Message in a bottle

31.08.2004 um 13:55 Uhr

wo sie schlafen (die kleinen unsichtbaren 4)

von: hibou

die kleinen unsichtbaren (dän: „lü„) sind auch untastbar, nehmen keinen raum ein, sitzen auf dem bügelbrett während du plättest, tanzen auf motorsägen, schlafen auf messers schneide. sie lieben erdbeben. sie überleben anschläge. bei der braunschweigischen bundesanstalt für flugsicherung wirst du umsonst nach ihnen fragen. präsidenten mit dem unfehlbahren blick für schurken schauen ahnungslos an ihnen vorbei.

wie du dir denken kannst, haben sie eine unendliche sehnsucht nach ausdruck. das ist ihnen nicht gegeben, dazu brauchen sie uns. sie nisten sich dazu in alle sechsundreißig unserer myofacialen triggerpunkte ein. sie sind es, die shakiras gutturalen lustschrei hervorbringen. sie drehen und wenden madonnas augen und hüften. sie machen sich in den bildern picassos, kiefers, rauschenbergs und halil altinderes sichtbar, doch uns fällt es nie auf. einer meiner liebsten ist beuys „unbesiegbarer„. sie suchen sich ihre menschen nach vorlieben.  welche wohl um dich sind??? generell sind sie gutartig, sie lieben unabhängigkeit, einfachheit und stärke. sie hassen ungerechtigkeit, achtlosigkeit und vor allem dummheit. sie schlafen in alphorntrichtern, bee-dee-aschenbechern und büstenhalterbergen. sie sind zu süß!

30.08.2004 um 09:39 Uhr

loslassen (kneipen 10)

von: hibou

er hieß uwe k. und war musiker und komponist. ein temperamentvoller kerl mit amish-kinnbart und seinem ewigen schwarzen cordjackett. er focht für die überzeugung, dass alle barocke und klassische musik heute viel zu schnell gespielt würde, gründete ein vereinslokal und einen interessenverband „a tempo“, und in seinem namen gab er konzerte, an denen er vivaldi und mozart um ein drittel langsamer interpretierte. ich nahm eine zeitlang an seinem singkreis teil. wir standen im halbkreis vorm tresen, er studierte ein und begleitete. wir sangen: wenn der kuckuck auf die kiefer/ sich niedersenket/träumt das mädchen von dem liebsten... frau niel und frau schlömp und fraum blume traten die tränen in die augen dabei. die besten ideen, sagte er einmal im vertrauen, kommen mir beim scheißen, und die besten melodien. du bist allein, du entspannst und gibst ab.

 

zurück ins funkhaus!

29.08.2004 um 19:28 Uhr

Variationen obwohl nicht Weihnacht

von: hibou

stihille nacht

heiiilige nacht

 

alles trinkt/sarah kirsch

alles isst/bertolt brecht

alles zwaengt/erich loest

alles schaf/christa wolf

alles heiss/hera lind

alles golf/günther grass

alles miau/heinrich böll

alles trut/ulla hahn

 

...

 

29.08.2004 um 19:18 Uhr

FELD ZWEI

von: hibou

LA REGLE DU JEU. Du musst auf deinem Weg nach innen spiralig fortkommend viele Felder betreten - wahrscheinlich just deine, andere sind schneller, langsamer, auf andern Feldern rastend, andere Felder als du auslassend. Jedes Feld hat seine Aufgabe. Manche sind gefährlich, eines ist der Tod. Wer da erstmal hinüber ist...
Jedes fünfte Feld heißt GANS. Es bring dich weiter! Die Gans: ein alter Sonnenvogel, Sinnbild des keltischen Gottes Lug mit der Lanze.

Wer die megalithischen Monumente Frankreichs bereist, wird vielleicht merken, dass sie über das ganze Land in Form eines Gänsespiels aufgestellt sind.

28.08.2004 um 08:31 Uhr

klimatische voraussetzungen was das optimale umfeld für kleine unsichtbare betrifft

von: hibou

die kleinen unsichtbaren pfeifen aufs klima. aber sie spüren innere wärme. oder auch kälte.

27.08.2004 um 14:54 Uhr

In der Eierschale Treptow (Kneipen 9)

von: hibou

Das Wetter gerade noch gut. Nach durchvögelter Nacht sind wir durch den Park gegangen, sitzen am Spreeufer im Biergarten. Olga sieht müde aus. Am gegenüberliegenden Ufer sind teure Appartements mit Panoramablick hochgezogen worden. Das Wasser ist küselig. Wir fahren mit der „Ernst Reuter“ in Richtung Stadtmitte. Völker der Welt! Schahaut auf diehese Stadt! Früher, sagt Olga, war das Wasser wie Blei, du hättest hinübergehen können. Niemandswasser. Die Mauer am  einen, die geographische Grenze am anderen Ufer. 1300m der alten Mauer stehen da noch heute. Darauf zu sehen, zwischen anderen bunten Bildern, der satte Bruderkuss zwischen Breschnew und Honecker. Vom Regieren, hatte man über jenen gesagt, versteht er nix. Aber küssen kann er!

26.08.2004 um 11:38 Uhr

Beim Franz (kneipen 8)

von: hibou

Beim "Franz" über Mahler und seinen Hund geredet. Raoul Schrott nimmt sie als Exempel. Wie entsteht Kunst? Wenn man nicht dran denkt. "Die meisten Ideen scheinen immer erst in einem Augenblick geistiger Abwesenheit (also wäre blogigo Kunst?) Gestalt zu erhalten, an der Schwelle zu einem dunkleren Raum."
Aber vor allem: wozu "macht" man Kunst? "Um in der Welt zu sein.", und (anders als der Hund, nämlich aus der Absonderung heraus - Paradise lost - ) eins mit der Welt zu werden. Freilich nachdem man etwa acht Symphonien geschrieben hat.

zurück zum Naschmarkt

25.08.2004 um 13:16 Uhr

Geronimo der Apache über Recht und Unrecht

von: hibou

"Ich möchte nun zu gerne wissen, wer es war, der den Befehl gab, mich festzunehmen und zu hängen. Ich lebte friedlich dort mit meiner Familie im Schatten der Bäume und tat genau das, was General Crook mir geraten hatte zu tun. Ich habe oft um Frieden gebeten, aber Ärger kam immer von den Agenten und Dolmetschern. Ich habe nie Unrecht ohne Grund getan, und wenn ihr von Unrecht redet, oder auch nur an Unrecht denkt, so tätet ihr besser daran, an das Unrecht zu denken, das ihr dem Roten Manne zugefügt habt, und das tief und weit wie ein Ozean ist, durch den niemand mehr waten kann, ohne darin zu ertrinken.

Mein Unrecht dagegen ist wie ein kleiner ausgetrockneter Bachlauf, den habgierige Weiße mit den Tränen meines Volkes gefüllt haben. Ich habe dieselben Weißen diese Tränen austrinken lassen, bis auf den letzten Tropfen, so dass ich wieder auf den Bach gehen kann, ohne meine Mokassins mit Unrecht zu nässen. Sagt mir, was daran Unrechtes ist! Ihr sagt selbst, dass ein Mensch, der einen anderen tötet, getötet werden muss. Seht, wie zahlreich der Rote Mann war, bevor ihr kamt, und seht, wieviele Rote Menschen ihr getötet habt. So dürft ihr nach eurem eigenen Gesetz heute nicht hier stehen, sondern müsstet alle tot sein, wenn Euer Gesetz wahrhaftig wäre!"

24.08.2004 um 12:21 Uhr

Mulder, it's me!

von: hibou

24.08.2004 um 12:05 Uhr

verwirrt aufgeschnappt

von: hibou

Stimmung: zerstreut
Musik: death by chocolate

- Xy... arbeitet bei der Sparkasse Neubrandenburg und steht auch dort seinen Mann

- ...die Geheimorganisation "Sculls and bones", die ihren Namen daher hat, dass sie Geronimo's Grab plünderte und seine Knochen in ein Kellergewölbe der Universität von Yale verbrachten, wo sie ihre geheimen, von manchen als satanisch bezeichneten Riten begehen....

- ... unklar ist, ob sich Al Sadr überhaupt noch in Nadjaf aufhaelt.. )oder in Neubrandenburg?)

- das Gebaeude war früher ein Waisenhaus, was daran zu erkennen ist, dass überm Portal das Relief einer Frau zu sehen ist, die vorne ein Maedchen und hinten einen Jungen empfaengt....

23.08.2004 um 17:54 Uhr

Schloss Concordia (Kneipen 7)

von: hibou

Genau gegenüber dem Haupteingang des Wiener Zentralfriedhofs liegt das Schloss Concordia.

Von der Straßenbahnhaltestelle steigt man eine erodierte Treppe ein paar Schritte hinauf, gelangt durch ein verfallenes Gärtchen an der überlebensgroßen Statue des Jesus vom Zuckerhut in Rio in einen flachen Holzbau, der von einer ebenfalls hölzernen achteckigen Kuppel überragt wird.

Innenraum: Dielenboden, Filzvorhang vor der Tür, Elektroofen mit glühenden Drähten, zwischen vier Holzsäulen gebrauchte französische Cafétische.

Eine gute Gästemischung aus einheimischen Trauernden, Künstlern, ungläubig lächelnden Touristen, versprengten Rucksackreisenden, Rentnern und Stammkunden verteilt sich im Lokal. Die Speise- und Getränkekarte ist erstaunlich umfangreich. Hinter dem Haus ein Gelände mit allerlei Betonteilen, einer ehemaligen Telefonzelle, Gartengeräte, Spolien.

Doch lesen wir in der Visitenkarte des Hauses:

 

"Schloss Concordia"

Kleine Oper Wien

Literatursalon Galerie

Kaffee-Restauration

Wien 11, Simmeringer Hauptstraße 283

 

Dies ist die Geschichte eines Wiener Wahrzeichens, das in aller Stille die Zeit überdauert hat, und aus einem Dornröschenschlaf geweckt, als 'Kulturinstitution im Grünen' die Tore öffnete, um seine Gäste künstlerische und kulinarische Darbietungen in idyllischer Atmosphäre erleben zu lassen....Obwohl in der Vergangenheit  der Zahn der Zeit dem kuk Hofsteinmetzunternehmen Sommer &  Weniger so manche Wunde geschlagen hat, ist es gelungen, das Bauwerk in Privatinitiative zu revitalisieren, und es hat vor allem seinen morbid-phantastischen Charakter behalten....

Ein Blick durch die Fenster in den Park läßt erwarten, daß über labyrinthartig verschlungenen Pfaden hier jeder, ob jung oder alt, seinen gewünschten Rastplatz finden wird....darüber hinaus verleihen die Gedenksteine, die Versatzstücken gleich über das Areal verstreut sind, dieser bukolische Stimmung eine besondere Sinntiefe...."

 

Bewertung: ****  (unbedingt zu besuchen!)

 

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22.08.2004 um 09:27 Uhr

Gänsespiel, Feld Eins

von: hibou


Unversehns werden wir auf die Rennbahn des Lebens gesetzt, wissen gar nichts, eben die Sintflut der geplatzten Fruchtblase hinter uns. In gut einem Jahr wird Mutter oder Tante gespannt schauen, in welcher Himmelsrichtung unser erster Schritt getan wird! Uns selbst ists noch egal.....


Heute im Waschsalon (95° mit Schleudergang) dachte ich über dieses Gänsespiel nach, wie es ausgestaltet weden kann. Zuvor hatte ich weiter in Boris Groys "Unter Verdacht, eine Phänomenologie der Medien" gelesen. Ein Gewitter ließ es am hellen Nachmittag finster werden


Erster Eintrag im neuen Tagebuch. Ich habe die Idee, es gleich einem Gänsespiel zu machen. Kennt ihr das noch? Wir spielten es als Kinder, eine Spirale führte zur Mitte, einer Weide. Die Gänse hatten allerlei Felder zu überqueren, zu treffen, zu vermeiden.

"Il est minuit à Tokyo, il est cinq heures à Mali, quelle heure est il au paradis?", würde wohl Manu Chao auf diesem Weg zum Ziel singen.

22.08.2004 um 08:55 Uhr

die heilpraktikerin (Kneipen 6)

von: hibou

später sitzt eine heilpraktikerin mit ihrem sohn lukas auf derselben trainristobank. am himmel ahmt eine cirruswolke die conca d’oro oder eine capreser meeresbucht nach. die heilpraktikerin  blättert in einem leaflet „wie kontrolliere ich meinen körper? der sohn isst. zwischen wien und salzburg wird er eine hähnchenbrust mit erdäpfeln und gedörrten birnen, apfelstrudel mit schlagobers und einen steirischen hendlsalat zügig konsumiert haben. dann brauchst morgen nix mehr zu essen! eh net. die frau hat hagere züge, einen geraden und flachen nasenrücken, blaue augen und lange dunkelblonde haarsträhnen. beim lesen stehen ihre lippen leicht offen, die oberen schneidezähne blinken hervor. sie liest jetzt die numerierte zusammenfassung der leiden des körpers. der sohn, halbwegs satt, lehnt seinen kopf an ihre schulter und liest mit. was stimmt bei dir nicht? fragt er. e elf und g acht, sagt sie. sonst bin ich in ordnung. nieren? sind gut. rückenwirbel? auch. schenkel? sie lacht. einen tisch weiter erzählt ein priester zwei jungen frauen vom raub der sabinerinnen. und draußen auf dem voralpenrasen tritt ein mittelstürmer über den ball.

 

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21.08.2004 um 10:18 Uhr

vom niveau her

von: hibou

gibt's das?:

eine hochschwangere niederländerin/ einen oberschlauen unteroffizier/ein unterminiertes oberstübchen/ eine niederbairische hochzeit/ein tiefblaues mittelmeer/im oberland in unterzahl/übergrössen bei unterröcken/obergeiles niederwild/niedrigwasser im hochland?

20.08.2004 um 07:13 Uhr

das wasser vor ellis Island

von: hibou

Vorher hatte man sich wegen der Finanzen Sorgen gemacht, der eigenen und denen des Landes, hatte Schmerzen in der einen Schulter gespürt, über dies und das gegrübelt und sich sogar geärgert, dass die Katze zum zwanzigsten Mal den Türvorhang herunterriss. Wie schön ist dann so eine kleine Betrunkenheit. Scheiss drauf! sagst du und meinst das alles. Du grübelst nicht mehr. Etwa darüber, dass alle Tagesschausprecher nach einiger Zeit im Amt wie ihre Vorgänger aussehen. Plötzlich gefällt dir auch das Fernsehen. Das bleierne Wasser vor Ellis Island, das Gesicht von Al Pacino, ja sogar die Lüftungsschlitze der blechernen Arbeitergarderoben.

19.08.2004 um 12:44 Uhr

gold! gold!

von: hibou

nach der ersten woche der olympischen spiele hoffen wir heute auf das erste edelmetall im schreiben, denn es steht der vierzeilensatz auf dem programm. unsere apuliendeutsche dichterin panka frotente, die in diesem jahr unsere schreibstaffeln kolossal verstärkt hat, tritt jetzt an die schreibmappe! finger und schreibgerät mit talkum eingerieben, zu allem entschlossen. letzte konzentrationsphase. totenstille auf den fast bis zu den sternen ansteigenden tribünen.
dynamisch steigt sie in den satzanfang ein und schon hat sie den hauptsatz mit der doppelten norman-mailer-grätsche hingefegt! sie beherrscht auch die konjunktionen aus dem ff. mit dem gestreckten tsukahara geht es in den relativsatz über und wir staunen über die außerordentlich präzise zeichensetzung. noch im mannschaftsschreiben hatte sie an dieser stelle gepatzt und will sich nun mit überraschenden wendungen rehabilitieren. die interjektion hat gut geklappt, nun folgt die vorbereitung zum abgang. hintenraus, wo es beim verb weh tut, will sie noch einmal alles geben.. ja! nach einer seitwärtsschraube mit vier eingebauten akzenten, wie es vor ihr nur grünbein und sorokin gezeigt haben, kommt sie zum punkt, und sie steht ihn! die meisten ihrer vorschreiberinnen hatten da unsicherheit in kleinen exkursen gezeigt. das bedeutet gold. gold!!! und tränen der rührung steigen ihr in die augen. ja. auch eine schreibathletin von solchen graden darf seele zeigen. und sie fällt ihrem trainer, gymnasiallehrer bugnoli, der schon so viele sichere stilistinnen hervorgebracht hat, um den hals. bleibt abzuwarten, ob die anberaumte dopingprobe ebenfalls gemeistert wird. angeblich kann die komission jetzt mit den neuesten methoden sogar goethe, jean paul oder verbotenen handtke aus einzelnen buchstaben nachweisen!

nein!! wir haben gold. und vier jahre stilkunde sind nicht für die katz gewesen. endlich hat, nach dem reinfall von sidney, wo das pidgin-englisch triumphierte, hier und heut das deutsch wieder den richtigen bums......

18.08.2004 um 13:18 Uhr

Deutscher August

von: hibou

Deutsche Fernsehberichterstattung von der Olympiade. Ein stetes Gieren nach Medaillen für Deutschland, ebenso stetige Enttäuschung. Die Athleten natürlich unter Druck. Franzi, gib alles! Buschulte in Traenen: vier Jahre Training für die Katz… Warum nicht einfach schildern, natürlich auch mit Hintergründen und Ursachen, aber sachgemäss?. In den Nachrichten dann ein Resumé: Unruhen um Hartz IV, Stimmung schlecht, keine Medaillen und sogar das Wetter ist beschissen.

18.08.2004 um 13:17 Uhr

George Bush is an idiot

von: hibou

“George Bush is an idiot. You can see it from his eyes.” Not anyone could say it without being punished. Joan Baez does -  in front of her turkish public. In future, John Ashcroft, US secretary of justice states, Americans will have to be aware what they say… The more important it is to have some brave citizens there.

17.08.2004 um 12:42 Uhr

Das Nichts und seine Probleme

von: hibou

Manchmal schiebe ich kleine Fenster, die so hier und da aufpoppen, einfach ganz aus dem Monitorrahmen raus. Ich kann sie nicht mehr zurückholen. Aber mich fasziniert der Abgrund, in den sie da urplötzlich geraten sind, ein Abgrund gleich dem Nichts.

Was ist für uns (aus) Nichts?

1. was ich nicht tasten kann (jedenfalls für Männer)

2.was ich nicht riechen, schmecken und hören kann

3. was ich nicht sehen kann (eingschränkt, das Licht könnte ja aus sein.)

4. ich rechne damit, dass selbst Sichtbares aus Nichts besteht (Pixel, physiologische Farben etc.)

Sobald ich aber über das Nichts zu grübeln anfange, wird es Etwas. Versuch mal, an Nichts zu denken! Geht nicht.

Das Nichts ist das, woran ich nicht denke????

(smile, das waere ein Gottesbeweis, Herrgottsakra)

15.08.2004 um 08:52 Uhr

Reka (Kneipen5)

von: hibou

Überm Donauufer - wieder einmal in Zemun - liegt das Lokal "Reka" (River), wir bekommen noch einen Tisch neben den Musikern, einem lieben Hippie,der Gitarre spielt und singt, einem traurigen leichenblassen Flötisten- und Mandolinenspieler mit dicken konkaven Brillengläsern, der sich beim Backgroundsingen das linke Ohr mit der flachen Hand zuhält, und einem stoischen Hühnen und Nasenriesen am Bass, sie spielen Simon & Garfunkel, "Boxer"und "Going for America", dann alte Beatles- Stones- und Dylan-Lieder.
Der Raum ist bunt gefleckt mit Ölbildern, meist Gesichtern, eine Frau mit Elefantenschürze, eine steht Kopf, sie schauen einen an, anders als die Chefin mit ihrem Gesicht einer KGB-Oberen aus "Der Spion, der mich liebte" und den Brüsten von der Größe von Wassermelonen.. Die Stimmen der fröhlichen Partygänger sind laut, die Musik gerade richtig, einige Paare tanzen zwischen den Tischen. "Wiener Schule", sagt Ljubica bewundernd. Nena kommt gegen Mitternacht auch, und bei den serbischen Liedern, die die Band jetzt spielt, funkeln ihre Augen wie die aller Frauen im Raum und sie singen hingegeben mit. Wir reden wieder über allerlei, über Schnaps, über Trunkenheit - ich mag keine betrunkenen Männer, sagt Ljubica -, dann singt auch sie mit. Wovon handelt das Lied? frage ich. Ljubica übersetzt begeistert: "Die Bäume tanzen und die Häuser singen/ sind die Straßen betrunken?/ und wie bloß komme ich nach Haus?" Viele unserer Lieder handeln von Betrunkenen, meint Nena. Die Atmosphäre ist anrührend.. Wo ist der Krieg? Welche dieser Leute könnten jemandem ein Haar krümmen? Die Dinge geschehen, die schrecklichen und die guten Taten, die Unterlassungen, die Wünsche sind da, die vergessenen Tage werden uns im Traum und auch im Alp hochkommen, aber jetzt treibt alles ziemlich unwirklich den wie Satin fließenden Strom hinunter. Unsichtbar werden in der Gegenrichtung neue Impulse und Motive für den Morgen anlangen. Wir gehen sehr spät im Mondlicht nach Hause und von jenseits aus dem Dunkel des andern Ufer leuchtet golden das Licht eines Fischerboots.

"People disagreeing on all just about everything, yeah,/ Makes you stop and all wonder why./ Why only yesterday I saw somebody on the street/ who just could not help but cry./ People disagreeing everywhere you look,/ Makes you wanna stop and read a book./ Why only yesterday I saw somebody on the street/ that was really shook./ But this ol' river keeps on rolling, though,/ no matter what gets in the way and which way the wind does blow/ and as long as it does I'll just sit here/ watching the river flow...."