten im kleinen Leben

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Mitten im kleinen Leben

Als ich mich an den Rand
stellte stand ich
plötzlich mittendrin
so wie früher
da ich noch heimlich
wartete auf Späteres
– wenn ich mal groß bin –
in den Ohren kein Hallen
stampfender Maschinen
kein Schnellerschneller
nur der ruhige Puls
des kleinen Lebens
am Rand
im Wartestand

besser man bleibt
wo man ist
wenn man ist

besser man bliebe und
stürbe langsamer

02.06.2010 um 10:56 Uhr

Spurensuche

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Spurensuche

Dich verschwenden
dein Gewicht verschenken
dem Blinden dein Wort
ins graue Poesiealbum
und immer bescheiden

bleib einmal bei dir
erzähl die Traumgeschichten
von Spuren im Schnee

01.06.2010 um 15:38 Uhr

Nie oder morgen

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Nie oder morgen

Beständig opfern wir
dem Gotte Zukunft
unkenntlich wie alle
Götter doch unersättlich
wie die Katze
vor ihrer Schale
Gegenwart schleckend
gern geben wir sie hin
in unsichtbare Hände
die Schale heute
das Schalgewohnte
erwerben einen Wechsel auf
den Wechsel
für unbestimmte Zeit
vielleicht nie
oder morgen

01.06.2010 um 14:40 Uhr

Blicke, sommerfern

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Blicke, sommerfern

Kein Herz und eine Seele
vielleicht, aber keine Fliegen
an den fernen Fenstern
und an den nahen
sowieso nur auf beiden
Seiten trübes Verwischen

28.05.2010 um 10:22 Uhr

Verstummen

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Verstummen

Ich wasche magre Wörter
im Speichel müder Tage
sie bröckeln manchmal
brechen durch
im Mund wie alte Honigwaben
und ich verschluck
mich dran und spuck sie
aus wie Rotz.

Und dann ist
Ruh.
Die Vögelein schweigen im Walde.
Und nur ein Baum
knarrt leis im Wind
ein Wort.

Die Steine schweigen
und alle Sterne knien nieder.
Ohnmacht beginnt.
Die Nacht geht
nicht mehr
fort.

 

Musikalisch ausgedrückt

13.05.2010 um 12:42 Uhr

Manchmal

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Manchmal

Kein Netz
Gewißheit weiß wie Schnee
mit klaren Linien
um mich her
zerstäubt die
flimmernde Welt
wie man Kreide
von einer
Tafel wischt.
Der Himmel flieht
und alle Formen
flüchten ihm nach.
Stumm ruhend am
randlosen Rand
ein sprachloses
Ich.

12.05.2010 um 12:47 Uhr

Tirade 147 – Ansprache

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Tirade 147 – Ansprache

Die Botschaften fließen
Wenn du zu lesen verstehst
das eigene Wort

im Gewebe der Zeiten
verborgene Flaschenpost

12.05.2010 um 10:15 Uhr

Die Tränen der Heliaden

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Die Tränen der Heliaden

Man hängt sie an Hälse und Ohren
und adelt grobe Gestalt
Tränen die einstmals verloren
die Töchter der Lichtgewalt

das Blut verhärmter Gehölze
versteinerter Grambericht
schmückt schillernd eitles Gepelze
rahmt manches leere Gesicht

11.05.2010 um 08:15 Uhr

Mutter

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Mutter (2006)

Ich schaue nicht
aus deinen Augen
doch du aus meinen
ohne es zu merken
um all die Lichter
einzusaugen
die Dunkelheit zum
Bild verstärken.

Ich bin aus dir
emporgestiegen
und lasse doch
fast nichts zurück.
Nur aus der Ferne
spürst du manchmal
den einen oder
andern Blick.

 

DIE ZEIT

05.05.2010 um 10:33 Uhr

Musengemüse

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Musengemüse

Wer der Muse den
Kuß verweigert
den stürzt sie
unerbittlich
wenn auch nicht
immer augenblicklich
ins Mus und
er wird –
ob er will oder nicht
er muß –
zu Musengemüse

28.04.2010 um 08:24 Uhr

Nicht ganz ernst gemeint

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Nicht ganz ernst gemeint

Du sollst nicht töten
schrieben sie auf ihre Fahnen
dann schlachteten sie
ein paar Rinder und Schweine
oder Schafe und Ziegen
feierten zum Abschied
mit ihren Frauen
bis spät in die Nacht
und im Morgengrauen
zogen sie lärmend in
den Krieg

22.04.2010 um 08:02 Uhr

Rezept

von: Lyriost   Kategorie: Gedichte

Rezept

Nimm deine Wünsche
presse sie in Theorie
platte Papiere

mit Herzblut färben
dann laß sie fliegen

sie flattern bald im Wind
wie blutbefleckte Fahnen