Taoistische Reflektionen

31.01.2007 um 03:14 Uhr

Tao Te King 43 (8)

von: tao

Liebe ist kein Wunder; sie ist bloß wie Wasser:

Du gießt Wasser aus und du wirst feststellen, dass es den hohlsten Platz finden wird, um dort zu ruhen.

Liebe ist das Wasser des inneren Wesens.

Lao-tse sagt:

"Die weichste Substanz der Welt

Geht durch die härteste."

Man sagt, dass innerhalb von siebentausend Jahren die Niagarafälle

all die Berge, die sie umgeben, komplett auflösen werden.

Bis jetzt sind schon zehn Kilometer an Hügeln und Felsen

von ihnen aufgelöst worden.

Innerhalb von siebentausend Jahren werden die Niagarafälle verschwinden

denn dann wird es keinen Berg mehr geben, von wo sie fallen können.

Die härtesten Steine werden durch das weichste Wasser aufgelöst.

Und es tut niemals irgend etwas;

es versucht nicht wirklich irgend etwas zu tun, es fließt einfach laufend weiter.

Und wenn du zum ersten Mal einen Felsen siehst, und einen Wasserfall, der von ihm fällt,

wirst du sicherlich sagen, dieser Felsen kann nicht aufgelöst werden – so hart ist er.

Aber all der Sand in den Ozeanen ist nichts als die Gebirge der Vergangenheit.

Das Wasser hat sie mit sich genommen und sie zu Erde zermahlen,

die Gebirge verschwinden und das Wasser setzt sein Fließen fort –

so weich, aber so hartnäckig, so weich, aber solch ein Kontinuum,

dass nach und nach die härtere Substanz sich auflöst,

ohne zu wissen, was da geschieht.

Was passiert da ?

Warum löst das weiche Element das harte Element auf ?

Weil das Harte sich widersetzt, weil das Harte kämpft,

weil das Harte defensiv ist, schon von Anfang an –

das macht es müde. Und das Weiche ist kein Kämpfer.

Schon von Anfang an hat das weiche Element nicht im Sinn

irgendjemanden aufzulösen oder zu zerstören.

30.01.2007 um 00:52 Uhr

Tao Te King 70 (1)

von: tao

Lao-tse sagt:

"Meine Lehren sind sehr leicht zu verstehen

und sehr leicht zu praktizieren,

aber keiner kann sie verstehen

und keiner kann sie in die Tat umsetzen.

In meinen Worten gibt es ein Prinzip.

In den Angelegenheiten der Menschen gibt es ein System.

Weil sie dies nicht wissen,

erkennen sie mich auch nicht.

Da es wenige gibt, die mich kennen,

deswegen bin ich ausgezeichnet.

Deswegen zieht sich der Weise ein schäbiges Kleidungsstück über

und trägt Jade in seiner Brust."

Das Leichte ist nicht immer leicht,

und das Offensichtliche nicht offensichtlich.

Das ist so wegen dir.

Du bist sehr schwierig und durcheinander,

kompliziert, komplex.

Dein ganzes Wesen

steht auf dem Kopf, ist fragmentarisch,

aufgeteilt in Schubladen und Abteilungen.

Um eine leichte Sache als leicht zu verstehen

musst du ungeteilt sein,

und ein Ding zu verstehen, das offensichtlich ist,

heißt, das Denken hinzubringen

in eine gewisse Qualität der Bewußtheit.

Sonst

scheint das Entfernte nah

und das Nahe ist vergessen.

Fröhlich

29.01.2007 um 00:05 Uhr

Tao 239

von: tao

Der Taoismus gestattete sich selbst niemals, auch nur eine organisierte Religion zu werden – natürlich erlaubte er sich niemals, zu einer Kirche zu werden. Er ist spontan geblieben, daher gibt es keine Nachfolger, es gibt keine Kirche, keinen Vatikan, keinen Papst oder Shankaracharya – nichts davon. Der Taoismus ist offen geblieben für diejenigen, die mutig genug sind, um spontan zu sein. Es braucht großen Mut, spontan zu sein, denn spontan zu sein bedeutet, in einem Zustand konstanter Unkontrolliertheit zu bleiben. Spontaneität bedeutet, sich nicht in deine Natur einzumischen – lass sie sein, was auch immer sie ist und lass sie gehen, wohin auch immer sie sich bewegt; zu sein wie der Wind, zu sein wie der Fluss, ohne zu wissen, wohin es geht - sich nicht darum zu kümmern, wohin es geht, sich keine Sorgen darum zu machen, nicht zu versuchen, es zu planen, nicht zu versuchen, es zu projizieren.

Natürlich zu sein braucht großen Mut, daher gibt es sehr wenige Leute, die zum Tao gekommen sind. Es gibt Millionen von Christen, Millionen von Mohammedanern, Millionen von Hindus, Millionen von Buddhisten, aber der Taoismus ist eine Transzendenz geblieben, ein Duft – nicht eingesperrt, nicht angebunden – daher seine Schönheit, seine sublime Vorzüglichkeit, seine superbe Wahrheit.

Das Überbewußte, das Bewußte, das Unbewußte: Diese Unterteilungen existieren, weil man es mit der Disziplin probierte, ansonsten ist ein ununterschiedenes Bewußtsein in dir. Da sind keine Unterteilungen. Freudianer, Jungianer, Adlerianer, und andere Psychologen reden, als wenn diese Unterteilungen natürlich da wären, als wenn sie Teil der Faktizität der Menschheit wären. Sie haben nicht recht. Das Unbewußte existiert, weil der Mensch unterdrückt hat; in dem Moment, in dem die Repression verschwindet, verschwindet auch das Unbewußte. Du hast etwas mit deinem Bewußtsein gemacht: Du hast viele Dinge in deinem Wesen erzwungen, die du nicht sehen möchtest; du vermeidest es, daher die Kreation des Unbewußten.

Ein Lao-tse kennt kein Unbewußtsein, ein Mensch des Tao kennt keinerlei Unbewußtsein. Alles, was in ihm ist, dessen ist er sich bewußt, er erlaubt es, es ist in seinem Blickfeld; da gibt es keinen dunklen Keller, wo er laufend Dinge reinwirft. Der Keller beginnt nur dann zu existieren, wenn du mit der Unterdrückung anfängst. Die Repression erzeugt die Unterteilungen, dann wirst du immer mehr eingeschachtelt, weil du nicht tiefer schauen kannst: Du hast Angst, du kannst es nicht wagen, du kannst es dir nicht leisten ... das Unbewußte ist erschaffen. Ist erst einmal das Unbewußte erzeugt, dann gibt es eine kleine Überlappung des Bewußten und des Unbewußten; das wird das Unterbewußtsein genannt. Das Unbewußte bedeutet komplette Dunkelheit, das Bewußte bedeutet Licht. Natürlich gibt es zwischen dieser Dunkelheit und dem Licht eine Überlappung, eine kleine Grenzzone, die weder dunkel noch hell ist: Das ist das Unterbewußtsein.

28.01.2007 um 00:00 Uhr

Südliches Blütenland 26/10 (2)

von: tao

Die Leute tragen das Netz der Worte viele Leben lang mit sich herum

ohne herauszufinden, dass es bloss ein Netz, eine Falle ist.

Buddha pflegte eine Geschichte zu erzählen:

Ein paar Männer waren dabei, den Fluss zu überqueren.

Der Fluss war gefährlich, hatte Hochwasser

-- es muss die Regenzeit gewesen sein --

und das Boot, in dem sie unterwegs waren, rettete ihnen ihr Leben.

Sie müssen sehr, sehr intelligent gewesen sein

denn sie dachten:

Dieses Boot rettete uns, wie können wir es jetzt zurücklassen ?

Dies ist unser Retter und es würde undankbar sein, es jetzt zu verlassen !

Also trugen sie das Boot auf ihren Köpfen in die Stadt hinein.

Jemand fragte sie: Was tut ihr da ?

Wir haben noch nie jemanden gesehen, der ein Boot mit sich herumträgt.

Sie sagten: Wir werden nun dieses Boot mitschleppen müssen

für den Rest unserer Leben,

denn dieses Boot rettete uns und wir können nicht undankbar sein.

Diese intelligent dreinschauenden Leute müssen dumm gewesen sein.

Danke dem Boot, aber lasse es dort am Ufer. Trage es nicht mehr mit dir herum.

Du hast schon viele verschiedene Boote in deinem Kopf mit dir herumgeschleppt –

vielleicht nicht auf deinem Kopf, sondern in deinem Kopf.

Schau nach innen. Leitern, Boote, Pfade, Worte –

dies ist der Inhalt deines Kopfes, deines Denkens.

Der Container wird viel zu wichtig,

das Vehikel wird viel zu wichtig,

der Körper wird viel zu wichtig –

und dann wirst du ein blinder Mensch.

Der Behälter war bloss da, um dir die Botschaft zu geben –

empfange die Botschaft und vergiß die Botschaft.

Sei dankbar, aber trage ihn nicht in deinem Kopf mit dir herum.

27.01.2007 um 00:00 Uhr

Südliches Blütenland 24/8 (4)

von: tao

Du bist eine Kopie, du bist keine reale Person, denn eine wirkliche Person braucht niemals irgendeine Zurschaustellung. Einmal, auf dem Rasen eines großen Hotels spielten drei ältere Frauen Karten. Eine vierte kam dazu und fragte, ob sie sich anschließen könnte. Sie sagten: Natürlich, du bist willkommen, aber es gibt ein paar Regeln. Und sie händigten ihr eine gedruckte Karte aus, auf der vier Regeln standen. Die erste war: Rede niemals über Nerzmäntel, denn wir haben sie alle. Zweitens, rede niemals über deine Enkelkinder, denn wir sind alle Großmütter. Drittens, rede niemals über Schmuck, denn wir haben alle kostbaren Schmuck, und viertens, rede niemals über Sex – was war, das war ! Aber jede möchte über sich selbst reden, ihre Nerzmäntel, ihren Schmuck, ihre Kinder, ihren Sex. Und jeder langweilt jeden anderen. Und wenn du Langweiler tolerierst, dann tolerierst du sie nur, weil es ein gegenseitiges Übereinkommen ist: Wenn er dich langweilen darf, wird er sich auch von dir langweilen lassen. Du wartest bloß darauf – wann er endlich mit seiner Selbstdarstellung aufhört, und du mit deiner eigenen beginnen kannst. Und das ganze Leben wird eine falsche, eine fortgesetzte Selbstdarstellung. Was erreichst du dadurch ? Bloß ein falsches Gefühl, dass du wichtig und außergewöhnlich bist. Wie kann jemand außergewöhnlich werden, dadurch dass sie Nerzmäntel hat ? Wie kann eine außergewöhnlich werden, dadurch, dass sie wertvollen Schmuck besitzt? Wie kann einer außergewöhnlich werden, indem er dies oder das tut ? Außergewöhnlichkeit hat nichts mit dem zu tun, was du tust, es hat damit etwas zu tun, was du bist.

26.01.2007 um 21:16 Uhr

Tao Te King 56 (4)

von: tao

"Wer weiß, spricht nicht,

wer spricht, weiß nicht."

Alles, was Lao-tse in diesen zwei Sätzen sagt -

die tief getränkt mit Sinngehalt sind,

sehr signifikant -

ist nur soviel:

Worte sind keine Wahrheit;

sie mögen wie Wahrheit erscheinen, sind es aber nicht.

Ein gelebter Moment kann nicht ausgedrückt werden.

Etwas Lebendiges kann nur dadurch kennengelernt werden, indem man es erlebt.

Du verliebst dich, dann weißt du, was das ist.

Man mag in einem fort tausend Bücher über Liebe lesen,

und es mögen schöne Bücher sein,

sie sind vielleicht sogar von Menschen geschrieben worden, die geliebt haben

und die gewußt haben, was Liebe ist,

aber indem man sie liest, wird man niemals dahin kommen, dass man erkennt, was Liebe ist.

Liebe ist kein Konzept, das verstanden werden muss.

Sie ist eine Erfahrung, von der man sich in Besitz nehmen muss.

Wenn die Liebe die Herrschaft übernimmt

wirft das uns aus unserer Mitte,

wir sind nicht mehr da, Liebe existiert und wir sind nicht.

Man kann die Liebe nicht manipulieren.

Ein Konzept kann manipuliert werden,

man kann ein Konzept interpretieren,

man kann diese Bedeutung oder jene in es hineinlegen;

aber Liebe? Liebe kann nicht manipuliert werden.

Es ist nicht, dass man liebt,

es ist nicht, dass man etwas tut,

es ist etwas, das einem geschieht –

plötzlich ist man in einem Wirbelwind.

25.01.2007 um 00:00 Uhr

Tao Te King 41 (4)

von: tao

Mahavir sagte, dass es zwei Typen von Leuten gibt,

und die Jainas haben es überhaupt nicht verstanden.

Ein sehr revolutionärer Gedanke

ist durch Missverstehen komplett verloren gegangen.

Er sagte: Es gibt zwei Arten von Leuten.

Der eine Typ wird muktas, wird befreit bloß durch das Hören.

Sie werden shravakas genannt. Das Wort shravak bedeutet

„einer, der gehört hat und transformiert ist bloß durch das Hören“.

Dann ist da noch ein zweiter Typus

der nicht bloß durch Hören befreit werden kann,

sie müssen es üben. Sie werden sadhus genannt.

Nun existiert ein großes Missverständnis:

Der shravak muss sich vor dem sadhu verneigen.

Tatsächlich sollte genau das Umgekehrte der Fall sein

denn der shravak ist eine größere Seele.

Er hat es bloß durch Hören erreicht, aber der sadhu muss erst üben –

bloß durch das Hören konnte er es nicht erreichen.

Seine Rezeptivität ist nicht so geschärft, seine Sensitivität ist abgestumpft.

Er ist kein erstklassiger Kopf,

er ist zweite Wahl, ein mittelmäßiges Denken.

Das kann man auch sehen.

Wenn man hingeht und sich die Sadhus der Jainas ansieht

kann man sofort spüren, dass sie dumpf sind:

Es fehlt ihnen eine gewisse Intelligenz, ihre Wahrnehmung ist eingeschränkt.

Sie brauchen Jahre, um etwas zu üben

was sofort hätte verstanden werden können.

Sie machen es auf dem harten Weg

denn sie haben nicht die Intelligenz

den direkten, geraden, leichtesten Weg zu wählen,

einfach und spontan.

Sie tun tausenderlei Sachen, um etwas zu erreichen

was mit einem wahrnehmenden Denken sofort erreicht werden kann

ohne irgendetwas tun zu müssen.

25.01.2007 um 00:00 Uhr

Tao Te King 22 (4)

von: tao

Mahavir sagte, dass es zwei Typen von Leuten gibt,

und die Jainas haben es überhaupt nicht verstanden.

Ein sehr revolutionärer Gedanke

ist durch Missverstehen komplett verloren gegangen.

Er sagte: Es gibt zwei Arten von Leuten.

Der eine Typ wird muktas, wird befreit bloß durch das Hören.

Sie werden shravakas genannt. Das Wort shravak bedeutet

„einer, der gehört hat und transformiert ist bloß durch das Hören“.

Dann ist da noch ein zweiter Typus

der nicht bloß durch Hören befreit werden kann,

sie müssen es üben. Sie werden sadhus genannt.

Nun existiert ein großes Missverständnis:

Der shravak muss sich vor dem sadhu verneigen.

Tatsächlich sollte genau das Umgekehrte der Fall sein

denn der shravak ist eine größere Seele.

Er hat es bloß durch Hören erreicht, aber der sadhu muss erst üben –

bloß durch das Hören konnte er es nicht erreichen.

Seine Rezeptivität ist nicht so geschärft, seine Sensitivität ist abgestumpft.

Er ist kein erstklassiger Kopf,

er ist zweite Wahl, ein mittelmäßiges Denken.

Das kann man auch sehen.

Wenn man hingeht und sich die Sadhus der Jainas ansieht

kann man sofort spüren, dass sie dumpf sind:

Es fehlt ihnen eine gewisse Intelligenz, ihre Wahrnehmung ist eingeschränkt.

Sie brauchen Jahre, um etwas zu üben

was sofort hätte verstanden werden können.

Sie machen es auf dem harten Weg

denn sie haben nicht die Intelligenz

den direkten, geraden, leichtesten Weg zu wählen,

einfach und spontan.

Sie tun tausenderlei Sachen, um etwas zu erreichen

was mit einem wahrnehmenden Denken sofort erreicht werden kann

ohne irgendetwas tun zu müssen.

24.01.2007 um 02:06 Uhr

Südliches Blütenland 26/7 (5)

von: tao

Überall ist es schief und einseitig.

Der Mann dominiert, das ist der Grund, warum es soviel Unglück gibt.

Und wenn einer der polaren Gegensätze dominiert,

wird dies Unglück bringen,

denn der andere wird sich verletzt fühlen und Rache nehmen.

So rächt sich jede Hausfrau zuhause.

Sie kann natürlich nicht so leicht hinaus und in die Welt gehen

und Rache nehmen an der Menschheit, an der männlichen Menschheit.

Sie rächt sich an ihrem Ehemann.

Da schwelt ein ständiger Konflikt.

Mullah Nasrudin sagte einmal zu seinem Sohn:

Das geht dich gar nichts an, frag mich nicht solche Sachen,

wer bist du, dass du mich fragst, wie ich deine Mutter kennenlernte?

Aber eines will ich dir sagen. Sie kurierte mich todsicher vom Pfeifen.

Dann sagte er noch: Und dies ist die Moral der Geschichte.

Wenn du nicht so unglücklich werden willst wie ich,

dann pfeife niemals einem Mädchen hinterher!

Warum ist die Frau immer im Konflikt?

Es ist nicht die Person, es ist keine persönliche Sache.

Es ist die Rache der Frau, des Weiblichen,

des verneinten Gegensatzes.

Und dieser Mann im Haus, der Ehemann,

ist der Repräsentant der ganzen männlichen Welt,

der männlich orientierten Welt.

Und den bekämpft sie.

Das Familienleben ist so miserabel

weil wir nicht gehört haben, was Dschuang Dsi sagt.

Es gibt so viele Kriege, weil wir nicht gehört haben

dass der Gegensatz miteinbezogen werden muss.

Indem wir ihn verneinen, laden wir uns die Probleme ein,

und auf jedem Weg, auf jeder Ebene, in jeder Dimension,

ist es das gleiche.

23.01.2007 um 00:00 Uhr

Tao Te King 22 (7)

von: tao

Wenn wir sagen, dass es die Existenz nicht ohne einen Schöpfer geben kann,

dann sagt der Atheist: In Ordnung, wer erschuf dann deinen Gott?

Denn wenn die Existenz nicht ohne einen Schöpfer sein kann,

wie kann dann Gott ohne einen Schöpfer sein?

Nun ist der ganze Gottesbeweis widerlegt.

Wenn wir sagen, Gott wurde von einem anderen Gott erschaffen,

und der andere Gott wieder von einem anderen, wird es ein unendlicher Regress.

Das ist sinnlos.

Schließlich müssen wir an einen Punkt kommen, wo wir sagen müssen:

Ja, dieser Gott Z wurde nicht von irgendjemandem erschaffen.

Damit akzeptieren wir die Niederlage.

Wenn Z da sein kann, ohne erschaffen worden zu sein,

warum dann nicht diese Existenz, was ist verkehrt an dieser Existenz?

Logik ist ein schönes Spiel – wenn wir es spielen wollen, dann spielen wir es eben,

aber denken wir besser nicht, dass dies das Leben ist.

All die Regeln der Logik sind genau wie die Regeln für ein Kartenspiel:

Wenn wir ein Kartenspiel spielen wollen, müssen wir die Regeln befolgen,

aber wir wissen genau, dass sie von Menschen gemacht sind;

sie sind nirgendwo im Leben zu finden.

Niemand hat vorbestimmt, dass sie so sind, sie sind ausgedacht,

und wenn wir das Spiel spielen wollen, dann müssen wir die Regeln akzeptieren.

Wenn wir die Regeln nicht akzeptieren

werden wir raus aus dem Spiel sein, weil wir es dann nicht spielen können.

Logik ist ein Spiel, das Gelehrte spielen.

Sie argumentieren ständig seit Jahrhunderten für nichts und wieder nichts,

denn die Logik ist noch nicht zu einer einzigen Schlussfolgerung gekommen.

Seit Tausenden von Jahren haben sie schon gekämpft und argumentiert

und die Leute warten immer noch –

eines Tages werden sie mit ihren Feststellungen herauskommen,

sie werden vielleicht eines Tages die Wahrheit entdecken.

Sie haben nicht einmal eine einzige Einsicht über die Wahrheit gefunden,

nicht einmal einen Schimmer.

22.01.2007 um 00:00 Uhr

Tao 238

von: tao

Jemand kann ein Therapeut sein. Der Taoismus ist nicht gegen Therapie, aber die Therapie wird eine andere Qualität haben. Sie wird wu wei sein, sie wird Tätigkeit in Untätigkeit sein, sie wird feminin sein. Sie wird nicht aggressiv sein, sie wird den Patienten nicht dazu zwingen, geheilt zu werden; sie wird einfach überreden. Sie wird den Patienten einfach dazu verführen, gesund zu sein, das ist alles. Es wird eine großartige Verführung sein. Der Therapeut ist zentriert, geerdet, ist im Fluss; seine Präsenz, sein Licht, seine Liebe, werden helfen, dass die Energie des Patienten hochkommt, in seinem Wesen an die Oberfläche kommt. Sie war immer da – er hat den Kontakt verloren.

In Zen-Tempeln behandeln sie geisteskranke Menschen. Sie tun dabei gar nichts. Sie sorgen für ihn. Wenn sie beten, kommt der Geisteskranke und sitzt dabei, und sie beten überhaupt nicht für den Geisteskranken – darum geht es ihnen nicht. Sie beten wie gewöhnlich, sie rezitieren wie gewöhnlich, und der Geisteskranke sitzt da. Einhundert buddhistische Mönche rezitieren, und der schöne Klang, und die Schwingung, und die Atmosphäre, und das Schweigen einer Zen-Gemeinschaft, und die Bäume, und der Felsengarten, der Zen-Garten, und diese ganze Atmosphäre… und der Patient sitzt einfach da. Tatsächlich nennen sie ihn nicht einmal einen Patienten, denn einen Patienten einen „Patienten“ zu nennen, heißt, den Gedanken in seinem Denken zu fixieren, dass er krank ist. Das ist eine Suggestion; es ist sehr gefährlich. Sie nennen ihn keinen Patienten – eine Person, die Gebet braucht, eine Person, die Meditation benötigt, eine Person, die Entspannung braucht, aber keinen Patienten; nicht dass er krank ist, nicht dass etwas schief gelaufen ist, dass er durchgedreht ist, nein. Allein schon die Idee, dass jemand ausgeflippt ist, gibt ihm die Fixierung: „Ich bin verrückt“, und das wiederholt er laufend und er versucht angestrengt, nicht verrückt zu sein. Und es gibt ein bestimmtes Gesetz, das von Hypnotiseuren entdeckt wurde, sie nennen es „das Gesetz des umgekehrten Effekts“. Wenn wir zu sehr versuchen, nicht verrückt zu sein, werden wir verrückt werden. Das können wir ausprobieren und dann selbst sehen. Wenn wir sieben Tage lang versuchten, nicht verrückt zu sein – uns ständig bewusst blieben, „wir sind nicht verrückt“, jede Handlung beobachten, die wir tun – dann werden wir innerhalb von sieben Tagen verrückt werden. Die ständige Wiederholung wird den Umkehreffekt erzeugen. In einem Zen-Kloster denken sie über diese Person, dass sie Entspannung benötigt, dass sie zu sehr in der Welt war und zu verspannt geworden ist, dass sie zu müde ist, das ist alles. Da liegt keine Abwertung darin, bloß Mitgefühl. Sie wird nicht hospitalisiert, sie wird in einen Tempel geschickt.

Verrückt

21.01.2007 um 19:49 Uhr

Tao 237

von: tao

Das sind die Leute

die uns zu einem kontrollierten Leben gezwungen haben;

dies sind die Leute

die uns nicht erlaubten, so zu leben, wie wir gerne gelebt haben würden;

dies sind die Leute, Moses und Mohammed,

die uns Gebote dafür gegeben haben, wie wir leben sollen.

Wenn wir ihnen begegnen, werden wir sie töten, wir werden sie ermorden.

Wir können ihnen nicht vergeben. Unsere Dankbarkeit ist falsch.

Wir sind so unglücklich, wie können wir dankbar sein? Wofür?

Können wir für unser Unglück dankbar sein?

Nein, wir können nur dankbar sein, wenn wir glücklich sind.

Dankbarkeit folgt wie ein Schatten

wenn wir eine innere Wohltat fühlen,

ein Gefühl des ständigen Gesegnetseins.

Besser, wir sind ein Mensch mit Disziplin, aber niemals ein Mensch mit Kontrolle.

Wie können wir dann diszipliniert sein?

Wir kennen nur eine Bedeutung von Disziplin

und die ist, kontrolliert zu sein – von uns selbst oder von anderen.

Besser, wir geben alle Regeln und Regelungen auf

und leben ein Leben mit einer erhöhten Wachheit, das ist alles.

Verstehen sollte das einzige Gesetz sein.

Wenn wir verstehen, werden wir lieben,

wenn wir lieben, werden wir niemandem irgendeinen Schaden zufügen;

wenn wir erkennen, werden wir glücklich sein,

wenn wir glücklich sind, werden wir abgeben;

wenn wir verstehen, werden wir so glücklich werden

dass von unserem ganzen Wesen aus,

unaufhörlich wie ein Kontinuum, wie ein Fluss,

eine Dankbarkeit der Existenz gegenüber entstehen wird.

Das ist Andacht.

Besser, wir versuchen, das Leben zu verstehen, erzwingen nichts,

und bleiben immer frei von der Vergangenheit.

20.01.2007 um 21:58 Uhr

Quellender Urgrund 2/12 (10)

von: tao

Es gibt eine andere Parabel in der Bibel, dass, als Gott die Welt erschuf, er Adam aufforderte, die Dinge zu benennen. Er brachte den Löwen her und fragte Adam: „Welchen Namen gibst du diesem Tier?“ Er brachte den Elefanten zu ihm und fragte: „Welchen Namen gibst du diesem Tier?“ Und Adam benannte alle Dinge und seitdem hat der Mensch das gleiche getan. All unser Wissen ist nichts als Benennen und Etikettieren. Wenn wir jemanden fragen: „Kennst du diese Blume?“, und er sagt: „Ja, ich kenne sie, es ist eine Rose“, was weiß er dann? Bloß den Namen. Was wissen wir sonst noch? Kennen wir die Rose, indem wir den Namen „Rose“ nennen? Kennen wir Gott, indem wir den Namen „Gott“ kennen? Kennen wir Liebe, indem wir das Wort „Liebe“ kennen? Dieses Gleichnis ist auch schön. Adam war töricht genug. Er hätte sagen sollen: „Nein, wie kann ich Namen vergeben? Ich kenne diese Dinge nicht.“ Aber er benannte sie – den Elefant, die Rose, den Löwen, den Tiger – und seitdem ist dies das, was der Mensch kontinuierlich durch die Jahrhunderte getan hat: Bloß Dingen Namen geben. Wenn wir den Namen der Person kennen, denken wir, wir kennen die Person, wenn wir also Leute einander vorstellen, dann erzählen wir ihnen einfach ihren Namen oder ihr Land, ihre Rasse. Aber was tun wir damit? Lernt man die Person auf diese Weise kennen? Die Person ist ungeheuer weit, so gewaltig, wie können wir sie mit einem Etikett versehen und sie durch das Etikett kennen? Aber das Benennen erweckt einen falschen Eindruck – als wenn wir wüssten. Man muss es irgendwie nennen, also etikettieren wir laufend Dinge und dann denken wir, wir würden sie kennen. Was genau wissen wir denn? Wenn wir diese Namen weglassen, die sich in unserem Denken angesammelt haben, was bleibt dann noch übrig? Nichts, ganz genau, und dieses Nichts sollte besser realisiert werden, denn bevor wir nicht dieses Nichts-Sein anerkennen, werden wir uns niemals in die richtige Richtung bewegen. Was machen unsere Experten denn laufend? Ein Arzt hatte gerade seine Praxis eröffnet und der erste Patient kam. Er untersuchte den Patienten, aber er konnte an nichts festmachen, an welcher Art von Krankheit er litt, und er wollte nicht zeigen, dass er es nicht wusste. Also schlug er in seinen Büchern nach, aber er konnte es immer noch nicht finden. Er wurde sehr nervös, und der Patient saß auf dem Bett und beobachtete ihn, und er begann zu schwitzen. Dann kam ihm plötzlich eine Idee. Er fragte den Patienten: „Haben sie jemals schon vorher an dieser Krankheit gelitten?“ Der Mann sagte: „Ja, vor fünf Jahren litt ich daran.“ Und der Doktor lachte und sagte: „Also, eines ist sicher. Sie haben sie wieder.“ Wenigstens konnte er nun etwas sagen. Er war erleichtert. „Sie haben wieder diese Krankheit.“ Aber selbst wenn wir einen Namen dafür finden können, bedeutet das nicht viel.

19.01.2007 um 14:08 Uhr

Tao Te King 41 (3)

von: tao

Nicht dass ein intelligenter Mensch seinen Intellekt benutzen müsste, um die Wahrheit, das Tao, zu verstehen, das würde ein aufgeschobenes Verstehen sein.

Der höchste Menschentyp versteht augenblicklich, ohne dass es eine Zeit dauert.

Wenn er von der Wahrheit hört,

hat er verstanden, bloß dadurch, dass er die Wahrheit gehört hat.

Nicht dass er seine Denkfähigkeit hinzugeholt hätte, um sie zu verstehen, nein,

das würde eine Verzögerung sein –

sein totales Wesen versteht sie, nicht nur der intellektuelle Teil.

Nicht nur seine Seele, nicht nur sein Denken,

sondern sogar sein Körper vibriert in einer neuen unbekannten Art und Weise.

Ein neuer Tanz ist in sein Wesen gekommen,

und nun kann er niemals wieder der gleiche sein.

Hat er erst einmal von der Wahrheit gehört

kann er niemals wieder der alte sein, eine neue Reise hat begonnen.

Nun kann nichts mehr getan werden, er muss losziehen.

Er hat vom Licht gehört und er hat in Dunkelheit gelebt:

Nun wird es für ihn, bevor er es nicht erreicht, keine Ruhe mehr geben,

er wird tiefgehend unzufrieden werden.

Er hat gehört, dass eine andere Art von Existenz möglich ist:

Bevor er sie nun nicht erreicht, sie verwirklicht,

kann er sich nicht wohl fühlen, kann er nirgendwo mehr zuhause sein.

Wo immer er sein wird, der ständige Ruf vom Unbekannten her

wird kontinuierlich an die Türe klopfen:

Wenn er wach ist, wird er es hören,

wenn er schläft, wird er es hören,

wenn er träumt – das Klopfen wird da sein, er wird es hören.

Wenn er isst, wird er es hören, wenn er geht, wird er es hören –

es wird ein ununterbrochen ihn begleitendes Phänomen sein.

Bloß durch Hören?

Das ist der Grund, warum Krishnamurti laufend sagte,

dass es nicht nötig ist, irgendetwas zu tun.

18.01.2007 um 03:03 Uhr

Quellender Urgrund 1/7 (1)

von: tao

„Dsi Gung wurde des Studierens müde
und sagte zu Konfuzius: „Ich möchte Ruhe finden.“
Konfuzius sprach: „Für die Lebenden gibt es keine Ruhe.“
Dsi Gung sprach: „Dann werde ich sie niemals finden?“
Konfuzius sprach: „Du wirst. Freue dich auf den hohen und gewölbten
Hügel deines Grabes und wisse, wo du Ruhe finden wirst.“
Dsi Gung sprach: „Großartig ist der Tod. Der Edle findet Ruhe in ihm,
der gemeine Mensch unterwirft sich ihm!“
Konfuzius sprach: „Dsi Gung, du hast verstanden. Alle Menschen verstehen
die Freude, lebendig zu sein, aber nicht das Unglück, das darin liegt,
die Ermüdung, alt zu werden, aber nicht die Erleichterung und innere Ruhe, die darin enthalten ist, die Hässlichkeit des Todes, aber nicht seine Ruhe.“
Die Philosophie ist der Feind der Wahrheit. Und mit Philosophie ist alle Philosophie gemeint, diese Philosophie, die taoistische Philosophie miteingeschlossen, denn die Philosophie erzeugt eine Abschirmwand aus Worten und wir können die Realität nicht sehen, wie sie ist. Sie verzerrt die Wirklichkeit, sie interpretiert die Realität, sie zieht der Wirklichkeit ein Kleid an, sie versteckt die Realität, sie bedeckt und überzieht die Wirklichkeit.
Die Wahrheit ist nackt, die Wahrheit ist überall, die Wahrheit ist innen und außen; und die einzigen Barrieren sind die Worte, die Theorien, die Theologien, die wir gelernt haben. Sie erlauben uns nicht, das zu sehen, was ist, sie stellen sich uns in den Weg, es sind Vorurteile. Alle Philosophie ist ein Vorurteil, und alle Konzepte sind keine Brücken – kein Konzept ist eine Brücke – sie sind die Barrieren.
Eines Tages kommt ein authentischer Sucher zu diesem großen Moment der Verwirklichung, wenn er sich müde und erschöpft fühlt – ermüdet von all diesem Unsinn, der im Namen des Denkens so vor sich geht. Das Wort „Gott“ ist nicht Gott. Wie lange können wir mit dem Wort noch weiterspielen? Das Wort „Essen“ ist kein Essen. Wie lange können wir das Wort „Essen“ noch mit uns herumtragen und dabei hungrig bleiben? Früher oder später wird uns bewusst werden, dass das, was wir mit uns herumtragen, nur ein Wort ist – es kann uns nicht ernähren, es kann uns kein Leben geben, und es kann uns keinen Frieden geben, es kann uns überhaupt nichts geben. Natürlich verspricht es alles, auf diese Weise wird die Philosophie so wichtig – wegen all ihrer Versprechungen.

Beschäftigt

17.01.2007 um 13:22 Uhr

Tao 236

von: tao

Aber die Religionen haben uns etwas beigebracht

was das Problem erzeugt.

Sie haben uns als Sünder verdammt –

wie können wir da wacher werden?

Sünde ist nichts als Irrtum.

In dem Wort an sich liegt keine Verurteilung –

es ist bloß ein Irrtum!

Und wer irrt, der lernt.

Alle Erwachten sind Sünder gewesen.

Es hat niemals einen Erleuchteten gegeben

der kein Sünder gewesen ist,

wie hätte er sonst wach werden können?

Er reiste, er irrte, er ging in die Irre,

er fiel Millionen Mal hin, und stand wieder auf.

Er ist angekommen.

Die ganze Reise lang ist er ein Sünder gewesen.

Nun hat er gelernt,

und nun ereignet sich kein Irrtum mehr.

Er ist weise geworden durch das Sündigen, durch die Fehler.

Er kennt sich aus. Er ist erwacht.

Aus der Dunkelheit der Nacht

ist der Morgen geboren.

Jeder wache Mensch ist ein Sünder gewesen,

und jeder Sünder wird erwachen.

Die Vergangenheit des Erwachten muß zwangsläufig Sünde sein,

und die Zukunft jedes Sünders

ist notwendigerweise ein Erwachen.

Zwischen einem Erwachten und einem Sünder gibt es also nur einen Unterschied von Vergangenheit und Zukunft, das ist alles. Wir brauchen uns also nicht verdammt zu fühlen.

Sünde an sich ist schon genug,

warum sollten wir  uns selbst auch noch mehr durch eine Verurteilung belasten?

16.01.2007 um 14:10 Uhr

Tao 235

von: tao

Jeder Liebende spürt eine Ego-Verstärkung.

Und dies ist die Ursache für viel Unglück in der Welt gewesen.

Die Christen denken, sie wären etwas Besonderes, von Gott besonders auserwählt.

Die Juden denken, dass sie etwas ganz Besonderes sind, Gott hat sie zur auserwählten Rasse gemacht. Und das hat viel Unglück in der Welt erzeugt.

Wenn wir das auserwählte Volk sind

dann sind uns alle Sünden vergeben,

dann können wir tun, was auch immer wir wollen.

Niemand ist auserwählt oder jeder ist auserwählt!

Der Hund auf der Straße ist auch ein auserwählter Hund,

und gewöhnliches Gras ist auch auserwählt,

und Sterne sind auch auserwählt, wir sind auch auserwählt –

entweder sind alle auserwählt oder niemand ist auserwählt,

es liegt an uns, dies zu entscheiden.

Aber wenn wir sagen „Ich bin auserwählt“

was ist denn dann mit den anderen?

Verrückte Leute wie Adolf Hitler, Mussolini, Tojo, Stalin,

sie alle hatten das Gefühl, sie seien auserwählte Leute:

Sie sind zum Regieren geschaffen,

und andere sind dazu gemacht, regiert zu werden.

Diese Leute machen Probleme.

Aber wir haben auch die gleiche Saat in uns;

wenn wir sie wachsen lassen, können wir ein Adolf Hitler werden.

Niemand ist etwas Besonderes.

Das Leben ist so schön in seiner Gewöhnlichkeit,

so außergewöhnlich in seiner Gewöhnlichkeit,

warum diese unsinnigen Konzepte in es hineinbringen und es damit stören?

Wer verdient es sonst, erleuchtet zu werden?

Ein Heiliger ist schon erleuchtet,

nur Sünder sind übrig, damit sie erleuchtet werden.

15.01.2007 um 00:00 Uhr

Tao Te King 48 (3)

von: tao

Allein schon die Anstrengung, Mysterien zu enthüllen

ist Gewalt.

Und

allein schon die Anstrengung, etwas zu erkennen

bedeutet, wir machen uns zum Kampf bereit.

Was werden wir sonst mit dem Wissen anfangen?

Wissen ist ein Hilfsmittel

für Aggression, Kampf und Konflikt.

Der Teil versucht damit, zu rebellieren;

der Teil versucht dadurch

sein eigenes Seinszentrum zu haben

getrennt vom Ganzen.

Der Teil versucht damit, selbst die Mitte der Welt zu werden!

Nicht dass da ein Gott ist, der das verbietet.

Auch wenn Gott Geschichten liebt,

ist Gott selbst Teil einer schönen Geschichte.

Gott ist die schönste Parabel.

Nirgendwo gibt es so etwas wie Gott.

Wenn wir nach ihm suchen

werden wir vergeblich nach ihm suchen.

Wir werden niemals ihm in die Quere kommen.

Gott ist ein Gleichnis –

aber schön!

Es besagt viele Dinge,

und wir werden das verpassen, wenn wir denken, dass Gott eine Person ist.

Gott ist keine Person.

Wenn also Gott etwas verbietet, bedeutet das nicht

dass da jemand ist, der es verbietet.

Es bedeutet, dass dies ein Weg ist, etwas zu sagen.

Die Existenz verbietet das Wissen.

Die Existenz erlaubt Unschuld und verbietet Wissen.

14.01.2007 um 00:00 Uhr

Südliches Blütenland 23/2 (1)

von: tao

Nur der Mensch leidet.
Das Leiden existiert nirgendwo sonst als im Herzen des Menschen.
Die ganze Natur ist freudig;
Die ganze Natur ist immer am Feiern
ohne irgendeine Furcht, ohne irgendeine Angst.
Die Existenz existiert immerzu, aber der Mensch ist ein Problem.
Warum ist dies so? Und jeder Mensch ist ein Problem.
Wenn nur ein paar Problemfälle wären, könnten wir sie krank und abnormal nennen,
aber genau das Gegenteil ist der Fall –
nur ein paar sind keine Probleme.
Selten ist da ein Mensch wie Lao-tse, Liä Dsi oder Dschuang Dsi –
einer, der zuhause ist, dessen Leben eine Ekstase ist
und keine Leidensgeschichte und keine Beklemmung.
Ansonsten lebt jeder in Leid und in der Hölle.
Irgendwo ist der Mensch falsch abgebogen – und nicht irgendein spezieller Mensch,
sondern die menschliche Gesellschaft als solche ist in die Irre gegangen.
Und dies ist bis an die Wurzeln gegangen.
Immer wenn ein Kind geboren wird,
beginnt die Gesellschaft das Kind in das abnormale Energiemuster zu verändern –
die unnatürliche Energiestruktur, in der jeder andere schon leidet.
Die Psychologen haben sich sehr bemüht, das Mysterium zu ergründen
wo ein Kind vom Weg abkommt
und sie sind auf das Alter von vier Jahren gekommen.
Irgendwo um dieses Alter herum wird das Kind Teil der Gesellschaft;
irgendwo um diese Zeit herum ist es nicht mehr natürlich.
Vor dem Alter von vier Jahren ist es immer noch Teil der großen Welt
der Bäume, Blumen, Vögel und Tiere;
vor dem Alter von vier Jahren ist es immer noch wild.
Danach ist es domestiziert. Dann übernimmt die Gesellschaft.
Dann lebt es nach den Regeln, der Moral, gemäß richtig und falsch.
Dann ist es nicht total. Dann ist alles geteilt.

Verrückt

13.01.2007 um 02:33 Uhr

Tao 234

von: tao

Alles ist Illusion außer dem Zeugen. Alles ist Traum außer dem bezeugenden Bewusstsein. Nur derjenige, der erkennt, ist wahr, ist real. Was auch immer wir sehen, ist illusorisch; der, der sieht, ist nicht illusionär. In der Nacht sehen wir eine Art von Traum, am Tag sehen wir eine andere Art von Traum. In der Nacht sind die Träume des Tages vergessen, im Tag sind die Träume der Nacht vergessen. Manchmal träumen wir mit offenen Augen und manchmal träumen wir mit geschlossenen Augen, aber eines bleibt auf ewig da, ändert sich niemals, und das ist unser Bewusstsein. In der Nacht sehen wir Träume; am Tag sehen wir Dinge, die Welt. Alles ändert sich: Die Nacht in den Tag, der Tag in die Nacht, die Träume in Gedanken, die Gedanken in Träume; nur eines bleibt auf ewig da – unser beobachtendes Bewusstsein. Das, was ewig ist, ist wahr. Das, was sich verändert, ist illusorisch. Mit „Illusion“ ist nicht das gemeint, was nicht ist, mit „illusorisch“ ist nur das gemeint, was nicht auf ewig wahr ist. Und was ist die Bedeutung von etwas, das temporär wahr ist, nur für den Moment? Vor dem Moment war es unwahr, nach dem Moment wird es wieder unwahr. Das ist der Grund, warum man im Osten nicht dem Leben hinterher gejagt hat. Vor der Geburt war es nicht da, nach dem Tod wird es wieder nicht da sein, also ist dieses momentane Phänomen nicht viel wert. Es ist nicht nötig, davon besessen zu sein; man kann durch es hindurchgehen, unbekümmert, unberührt von ihm. Die Betonung des Westens liegt auf dem, was gesehen wird, und die Betonung des Ostens liegt auf dem, der sieht. Entweder fokussieren wir uns auf das Objekt oder wir fokussieren uns auf uns selbst. Wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf das Objekt ausrichten, ist unsere Herangehensweise wissenschaftlich und objektiv. Wenn wir uns auf das Subjekt konzentrieren, ist unsere Herangehensweise religiös. Dieses Subjekt ist ewig wahr. Die Bibel sagt: Im Anfang war das Wort. Der Osten kann das nicht sagen. Der Osten sagt: Im Anfang war der Zeuge, in der Mitte ist der Beobachter, am Ende wird das bezeugende Bewusstsein sein; eines bleibt ewig das Substrat von allem. Selbst wenn das Wort am Anfang gewesen wäre, muss es jemand gehört haben – der Seher bzw. Hörer, der Zeuge – sonst hätte es nicht gewesen sein können. Also kommt derjenige, der es hörte, vor dem Wort; das Wort kann nicht im Anfang sein. Wenn wir bloß immer mehr ständig nach dem Zeugen suchen und immer mehr und mehr in das beobachtende Bewusstsein involviert werden, ändert sich eines Tages die Gestaltwahrnehmung. Unser Fokus geht durch eine Transformation. Zum Beispiel lest ihr dies gerade. Ihr könnt auf zweierlei Weise lesen, denn alles kann auf zweierlei Weise getan werden: Östlich und westlich. Ihr lest immer noch; euer Schwerpunkt kann auf dem liegen, was da steht, auf dem Text – dann ist es eine westliche Herangehensweise. Die östliche Herangehensweise ist, dass eure Betonung auf dem Leser liegt, dem Zuschauer, dem Beobachter, dem Zeugen. Ihr seid nicht zu sehr beschäftigt mit dem, was da steht oder was ihr lest, sondern mit dem, der dies bezeugt, der es gerade lest. Ihr lest es immer noch…wer ist dieser Leser, der es liest? Diese Transformation, dieser Gestaltwechsel, wird euch in die Welt der Nicht-Illusion bringen; ansonsten ist alles illusorisch.