Quellender Urgrund 4/4 (1)
„Dsi Hia fragte den Meister:
„Was für ein Mensch ist Yän Hui?“
„Was Freundlichkeit betrifft, ist er ein besserer Mensch als ich.“
„Und was ist mit Dsi Gung?“
„In punkto Beredsamkeit ist er ein besserer Mensch als ich es bin.“
„Dsi Lu?“
„Was Mut angeht, ist er ein besserer Mensch, als ich es bin.“
„Dsi Dschang?“
„An Würde ist er mir überlegen.“
Dsi Hia erhob sich von seiner Matte und fragte:
„Warum dienen dir dann diese vier?“
„Setz dich wieder hin. Ich will es dir sagen. Yän Hui kann freundlich sein, aber er kann diesen Impuls nicht unter Kontrolle halten, wenn es nicht gut wäre, freundlich zu sein. So kann er beispielsweise nicht widersprechen. Dsi Gung kann eloquent sein, aber er kann nicht seinen Mund halten. Dsi Lu kann tapfer sein, aber er kann nicht vorsichtig sein. Dsi Dschang kann würdevoll sein, aber er kann in Gesellschaft nicht auftauen und seine Förmlichkeit ablegen. Sogar wenn ich die Tugenden dieser vier Männer alle zusammen haben könnte, ich würde sie nicht im Tausch für meine eigene nehmen. Das ist der Grund, warum sie mir unbeirrt dienen.““
Der größte Feind der Religion ist nicht der Materialismus, sondern die Moral. Warum? Weil Moral den Versuch darstellt, Spiritualität aufzuerlegen – es ist eine Konditionierung – und Religion kann nur von innen her blühen, sie kann nicht von außen her aufgesetzt werden. Daher kreiert Moral eine Illusion einer falschen Religion. Moral ist ein Vortäuschen, ein so tun als ob, Moral ist eine Pseudo-Religion. Sie gibt uns Respektabilität, aber sie gibt uns kein Verstehen. Sie gibt uns einen großartigen Egotrip, aber sie kann uns keine Bescheidenheit geben. Sie lässt uns Überlegenheit fühlen, als etwas besseres, aber sie hilft uns nicht zu innerem Wachstum. Und der Mensch, der sich höherwertig fühlt, kann nicht wachsen. Er steckt mit seinem Ego fest.






