DDR: Nachhaltige Kopfwäsche
In ihrem aktuellen Aufsatz Good bye Lenin (or not?): The effect of Communism on people's preferences
kommt das Autoren-Duo Alberto Alesina und Nicola Fuchs-Schündeln von
der amerikanischen Harvard-University zu einer Reihe interessanter
Ergebnisse:
- Ostdeutsche präferieren staatliche Interventionen und
Umverteilungsmaßnahmen generell mehr als Westdeutsche. Obgleich eine
schlechtere Einkommensposition, Arbeitslosigkeit und eine aktuelle
Abhängigkeit von Transferleistungen die Neigung zum
Staatsinterventionismus verstärkt und Selbstständigkeit das Gegenteil
bewirkt bleibt die stärkere Neigung der Ostdeutschen für
Staatseingriffe trotz einer Kontrolle dieser Variablen vorhanden.
- Auch im Westen lebende Ostdeutsche sehen lieber einen starken Staat als ihre Westdeutschen Nachbarn. Trotzdem sind bodenständige Ostdeutsche noch stärker von der Verantwortlichkeit des Staates für die Härten des Lebens überzeugt.
- Die Stärke der Präferenzen ist in allen fünf ostdeutschen Bundesländern etwa gleich groß. Der einzige Ausreißer ist Mecklenburg-Vorpommern , wo erstaunlicherweise etwas weniger auf den Staat gesetzt wird.
- Die Staatsgläubigkeit ist auch zwischen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen sehr homogen. Jedoch hat das
Lebensalter einen positiven Effekt auf das Vertrauen in den Staat. Je
länger jemand in der DDR gelebt hat umso stärker verläßt er sich auf
staatliche Interventionen bzw. fordert sie ein. Dieser Effekt
überkompensiert das sonst mit dem Alter nachlassende Vertrauen in den
Staat.
- Offenbar glauben Ostdeutsche stärker als ihre westdeutschen
Landsleute, dass Armut, Arbeitslosigkeit oder Hilfebedürftigkeit nicht
individuelle, sondern gesellschaftliche Ursachen hat. Dementsprechend
fordern sie von der Gesellschaft eine Lösung dieser Probleme ein. Vor
allem ältere Bürger sind von der gesellschaftlichen Verantwortung für
individuelles Scheitern überzeugt. Trotz gleicher Beantwortung der
Schuldfrage für Schicksalschläge neigen Ostdeutsche stärker zur Lösung
des Problems durch den Staat.
- Ein Vergleich der Ergebnisse der Untersuchung der Daten von 1997 und 2002 deutet auf eine Konvergenz der Präferenzen hin. Die Ostdeutschen verlieren nur sehr langsam ihre Staatsgläubigkeit. Der Anpassungsprozess dürfte ein bis zwei Generationen dauern. Allerdings wächst auch die Staatsgläubigkeit im Westen, so dass Ost- und Westdeutsche sich irgendwo in der "Mitte" treffen dürften.
- Männer vertrauen dem Staat weniger als Frauen. Große Familien mehr. Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes können eher auf die Nothilfe des Staates verzichten (Warum wohl?). Höheres Bildungsniveau und Selbstständigkeit fördern die Skepsis gegenüber der staatlichen Sozialverantwortung.

\"Mit dem Kopf voran bloggt über eine Studie einiger Harvard-Forscher, die sich mit der Einstellung der Deutschen zum Staat beschäftigt. Ein Zitat:\"
http://erzliberal.blogspot.com/2005/10/der-sozialistische-mensch-lebt-fort.html
Gelegentlich zahlen sich Sturheit und Eigensinn, die man uns Nordost-Fischköppen gerne mal nachsagt, doch aus.
\"... ich müsste der DDR dankbar sein, dass aus mir etwas halbwegs Vernünftiges geworden ist.\"
In Momenten, wo mir die Bürde der Selbstverantwortung zu schwer wird, schiebe ich die Schuld für \"(nur) halbwegs\" gerne der DDR in die Schuhe.
Mit solchen Kommentaren sorgt man auch gut für Stimmung bei Familienfeiern mit hohem Ostalggiker-Anteil ...