Taoistische Reflektionen

28.02.2007 um 01:53 Uhr

Tao Te King 1 (18)

von: tao

Wahrheit ist eine Erfahrung. Sie ist kein Gedanke.

Wenn sie ein Gedanke wäre, könnte sie ausgedrückt werden,

es würde dabei keine Probleme geben.

Wie kompliziert oder komplex auch immer ein Gedanke sein mag,

es kann ein Weg gefunden werden, ihn auszudrücken.

Die komplexeste Theorie von Albert Einstein,

die Relativitätstheorie,

kann auch in einem Symbol, in einer Formel, ausgedrückt werden. Das ist kein Problem.

Der Leser mag nicht imstande sein, es zu verstehen,

aber darum geht es nicht – es kann ausgedrückt werden.

Man sagte zu Einsteins Lebzeiten, dass nur zwölf Personen,

ein Dutzend, auf der ganzen Welt ihn verstanden

und das, was er sagte.

Aber sogar das ist genug.

Sogar wenn eine einzige Person es verstehen kann, ist es ausgedrückt worden.

Und sogar wenn eben jetzt nicht einmal eine einzige Person es verstehen kann,

wird vielleicht nach vielen Jahrhunderten eine Person kommen

die es verstehen kann. Auch dann ist es ausgedrückt worden.

Allein die Wahrscheinlichkeit, dass jemand es verstehen kann

bedeutet, es ist ausgedrückt worden.

Aber die Wahrheit kann nicht ausgedrückt werden

denn allein schon der Weg zu ihr geht durch das Schweigen,

die Tonlosigkeit, das Gedankenlos-Sein.

Du gelangst zu ihr durch das Nicht-Denken, das Denken muss wegfallen.

Und wie kannst du etwas benutzen, das als eine notwendige Bedingung

wegfallen muss, bevor die Wahrheit erreicht werden kann ?
Das Denken kann nicht verstehen, das Denken kann nicht realisieren,

wie kann das Denken es dann ausdrücken ?

Das ist eine Regel:

Wenn das Denken es erreichen kann, kann das Denken es ausdrücken;

wenn das Denken nicht dahin gelangen kann, kann das Denken es nicht ausdrücken.

27.02.2007 um 03:04 Uhr

Südliches Blütenland 24/8 (5)

von: tao

Du bist schon außergewöhnlich, jeder ist einzigartig,

es ist nicht nötig, es zu beweisen.

Wenn du es zu beweisen versuchst,

wirst du genau das Gegenteil beweisen.

Wenn etwas schon der Fall ist,

wie kannst du es dann beweisen ?

Wenn du versuchst, es zu beweisen,

zeigst du damit einfach,

dass du dir der Einzigartigkeit,

die dir schon geschehen ist, nicht bewußt bist.

Wenn du also etwas beweisen möchtest

zeigt das, dass du selbst daran Zweifel hegst.

Du möchtest deinen Zweifel

durch die Augen der anderen zerstören,

durch ihre Meinungen darüber.

Du bist nicht wirklich von dir

als schöner Person überzeugt,

du hättest es gerne, dass andere sagen,

dass du schön bist.

In einem kleinen Dorf pflegte der Dorfpriester die Sitte

dass er immer, wenn er jemanden verheiratete,

die Braut küßte.

Es war eine alte Tradition.

Eine Frau, die verheiratet werden sollte,

machte sich darüber große Sorgen.

Sie hielt sich selbst für sehr schön,

wie jede Frau dies tut.

Das ist weiblich, es nichts Besonderes.

Wirklich, jede Frau denkt so – sogar die häßlichste.

Sie hielt sich für sehr schön

und sie war sehr bekümmert und voll Sorge.

Sie sagte immer wieder zu ihrem Ehemann in spe,

dem Bräutigam:

Geh und sag dem Priester

dass ich nach der Heirat nicht geküßt werden möchte.

Kurz vor der Heirat fragte sie wieder den Bräutigam:

Bist du bei dem Priester gewesen

und hast du es ihm gesagt ?

Der Bräutigam sagte sehr traurig: Ja.

Die Braut fragte: Warum bist du so traurig ?

Der Bräutigam sagte: Ich sagte es dem Priester

und er war sehr glücklich.

Er sagte: "In diesem Fall werde ich nur

die Hälfte meines gewöhnlichen Honorars berechnen."

26.02.2007 um 03:12 Uhr

Tao Te King 45 (7)

von: tao

Ein Mann kam zu Osho und erzählte ihm von seinem Meister

und sagte: Dieser Mann ist sehr bescheiden.

Manchmal hat er sogar meine Füße berührt.

Er ist so bescheiden und so einfach....

Da sagte Osho diesem Mann, der ihm sagte, dass sein Meister

so selbstlos war, dass wenn er die Füße des Meisters berührte

der Meister auch seine berührte, er sagte zu ihm: Geh noch einmal zu ihm

und dieses Mal berühre seine Füße nicht, und verhalte dich arrogant,

und rede in solch einer Weise, dass es scheint, dass du auf ihn herabsiehst.

Er sagte: Das wird schwierig werden,

ich bin schon seit vielen Jahren sein Verehrer gewesen.

Osho sagte: Mach dir keine Sorgen, du mußt es einfach mal probieren.

Nur dann wird die Sachlage klar sein, und dann komm zu mir zurück.

Er ging. Schon nach einer Woche kam er zurück und sagte:

Alles hat sich geändert.

Als ich die Füße dieses Mannes nicht berührte, berührte er auch nicht meine,

und er sah mich mit solch einer Verachtung an

dass es schien, als wenn er, wenn es für ihn möglich wäre,

mich in die siebente Hölle werfen würde.

Und als ich mich anmaßend verhielt

und so zu reden begann, als wenn ich mehr wüßte als er

befahl er seinen Schülern, mich hinauszuwerfen. Ich bin hinausgeschmissen worden.

Osho fragte den Mann: Was sagst du nun ?

Weil du blind bist, weil du nicht verstehen kannst,

sind dir einige Stützen gegeben worden, um dein Leben zu regulieren

und um es zu disziplinieren.

Wenn du verstehst, dann wirfst du all diese Stützen weg,

denn nun hast du die wirkliche Sache, du lebst mit Bewußtheit.

Ihr seid Sklaven, auf diese oder jene Weise versklavt;

sogar wenn ihr rebelliert, seid ihr Sklaven –

rebellische Sklaven, aber immer noch Sklaven.

Wie kannst du in deiner Sklaverei einen freien Menschen verstehen ?

Die Sklaverei wird dich umgeben wie Rauch, wie eine Nebelwand,

und durch diese Sklaverei hindurch schaust du auf einen freien Menschen.

25.02.2007 um 03:44 Uhr

Südliches Blütenland 1 (7)

von: tao

Durch dein Verlangen erschaffst du die Zeit.

Je größer die Sehnsucht, desto mehr Zeit ist nötig.

Aber für materialistische Wünsche ist nicht viel Zeit nötig.

Das ist der Grund, warum man im Westen

sagt, dass es nur ein Leben gibt.

Im Osten hat man sich nach Moksha, nach Befreiung, gesehnt.

Das ist das größtmögliche Verlangen –

kein anderer Wunsch kann größer sein als dieser.

Wie kannst du Moksha in einem Leben bekommen ?

Ein Leben ist nicht genug.

Vielleicht bekommst du einen Palast, vielleicht organisierst du dir ein Königreich,

du magst sehr reich werden und sehr mächtig, ein Hitler, ein Ford,

du wirst vielleicht etwas von dieser Welt werden,

aber Moksha ist solch ein großes Verlangen, dass ein Leben nicht genug ist.

Also glaubt man im Osten an viele Leben, an Wiedergeburt,

denn mehr Zeit, viele Leben, wird nötig sein

um die Sehnsucht nach Moksha zu erfüllen.

Nur dann ist da Hoffnung, dass der Wunsch erfüllt werden wird.

Es geht also nicht darum, ob es viele Leben gibt oder nur eines,

sondern dass die Leute im Osten an viele Leben glauben

weil sie sich nach Moksha sehnen.

Wenn du nur ein Leben hast, wie kannst du dann Moksha erlangen ?

Nur materielle Dinge können in einer Lebenszeit erreicht werden,

spirituelle Transformation hingegen ist nicht möglich.

Der Wunsch ist so riesengroß, dass millionenfache Lebenszeit nötig ist.

Das ist der Grund, warum die Leute im Osten so gemächlich leben.

Es gibt keine Eile, weil es keine Zeitknappheit gibt.

Du wirst wieder und wieder und wiedergeboren werden

warum also sich beeilen ?

Du hast doch unendlich viel Zeit.

Verrückt

24.02.2007 um 00:00 Uhr

Südliches Blütenland 17/1 (3)

von: tao

Das ist Erlösung:

Das ganze Leben wird du, das Ganze von dir wird das Leben.

Es ist keine Lösung, es ist eine Erlösung.

Das ist es, was die Hindus moksha genannt haben:

Es ist keine Theorie, keine Schlußfolgerung,

es ist ein total anderer Weg mit der Existenz zu leben.

Es ist nicht kopforientiert; wirklich, du wirst "kopflos",

du verlierst alle Unterscheidungen, die Peripherie löst sich auf,

du bist genau wie ein Tropfen im Ozean.

Du verlierst deine Grenzen und du gewinnst die kosmischen Grenzen

welche unbegrenzt sind.

Das erste, was es dabei zu verstehen gibt,

ist: Das Leben ist keine Frage.

Hältst du es erst einmal für eine Frage, wirst du Probleme haben;

du wirst dich schon auf einen falschen Pfad begeben haben –

es wird eine Sackgasse sein.

Irgendwo, in irgendeiner Theorie, wirst du steckenbleiben.

Jeder steckt irgendwo fest in einer Theorie,

und dann ist es sehr schwierig, die Theorie fallenzulassen.

Du klammerst dich an sie, weil dir die Frage Angst macht –

eine Theorie ist wenigstens ein gewisser Trost,

zumindest hast du das Gefühl, dass du Bescheid weißt.

Du weißt nichts. Das Denken kann nicht wissen, das Denken kann nur theoretisieren.

Es kann immerzu Worte immer schneller herumdrehen und damit herumspinnen;

es kann mit Worten spielen, sie arrangieren,

aber das sind alles Interpretationen –

nicht das Wirkliche, sondern deine Interpretation davon.

Es ist genau wie eine Landkarte.

Du kannst diese Landkarte ständig mit dir herumtragen,

du kannst dabei immer denken, dass du ein Land mit dir herumträgst

in deiner Tasche, aber die Landkarte ist nicht das Land.

23.02.2007 um 01:21 Uhr

Tao 242

von: tao

Auf dem Weg zu sich selbst ist die oberflächlichste, äußere, erste Schicht, relativ leicht abzuschälen.

Die zweite Schicht wird schwieriger abzuschälen sein.

Sie wird frisch sein, du würdest dich gerne noch daran klammern.

Die dritte Schicht wird noch schwieriger sein -- je näher du dir selbst kommst

desto näher rücken dir Schwierigkeiten,

denn schöne Dinge beginnen sich schon zu ereignen.

Du hast dein Zentrum noch nicht erreicht

aber du kommst schon immer näher –

genau so, wie wenn du zum Fluß gehst,

und die Luft ist schon kühl

und du beginnst, dich gut zu fühlen;

nun liegt der Marktplatz hinter dir,

der Smog, die dreckige Luft ist nicht mehr da,

die abgestandene Atmosphäre ist nicht mehr da,

der Himmel ist offener und weiter, der Fluß ist näher,

der Fluß sendet schon Botschaften durch die Luft:

Ich bin nahe, komm nur weiter !

Je näher du kommst,

desto mehr wirst du vielleicht dich an deine Schichten klammern,

denn du wirst das Gefühl haben, "Das geschieht doch alles wegen der Schicht."

Das passiert aber nicht wegen der Schicht,

es geschieht, weil du jetzt deiner Mitte näher bist.

Es gibt also Leute, die klammern sich an weltliche Dinge,

und dann gibt es so viele Leute

die anfangen, sich an spirituellen Dingen festzuhalten –

das sind alles Teile der Schichten.

Jemand sagt: So ein schönes Licht geschieht mir !

Dann möchte er dieses Licht immer erleben.

Was wird er damit anfangen ?

So ein Licht ist eine Erfahrung, das bist nicht du.

22.02.2007 um 21:05 Uhr

Südliches Blütenland 17/3 (3)

von: tao

Immer wenn du dich überfrißt,
bist du dabei, die nötige Schwungkraft anzusammeln, um eine Fastenkur zu machen.
Immer wenn du es sexuell zu sehr übertreibst,
wird früher oder später Enthaltsamkeit auf dich anziehend wirken.
Und das gleiche geschieht auch vom Gegenpol her.
Geh und frage deine sogenannten Heiligen, Mönche, Nonnen, Sadhus und Bikkhus.
Sie haben sich darauf festgelegt, im Zölibat zu leben,
nun sammelt ihr Denken die Schwungkraft an, um in den Sex zu gehen.
Sie haben sich entschlossen, sich auszuhungern und zu fasten,
und ihr Denken denkt ständig über Essen nach.
Wenn du zu sehr an das Essen denkst
zeigt das, dass du gerade die Schwungkraft dafür entwickelst.
Denken bedeutet Schwungkraft.
Das Denken beginnt, die Vorbereitungen für das Entgegengesetzte zu treffen.
Immer wenn du dich in Bewegung setzt
bist du damit auch dabei, dich zum Gegenteil zu begeben.
Der Gegensatz ist noch verborgen, er ist nicht offensichtlich.
Wenn du eine Person liebst
sammelst du damit die Schwungkraft, sie zu hassen.
Das ist der Grund, warum nur Freunde zu Feinden werden können.
Du kannst nicht plötzlich ein Feind werden
bevor du nicht zuerst ein Freund geworden bist.
Liebende streiten sich, sie kämpfen miteinander.
Nur Liebende können streiten und kämpfen,
denn bevor du nicht lieben kannst, wie kannst du hassen ?
Bevor du dich nicht weit und extrem nach links begeben hast,
wie kannst du dich nach rechts bewegen ?
Die moderne Forschung sagt, dass die sogenannte Liebe
eine Beziehung intimer Feindschaft ist.

21.02.2007 um 00:00 Uhr

Tao Te King 14 (2)

von: tao

Dieses Kapitel ist ziemlich schwierig, wir werden sein Geheimnis also von vielen Seiten her entfalten müssen. Lass es uns auf diese Weise verstehen: Wir sehen eine Blume und wir sagen, sie ist schön. Der Mond kommt am Himmel heraus und wir sagen, er ist schön; wir mögen ein Gesicht und wir sagen, es ist schön; irgendeine Musik berührt unser Herz und wir sagen, sie ist schön. Aber hast du jemals Schönheit gesehen ? Irgendein Lied ist schön, irgendeine Blume ist schön, irgendein Stern am Himmel. Du hast Dinge gesehen, die schön sind, aber hast du Schönheit an sich gesehen ? Da entsteht eine Schwierigkeit. Wenn du niemals Schönheit gesehen hast, wie kannst du sagen, eine gewisse Sache sei schön ? Du siehst Schönheit in einer Blüte, aber du hast Schönheit selbst niemals gesehen. Die Schönheit einer Blume erblüht am Morgen und verwelkt in der Dämmerung. Ein Gesicht erscheint heute schön, aber morgen verschwindet schon die Schönheit. Das, was heute hier ist, ist morgen verlorengegangen: Das, was du am Morgen gesehen hast, ist am Abend schon vergangen. Hast du "das" gesehen, das jenseits der Objekte ist ? Hast du jemals reine Schönheit gesehen ? Du hast schöne Dinge gesehen, aber nicht Schönheit. Die Blume kann definiert werden – sie hat ihre eigene Form, ihre eigene Gestalt, ihre eigenen Erkennungsmerkmale. Aber Schönheit selbst kann nicht definiert werden. Sie hat keine Grenzen, sie hat keine Form, keine Erkennungszeichen. Und doch erkennen wir sie, wie sonst können wir sagen, die Blume ist schön ? Aber wenn nur die Blume schön ist, dann kann der Mond in der Nacht nicht auch schön sein, denn was haben die Blume und der Mond gemeinsam ? Das bedeutet, dass Schönheit das ist, was in einer Blume ist, im Mond, in den Augen und doch getrennt davon – es ist etwas, verschieden von all dem. Die Augen, die vor einem Moment schön aussahen, sehen einen Moment später hart und häßlich aus. Dieselben Augen, die schön aussahen, sind jetzt häßlich – etwas ist verloren gegangen. Das beweist, dass Schönheit keine Blume oder der Mond oder die Augen ist; Schönheit ist etwas anderes. Bist du ihr von Angesicht zu Angesicht begegnet ? Niemals. Wir haben niemals Schönheit gesehen, sie niemals kennengelernt, deswegen kann Schönheit nicht definiert werden. Und doch erkennen wir Schönheit. Wenn das Mysterium der Schönheit in die Blume eingeht, wenn ihre Glattheit und Zartheit sich in ihr ausbreitet, dann sagen wir, die Blume ist lieblich. Wenn dieses gleiche Mysterium in jemandes Augen sich spiegelt, wirken die Augen schön. Wenn das gleiche Mysterium sich in den Tönen einer Melodie manifestiert, klingt es süß in den Ohren. Aber was ist diese Schönheit, diese Lieblichkeit ? Die Blume kann definiert werden, auch der Mond und die Augen, aber was ist Schönheit ? Sie ist undefinierbar. Warum ? Warum können wir Schönheit nicht definieren? Wir wissen, was Schönheit ist. Wir stoßen auf sie auf irgendeinem unbekannten Weg. Sie betritt unser Herz auf irgendeine unbekannte Weise und sie läßt unsere Seele in irgendeiner unbekannten Weise erschauern. Und doch, wir wissen nicht, was sie ist. Immer wenn der Intellekt versucht, sie zu begreifen, stellen wir fest, sie ist verloren und vorbei.

Fröhlich

20.02.2007 um 00:59 Uhr

Südliches Blütenland 17/3 (2)

von: tao

Warum ist es leicht

für eine Person, die zuviel ißt, eine Fastenkur zu machen ?

Es erscheint unlogisch, denn wir denken, dass eine Person

die vom Essen besessen ist, sich nicht einer Fastenkur unterziehen kann.

Aber das ist falsch.

Nur eine Person, die besessen ist vom Essen, kann fasten

denn Fasten ist die gleiche Besessenheit in der entgegengesetzten Richtung.

So änderst du dich nicht wirklich.

Du bist immer noch besessen vom Essen.

Vorher hast du zuviel gegessen; und jetzt bist du hungrig –

aber das Denken bleibt auch vom entgegengesetzten Extrem her auf das Essen focussiert.

Ein Mensch, der es mit dem Sex übertrieben hat

kann sehr leicht sexuell enthaltsam werden.

Da gibt es kein Problem.

Aber es ist schwierig für das Denken, zur richtigen Diät zu kommen,

es ist schwierig für das Denken, in der Mitte zu bleiben.

Warum ist es schwierig, in der Mitte zu bleiben ?

Das ist genau wie das Pendel einer Uhr.

Das Pendel geht nach rechts, dann bewegt es sich nach links,

dann wieder nach rechts, dann wieder nach links;

die ganze Uhr beruht auf dieser Bewegung.

Wenn das Pendel in der Mitte bleibt, bleibt die Uhr stehen.

Und wenn das Pendel sich nach rechts bewegt,

denkst du, dass es nur nach rechts geht,

aber zur selben Zeit sammelt es Schwungkraft, um nach links zu gehen.

Je mehr es sich nach rechts bewegt,

desto mehr Energie sammelt es, um nach links zu schwingen, zum Entgegengesetzten.

Wenn es dann nach links schwingt

sammelt es wiederum Schwungkraft, um nach rechts zu schwingen.

19.02.2007 um 00:56 Uhr

Südliches Blütenland 26/7 (7)

von: tao

Dschuang Dsi sagt:

Bedenke, dass das Haus aus zwei Dingen besteht:

Den Wänden, dem Material, dem Materiellen - das, was einen Marktwert und einen Nutzwert hat -

und der Leere, die von den Wänden umgeben ist,

dem Unnützen, das nicht gekauft werden kann,

das nicht verkauft werden kann, das keinen ökonomischen Wert hat.

Wie kannst du Leere verkaufen ?

Aber du mußt in der Leere leben –

wenn ein Mensch nur in den Wänden lebt, wird er verrückt werden.

Es ist unmöglich, dies zu tun –

aber wir versuchen, das Unmögliche zu tun.

Im Leben haben wir uns für den Utilitarismus entschieden, wir haben die Zweckmäßigkeit gewählt.

Zum Beispiel, wenn ein Kind gerade spielt, dann wird ihm gesagt:

Hör doch auf damit ! Was tust du da ? Das ist nutzlos.

Mach dich lieber nützlich.

Lerne, lese, mach wenigstens deine Hausaufgaben, tu etwas Nützliches.

Lauf nicht herum, streune nicht umher.

Und wenn man einem Kind gegenüber ständig darauf besteht

wird man nach und nach das Nutzlose abtöten.

Und dann wird das Kind bloß noch nützlich werden,

und wenn eine Person einfach nützlich ist, ist sie tot.

Du kannst sie benutzen, sie ist jetzt eine mechanische Sache,

ein Mittel zum Zweck, kein Ziel an sich.

Du bist wirklich du selbst

wenn du etwas Nutzloses tust –

Malen, nicht um es zu verkaufen, bloß aus der Freude daran;

Gartenarbeit, bloß zum Spaß;

am Strand liegen, ohne irgend etwas zu tun,

bloß um zu genießen, nutzlos, aus Spaß;

still mit einem Freund zusammensitzen.

Wütend

18.02.2007 um 00:00 Uhr

Tao Te King 64 (4)

von: tao

Wenn du also das Denken beruhigst,

dann wirst du dich wissentlich oder unwissentlich zu einem Zustand des Nicht-Denkens hinbewegen.

"Das, was still daliegt, ist leicht zu halten;"

Tatsächlich ist es keine Anstrengung, es zu halten,

es ist so leicht.

Zu sagen, es ist leicht, ist nicht gut

denn leicht deutet auch eine kleine Schwierigkeit dabei an,

es ist eine Schwierigkeitskategorie.

Schwierig und leicht haben die gleiche Eigenschaft;

sie unterscheiden sich graduell, in der Quantität,

aber nicht in der Qualität.

Nein, es ist nicht gut, leicht zu sagen,

das ist der Grund, warum Lao-tse wieder und wieder sagt, dass die Wahrheit nicht gesagt werden kann.

Wenn sie gesagt wird, ist es nicht mehr die Wahrheit.

Aber er muss die Sprache verwenden

und alle Sprache ist irrelevant

für die innersten Phänomene,

für die innerlichste Erfahrung.

Alle Sprache ist irrelevant, bedenke das.

Benutze die Sprache bloß, die Sprache wird als ein Zeiger benutzt.

Wenn Lao-tse dir den Mond und den Himmel mit seinem Finger zeigt,

ist sein Finger nicht der Mond,

er ist ein Zeiger;

häng dich nicht daran,

vergiß alles über ihn.

Wenn er dir den Finger zeigt

zeigt er dir damit nicht den Finger, er zeigt dir den Mond;

der Finger ist irrelevant, dasselbe kann mit einem Stock oder mit etwas anderem getan werden.

Jede Zeigevorrichtung kann es tun,

und das Zeigeinstrument hat keine Beziehung zum Mond.

Die ganze Sprache funktioniert als ein Zeiger.

17.02.2007 um 00:00 Uhr

Südliches Blütenland 2/4 (15)

von: tao

Du kannst die Oberflächen verändern, du kannst Gesichter anmalen,

aber der innere Typus bleibt der gleiche.

Daher hat sich der Osten keine Probleme mit Revolutionen gemacht.

Der Osten wartet;

und wer im Osten weise ist, der schaut auf den Westen,

und weiß, dass sie dort mit Spielzeugen spielen.

All deine Revolutionen sind Spielzeuge.

Früher oder später wirst du es erkennen

das Gesetz der Drei am Morgen.

Was sind diese Drei am Morgen?

Ein Schüler muss das Dschuang Dsi gefragt haben,

denn immer wenn jemand Revolution oder Reform erwähnte,

lachte Dschuang Dsi und sagte:

Das Gesetz der Drei am Morgen.

Dann muss also ein Schüler gefragt haben:

Was sind diese Drei am Morgen, über die du immer redest?

Da sagte Dschuang Dsi:

„Das ist von einem Affentrainer

der zu seinen Affen ging und ihnen sagte:

Was eure Kastanien angeht,

so werdet ihr drei Maß am Morgen bekommen

und vier am Nachmittag.

Als sie das hörten, wurden alle Affen wütend…“

denn in der Vergangenheit hatten sie immer

vier Maß am Morgen und drei am Abend bekommen.

Natürlich wurden sie zornig! Was denkst du dir denn dabei?

Wir haben doch immer schon vier Maß Kastanien am Morgen bekommen

und nun sagst du drei.

Das können wir nicht tolerieren.

„Also sagte der Wärter:

Na gut, in Ordnung,

ich werde es ändern

in vier Maß am Morgen,

und drei am Nachmittag.

Die Tiere waren zufrieden mit diesem Arrangement.“

Traurig

16.02.2007 um 00:00 Uhr

Tao Te King 16 (8)

von: tao

Tatsächlich, wenn du den Tod als Teil des Lebens akzeptierst,

dann werden alle anderen Feinde auch als Teil der Freundschaft akzeptiert

denn die grundlegende Dualität löst sich auf,

die Dualität von Leben und Tod, von Sein und Nicht-Sein.

Wenn die fundamentale Dualität aufgelöst ist, dann sind alle anderen Dualitäten

bloß oberflächlich, sie lösen sich auf.

Dann sind die Augen klar, kein Qualm trübt die Sicht,

die Wahrnehmung ist absolut klar,

und keine Dunkelheit mehr um uns herum.

Ist dir aufgefallen

dass es im Westen viel Zeitbewußtsein gibt

aber im Osten ist das nicht so stark, und selbst wenn es das ist,

ist das nur in den kultivierten und ausgebildeten Bereichen?

Wenn du in die Dörfer gehst, gibt es da noch kein Zeitbewußtsein.

Zeitbewußtsein ist in Wirklichkeit Todesbewußtsein:

Wenn du Angst vor dem Tod hast, dann wird die Zeit knapp.

Bei so vielen Dingen, die zu tun sind, und so wenig Zeit, die dafür zur Verfügung steht,

bist du dir jeder Sekunde bewusst, die da verstreicht.

Das Leben verkürzt sich ständig, also bist du angespannt, rennst herum,

tust viele Dinge, versuchst das Ganze zu genießen,

rennst von einem Ort zum anderen, von einem Genuss zum anderen –

und genießt nichts, weil du so zeitbewußt bist.

Im Osten sind die Leute nicht so zeitbewußt

weil sie das Leben akzeptiert haben.

Dir ist vielleicht nicht bekannt, dass sie in Indien

den Tod Zeit genannt haben.

Sie nennen den Tod „kal“, und sie nennen auch die Zeit „kal“;

kal bedeutet Zeit und kal bedeutet genauso Tod.

Es setzt ein sehr tiefgehendes Verstehen voraus, dasselbe Wort für beide zu verwenden,

das ist sehr bedeutungsvoll.

Die Zeit ist Tod, der Tod ist Zeit.

15.02.2007 um 02:57 Uhr

Tao 241

von: tao

Da gibt es eine schöne Geschichte –

es ist eine Geschichte, aber sehr signifikant.

Es ist keine Tatsache, in der Religion macht man sich keinen Kopf über Fakten,

in der Religion sind die Fakten fiktiv.

In der Religion kümmert man sich um die Bedeutsamkeit einer Tatsache,

den Wertfaktor, nicht die Fakten selbst –

daher spricht der Taoismus in Gleichnissen, Geschichten, Parabeln,

Metaphern, Analogien, Allegorien.

Es geschah, dass Buddha schließlich das Tor von Nirwana erreichte.

Tausende von Jahre hatten das Tor und der Torwärter

auf ihn gewartet und gewartet und gewartet.

Er war im Kommen und kam näher,

aber schließlich kam die Nachricht, dass Buddha nun endlich angekommen sei.

Das Tor wurde geöffnet und der Torwächter hieß ihn willkommen,

aber Buddha sagte: Schließe die Türe, ich  komme nicht herein.

Der Türhüter fragte: Warum? Du hast so hart gekämpft, um es zu erreichen

und jetzt hast du es erlangt. Warum weist du es nun zurück?

Die Geschichte geht so, dass Buddha sagte: Ich verweigere es nicht,

aber ich werde auf meine anderen Mitreisenden warten müssen.

Bis und bevor nicht jeder durch dieses Tor geschritten ist

werde ich warten müssen. Mein Mitgefühl erlaubt es mir nicht, alleine zu gehen.

Das würde zu selbstsüchtig sein.

Und nun, da ich kein Selbst mehr habe, wie kann ich da so selbstsüchtig sein?

Die Geschichte geht weiter, dass der Buddha immer noch da wartet

auf euch alle, seine Reisegefährten.

Du hast vielleicht nicht einmal die Neuigkeit gehört

aber er wartet und wartet und wartet.

Wenn jeder durch das Tor hindurchgegangen ist, dann wird er gehen –

er wird der letzte Mensch sein.

Die Geschichte ist  bedeutungsvoll.

Wie kann der Kopf alleine eintreten, wenn die Füße nicht gefolgt sind?

Wenn wir eine organische Einheit sind, wie kann ein Teil alleine

in die Erleuchtung eingehen und alle andere hinter sich lassen?

Wenn wir eine wirkliche Einheit sind, eine organische Einheit,

dann muss natürlich Buddha warten.

Er mag erwacht sein,

er mag das Tor erreicht haben,

aber wenn all diejenigen, die noch folgen, eine organische Einheit sind,

muss er warten.

Das Haupt ist angekommen, aber der Kopf muss auf den Schwanz warten.

14.02.2007 um 00:00 Uhr

Tao Te King 70 (2)

von: tao

Die Lehren von Lao-tse sind sehr leicht,

du kannst keine Lehren finden, die leichter sind als sie.

Buddha ist ein wenig komplex,

Jesus auch,

Krishna, sehr kompliziert,

aber Lao-tse ist absolut einfach,

und wegen dieser Einfachheit

entzieht er sich uns am meisten.

Die Leute sind nicht in der Lage gewesen, ihn zu begreifen,

nicht weil er schwierig ist, sondern weil er so leicht ist.

Tatsächlich ist da nichts zu begreifen,

es gibt nichts zu lösen.

Wenn das Denken etwas zu lösen hat,

versucht das Denken, es zu lösen.

In dem Bemühen, es zu lösen,

kommt es zu einem gewissen Verstehen.

Aber wenn die Sache absolut leicht ist,

hat das Denken keine Herausforderung.

Es geht gar nicht darum, etwas zu lösen, es ist schon gelöst.

Das Denken vergisst es einfach wieder.

Es stellt eben kein Problem dar,

also ist es für das Denken nicht von Interesse, es macht das Denken nicht neugierig.

Es stellt keine Herausforderung dar,

das Denken kann es nicht überwinden, bezwingen, meistern, sinnlos –

der Sieg ist so leicht

dass das Denken denkt, der Sieg sei nutzlos.

Das ist der Grund, warum Lao-tse

verpasst, verfehlt und versäumt worden ist,

und er ist der Tiefgründigste.

Aber seine Lehre ist sehr leicht.

Dies muss verstanden werden.

Fröhlich

13.02.2007 um 02:27 Uhr

Tao 240

von: tao

Versuche keinen Sinn zu finden

denn in der Sinnfindung wirst du den Sinn verfehlen –

der Kontakt mit Tao ist der Sinn, eine tiefe innere Umarmung ist die Bedeutung.

Das heißt aber nicht, dass du in der Mitte bleiben sollst

du wirst niemals in der Mitte sein. Die Mitte ist eine Balance.

Du kannst nicht versuchen, dort zu sein. Du wirst dich nach links lehnen müssen,

du wirst dich nach rechts neigen müssen.

Klammere dich an keine Position. Sei frei.

Und zwischen dem sich nach rechts neigen und nach links lehnen,

entsteht irgendwo ein subtiler Punkt in dir.

Wenn du losziehst und nach außen schaust, ist da links und rechts,

aber da ist keine Mitte.

Das ist genau wie mit der Zeit. Raum und Zeit gehören zusammen.

Versuch dies zu verstehen: Wenn du auf die Uhr schaust

ist da Vergangenheit und da ist Zukunft, da ist keine Gegenwart.

Deine Uhr sagt niemals, was die Gegenwart ist. Das kann sie nicht sagen.

Denn in dem Moment, in dem sie das gezeigt hat, ist es schon die Vergangenheit.

Also bewegen sich die Zeiger der Uhr von der Vergangenheit in die Zukunft –

es gibt keine Gegenwart in deiner Uhr. Es kann sie nicht geben.

Die Gegenwart ist kein Teil der Zeit.

Du hast in deiner Schule und auf deiner Universität gelernt

dass die Gegenwart Teil der Zeit ist. Das ist absurd.

Die Gegenwart ist nicht Teil der Zeit.

Du hast es schon so viele Male gehört, es wird immer wieder gesagt

dass die Zeit in drei Zeiten aufgeteilt wird – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft –

dass es zu einer Konditionierung in deinem Denken geworden ist.

Nein. Die Zeit hat nur zwei Einteilungen: Vergangenheit und Zukunft.

Wo ist dann die Gegenwart? Die Gegenwart ist in dir.

Wenn du nach außen schaust, wirst du Vergangenheit und Zukunft finden,

wenn du nach innen siehst, wirst du die Gegenwart finden,

und immer die Gegenwart.

Da gibt es keine Vergangenheit und keine Zukunft. Dort kann es die nicht geben.

12.02.2007 um 02:32 Uhr

Südliches Blütenland 20/2 (1)

von: tao

Zum Taoismus gekommen zu sein,

heißt, einen gefährlichen Schritt getan zu haben.

Es ist ein Risiko,

denn im Taoismus kannst du für immer verloren gehen.

Sich dem Taoismus zu nähern, wird den Tod bedeuten

und kann nichts sonst bedeuten.

Der Taoismus ist wie ein Abgrund.

Komm ihm näher und du wirst in ihn hineinfallen.

Sei dir bewusst, dass du durch den Taoismus

nicht irgendetwas gewinnen wirst.

Durch ihn kannst du nur alles verlieren.

Denn bevor du nicht verloren gegangen bist, kann sich Tao nicht ereignen;

bevor du nicht total verschwindest, kann das Wirkliche nicht auftauchen.

Du bist die Barriere.

Und du bist so sehr du, so hartnäckig du,

du bist so voll mit dir selbst,

dass nichts in dich hineinkommen kann. Deine Türen sind verschlossen.

Wenn du verschwindest, wenn du nicht bist, öffnen sich die Tore.

Dann wirst du genau wie der weite, unendliche Himmel.

Und das ist deine Natur.

Das ist Tao.

Für was für eine Form du dich also hältst, du bist verrückt.

Du bist formlos. Du gehörst nicht zu irgendeinem Körper.

du gehörst nicht zu irgendeiner Klasse, Religion, zu irgendeinem Glaubensbekenntnis;

du gehörst nicht zu irgendeinem Namen.

Und bevor du nicht formlos wirst, und namenlos,

wirst du niemals geistig gesund sein.

Geistige Gesundheit bedeutet

zu dem zu kommen, was natürlich ist,

zu dem zu kommen, was in dir ultimativ ist,

zu dem zu kommen, was hinter dir verborgen liegt.

Viel Anstrengung ist nötig

denn sich von der Form loszureißen, sie fallenzulassen, die Form zu eliminieren, ist sehr schwierig. Du bist so verhaftet und identifiziert mit ihr.

11.02.2007 um 04:18 Uhr

Tao Te King 43 (9)

von: tao

Das Wasser, das weiche Element, folgt seinem eigenen Kurs

dahin, wo es einen hohlen, ausgehöhlten Platz findet – das ist alles.

Es ist von Anfang an nicht der Feind der Steine, des harten Elements.

Aber das harte Element

ist auf der Hut, wachsam, in kämpferischer Stimmung, und leistet Widerstand –

genau dieser Widerstand zerstreut die Energie,

eben dieser Widerstand tötet. Sich widersetzen heißt zu sterben.

Jesus hat einen sehr, sehr schönen Ausspruch getan,

unglaublich schön und paradox. Er sagt:

Widerstehet nicht dem Bösen.

Die christlichen Theologen sind nicht in der Lage gewesen, das zu erklären

oder es auch nur wegzuerklären – es ist ein Problem für sie, ein Rätsel.

Widerstehet nicht dem Bösen? Was lehrt Jesus da?

Jesus lehrt Taoismus. Jesus lehrt das Geheimnis des wu wei.

Er sagt: Leiste dem Bösen keinen Widerstand und das Böse wird sterben.

Und du wirst überleben, weil das Böse sich immer selbst schützt,

immer defensiv ist, immer schuldbewusst, immer in der Verteidigung, selbstbewusst,

rationalisierend, und immer dabei, sich neue Verteidigungsmechanismen zuzulegen.

Es wird von selbst sterben, wenn du einfach keinen Widerstand leistest.

Es mag jetzt ein Felsen sein, sehr hart, ein Granitfelsen –

und dein Nicht-Widerstand ist genau wie Wasser –

so weich, dass du niemals denken kannst, dass du gewinnen kannst, aber…

In Indien gibt es ein Sprichwort, einen Spruch, der sehr, sehr tiefgründig ist:

„Satyamevajayate“ – „Die Wahrheit gewinnt immer; die Unwahrheit niemals.“

Jemand fragte Buddha: Wir sehen genau das Gegenteil in der Welt.

Du sagst: „Satyamevajayate“ –

„die Wahrheit gewinnt, die Wahrheit ist immer siegreich“,

aber wir sehen genau das Umgekehrte in der Welt.

 Wir sehen, wie Lügner gewinnen, und wahrhafte Leute besiegt werden.

Wir sehen verschlagene, unehrliche Leute siegreich sein,

und ehrliche, aufrichtige Leute sind immer die Opfer, immer die Besiegten.

Buddha sagte: Schließlich gewinnt die Wahrheit und die Unwahrheit scheitert.

Schließlich und endlich, am Ende.

Verrückt

10.02.2007 um 03:54 Uhr

Südliches Blütenland 17/1 (2)

von: tao

Das Leben soll bloß gelebt und genossen werden, man soll sich daran freuen.

Es ist kein Rätsel, es ist ein Mysterium.

Ein Rätsel ist etwas, das gelöst werden kann,

ein Mysterium ist etwas, das niemals gelöst werden kann.

Ein Mysterium ist etwas, mit dem du eins werden kannst,

in das hinein du dich auflösen kannst,

in das hinein du verschmelzen kannst –

du selbst kannst mysteriös werden.

Dies ist der Unterschied zwischen Philosophie und Taoismus.

Die Philosophie denkt, dass das Leben ein Rätsel ist,

du musst es lösen, Erklärungen finden, Theorien, eine Doktrin.

Die Philosophie denkt, dass es irgendwelche Antworten geben wird,

dass das Leben ein Fragezeichen ist und man hart daran arbeiten muss.

Natürlich, wenn du das Leben für ein Fragezeichen hältst,

wird deine Anstrengung intellektuell.

Allein schon die Annahme, dass das Leben eine Frage ist

führt dich in immer mehr intellektuelle Anstrengungen,

und auf der Suche nach einer Antwort entscheidest du dich für eine Theorie.

Der Taoismus sagt, dass es grundlegend falsch ist,

das Leben für eine Frage zu halten.

Es ist keine Frage – es ist da, ohne ein Fragezeichen.

Es ist da als ein offenes Geheimnis; es ist eine Einladung.

Du musst zu einem Gast werden, du musst dich in es hineinbegeben.

Es ist bereit und heißt dich willkommen, also kämpfe nicht mit ihm!

Es ist keine Frage, versuche nicht, es zu lösen!

Es ist kein Rätsel.

Komm und werde eins damit, und du wirst es kennenlernen.

Das Erkennen wird aus deiner Totalität kommen,

nicht aus dem Intellekt.

Der Intellekt ist eine Teilanstrengung,

und das Leben benötigt dich mit deiner totalen Teilnahme, indem du mitfließt,

so eins damit, dass du nicht fühlen kannst, was was ist,

dass du nicht spüren kannst, wo du endest und wo das Leben beginnt.

09.02.2007 um 03:39 Uhr

Quellender Urgrund 2/21 (4)

von: tao

Jesus wird von der Jungfrau Maria geboren. Warum Jungfrau ? Weil, wenn du es richtig verstehst, jungfräulich ein Denken bedeutet, was absolut rein ist, unkontaminiert von Gedanken. Gedanken werden von der Schlange repräsentiert, denn die Wege der Gedanken schlängeln sich sehr dahin. Wenn du deine Gedanken beobachtest, wirst du verstehen, warum sie von der Schlange repräsentiert worden sind. Sie sind sehr schlangengleich, sie gehen ohne Beine, genau wie Schlangen, sie winden sich in dir. Und sie sind sehr listig und sehr clever und sehr trügerisch – wie die Schlange. Sie verbergen sich in dunklen Löchern in deinem Unbewußten und immer wenn sie eine Gelegenheit haben, stürzen sie sich auf dich. In der Nacht, in der dunklen Nacht, kommen sie raus; beim Tageslicht verstecken sie sich. Wenn du ein wenig aufmerksam bist, verschwinden diese Gedanken; wenn du nicht so achtsam bist, kommen sie heraus, beginnen sie, dich zu beeinflussen. Die Jungfrau Maria bedeutet ein Denken in Meditation; Eva bedeutet ein Denken, voll von Gedanken, voll von Schlangen. Jesus kommt wieder in die Welt durch die Jungfrau Maria, durch Reinheit, durch Unschuld. Denken ist verschlagen; Gedankenlosigkeit ist unschuldig. Aber beide, Adam und Jesus, ereigneten sich durch das weibliche Prinzip. In der taoistischen Sprache wird das weibliche Prinzip Yin genannt und das männliche Prinzip wird Yang genannt. Yang ist Ehrgeiz, Yang ist Aggression, Yang ist Verlangen und Projektion, Yang ist politisch – Yin ist religiös. Immer wenn du ehrgeizig bist, ist es unmöglich für dich, religiös zu sein; immer wenn du religiös bist, ist es unmöglich für dich, politisch zu sein. Das geht nicht zusammen. Sie vermischen sich nicht. Sie können sich nicht vermengen. Von ihrer eigentlichen Natur ist das wie der Versuch, Wasser und Öl zu vermischen. Ehrgeiz und Meditation vermischen sich niemals, sie können sich nicht vermengen. Der Politiker funktioniert durch das männliche Prinzip und der Weise funktioniert durch das weibliche Prinzip. Das ist der Grund, warum die Weisen so weich werden, so feminin, so rund, so schön. Eine gewisse Anmut umgibt sie. Und die Schönheit ist sicherlich nicht nur körperlich – manchmal geschieht es, dass der Körper vielleicht überhaupt nicht schön ist. In der frühen Christenheit gab es eine Aussage, dass Jesus die häßlichste Person in der Welt war. Nach und nach ließen die Christen diese Idee fallen, sie mochten sie nicht. Aber sie hat etwas schönes an sich. Sie besagte, dass der Körper häßlich war, aber trotzdem, wenn du Jesus begegnetest, du würdest plötzlich erstaunt sein, ergriffen, besessen und überwältigt von seiner Schönheit. Sein Körper war häßlich. Wenn du ein Foto gesehen hättest, würdest du nur seine Häßlichkeit sehen, aber wenn du zu ihm gekommen wärst, dich in seiner tatsächlichen Präsenz aufgehalten hättest, würdest du all seine Häßlichkeit vergessen, weil da soviel Schönheit floß, soviel Schönheit sich ergoß und herabregnete. Du würdest nicht einmal mehr daran denken, dass er häßlich war. Wer ihn also nicht gesehen hatte, dachte für gewöhnlich, dass er häßlich war und wer ihn gesehen hatte, sagte im Regelfall, dass er die schönste Person war.