Weblog von Hans-Wolfgang

02.01.2009 um 01:53 Uhr

eine didaktisch griffige „Lösung“

von: tao

Der Geist des chinesisch-taoistischen Wuwei evoziert eine dezidierte Gegenutopie zur futuristischen Technik- und Fortschrittseuphorie: „Nicht handeln; wie das weiße Wasser schwach und folgsam sein“, lautet ein Zitat aus dem Tao Te King. Schwach sein, ertragen, sich fügen hieße der reine Weg. Angeschmiegt an die Ereignisse, Wasser an Wasser, angeschmiegt an die Flüsse, das Land, immer Bruder und Schwester, Liebe hieße der reine Weg. Vergegenwärtigt man sich den realgeschichtlichen Hintergrund des waffenstarrenden Imperialismus, so enthält dies, ohne selbst eine didaktisch griffige „Lösung“ zu offerieren, eine eminent zeitkritische Dimension! Sie bestimmte den Taoismus im übrigen von Anfang an: Der Aufruf der Taoisten zu einer Rückkehr zur „Ursprünglichkeit“ und „Einfachheit“, zum „Weg der Natur“, zu einem Leben also im Einklang mit dem Tao, war selbst ja der Ausdruck einer zivilisations- und kulturkritischen Gegenbewegung zu einer als zerrissen erlebten Umbruchzeit, die ihre Einheit längst verloren hatte. Die taoistische Maxime, dass die Eroberung der Welt durch Handeln misslingt – „wer handelt, verliert sie; wer festhält, verliert sie“, -- bricht sich an der Erfahrung vom Zynismus der Macht, die sich über das welt- und lebenachtende Prinzip hinwegsetzt und die Utopie des Nicht-Eingreifens ad absurdum führt. Die Gewaltlosen werden vergewaltigt, ihnen bleibt nur die Wahl, selber zur Gewalt zu greifen, zu widerstehen oder unterzugehen. Stille sein, nicht widerstreben, kann man das denn?