Tao Te King 1 (17)
“Deswegen:
Immer müssen wir gefunden werden frei vom Wollen
Wenn des Lebens Geheimnis wir ergründen sollen;
aber wenn Verlangen immer in uns sei,
ist alles, was wir sehen werden, nur sein äußeres Detail.“
Der Pfad, der begangen werden kann, ist nicht der Weg. Die Wahrheit, die erforscht werden kann, ist nicht die Wahrheit. Der Schöpfer der Existenz ist ohne irgendeinen Namen und der Name ist die Mutter von aller Substanz. Nach den ersten beiden Versen beginnt der dritte Vers des ersten Kapitels von Lao-tses Tao Te King mit „Deswegen“. Dies muss deswegen zuerst verstanden werden, bevor man dieses erste Kapitel weiterliest. Es schaut seltsam aus – die ersten beiden Verse beinhalten keine Beziehung mit dem dritten Vers, was die Verwendung von „Deswegen“ rechtfertigen könnte. Wahrheit kann nicht in Worten ausgedrückt werden. Der Weg, den es gibt, kann nicht begangen werden. Namenlos ist die Existenz; die Welt der Substanz ist die Welt der Benennung. Deswegen – das Denken, das tief im Verlangen steckt, kann niemals die bodenlosen Tiefen kennen lernen, so das Geheimnis der Existenz liegt. Es kann nur den äußersten Rand der Existenz, die Details, kennen. Das Wort „Deswegen“ kann nur benutzt werden, wenn das, was folgt, ein natürliches Ergebnis der vorangegangenen Statements ist. Wenn die dritte Äußerung ein Resultat der ersten beiden Feststellungen ist, nur dann kann „deswegen“ verwendet werden. Aber was ist die Verbindung zwischen einem Denken, voll von Wollen, und einem Denken, voll mit Worten? Was kann die Verbindung sein zwischen einem Pfad, der nicht beschritten werden kann, dem kein Name gegeben werden kann, und einem Denken, das voll ist von Leidenschaften? Dies ist nicht offensichtlich klar; es ist nicht evident. Deswegen wird es sehr schwierig sein, dieses Wort „deswegen“ zu verstehen, wie es von Lao-tse verwendet wurde. Was ist nun mit dieser Beziehung? Tatsächlich möchte jemand, der voll ist mit Sehnsüchten, irgendwohin gelangen. Allein schon dieses Verlangen, dort hinzugelangen, ist Leidenschaft. Wenn ich glücklich bin, ich selbst zu sein und mich akzeptiere, wie ich bin, wenn ich nirgendwo hinkommen muss, dann ist ein Weg nutzlos und zwecklos für mich. Wenn ich irgendwohin gelangen muss, irgendwohin gehen muss, wenn ich etwas sein muss, etwas erreichen muss, dann werden Wege unausweichlich. Wenn ich nicht irgendwohin reisen muss, welche Bedeutung können Wege für mich haben? Aber wenn wir eine Reise machen wollen, dann werden Wege sinnvoll. Was für Wege wir auch immer erzeugen, es sind alles Wege des Verlangens, der Sehnsucht. Kein Weg wird jemals ohne ein Verlangen erschaffen, obwohl das Verlangen sich überhaupt nicht um den Verbindungsweg kümmert. Die Sehnsucht kreist nur um das Ziel.
