indalo

30.05.2012 um 20:24 Uhr

emotionale Freude

von: indalo

Ich mag deine emotionale Freude. Das Leuchten in den Augen, wenn du etwas geschafft hast. Das Strahlen, wenn deine Gefühle dich übermannen. Dieser Ausdruck, wenn du dich freust wie ein kleines Kind. So rein, so unverfälscht. Einfach nur du.
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Gestern, als ich meiner Zahnärztin mal wieder einen Besuch abstattete, habe ich etwas erkannt. Ich war vor ein paar Monaten da und erzählte ihr von meinen bevorstehenden Bewerbungsgesprächen. Gestern fragte sie mich dann, wie’s gelaufen ist. Ja, ich liebe diese Frau. Auch für sowas. Also erzählte ich ihr, dass ich jetzt n Job habe. Ich sah die Veränderung im Gesichtsausdruck, das Strahlen in den Augen, und die Ehrlichkeit mit der sie mich beglückwünschte. Sie kommentierte es noch mit den Worten „Also stimmte die Chemie.“ Und ja, das ist es. Die Chemie hat gestimmt. Ich hab nicht nur irgendeinen Job, ich habe einen Job, bei dem die Chemie stimmt. Nicht nur des Jobs wegen (gerade heute war wieder so ein Tag, an dem ich auf dem Heimweg nur dachte: „Ich liebe meinen Job.“), sondern wegen der Leute dazu. Meine zukünftige Chefin, mit ihr stimmte die Chemie.

Und als ich ihr Gesicht sah, ihre Augen, ihre Freude, da fragte ich mich beim Schließen der Augen, wieso ich dieses Gesicht zum ersten Mal sehe. Hat sich denn sonst niemand gefreut? Ich hab mich gefreut. Im Spiegel sah ich immer wieder die Freude, das Lachen, das Strahlen. Aber sonst? Bei einer Freundin weiß ich, dass sie sich gefreut hat und heute noch freut, aber ihr musste ich es am Telefon sagen. Doch der Rest? Nein, der Rest hat es nicht gewürdigt. Bis hin zu „aha, okay“ gingen die Reaktionen.

Ich habe einen Job, und ich bin stolz darauf. Entgegen aller möglichen Vorhersagen, Befürchtungen (meist anderer Leute) und sonstigen bösen Zungen hab ich nen Job. Einen, auf den ich mich freue. Trotz Noten, trotz Statistiken und schlechten Einschätzungen werde ich gewollt. So sehr, dass man mir an nem Freitagnachmittag hinterher telefoniert. Und ich habe mir diesen Job erkämpft. Ich allein habe dafür gesorgt, ihn zu bekommen. Er wurde mir weder geschenkt, noch gereicht. Womit ich nicht sagen will, dass diejenigen, die ihn geschenkt bekamen oder bekommen werden, weniger gut sind oder das weniger erstrebenswert ist, ich finde nur, dass es etwas anderes ist. Hätte ich den Job bekommen, der so lange auf Platz Eins stand, wäre es auch nicht dasselbe gewesen. Ja, ich hätte ihn mir erarbeitet, aber ich hätte nie gewusst, ob ich ihn nicht vielleicht doch auf Grund von Sympathien bekommen hätte. Jetzt habe ich mich erneut auf dem Arbeitsmarkt bewiesen. Ohne Vitamin B, ohne irgendwelche Zahlen in Form von guten Noten. Nein, einfach nur ich. Und ja, darauf bin ich stolz. Zu Recht.

 

Und dass heute eine Freundin anrief um mir zu sagen, dass ihr gestern klar wurde, dass sie es nicht ordentlich gewürdigt hat, dass ich nen Job habe, passte mal wieder ins Schema. Es freut mich, dass sie unabhängig von mir diese Erkenntnis hatte. Ich nehme es ihr nicht übel, ich verstehe ja, dass alle um mich herum gerade sehr in ihrem eigenen Leben stecken. Und doch darf man mir manchmal auch etwas mehr Beachtung zukommen lassen. Demnächst dann wieder, wenn es nicht mehr heißt „aus den Augen, aus dem Sinn“.

24.05.2012 um 18:03 Uhr

Das spontane Kabarett

von: indalo

Ich möchte noch einen Moment festhalten. Er ist nicht annähernd so rührend – zumindest nicht von außen betrachtet – aber deswegen nicht weniger erinnerungswürdig.

Man stelle sich einen Teich vor, in einem öffentlichen Park. Irgendwo, völlig egal wo. Aber in einer Stadt, in einer großen Stadt. Es ist Samstagabend, es dämmert. Um den Teich ist ein Grünstreifen, dann läuft dort ein Weg entlang und neben dem Weg stehen Bänke, die auf den Teich gucken. Dahinter ist eine weitere, erhöhte Rasenfläche, die von einer Mauer begrenzt ist. Auf der Mauer sitzen unheimlich viele Menschen, den ganzen Weg entlang. Hinter ihnen sitzen Leute auf dem Rasen, vor ihnen auf den Bänken. Ein paar wenige sitzen sogar auf dem Grünstreifen direkt am Wasser. So sieht es aus, als wir ankommen. Wir setzen uns auf den Boden neben die Bänke und genießen den Blick auf den Teich. Warum all die Menschen dort sitzen? Weil bald eine kleine Show auf dem Wasser beginnt. Mit Licht und Musik. Darauf warten alle, manche länger, manche nicht so lang. Wir unterhalten uns als sich eine Mutter mit zwei Kindern auf den Grünstreifen vor uns stellt. Wir denken noch bei uns, dass sie nur kurz da stehen bleiben um was zu gucken, als die Show fast beginnt. Sie bleiben ungerührt mit ihren Fotoapparaten stehen. Direkt in unserem Blickfeld. Wir meckern vor uns hin und begleiten dabei die Motzerei der Leute um uns herum. Ne Freundin meint: „Denen muss man echt sagen, dass die da weggehen müssen.“ Ich fordere sie dazu auf, das zu tun, doch sie mag nicht. Doch dann kommt der richtige Einfall: „Ey, vielleicht sollten wir uns vor sie stellen.“ – „Das ist die Idee. Da bin ich dabei.“ Wir gucken uns in die Augen, grinsen und springen umgehend auf. Der Rest von uns bleibt irritiert sitzen, vielleicht auch peinlich berührt. So schlendern wir die paar Meter vor uns, einer links, einer rechts an ihnen vorbei und bleiben dann direkt vor ihnen stehen. Fast hätten wir nasse Füße bekommen. Sie zückt ihre Kamera und wir gucken gemeinsam dadurch. Hinter uns beginnen die Leute zu applaudieren. Erst wusste ich nicht, was geschah, doch dann wurde mir klar, dass der Applaus uns gilt. Wir amüsieren uns als uns eins der Mädchen anspricht: „Entschuldigung, wir stehen hier.“ und ich mich nur mit den Worten: „Ja, dreh dich mal um, hinter euch sitzen jede Menge Leute, die hier die ganze Zeit darauf warten, was zu sehen. Und die waren vor euch hier.“ Ich sah, dass sie sofort verstand, weshalb wir ohne weitere Worte abzogen und uns wieder zu unseren Freunden setzen. Als ich die uns anstrahlenden Leute sah, ließ ich es mir auch nicht mehr nehmen, mit einer kleinen Verbeugung meinen Hut zu ziehen. Es passte zu dem Tag, und zu dem Abend. Die Laune stimmte und man beglückwünschte uns von hinten als die Show begann und die drei sich gesetzt hatten.

So langsam wurde mir bewusst, dass wir den ersten Applaus des Abends ernteten. Ungewollt und einfach nur, weil wir so sind. Und das ist das Schöne dieser Geschichte. Zu wissen, dass da jemand ist, mit dem ich so was machen kann. Dem so etwas nicht peinlich ist, und der wortlos versteht, was ich denke und fühle. Wir waren mal wieder eins in diesem Moment. Und uns einfach unglaublich nah – auch wenn sie nur die Hälfte davon fühlte.

Als dann am Ende der Show noch einige Leute unabhängig voneinander auf uns zu kamen und uns für unser Kabarett dankten, hatte ich den richtigen Namen für den Moment.

23.05.2012 um 13:54 Uhr

Die rote Rose

von: indalo

Vielleicht sollte ich mal wieder ein paar Momente festhalten, wo ich doch gerade kurz Zeit dafür habe. Momente, die wichtig sind. Momente, die als Bilder in meinem Kopf gespeichert sind. Momente, die bleiben.

So flog ich in ein anderes Land und schrieb noch auf dem Weg vom Flughafen zur Unterkunft eine SMS, dass ich nun dort sei. Dort, wo ich sein sollte. Im richtigen Land, in der richtigen Stadt. Dann bekam ich eine Antwort, man könne sich abends treffen. Es gingen noch ein paar SMS hin und her (schön, dass es für mich im Ausland günstiger ist als im Inland) und abends hieß es dann „Santana“. Ich machte mich also auf die Suche und stellte fest, dass es ein Platz war, den ich suchte. Einen Platz, auf dem mehrere Restaurants zusammenlaufen und Tische und Stühle in der Mitte stehen. Dort sollte ich ihn treffen. Ich habe ihn viele Jahre nicht gesehen und in der Zeit auch nicht darüber nachgedacht, dass sein Äußeres sich verändert haben könnte. Nicht bis zu dem Moment, als ich wirklich nach ihm Ausschau hielt. Er hat sich nicht verändert, er als Mensch ist der Gleiche geblieben, und meine selektive Wahrnehmung sieht ohnehin nur das. So schlenderte ich über den Platz und vertraute darauf, dass ich ihn erkennen würde. Neben dem Spielplatz blieb ich stehen und guckte ihn an. Das war er. Und sein Äußeres war anders. Aber es war das gleiche Lachen, das gleichen Lächeln, die gleiche Gestik, die gleiche Mimik. Ja, da saß er. Ich blieb stehen, ich wartete. Ungefähr zehn Meter entfernt, inmitten von vielen Menschen. Ich blieb einfach nur stehen, darauf vertrauend, dass er fühlen wird, dass ich da bin. Dass ich ihn angucke. Und es dauerte keine halbe Minute, da sah er mich. Mitten im Satz guckte er hoch und unsere Augen trafen sich. Ich musste Lächeln. Und er wusste, dass ich es bin. Er strahlte. Er strahlte mich an und sprang auf. Er umarmte mich. Er ließ mich gar nicht mehr los. Nur die Verabschiedung war intensiver. Ansonsten haben wir uns nie umarmt, nie festgehalten. Doch er wollte mich nicht loslassen. Darauf war ich nicht vorbereitet, weshalb ich ein wenig taumelte. Da ist er also. Mein lieber Freund, mit dem ich einen großen Schatz in meinem Herzen teile. Und es tut unglaublich gut zu wissen, dass es immer noch da ist. Zwischen uns. Bei ihm und bei mir. Und die Rose, die er mir schenkte, wird mich noch lange daran erinnern. Eine rote Rose. Für mich. Doch der Moment, als sich unsere Blicke zum ersten Mal seit Jahren trafen, das ist der Moment, den ich in mein Herz einschließen werde. Das Foto in meinem Gedächtnis.

22.05.2012 um 16:49 Uhr

absolut entspannt

von: indalo

„Und feier schön. Das muss man machen.“ Nein, muss man nicht. Weder feiern, noch das machen, was andere meinen. Es gibt nichts zu feiern. Das war mein Gedanke, als ich eben durch den Supermarkt schlenderte und mir mein Essen zusammensuchte. Ich habe nichts zu feiern. Der Tag war. Ein weiterer in der Geschichte. Ich möchte auch hierüber nicht weiter nachdenken. Ich möchte keine beruhigenden Worte, ich möchte keine Glückwünsche – ich kann es eh nicht annehmen. Ich weiß auch nicht, irgendwas läuft da schief bei mir. Es liegt hinter mir, nicht mehr vor mir. Das ist alles, was sich mit dem heutigen Tag geändert. Und es ist nicht das Ende. Noch nicht. Das Ende kommt noch. Dann kann ich weitersehen. Dann weiß ich, ob mir mein Job sicher ist. Doch der heutige Tag ändert daran gar nichts. Weder kann ich mich zurücklehnen, noch muss ich mich jetzt mehr ins Zeug legen als vorher.

Es lief gut. Es lief wunderbar. Ich bin absolut zufrieden. Mit mir und meiner Arbeit. Wieder einmal ist das Problem, dass ich nicht weiß, wie ich es hätte besser machen können. Ich weiß es einfach nicht. Und ich kann damit sehr gut leben. Denn es war gut. Nicht nur in Ordnung, nein, richtig gut. Und das ist alles, was für mich zählt. Meine Vorgesetzten können es einfach nicht beurteilen, nicht das gesamte Bild. Wie gesagt, es ist wie es ist. Und es geht mir gut damit.

„Sind sie nervös?“ Nein. War ich nicht. Es ging mir gut, wirklich gut. Ich habe gut geschlafen, mich zurückgelehnt und das gemacht, was ich für richtig hielt. Auch vorher hatte ich diese gelassene Einstellung. Meine Kollegen kamen überhaupt nicht darüber hinweg, wie entspannt ich war. Und ich auch nicht, um ehrlich zu sein. Das war schon ein wenig komisch. Wobei ich es mir auch erklären kann. Ich hatte nichts zu befürchten. Ich wusste, was mich erwarten würde, und ich wusste, dass ich bestehen werde. Es ging nicht anders. Ich bin einfach zu gut, als dass mich jemand davon abhalten könnte, diesen Beruf auszuüben.

Auf in die letzte Runde. Tschakka.

03.05.2012 um 21:23 Uhr

Mein Weg

von: indalo

„Ich habe das Bedürfnis dir zu sagen, dass du toll bist.“ – „Du meinst, damit ich gar nicht dazu komme, an mir zu zweifeln?“ – „Nein, wenn du sagst, das tust du nicht, dann glaub ich dir das. Trotzdem, ich finde dich unglaublich.“ – „Danke.“

Ja, danke. Danke, dass du, die sonst nicht so der Komplimentemensch ist, so was sagst. In dem Moment. In einem Moment, in dem es wirklich angebracht war. Ich nehme ernst, was du sagst. Auch das davor. Das mit den vielen S. Ich höre, was du sagst. Ich danke dir, dass du es sagst. Und ich frage mich einfach nicht, ob es etwas ändert. Denn ich kann und will nicht zweifeln. Weder jetzt, noch irgendwann anders. Ich tue es nicht. Ich bewahre mir die Arroganz, dass ich daran glaube. Dass ich an das glaube, woran ich die ganzen letzten Jahre geglaubt habe. Das kann sie mir nicht nehmen, auch wenn sie es gerade noch so sehr versucht. Mit allem. Tritte unter die Gürtellinie sind dabei. Abschaum. Ja, nach einem großen „Hä?“ kam der Gedanke an Abschaum. Das muss ich wohl sein, wenn man zu solchen Mitteln greift.
Doch ich fühle mich nicht so. Ich fühle Irritation und Verwirrung. Ich fühle Gedanken, aber ich fühle sonst nichts. Keine Enttäuschung, kein Schmerz, keine Angst, keine Unsicherheit. Ich bin nicht verunsichert. Ich weiß, was war. Ich weiß, dass etwas war. Ich halte fest, was war. Für mich. Du darfst tun, was du tun möchtest. Werde glücklich, das wünsche ich dir seit vielen Jahren. Und wenn du glaubst, dass das der Weg ist, wenn die Angst zu groß ist – und jetzt noch viel größer geworden ist – dann musst du allein damit klarkommen. Ich werde meinen Weg genauso weitergehen, wie ich es die letzten Jahre getan habe. Mein Leben. Mein Weg.

01.05.2012 um 20:14 Uhr

Die verschlossene Kiste

von: indalo

Es ist Mai. Eher schon als endlich. Denn wann ist es Mai geworden? Bis letzten Freitag trug ich noch zwei Paar Socken. Ich dachte, es wäre noch Winter. Doch auf einmal, beginnend mit dem Tag, wurde es warm. Mir war warm, so richtig. Es war ein schöner Tag. War nur unterwegs und hab mich mit ner Freundin vergnügt. Ein wirklich schöner Tag.

Dann kam das Wochenende. Ein bemerkenswertes Wochenende, welches noch nicht ausdiskutiert wurde. Also noch nicht beredet. Es ist in mir drin. Festgehalten. Nicht durchdacht. Ich kann und will es nicht durchdenken. Es war wie es war. Meine Gedanken drehen noch nicht einmal Kreise. Sie sind einfach. Irgendwo. Die Hinfahrt war unglaublich entspannend. Ich war kein bisschen nervös. Wirklich nicht. Auch das Ankommen war gut. Die Begrüßung, die war wieder einmal besonders. Und dieser Spaziergang, der mit dem Hundehaufen. Auch der war besonders. Und so typisch. Ich glaube, er war besonders. Und das nicht nur für mich. Aber wissen, das werde ich wohl nie. Ich werde auch dieses Wochenende in die Kiste packen. Gut verstauen. Irgendwo in mir drin. Und auf der Rückfahrt dachte ich so bei mir, dass ich diese gut verschlossene Kiste nicht einmal öffnen muss, um auch diese Erfahrung darin zu verstauen. Es geht auch ohne. Es geht. Und nicht einmal das Wiedersehen, weder die Begrüßung, noch die irritierte wie auch irritierende Verabschiedung haben die Kiste geöffnet. Sie ist wirklich gut verschlossen. Und sie bleibt es. Bis etwas passiert. Was nicht passieren wird. Weg. Ganz weit weg.

Und so kam der Mai. Die Tage und Wochen sind gezählt. Das erste Drittel des Jahres ist vorüber. Ich habe mich wieder einmal besser kennen gelernt. Ich habe recht behalten und kann mich gut auf mich verlassen. Auch die nächsten drei Monate. Bis zum Sommer. Denn die Monate sind gezählt. An einer Hand. Und mittlerweile endet mein Leben nicht abrupt. Es gibt etwas, das sich Danach nennt. Es gibt eine Zukunft, der ich lächelnd entgegen sehe. Meine Zukunft. Mit jedem Tag komm ich ihr einen Schritt näher.