fille gotique
Manchmal fehlt es mir. Das Gefühl, jung und wild zu sein. Mit zerrissenen Strumpfhosen durch Ferndorf zu laufen, in einem presque durchsichtigen Rock, mit dem Bewusstsein, anders zu sein.
Mir fehlen rotgemalte Lippen und der Geruch von altem Samt. Die Nachtwelten-Treffen. Meine alten Freunde. Goethes Erben und das Konzert in Darmstadt. Zahlreiche Festivals, Momente auf dem Balkon. In Netzhandschuhen. Träume.
Ich dachte, ich würde es zu etwas Großem bringen. Einer Promotion in Germanistik. Einem eigenen Buch. Ich habe in Selbstüberschätzung gebadet nach dem Abitur. So beautiful and wild. Full of thoughts and plans. Hesses "Steppenwolf" begleitete mich auf den Zugfahrten quer durch Allemagne. Lord Byron und Mary Shelley flüsterten mir zu. Es war eine unglaublich turbulente, schwere Zeit und doch etwas Gutes. Ich war aufgehoben. Verstanden. Erfüllt von Musik. Ich war eine gute Eskapistin. Eine Heimatlose, mit Heimat quer durch die Republik. Mir fehlt es, mit geringelten Strümpfen auf irgendeinem Bahnhof zu sitzen. Zu rauchen, mit nachdenklichem Blick. Das Zuhause im Herzen. Das Herz so weit. Das Herz so wild.
Nun trage ich blaue Jeans und fahre seltener umher. Meine Kleider sind verkauft. Doch die Musik geblieben. Und dieses Gefühl ganz tief im Herzen.
Mir fehlen rotgemalte Lippen und der Geruch von altem Samt. Die Nachtwelten-Treffen. Meine alten Freunde. Goethes Erben und das Konzert in Darmstadt. Zahlreiche Festivals, Momente auf dem Balkon. In Netzhandschuhen. Träume.
Ich dachte, ich würde es zu etwas Großem bringen. Einer Promotion in Germanistik. Einem eigenen Buch. Ich habe in Selbstüberschätzung gebadet nach dem Abitur. So beautiful and wild. Full of thoughts and plans. Hesses "Steppenwolf" begleitete mich auf den Zugfahrten quer durch Allemagne. Lord Byron und Mary Shelley flüsterten mir zu. Es war eine unglaublich turbulente, schwere Zeit und doch etwas Gutes. Ich war aufgehoben. Verstanden. Erfüllt von Musik. Ich war eine gute Eskapistin. Eine Heimatlose, mit Heimat quer durch die Republik. Mir fehlt es, mit geringelten Strümpfen auf irgendeinem Bahnhof zu sitzen. Zu rauchen, mit nachdenklichem Blick. Das Zuhause im Herzen. Das Herz so weit. Das Herz so wild.
Nun trage ich blaue Jeans und fahre seltener umher. Meine Kleider sind verkauft. Doch die Musik geblieben. Und dieses Gefühl ganz tief im Herzen.

Wild ist nur Definitionssache. Stell Dir vor, wir sind 90 (du) und 89 (ich, hähä!), stehen beide mit unseren Rollatoren in Köln am Rhein (nachdem wir gerade einen überteuerten Kakao in einem überteuerten Café getrunken haben) und schreien laut "Eeeey moootobooool" aufs Wasser.
Das ist auch wild.
Alles eine Frage der Perspektive. ;-)
Ich drück' Dich - in einer Inflektivkonstruktion: *drück, drück, drück!*