Gedankensteine

17.08.2004 um 19:13 Uhr

Was ist Borderline?!

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) ist eine schwere Persönlichkeitsstörung, die sich durch sehr wechselhafte Stimmungen, gestörte zwischenmenschliche Beziehungen, mangelndes Selbstvertrauen und autoaggressive Verhaltensweisen äußert. Diese Instabilitäten beeinträchtigen oft Familie und Arbeitsleben, langfristige Lebensplanung und das Selbstbild. Der Name Borderline stammt aus Zeiten, als man dachte, es würde sich bei BPS um einen Grenzfall (engl. borderline) zwischen Psychose und Neurose handeln; Menschen mit BPS leiden jedoch an einer Fehlfunktion der Gefühlsregulierung. Obwohl nicht so bekannt wie Schizophrenie oder Bipolare Störung (auch manisch-depressive Krankheit), ist Borderline häufiger und betrifft zwei Prozent der Erwachsenen, hauptsächlich junge Frauen.

Bezeichnend sind häufige Selbstverletzungen ohne Selbstmordabsicht, wie auch Selbstmordversuche und in schweren Fällen sogar vollendeter Selbstmord. Patienten mit BPS benötigen oft umfangreiche psychische Betreuung und belegen etwa 20 Prozent der psychischen Behandlungsplätze. Dank moderner Therapien kann jedoch vielen langfristig zu einem eigenständigen und sinnvollen Leben verholfen werden.

Symptome

Während bei einer Person mit Depressionen oder Bipolarer Störung eine Stimmung für mehrere Wochen anhält, kann ein Mensch mit Borderline intensive Schübe aus Angst, Depression oder Wut erleben, die nur wenige Stunden oder bis zu einem Tag andauern. Diese können in Verbindung mit Störungen der Impulskontrolle wie impulsiver Aggression, selbstverletzendem Verhalten und Drogen- oder Alkoholmissbrauch auftreten sowie zu übermäßigem Geldausgeben, Völlerei und riskanten Sexualpraktiken führen. Sucht ist eine häufige Begleiterscheinung bei Betroffenen. Die meist mit der Sucht einhergehenden selbstzerstörersichen Verhaltensweisen verstärken das Krankheitsbild. Ein fatales Merkmal von Sucht ist die Leugnung der Krankheit vor sich selbst.

Borderliner, die häufig ein sehr gestörtes Selbstbild haben, können in ihrer Verwirrung verstärkt werden. Das Gefühl, sich selbst nicht zugehörig zu sein, kann durch die selbstleugerischen Verhaltensweisen beim Drogenmissbrauch eine Verstärkung erfahren.

Wahrnehmungs- und Bewusstseinsstörungen können zu häufiger Änderung von Langzeitzielen, Karriereplänen, Berufen, Freundschaften, Geschlechtsidentität oder Werten führen. Häufig berichten die Patienten, dass sie "sich selbst nicht fühlen können". Manchmal empfinden sich Menschen mit BPS als grundsätzlich schlecht oder wertlos. Sie fühlen sich ungerechtfertigterweise unverstanden oder schlecht behandelt, gelangweilt, leer und haben keinen Sinn dafür, wer sie sind. Solche Symptome treten verstärkt auf, wenn sich Menschen mit Borderline einsam oder isoliert fühlen und können dann zu verzweifelten Versuchen führen, Situationen des Alleinseins zu vermeiden.

Die zwischenmenschlichen Beziehungen von Menschen mit einer Borderline-Störung sind oft höchst instabil. Auch intensive emotionale Bindungen schützen nicht davor, dass die Einstellung gegenüber Familienmitgliedern, Freunden oder Liebespartnern plötzlich von Idealisierung (starke Bewunderung und Liebe) in Abwertung (intensive Wut und Hass) umschlägt. Sie können eine sofortige Bindung eingehen und die andere Person idealisieren. Tritt jedoch eine Trennungssituation oder ein Konflikt auf, können sie unerwartet in das andere Extrem wechseln und das Gegenüber wütend beschimpfen.

Auch in Bezug auf Familienmitglieder sind Menschen mit BPS sehr empfindlich auf Ablehnung und reagieren auch auf vergleichsweise kleine Trennungen wie Urlaub, Geschäftsreisen oder einer plötzlichen Planänderung mit Wut und Verzweiflung. Diese Angst verlassen zu werden scheint in Beziehung zu stehen mit Schwierigkeiten sich gefühlsmäßig mit Schlüsselpersonen verbunden zu fühlen, wenn diese nicht anwesend sind, was dann zu einem Gefühl des Verlassenseins oder der Wertlosigkeit führt. Selbstmorddrohungen und -versuche können in Verbindung mit Gefühlen des Verlassenseins oder der Enttäuschung auftreten.

Selbstverletzendes Verhalten bis hin zum Suizid sind symptomatisch für diese Erkrankung. Häufig äussern sich Selbsthass und die Unfähigkeit, die plötzlich auftretenden Spannungen abzubauen sowie ein Gefühl des "sich nicht mehr Spürens" in autoagressivem Verhalten. Die Betroffenen schlagen mit dem Kopf gegen die Wand, sie zerkratzen sich mit den Fingernägeln oder Schneiden sich mit Messern oder Rasierklingen ihre Arme oder das eigene Gesicht auf. Grosse Gefahr der Selbstverletzung/eines Selbstmordes besteht auch zu dem Zeitpunkt einer Hochstimmung.


Einloggen zum Kommentieren:

Hinweis: viele Funktionen von blogigo (z.B. Einträge kommentieren) stehen Dir erst nach einer kostenlosen und unverbindlichen Registrierung zur Verfügung. Hier kannst Du Dich in Sekundenschnelle registrieren.