indalo

15.02.2016 um 06:46 Uhr

siebenundzwanzig Komma drei

von: indalo

Es gibt keine Worte um zu beschreiben, was ich derzeit wieder fühle. 

…doch weil Worte das Verstehen erleichtern, versuche ich es trotzdem immer wieder. 

 

Ich wage zu behaupten, dass es vollkommen irrelevant ist, wo ich mich derzeit aufhalte. Ja, es ist Asien, Indonesien, Bali. Doch auch wenn es vielleicht nicht überall auf der Welt möglich wäre, so doch an vielen Orten. Denn es geht um Menschen, die sich aufeinander einlassen. Menschen, die ihre Gedanken teilen, die sich öffnen und zulassen, dass sie einander sehen, ohne Masken, ohne gesellschaftliche Regeln, ohne das Bedürfnis alles wissen zu müssen. Oder doch, das Bedürfnis alles wissen zu wollen, aber bei weitem nicht alles wissen zu können. Nichtwissen ist keine Schande, es geht darum voneinander zu lernen, offen zu sein, sich weiter zu entwickeln. Und davon finde ich gerade so viel.


Es berührt mich tief, die Faszination im Gesicht einer Indonesiern zu sehen, während sie meinen Kindle in den Händen hält. Einerseits ist es die Erinnerung an meine erste Begegnung mit diesem wunderbaren Gerät, andererseits die Überlegung, ob sie es einfach nicht kennen kann, da sie ganz anders lebt. 

 

Es geht um die Gespräche, die wir führen. Ganz offen darüber zu reden, wie man auf Toilette geht, was man da mit Toilettenpapier anstellt oder eben nicht. Wie man sich nach der Toilettenbenutzung wäscht, mit Wasser und dann einfach trocknen lassen - hier geht das ohnehin schneller. Oder über das Balancieren in der Hocke, wenn es keinen Toilettensitz gibt. Über Shampoo aus den Haaren waschen, während eine Hand doch gebraucht wird um sich das Wasser über den Kopf zu kippen. 

Oder die Mutter, die das Kind anruft, wenn sie gerade dabei ist, sich mit nem Fremden zu treffen. Die Verbindungen, die zwischen Menschen herrschen, die niemand erklären kann, doch die einfach akzeptiert werden. Denn wir sind nicht verrückt, wir fühlen einfach nur intensiver. 

Und abends am Strand in Sitzsäcken zu sitzen, vor einem der Ozean mit Sonnenuntergang, hinter einem die live Musik. Es klingt wunderbar, doch das aller schönste ist, meine Gedanken über den Mond zu teilen. Erst über die Sonne, die hier einfach untergeht, ohne seitliche Bewegung, doch dann über den Mond. Wie funktioniert das doch gleich? Die Erde dreht sich um die Sonne, aber der Mond um die Erde. Wann wird er nun wie angeleuchtet, und wieso - entgegen dem, was man mir als Kind sagte - kann ich Sonne und Mond zur selben Zeit sehen? Der Mond ist nicht aufgegangen, der Mond hängt schon hoch am Himmel, wenn die Sonne untergeht. Doch es ist keine tiefsinnige Unterhaltung, es ist einfach ein nettes Thema und einer meiner Gesprächspartner meint: „Es ist so schön, dass du hier sitzt und dir Gedanken über den Mond machst. Deswegen waren die Menschen früher so weise, sie saßen irgendwo und machten sich Gedanken darüber, wie alles funktioniert,“ und mit einem Blick zu unserer Gastgeberin „…sie spielten nicht die ganze Zeit mit ihrem Handy.“ Doch auch sie beteiligt sich am Gespräch, sucht zwischendurch Fakten, denn unser Wissen ist eben nur Halbwissen und so begreifen wir erst jetzt, dass der Mond siebenundzwanzig Tage und ein paar Stunden braucht um die Erde zu Umkreisen, und genauso lange um sich einmal um sich selbst zu drehen, was zur Folge hat, dass wir immer die gleiche Seite des Mondes sehen. (Ein-)leuchtend, dank der Sonne. 

Es ist wundervoll, ihn am nächsten Tag am Computer sitzen zu sehen und dem erklärenden Video in seiner Muttersprache zu lauschen, das ihm die Mondbewegung nun endgültig verständlich macht. Unser gestriges Gespräch hinterlässt Spuren und lebt am heutigen Tag weiter. 

 

Und es macht etwas mit mir, die Vibrationen seiner Stimme zu fühlen, während er mit dem Rücken an die Wand lehnt, an der ebenso meine Füße ruhen.


12.02.2016 um 03:07 Uhr

Mal wieder ganz anders

von: indalo

Ihr wollt miterleben, was ich mache? Ihr wollt daran teilhaben, was ich erlebe? Na dann wollen wir doch mal die ersten siebzehn Stunden auf Bali festhalten. 

 

Nach einem recht entspannten und mittellangem Flug lande ich nachmittags in Bali. Als erstes suche ich die Toilette auf und finde einen Duschkopf neben der Kloschüssel hängen, den ich lediglich nutze um zu versuchen zu spülen, nachdem die Toilettenspülung nicht reagiert. Ansonsten find ich das Ding nur amüsant. (Erst später verstehe ich den Sinn und freue mich auf einen Toilettenbesuch, wenn ich weiter fliege.)

Auf der Suche nach dem Gepäckband laufe ich an nem Schild mit Visa On Arrival vorbei und lese, dass ich eins beantragen darf und dafür fünfundzwanzig amerikanische Dollar zahlen soll - oder den gleichen Betrag in einer anderen Währung. Ich gehe also auf die Schalter zu und gehe gedanklich das Gespräch durch, indem ich mit Kreditkarte zahlen möchte. Als ich ihm den Pass vor die Nase lege, schüttelt er den Kopf und wendet sich ab. Hä? Ah, ich brauche kein Visa. Okay. Sicher? Hmm. Ich geh also weiter. Die Engländerin, die sich im Flieger neben mich setzte, lief einfach an den Herren vorbei - dabei bin ich mir sicher, dass England genauso auf dem Schild stand. Was soll’s. 

Mein Rucksack wandert schon auf dem Gepäckband, sodass ich ihn mir schnappe, mein Messer rausfische, die leicht angeschimmelten Möhren schäle (da konnte ich zugucken, wie sie schlecht wurden, so fix ging das!) und neben dem Gepäckband sitzend vor mich hin mümmele, während ich im Internet das Foto der Eingangstür zu meinem Couchsurfer runterlade. Als ich den Rechner zuklappe stelle ich fest, dass um mich rum nur noch Flughafenangestellte sind. So ne leere Halle ist irgendwie gespenstig. 

Als nächstes will ich also mein Essen (alles trocken) deklarieren und werde dafür ausgelacht. Frage noch schnell, ob ich denn Möhren mitbringen dürfte und bekomme ein Ja als Antwort - er will sogar die Tüte mit den Schalen aus dem Müll fischen, da ich sie ja schließlich einführen darf. 

Mein Gepäck wird durchleuchtet und ich darf gehen, doch als ich mich gesattelt habe, will er doch noch einen Blick in meine Cornflakespackung werfen - sicherlich reine Neugier!

 

Von meiner Couchsurferin hatte ich die Info, dass ich für fünfzig Tausend Rupiah mit nem Rollertaxi zu ihr komme. Ich hebe also Geld ab und laufe entspannt an den „Taxi, Taxi“ rufenden Männern vorbei und erkläre, dass ich ein Mototaxi suche. Sie lachen mich aus (alles Show, wie ich später bestätigt bekomme), und gehen letztlich von zweihundert auf hundert Tausend runter. Doch ich gehe weiter. Durch das Parkhaus hindurch und über die Straße, sehe ich jemanden bei nem Roller stehen und winken. Er bietet mir achtzig Tausend. Nö. Ich diskutiere hin und her und frage schließlich jemand anderen, der aber keinen Taxiservice anbietet. Dann will ich weiter und der gute Mann geht ganz besonders schweren Herzens (wie theatralisch!) auf fünfundsiebzig Tausend, ich verweigere und sage, ich wäre bereit auf sechzig zu erhöhen, da lacht er. Doch als ich endgültig gehe, stimmt er zu. Ich betone mehrmals, dass wir uns jetzt auf sechzig Tausend geeinigt haben und er nickt. Dann gurken wir mit meinem riesigen Rucksack auf dem Rücken, dem kleinen zwischen seinen Beinen und der großen Cornflakespackung im Arm durch die Straßen. Vermutlich ne Dreiviertel Stunde, in der er mehrmals nach dem Weg fragt, einmal umdrehen muss, es anfängt zu regnen, und ich dann freudig den Hauseingang (ohne Hausnummer…) vom Foto erkenne. Ich öffne das Tor, rufe Hallo und er deutet an, dass er mit dem Roller aufs Gelände will, also lasse ich ihn rein. 

Meine Couchsurferin taucht auf, ich stelle meinen Kleinkram ins Trockene und will ihn dann bezahlen. Sie fragt nach dem Preis und ich erkläre ihr, dass ich mich auf sechszig Tausend eingelassen habe und er grinst von einem Ohr zum anderen. Sie schüttelt mit dem Kopf und ich frage ihn, ob er das immer so macht und er grinst ganz stolz. Nein, mittlerweile kann ich ihnen das nicht mehr übel nehmen. Ich betone jedoch noch einmal, dass ich wirklich ein richtiges Taxi für hundert haben konnte. Er bleibt skeptisch, und hat natürlich kein Wechselgeld, sodass sie mir schnell Geld leiht.

 

Dann gehen wir in ihr vier Quadratmeterzimmer und unterhalten uns. Es gibt keine Möbel, nur eine Matratze auf dem Boden. Nicht einmal ein Regal gibt es, dafür aber einen Ventilator. Sie fragt, ob ich duschen möchte und zeigt mir die Nasszelle - jetzt weiß ich vorher der Begriff kommt! Die Dusche funktioniert nicht, aber es gibt ein Becken mit Wasser, was nicht nur zum Spülen des Klos (immerhin gibt es eine Kloschüssel) ist, sondern zum Duschen und Zähne putzen. 

 

Unsere Unterhaltung dreht sich um alles mögliche. Toilettenabläufe, Flugpreise, Mücken, Patenschaften, Regeln beim Essen, Familie, Nachnamen bzw. Namensgebung allgemein (hier entscheiden die Eltern über sämtliche Namen des Kindes, so etwas wie einen Nachnamen gibt es nicht) und vieles mehr. Dann spazieren wir los auf der Suche nach Essen, gehen auf der Straße sodass die Roller ausweichen (hier herrscht zwar Linksverkehr, aber an vielen Stellen ist das kaum zu bemerken, man fährt wo Platz ist), begegnen ein paar Ratten und enden bei einer Fressbude, wo man auf erhöhtem Boden sitzt und mit den Händen oder wahlweise bekanntem Besteck isst. Der Preis für sie hat sich auf Grund meiner Anwesenheit erhöht, was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann, und auf dem Rückweg fliegt mir ne riesige Fledermaus um den Kopf. Zumindest glaube ich, dass es eine war, denn  wie ein Vogel sah es nicht aus, hatte aber definitiv die Spannweite einer Taube. 

Es geht also wieder nach Hause, ich pumpe meine Matratze auf und leg mich vollkommen übermüdet schlafen. Achso, Toilettenpapier ist hier auch nicht sonderlich beliebt, aber immerhin vorhanden.

Am Morgen erhebe ich mich um die Nasszelle zu nutzen und freue mich über das kühle Wasser auf meiner Haut. Die Mücken fressen mich derweil, wobei immerhin die Stiche klein bleiben, und ich frage mich, ob ich nicht bei nem eventuellen Hausbau statt eines deutschen Bades mir ne Nasszelle anschaffe. Doch dann erinnere ich mich wieder daran, dass es bei uns zu kalt dafür ist. 

 

Während meine couchsurferin weiter schläft, sitze ich also hier draußen und nutze das Internet ihres Vermieters. Willkommen in Indonesien!

10.02.2016 um 04:01 Uhr

auch nach nem halben Jahr bleibt es Abenteuer

von: indalo

Jetzt mache ich „das hier“ schon seit mehr als nem halben Jahr und man könnte meinen, ich hätte mich daran gewöhnt, doch… das stimmt nicht. Zwischendurch fühlte es sich gewöhnlich an, irgendwie normal, denn ich dachte auch gar nicht über das nach, was ich tat. Ich tat es einfach. Ich reiste von Ort zu Ort, von Land zu Land. Und diese regelmäßigen Kommentare, dass man mich dafür bewundert, irritierten nur. 

 

Doch wie bei allem im Leben gibt es Phasen, oder eben Kapitel wie in einem Buch. Ich schlug die Seite um und landete in Australien. Das war einfach, das war simpel, das war sicher. Doch irgendwie schien es nicht richtig. Ich wusste mit mir nichts anzufangen, ich konnte mich für nichts entscheiden und erst als ich den Flug buchte um dieses Land zu verlassen, spürte ich wieder dieses innerliche Grinsen, das einfach an die Oberfläche will. Seit ich also weiß, dass ich hier bald wieder wegkomme (ich entschied mich trotz allem für nen Flug vier Tage später), war ich wieder euphorisch. War? Ja, weil auch das in Wellen kommt. Allein die Aussicht wieder in unbekannte Regionen vorzudringen, gefällt mir. Dann suchte ich nen Schlafplatz und wurde akzeptiert, grandios, dann wurde ich wieder abgelehnt, weil ich diese blöde Application zum Nachrichten schreiben nicht hab, nicht grandios. Komische Welt. 

 

Dann buchte ich weitere Flüge und hab damit erst einmal ein paar Wochen voraus geplant. Das war gut. Nebenbei entschied ich mich für mein geliebtes Jongliertreffen in Europa. Gebucht habe ich noch nicht, aber das werd ich noch. Also komm ich wieder in Gang, hab mich die letzten Tage belesen über die Sicherheit- und Reisehinweise von zig Ländern in Asien und Afrika und so langsam entsteht ein Bild von dem, was kommen kann. …vielleicht brauche ich doch mehr Planung als mir lieb ist. Oder zumindest ein Ziel.

 

Wie dem auch sei, die Aussicht morgen wieder in den Flieger zu steigen und eine für mich gänzlich neue Welt zu entdecken, ist aufregend. Ich habe mich nicht daran gewöhnt, es ist neu, es ist abenteuerlich, es ist genau das, was ich wollte. 

 

Also fühle ich mich immer noch wie am Anfang, auch nach der Halbzeit. Ich habe zig neue Erfahrungen, doch das ändert alles nichts an diesem Gefühl, einem Gefühl von Abenteuer und Unsicherheit verschmolzen mit der Überzeugung, dass alles irgendwie gut wird. 

…und im Laufe der Zeit besprenkelt mit der Vorfreude auf Zuhause :-)

07.02.2016 um 08:19 Uhr

Im Osten geht die Sonne auf, ...

von: indalo

und jeder weiß, wie es weitergeht, nicht wahr? Das Lied? Es ist ein Kinderlied, doch alle kennen’s, oder nicht?

 

Immer und immer wieder taucht es in meinen Gedanken auf, immer und immer wieder singe ich es in meinem Kopf. Denn so ist es doch, im Süden nimmt sie ihren Lauf, im Westen will sie untergehen und im Norden ist sie nie zu sehen. So verstand ich die Welt. Doch auf einmal versteh ich gar nichts mehr - oder so viel mehr. Denn… ja darüber hätte man nachdenken können, aber ich tat es nicht, warum auch? Er sang es doch, es war wahr, es war alles, was ich über die Sonne wusste und wissen musste. Doch auf einmal stimmt das nicht mehr, auf einmal steht die Welt Kopf. Auf einmal bewegt sich das Rot am Horizont nach links, nicht nach rechts. Und sagt mir jetzt nicht, dass ich in Himmelsrichtungen reden soll, denn es ist eine „nach rechts“-Bewegung, ganz eindeutig. Immer gewesen. Ich habe sogar gelernt, wie der Sonnenuntergang sich verschiebt. Damals, als ich am Meer wohnte und ihn regelmäßig genießen konnte. Da stellte ich fest, dass die Sonne mal über dem Wasser untergeht, und mal hinter dem Leuchtturm. Und sie kam immer von links auf die Bucht zu und verschwand rechts. Nichts konnte daran rütteln. Selbst als ich meinen ersten und einzigen Sonnenuntergang in der Antarktis sah, dachte ich, es sei eine Sinnestäuschung, dass das Abendrot sich nach links bewegt. Erst als der Mond bei Ankunft am Campingplatz nahe der Berge auf der rechten Seite und nachts hinter dem linken Berg zu schimmern schien, hinterfragte ich endgültig, was ich einst lernte und für die Wahrheit hielt. Warum hat mir niemand gesagt, dass es auf die Hemisphäre ankommt? Es ist doch so logisch! So sprach ich am nächsten Tag einen Physiklehrer auf dieses Phänomen an, und er bestand auf die Bezeichnungen von Ost und West. Die Sonne bewegt sich nie von rechts nach links oder umgekehrt, sie geht immer von Ost nach West. Er verstand einfach nicht. Er gab es auf, kam wieder mit dem üblichen Geschlechterkram (genau genommen warf seine Frau das ein), und ich wiederum gab auch auf, es ihm erklären zu wollen. Widerstand zwecklos, dann bin ich doof und kann nicht räumlich denken. Sei’s drum. 

Ich ließ das also alles sacken, fragte vorletzte Nacht noch ne Australierin in welche Richtung die Sonne untergeht und bekam als Antwort „nach unten“. Ad acta. Doch heute lag ich auf einer Parkbank unter einem Baum um den Schatten zu genießen. Intuitiv wie immer, positionierte ich mich so, dass ich möglichst lange Schatten haben würde. Und während ich da lag und las, passierte es. Die Sonne bewegte sich in die „falsche“ Richtung. Sie zieht nach links. Und es ist mir pupsegal, welche Himmelsrichtung das ist. („Ob die Sonne sich nach rechts oder links bewegt, hängt davon ab, in welche Himmelsrichtung du guckst.“ Argh! Solange ich die Sonne beobachte, ist das vollkommen wurscht, wieso ging das nicht in seinen Kopf?!) 

 

Und so ist es beschlossene Sache, auch Kinderlieder haben nicht immer Recht. Vielleicht sollte ich ihm das mal mitteilen.

01.02.2016 um 05:35 Uhr

Hostels in Sydney

von: indalo

Bevor es losgeht, bevor es bestätigt oder zerstört wird, muss ich es notieren. Solange es noch in der Schwebe ist, solange es noch nicht richtig greifbar ist, solange muss es festgehalten werden. 

 

Ich kam in Australien an, hundemüde und vollkommen planlos. So richtig planlos. Ich fühlte mich, wie vor nem halben Jahr, als ich diese große Reise begann. Doch damals hatte ich ein Ziel, eine Idee, einen Flug am Ende (diese Reiseabschnitts). Jetzt hab ich nichts. Keine Länder, keine Ideen, kein Weiterflugticket. Ich bin vollkommen frei. Und damit vielleicht ein wenig überfordert. Oder war es die Leichtigkeit, die mich überforderte? Oder doch einfach nur der Jetlag? Ich weiß es nicht. Ich verbrachte viel Zeit im Internet, erst am Flughafen, dann im Hostel. Am nächsten Tag das gleiche. Und heute morgen kam ich auf die Idee, dass es genau das ist, was zu Australien passt. Denn aus meinen privaten Kontakten entstanden keine Schlafmöglichkeiten, auch das couchsurfen klappte so gar nicht. Ungewohnt für mich. Und so endete ich in zu bezahlenden Unterkünften. Ich nahm es hin, aber begeistert war ich nicht. Doch heute morgen kehrte ich zurück in das Hostel von vorletzter Nacht (ich hatte mein Handtuch da gelassen…) und irgendwie… irgendwie tat das gut. Auf einmal begannen Gespräche - mit mir. Ich war Teil davon. Es ist eine kleine Familie, eine Familie des work and travels. 

Und darum geht es doch in Australien, nicht wahr? Die Kultur unterscheidet sich nicht von unserer, da ist couchsurfen nicht ganz so essentiell. Es ist mehr die Hostelwelt, die es zu entdecken gilt. Und ich bin mittendrin. [Womöglich ist das alles nur das Phänomen, dass ich mir das misslungene couchsurfen schön rede, aber was soll’s, ich find’s schön - und auf Empfindungen kommt es an.]

 

Während ich also auf der Couch abhänge und mir Frühstück gebracht wird, bekomm ich viele insider Tipps zum Reisen hier und lande dabei auf einer Seite, wo man Reisepartner findet. Ich schrieb ne Handvoll an und einer davon kommt gleich vorbei. Wie praktisch. Und dann reisen wir womöglich gemeinsam gen Süden. Oder weiter. Mal sehen. Ich bin da vollkommen offen. Mich fasziniert gerade einfach nur, wie sich alles entwickelt - wieder einmal. Und ich sah gestern nichts davon kommen, beim Aufstehen fühlte ich mich genauso planlos wie beim ins Bett gehen. 

 

Doch auch meine zwei Nächte in Hostels verdienen eine Erwähnung. Denn die erste davon verbrachte ich in einem acht-Bett-Zimmer, das wie ein Bahnwaggon aussieht - ob es tatsächlich einer war, vermag ich nicht zu sagen. Und nicht nur das, mein Waggon stand sogar am Gleis, an einem echten Gleis. Gleich hinter dem Zaun das Gleis und auf der anderen Seite des Gleises fahren Züge, echte Züge. Wie schräg, und wie… authentisch!

Die zweite Nacht verbrachte ich in einem Zimmer, welches sich übersetzt die Kirche nennt. Warum? Erst dachte ich, es liegt an den zweiunddreißig Betten, doch als ich heute morgen aufstand, entdeckte ich die bunten Fenster, die tatsächlich an eine Kirche erinnern. Ebenso authentisch, aber immerhin gab es keine Morgenandacht - oder ich war zu früh verschwunden.

 

Und so bin ich nun bereit für das Abenteuer eines Roadtrips durch Australien. Was wär das toll!