HeadSpeakerBox

27.11.2005 um 03:34 Uhr

Thru the Eyes of Ruby

von: sjAlfur

Das Interface zur digitalen Welt, fragiler Arbeitsplatz, stromschluckender Standard unserer Gesellschaft. Der Computer schnurrt neben mir im Regal, geradeaus die Tastatur, rechts die Funkmaus, optisch natürlich, hinter der Tastatur der Monitor und die PC-Boxen, rechts im Regal neben Drucker, Scanner, Modem und Splitter stehen und liegen wild verstreut der Cellobogen, eine viertelvolle Flasche Medley's Kentucky Bourbon, ein Dose Cavendish & Harvey Caipirinha-Bonbons, Ebow, Bottleneck, Kolophonium, ein wilder Haufen Kabel, Mikro, Aufnahmegerät, Adapter und das SAE-Schlüsselband, das es zur Anmeldung geschenkt gab, und das ich höchstens mal dann verwenden werde, wenn mir einfällt, wie ich ein Instrument draus basteln kann.

Der Blick schwenkt zur anderen Seite. Ein Fass schwarze Tinte, die kleine Findus-Dose für die Placks, die mir meine Geschwister mal geschenkt haben, Stimmgerät und Autoradioblende, die aus Diebstahlschutzgründen nicht im Auto bleibt, vier Sigur Rós Live-CDs aus der eBay-Raritäten-Kiste, Takk... von eben jener Band, Mellon Collie and the Infinite Sadness und Adore fliegen hier auch noch rum, ebenso meine Neuerwerbungen Madita und das Deine Lakaien Sonderangebot Dark Star und 3nd Star zusammen, leere Batterien, eine Menge Stifte, ein Würfel und ein Edding in trauter Zweisamkeit, die Adobe Photoshop-CD, die ich Montag mit zur SAE nehmen muss (nicht vergessen!), der Cola light Stipendienpass ("Studenten: Trinkt euch reich!"... keine Ahnung, was das soll, ist erstens nicht von mir und zweitens bin ich mir sicher, dass es "trinkt UNS reich" heißen müsste...), zwei MVV-Streifenkarten für 10 Euro das Stück, die schon für die letzten Fahrten zur SAE draufgegangen sind und bei meinem ersten längeren Aufenthalt in München vor sechs Jahren noch 10 DM gekostet haben, und... ein großer Stapel mit allen möglichen mehr oder weniger wichtigen Unterlagen, Notizen und Heften.

Neben diversen Calvin & Hobbes Bänden (zwecks Einscannen) und den Arcor-Vertragsunterlagen (wegen dem dann doch selbst behobenen Verbindungsproblem) finden sich hier tausende an unleserlichen und ungeheuer wichtigen aber selten noch brauchbaren Notizen zu meinen Aufnahmen und Liedern an, zwei Visions, eine PC Welt, ein ADAC-Heft...

Tiefer schürfen will ich da nicht, das würde bedeuten, dass das fragile Gebilde meines wohl strukturierten Chaos' in sich zusammen fallen würde. Das heißt wiederum, ich würde wohl oder übel akribisch aufräumen (das ganze Zeug neu und etwas stabiler stapeln), dann findet sich nichts mehr an, was man braucht, ich schmeiße unleserliche Notizen, die selten aus mehr als aus ein paar Ziffern (in der Regel Tabulatoren... es sei denn es stehen Bemerkungen wie "EQ", "EffMix", "Gain", "Handy-Nr." oder "Uhr" dabei...) bestehen weg und brauche sie genau dann, wenn der Müll unten in der Tonne gelandet ist...

Nee, nee, Ordnung ist die Misere des zivilisierten Menschen, ein geradezu neurotisch verfolgter Zustand, über den wir uns endlich klar werden müssen, dass wir ihn nie erreichen werden. Ich schon gleich gar nicht, das ist völlig klar. Andererseits liegt Ordnung auch im Auge des Betrachters, und wirklich alles, was hier auf dem Schreibtisch und den angrenzenden Regalbrettern liegt gehört auch zum Umfeld des Arbeitsplatzes. Das ist dann quasi diese tolle Methode aus den Lernseminaren, "Clustering" oder "Mind-Mapping" oder so, nur eben in die Praxis umgesetzt. Ich schreibe nicht Begriffe in Kreise und freue mich, dass es Leute gibt, die wirklich glauben, das würde weiterhelfen, ich ordne aus dem ganz normalen Alltagsgebrauch die Gegenstände rein mikro-geografisch so an, dass sie eine Art Mindmap ergeben. So wie Homer in der einen Simpsonsfolge einen Teleporter nutzte, um das Sofa direktmit dem Kühlschrank zu verbinden. Nur dass ich keinen Teleporter habe, selten auf dem Sofa fernsehe und kein Teleporter dieser Welt unseren kleinformatigen Kühlschrank finden würde.

Und wie sieht dein Kosmos aus?

sjÁlfur

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