Klimaschutz durch Biomassenutzung?
Erneuerbare Energieträger und insbesondere die energetische Nutzung der Biomasse gelten als eine der wichtigsten Lösungen zur Reduzierung des menschenverursachten Klimawandels. Schnell sind Umweltpolitiker daher dabei, diese Optionen durch den Einsatz öffentlicher Fördermittel zu fördern. Das klingt plausibel, ist aber aus der Nähe betrachtet ein Bärendienst am Klimaschutz.
Die Nutzung der Biomasse zur Kraftstoffgewinnung ist nur insofern klimaneutral, wie die bei der Verbrennung entstehenden Kohlendioxidemissionen vorher von der Pflanze bei der Photosynthese aus der Umgebungsluft aufgenommen wurden. Da aber die Pflanzen erst unter Einsatz von Arbeit, Kapital und damit auch Energie aus fossilen Quellen angebaut werden mussten, ist der Gesamtprozess alles andere als klimaneutral. Damit verursacht auch die energetische Nutzung von Biomasse netto den Klimawandel beschleunigende Emissionen. Folglich wird mit der Förderung der Biomassenutzung auch die Emission von Kohlendioxid gefördert. Nun könnte man meinen, dass die Förderung dazu beiträgt, noch stärker emissionsintensive fossile Energieträger zurückzudrängen. Doch diese Argumentation ist das logische Äquivalent zur Subventionierung von Light-Zigaretten zur Reduzierung der Gesundheitsschäden des Rauchens. Dem könnte man entgegenen, wenns hilft, müssen wir den Weg der kleinen Schritte gehen.
Doch es gibt ein weiteres Problem. Die Subventionierung der Biomassenutzung verbilligt die Energieproduktion und gibt den Verbrauchern den Anreiz mehr Energie zu verbrauchen als in der Ausgangssituation. Selbst unter den Bedingungen einer Quotenlösung, bei der nicht der Steuerzahler, sondern der Energieverbraucher die Kosten der Förderung trägt, führt die implizite Förderung zu einer Konzentration auf Vermeidungstechniken, deren Vermeidungskosten im Vergleich zu bestehenden technologischen Alternativen unverhältnismäßig hoch sind. Egal wie man es dreht und wendet, die Subventionierung von Energie aus Biomasse ist eine Subventionierung von Kohlendioxidemissionen und damit eine Verschwendung öffentlicher Gelder. Vor dem Hintergrund der lediglich an Partikularinteressen ausgerichteten Landwirtschaftspolitik ist diese Strategie allerdings auch nicht weiter verwunderlich.
Die simple Lösung, Kohlendioxidemissionen zu besteuern oder den Emissionshandel auf die Ebene des Großhandels mit fossilen Brennstoffen auszudehnen, ist dagegen ein politischer Rohrkrepierer. Volkswirtschaft klar von Vorteil, aber nicht halb so gut von Agrarlobbyiste, Umweltverbänden und Umweltpolitikern zu ihrem Vorteil ausschlachtbar bzw. mit zunächst für einige unliebsamen Verteilungsproblemen verbunden, fristen diese Instrumente noch immer ein trauriges Schattendasein. Die Existenz des fast bis zur Unkenntlichkeit verstümmelten EU-Emissionshandels ändert hieran herzlich wenig.

Wenn die Energiebilanz von Biomasse-Verfahren ausreichend positiv wäre, dann könnte sie doch komplett CO2-neutral sein, d.h. wenn sie genügend Energie gewinnt, um sowohl den Prozess der Energiegewinnung als auch die Konsumenten mit Energie zu versorgen.
Die Subventionierung von erneuerbaren Energien hat doch im Gegenteil in der Vergangenheit eher zur Verteuerung von Energie geführt:
http://www.vdew-bw.de/images/aktuell/Strompeise_Deutschland_2006.pdf
Grüße,
Gernot
Sicherlich verteuert das EEG den Strom. Nicht jedoch der Rest der Förderung, wie etwa 100000-Dächer-Programm etc.
Grüße
Steffen
Das Problem der Energiebilanz stellt sich ja auch für die klassischen Energieträger. Öl zu fördern und raffinieren bedarf auch einen nicht unerheblichen Energieeinsatz.
In der letzten Nature stand übrigens etwas zur Gasohol-Industrie in Brasilien:
http://www.nature.com/news/2006/061204/full/444670a.html
Zitat:
"In 2004, Isaias de Carvalho Macedo at the University of Campinas did a study for the state of São Paulo that considered energy inputs such as fertilizer manufacture and agricultural machinery in the sugar-cane industry1. He and his colleagues estimate that the whole shebang costs about 250,000 kilojoules per tonne of cane. That tonne of cane in turn yields about 2 million kilojoules in ethanol and surplus electricity made by burning bagasse. That's an eight-fold return."
Allerdings klappt das nur in den Tropen so gut. In den gemäßigten Breiten sind die Energieausbeuten deutlich schlechter.
Grüße,
Gernot