Taoistische Reflektionen

31.01.2009 um 15:56 Uhr

Tao 475

von: tao


Wenn ein Student zu einer Prüfung geht, erinnert er tausend Sachen, aber wenn du ihn nach drei Monaten fragst, sind neunundneunzig Prozent davon flöten gegangen. Irgendwie war es bloß Lern-Management, mit sehr großer Anspannung und Anstrengung. Er hatte es nur für die Prüfung  zusammengeklaubt und bei sich behalten. Ist die Prüfung erst einmal zu Ende, wird  er den Zugriff darauf verlieren und die Erinnerungen werden verschwinden.
Kannst du das nicht in deinem eigenen Leben beobachten? Wie viel erinnerst du noch von dem, was du in deiner Studienzeit dir in den Kopf eingetrichtert hast -- wieviel? Wenn du wieder geprüft würdest, du würdest durchfallen. Du wirst dich nicht mehr daran erinnern können. Sogar die Professoren, die an den Universitäten lehren, würden alle durchfallen, wenn sie wieder geprüft würden -- denn diese Prüfung war bloß eine  momentane Anstrengung. Aber reales Wissen wird niemals vergessen, denn wirkliches Wissen wird niemals erinnert. Das, was erinnert wird, wird vergessen werden; das, was nicht erinnert wird, kann nicht vergessen werden, es gibt keinen Weg, das zu vergessen.
Es gibt ein paar Dinge, die du nicht vergessen kannst -- zum Beispiel Schwimmen. Du kannst es nicht vergessen. Du magst seit fünfzig Jahren nicht mehr geschwommen sein, aber du kannst es nicht vergessen -- denn es ist niemals erinnert worden, es ist zu deinem Sein geworden, es ist Teil von dir geworden. Das ist wirkliches Wissen. Alles, was real ist, wird zu einem Teil von dir; es bleibt zugänglich auf immer und ewig. Es ist nicht möglich, das zu vergessen. Das, was der Taoismus Wissen nennt, ist das, was nicht vergessen werden kann. Sogar wenn du dich anstrengst, es zu vergessen, wirst du scheitern -- du kannst es nicht vergessen,.  

30.01.2009 um 21:49 Uhr

Südliches Blütenland 27/20 (18)

von: tao

Fröhlich
Zum Zeitpunkt des Todes
erreicht das ganze Leben
den Siedepunkt.
Alles verdunstet
aus dieser Welt
in die andere,
vom Körper zum Körperlosen.
Es ist die größte
Transformation,
die sich ereignet.

29.01.2009 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 17/3 (15)

von: tao


Wenn Mahesh Yogi nach Indien kommt,
hört ihm niemand zu.
Aber in Amerika sind die Leute verrückt nach ihm.
Wo viel Spannung herrscht,
da wird Meditation attraktiv.
Aber diese Anziehungskraft läßt dich wieder
in die gleiche Falle tappen.
Das ist keine reale Meditation, das ist wieder ein Trick.
Du meditierst ein paar Tage lang, du wirst entspannt;
wenn du entspannt wirst,
ensteht wieder das Bedürfnis nach Aktivität,
und das Denken beginnt darum zu kreisen,
etwas zu tun, sich in Bewegung zu setzen.
Dir ist schon wieder langweilig geworden.
Es gibt Leute, die sagen:
Wir meditierten ein paar Jahre lang,
dann wurde es langweilig,
dann machte es keinen Spass mehr.
Nun macht uns das Meditieren keinen Spass mehr,
was sollen wir tun?
Nun ist das Denken auf der Suche nach etwas anderem,
nun hat es genug von Meditation gehabt.
Beschäftigt

28.01.2009 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 18/12 (16)

von: tao

Priester haben Angst vor Gesundheit
denn Gesundheit ist in ihren Augen unmoralisch.
Vielleicht oder vielleicht auch nicht hast du von
einem der Denker des letzten Jahrhunderts gehört,
einem deutschen Denker, sehr berühmt zu seiner Zeit -- Graf Keyserling.
Man hielt ihn für einen großen religiösen Philosophen
und der schrieb in sein Tagebuch:
Gesundheit ist höchst unmoralisch.
Denn Gesundheit ist Energie, und Energie ist Vergnügen,
Energie ist Genuss, Energie ist Liebe, Energie ist Sex,
Energie ist alles, was natürlich ist.
Zerstöre die Energie, mache sie schwächlich und trübe.
Daher soviel Fasten -- bloß um die Energie zu zerstören,
bluß um zu zu verhindern, dass soviel Energie aufsteigt,
dass sie überzufließen beginnt.
Religiöse Leute haben immer gedacht,
dass Gesundheit gefährlich ist.
Dann wird ungesund zu sein ein spirituelles Ziel.
Und wiederum ist Dschuang Dsi sehr rebellisch. Er sagt:
Natur, Energie und die Ekstase,
die sich beim Überfließen der Energie einstellt,
und die Balance, die sich dann spontan ereignet, ist genug.

27.01.2009 um 23:42 Uhr

Tao 474

von: tao


Die Eltern sagen: "Du bist völlig frei, aber...." Dieses "aber" ist zu groß. Es zerstört jede Freiheit. Und die Eltern haben die alte Angewohnheit, zu ihren Kindern zu sagen: "Werde erst einmal erwachsen und dann wirst du es verstehen." Aber sind sie selbst überhaupt erwachsen? Hast du schon irgendeine erwachsene Person gesehen? Die Person ist vielleicht wohl erzogen, ist gut ausgebildet, hat an der Universität graduiert, ist ausgezeichnet worden, hat einen guten Job, ist verheiratet, hat Kinder -- alles läuft gut. Aber schau tiefer -- ist sie erwachsen? Hat sie wirklich verstanden, was Leben ist? Hat sie irgendeine Bewußtheit? Oder weiß sie so wenig vom Leben wie irgendein Kind? Manchmal kommt es vor, dass Kinder wachsamer sind als Erwachsene, weil Kinder ein frischeres Bewußtsein haben. Weniger Staub hat sich auf ihren Spiegeln abgelagert. Sie sind noch nicht von der Gesellschaft vergiftet worden. Was ist schon eine Universität, eine Schule? Sie ist eine Institution im Dienst der Gesellschaft. Sie vergiftet. Sie manipuliert Leute. Sie zwingt Leute in den Dienst der Gesellschaft. Sie zerstört die Individualität der Leute. Aus schönen Leuten macht sie Angestellte, Finanzbeamte, Polizeibeamte. Bahnhofsvorsteher, Politiker und ähnliches. Aus schönen Leuten, aus schönen Kindern, erschafft sie häßliche Dinge, tote Sachen. Das ganze Erziehungssystem ist ein Weg, eine Person zu zerstören, seine Freiheit zu zerstören; sein Bewußtsein zu zerstören; seine Lebendigkeit zu zerstören; ihn benutzbar zu machen; ihn zu einem Mittel zu reduzieren, so dass die Gesellschaft ihn auf profitable Art und Weise verwenden kann, so dass er zu einem Instrument wird. Dann wird er ein Soldat in der Armee -- tötet und wird getötet. Oder er wird ein Büroangestellter oder ein Steuereintreiber oder ein Kommissar und verschwendet sein ganzes Leben für etwas, das ihn überhaupt nichts angeht, das ihm am Arsch vorbeigeht und er tut laufend Dinge, die er von Anfang an niemals tun wollte.

26.01.2009 um 23:30 Uhr

Tao Te King 6 (10)

von: tao

Wie kannst du Liebe machen,
für Geld?
Liebe kommt von selbst.
Sie hat ihre eigenen mysteriösen Wege,
und du kannst sie nicht kontrollieren, du kannst nur
von ihr kontrolliert werden.
Du kannst sie nicht besitzen,
du kannst nur von ihr besessen werden.
Sex kann getan werden, Liebe nicht.
Du kannst Sex machen,
aber du kannst nicht Liebe machen --
du  kannst nur in Liebe sein.

25.01.2009 um 23:59 Uhr

Tao Te King 45 (17)

von: tao


Liebe transformiert Hass, Wut, alles.
Mitgefühl wird zum Schirm --
es verändert alles, was zu ihm kommt.
Du denkst vielleicht, dass ein Mensch, der ein Moralist ist,
ein Puritaner,
der sich sein Leben lang an die Regeln gehalten hat
und der sie sehr, sehr gewissenhaft befolgt hat,
vollkommen ist,
weil du ihm niemals irgendeinen Ärger ansehen wirst.
Du wirst bei ihm niemals irgendetwas sehen,
was du bei dir selbst verurteilst.
Er ist bloß Reinheit.
Aber bloße Reinheit wird abstrakt, ist ein Konzept.
Er ist bloß eine Luftblase, nicht substantiell,
denn er hat kein Fundament.
Tatsächlich ist er nicht gut, er ist "bloß gut"
das Gegenteil ist nötig, eine Totalität wird benöltigt.
All deine sogenannten Gurus sind fast immer Perfektionisten,
aber sie sprechen dich an, weil du das Bild nicht klar sehen kannst.
Was auch immer du in dir selbst verdammst,
ist ihnen nicht anzusehen;
sie sind heiße Luftblasen ohne Substanz in ihrem Leben,
keine Grundlage.
Sie sind einseitig, nur halb, sie sind nicht komplett,
sie sind nicht ganz.

24.01.2009 um 23:59 Uhr

Quellender Urgrund 1/5 (9)

von: tao

Nun sagt die medizinische Wissenschaft, dass, auch wenn zwei Personen an der gleichen Krankheit leiden, sogar dann die zwei Krankheiten nicht dieselben sind. Daher geschieht es manchmal, dass du an der gleichen Krankheit leidest -- vielleicht Tuberkulose -- und deine Frau leidet auch an der gleichen Krankheit, Tuberkulose, aber die gleichen Arzneien wirken nicht. Du brauchst die eine Arznei, deine Frau benöigt irgendeine andere Arznei. Das ist der Grund, warum der Arzt benötigt wird; sonst würde der Chemiker ausreichen. Wenn es dann ein für allemal entschieden wäre, dass Tuberkulose diese Arznei benötigt, was hätte es dann noch für einen Sinn, zum Arzt zu gehen? Der Apotheker könnte dich beliefern. Nun wird man sich immer mehr bewußt, so wie die medizinische Wissenschaft sich tiefer auf die Phänomene von Gesundheit und Krankheit einläßt, dass jede Krankheit eine Persönlichkeit beinhaltet: Sie gehört zu der betreffenden Person. Also sagen sie nun: Behandle nicht die Krankheit, behandle die Person. Kümmere dich nicht zu sehr um die Krankheit. Schau in die Person hinein, ihre Gesamtpersönlichkeit, ihre Lebensweise, ihre Einstellungen, ihre Gewohnheitsmuster. Sieh in sie hinein, und dann wirst du herausfinden, dass die Diagnose TBC die gleiche sein mag -- denn es würde sehr schwierig sein, für jeden andere diagnostische Bezeichnungen parat zu haben -- aber jede Person, die an Tuberkulose leidet, leidet anders, und eine andere Behandlung ist nötig. Krankheiten sind persönlich, aber Gesundheit? Gesundheit ist unpersönlich, universal. So ist es auch die Freude. Unglücklich-Sein ist eine Krankheit; Freude ist Gesundheit und Wohlbefinden.

23.01.2009 um 23:26 Uhr

Tao 473

von: tao

Tatsächlich versucht der Taoismus,
dir den Boden unter deinen Füßen wegzuziehen.
Der Moment wird kommen, in dem du erkennen wirst,
dass du ein Idiot bist --
das ist ein schöner Moment, wenn du es verstehst.
Du kannst es verfehlen. Es ist wahrscheinlicher,
dass du es tun wirst.
Wenn du es verstehst, ist das sofort eine Transformation
denn Nicht-Wissen bedeutet eine Reinigung.
Nun ist deine Speicherplatte leer,
nichts ist darauf gespeichert.
Nun ist dein Denken leer, hohl, nichts füllt es aus.
Nun ist der Kopf nicht mehr möbliert,
nun ist viel Platz im Haus.
Viel ist möglich in diesem Freiraum
aber in dem Moment, in dem du das idiotisch nennst oder zu dir sagst: "Ich fühle mich gerade wie ein Idiot", hast du es schon verurteilt.
Bald werden wir zu Lao-Tses Kapitel kommen,
in dem er sagt:
Auf dieser ganzen Welt bin nur ich ein Idiot.

22.01.2009 um 23:58 Uhr

Tao Te King 14 (3)

von: tao

Das unsichtbare, unhörbare und unberührbare Tao
"Man schaut darauf, aber es kann nicht gesehen werden --
das wird das Unsichtbare genannt (Yi).
Man horcht danach, aber es kann nicht gehört werden --
das wird das Unhörbare genannt (Hsi).
Man greift danach, aber es kann nicht berührt werden --
das wird das Unberührbare genannt (Wei).
Diese drei entziehen sich all unseren Nachforschungen
und gehen daher ineinander über und werden eins."
Dies ist ein Kapitel, das sich auf das höchste Mysterium der Existenz bezieht. Aber alle Worte, die benutzt werden, um dieses Mysterium auszudrücken, greifen nicht. Sie versagen nicht nur darin, dem Ausdruck zu verleihen, sondern es wird auch durch sie die ganz entgegengesetzte Bedeutung vermittelt. Dies muss unter verschiedenen Aspekten verstanden werden.
Das menschliche Wort ist unvollkommen, unvollständig. Kein Wort, das vom Menschen gesprochen wird, ist perfekt. Kein Wort kann vollkommen sein, denn alle Worte sind die Kreationen des Intellekts, und der Intellekt ist bloß ein winzig kleiner Teil der Existenz. Was immer von einem Teil erschaffen wird, kann nicht perfekt sein.
Der Intellekt ist auch ein sehr kleiner Teil unseres Lebens. Wir sind viel mehr als der Intellekt; wir sind viel größer als der Intellekt, sehr viel weiter. Der Intellekt ist bloß ein I-Tüpfelchen, ein bloßer Tropfen in unserem Sein, er ist nicht der Ozean. Worte werden vom Intellekt gebildet, und deswegen sind sie unvollkommen, denn das, was von einer unvollkommenen Quelle abgeleitet wird, kann nicht perfekt sein. Deswegen reichen alle Worte, die vom Intellekt geformt werden, nicht aus, um das höchste Mysterium auszudrücken.

21.01.2009 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 27/20 (17)

von: tao

Dschuang Dsi liegt im Sterben.
Im Moment von Dschuang Dsis Tod
sollten die Schüler still gewesen sein.
Das würde das Respektvollste gewesen sein, was sie hätten tun können,
das Liebevollste, was sie hätten tun können.
Der Meister lag im Sterben.
Sie hörten niemals auf sein Leben,
sie hätten wenigstens auf seinen Tod hören können.
Sie konnten nicht still sein
während er mit ihnen sprach, sein Leben lang
nun gab er seine letzte Predigt durch seinen Tod.
Man sollte aufmerksam sein, wenn ein weiser Mensch stirbt
denn er stirbt auf eine andere Weise.
Ein ignoranter Mensch kann nicht auf diese Weise sterben.
Du hast dein Leben und du hast deinen Tod.
Wenn du in deinem Leben töricht gewesen bist
wie kannst du weise sein in deinem Tod?
Der Tod ist das Ergebnis, das Endergebnis, die Schlußfolgerung.
Im Tod ist dein ganzes Leben in seiner Essenz enthalten --
also stirbt ein törichter Mensch auf eine törichte Weise.
Das Leben ist einzigartig, der Tod ist auch einzigartig.
Niemand sonst kann dein Leben leben
und niemand sonst  kann deinen Tod sterben, nur du.
Es ist einzigartig, es geschieht niemals wieder.
Die Art und Weise unterscheidet sich, nicht nur im Leben,
sondern auch im Tod.
Wenn Dschuang Dsi stirbt, muss man absolut still sein,
so dass man es nicht verpaßt.
Denn du kannst es verpassen.
Das Leben ist eine lange Affäre, siebzig, achtzig, einhundert Jahre.
Der Tod geschieht in einem Moment.
Er ist ein äußerst kurzes Phänomen, konzentriert.
Er ist vitaler als das Leben, denn das Leben ist ausgedehnt.
Das Leben kan niemals so intensiv sein wie der Tod es sein kann,
und das Leben kann niemals so schön sein, wie es der Tod sein kann,
denn es ist eine ausgedehnte Sache.
Es ist immer lauwarm.

20.01.2009 um 23:59 Uhr

Tao Te King 47 (26)

von: tao


Das ist das Kennzeichen für einen weisen Menschen,
dass er zur Erkenntnis gekommen ist
dass Wissen nutzlos ist
dass Wissen nichts weiß
dass Wissen Mist ist
dass Wissen Unsinn ist
wie logisch auch immer
es zu sein vorgibt --
das sind alles Überheblichkeiten.

19.01.2009 um 23:00 Uhr

Tao 472

von: tao

Verrückt
Wenn du bewußt sein willst,
dann muss dir beides bewußt sein,
Schmerz und Vergnügen.
Das sind keine separaten Phänomene.
Und ein Mensch, der bewußt wird
wird sehr glücklich,
wird aber auch zu tiefem Unglücklich-Sein fähig,
zu dem du nicht fähig bist.
Es geschah:
Ein Zen-Meister starb,
und sein Haupt-Schüler --
der selbst ein berühmter Mann war,
sogar berühmter als sein Meister,
tatsächlich war der Meister wegen des Schülers
berühmt geworden --
dieser engste Schüler begann zu weinen;
er saß auf den Tempelstufen
und begann zu weinen, die Tränen flossen nur so.
Eine Million Leute hatten sich versammelt;
sie konnten es nicht glauben
denn du siehst sonst niemals einen erwachten Menschen, der schluchzt und weint,
während ihm die Tränen herunterrollen.
Sie sagten: Wir können es nicht glauben.
Was passiert denn da?
Du weinst ja,
du selbst hast doch zu uns gesagt
dass das innerste Wesen niemals stirbt.
Den Tod gibt es nicht.
Wir haben dich millionenmal sagen hören
dass der Tod nicht existiert -- warum weinst du also?
Dein Meister ist immer noch am Leben in seinem Sein.
Der Schüler öffnete seine Augen und sagte:
Stört mich nicht.
Laßt mich weinen und schluchzen.
Ich weine doch nicht um den Meister und sein Sein.
Ich weine um seinen Körper.
Sein Körper war auch schön.
Niemals wieder wird es diesen Körper geben.
Und dann versuchte ihn jemand davon zu überzeugen,
dass er sich dadurch einen schlechten Namen machen würde:
So viele Leute haben sich versammelt,
und die werden denken, dass du nicht erleuchtet bist.
Der Schüler sagte: Lass sie denken,
was auch immer sie denken wollen.
Aber seit dem Tag, an dem ich erleuchtet wurde
bin ich unendlich glückselig geworden,
aber ich bin auch unendlich sensitiv geworden
gegenüber Schmerz und Leiden.

18.01.2009 um 14:20 Uhr

Südliches Blütenland 23/5 (12)

von: tao

Eine Entschuldigung ist nötig, wenn es keine Beziehung gibt,
wenn der andere ein Fremder ist.
Eine Erklärung ist nötig, weil da keine Liebe ist.
Wenn Liebe da ist, dann besteht keine Notwendigkeit für eine Erklärung,
der andere wird es verstehen.
Wenn Liebe da ist, ist es nicht nötig, sich zu entschuldigen,
der andere wird verstehen -- Liebe versteht immer.
Es gibt also keine höhere Moral als Liebe, kann es nicht geben.
Liebe ist das höchste Gesetz,
aber wenn sie nicht da ist, dann ist ein Ersatz nötig.
Steigt man auf einem Marktplatz einem Fremden auf den Fuß
ist eine Entschuldigung notwendig, und auch eine Erklärung:
"Dieser Platz ist so überfüllt."
Diesbezüglich muss eine Sache verstanden werden.
Im Westen wird sogar ein Ehemann eine Entschuldigung anbieten,
eine Ehefrau wird eine Erklärung abgeben.
Das bedeutet, dass die Liebe verschwunden ist.
Dies bedeutet, dass jeder zu einem Fremden geworden ist,
dass es kein Zuhause mehr gibt,
dass jeder Platz zu einem Marktplatz geworden ist.
Im Osten ist es unmöglich, sich das vorzustellen,
aber im Westen denkt man, dass man im Osten unhöflich zueinander ist.
 
 

17.01.2009 um 23:59 Uhr

Tao 471

von: tao

Solange du darüber nachdenkst,
wie du mit dem Universum verschmelzen kannst, ist das  bloß ein Gedanke:
Dann wirst du niemals dazu imstande sein, mit dem Ganzen zu verschmelzen.
Schau dir bloß die Sachlage an.
Du bist doch schon drin.
Man erzählt, dass als Lin Chi
sich seinem Meister näherte,
schluchzend und weinend,
wobei ihm die Tränen aus den Augen strömten, und fragte,
wie man ein Buddha werden kann,
der Meister ihm hart ins Gesicht schlug,
ihm eine schallende Ohrfeige versetzte.
Er war schockiert und sagte:
Was tust du da?
Habe ich irgendetwas Falsches gefragt?
Der Meister sagte: Ja.
Das ist das Falscheste,
was einer jemals fragen kann.
Frag noch einmal
und ich werde dich noch fester schlagen.
Wie töricht! Du bist ein Buddha,
und fragst mich,
wie du ein Buddha werden kannst.

16.01.2009 um 23:59 Uhr

Tao 470

von: tao

Machiavelli lebte das Leben eines armen Mannes
und er starb als ein armer Mann.
Er versuchte es an vielen Höfen,
aber alle Türen blieben verschlossen.
Sein Buch wurde überall akzeptiert, aber er nicht --
solch ein cleverer Mensch könnte gefährlich sein.
Sie wandten seine eigene Ideologie gegen ihn an:
Wenn ein Mann so clever sein kann,
dann wird er Probleme machen.
Wenn er in die  Nähe der Macht kommt,
kann er Probleme machen.
Der Mensch ist  boshaft,
denn nur der Mensch kann machiavellisch sein.
Andere Tiere sind einfach, sehr einfach, und wenn du denkst
dass sie etwas Bösartiges tun, liegst du falsch.
Du denkst, dass Stechmücken deine Meditation stören --
sie wissen das nicht. Sie kennen dich überhaupt nicht,
du bist bloß Futter für sie,
und sie sind auf der Suche nach Nahrung,
eine einfache Angelegenheit....
Wenn du zu einem Baum gehst,
zu einem Apfelbaum oder zu irgendeinem anderen Obstbaum
und du pflückst eine Frucht von dem Baum
hast du jemals daran gedacht,
dass du bösartig zu dem Baum bist?
Nein, die Idee kommt dir nie.
Das gleiche wird dir von Moskitos zugefügt.

15.01.2009 um 23:59 Uhr

Tao Te King 43 (13)

von: tao

"Die weichste Substanz der Welt
geht durch die härteste."
Hast du jemals jemanden geliebt?
Liebe ist so weich, dass du dir gar nicht denken kannst,
dass Liebe gewinnen kann,
aber sie gewinnt immer.
Es ist immer der Mann, der besiegt wird,niemals die Frau.
Wenn eine Frau besiegt wird, kannst du sicher sein
dass sie etwas zu männlich geworden ist,
und wenn ein Mann gewinnt
kannst du sicher sein, dass er etwas Weibliches an sich hat,
dass er etwas Weiches in sich hat --
denn das Weiche gewinnt, das Harte kann nicht gewinnen.
Du kannst die Frau schlagen, die du liebst,
du kannst sie zwingen, Dinge zu tun, die sie nicht tun will, du kannst gewalttätig zu ihr sein,
aber schließlich, letztendlich, wird sie gewinnen.
Wenn sie dich liebt, wird sie gewinnen;
wenn du sie liebst, wirst du besiegt werden.
Und sie kämpft niemals wirklich.
Wenn sie zu kämpfen beginnt, wird sie besiegt werden
denn dann verliert sie die ganze Qualität der Weichheit.
Das ist es, was sich gerade im Westen abspielt.

14.01.2009 um 23:59 Uhr

Tao 469

von: tao

Verrückt
Der Guru existiert nur, weil der Schüler ihn braucht. Den Guru gibt es nicht, was den Guru selbst angeht; es ist die Projektion des Schülers. Wenn der Schüler verstanden hat, dann gibt es weder Schüler noch Guru. Wenn der Schüler des Verstehens bedarf, dann ist da ein Schüler und ein Guru. Der Guru und der Schüler existieren im Denken des Schülers.
Das muss verstanden werden: Ein Meister existiert nicht, soweit wie es ihn selbst betrifft, er existiert in im Denken des Schülers. Der Schüler existiert auch in seinem Denken. Es ist das Bedürfnis des Schülers nach Wissen, das die Meisterschaft projiziert, das ihn beginnen läßt, vom Meister als dem Meister zu denken, ihn für seinen Meister zu halten; es ist Teil seines Schüler-Seins. An dem Tag, an dem er verstanden haben und erwacht sein wird, und sein Schüler-Sein verschwindet, in dem selben Moment wird auch der Guru verschwinden.
So wie es den Gipfel gibt, so existiert das Tal neben ihm. Wenn der Gipfel verschwindet, ist auch das Tal verschwunden; kein Tal kann ohne einen Gipfel existieren. Du siehst eine große Welle im Ozean. Im Gefolge dieser Welle kommt  ein Wellental, es folgt eine Absenkung; sie beide sind zusammen. Wenn die Welle verschwunden ist, ist auch das Wellental, das ihr folgte, verschwunden.

13.01.2009 um 17:39 Uhr

Tao Te King 15 (20)

von: tao


Wie kannst du weiser sein als die Weisen der Vergangenheit?
Nein, du kannst mehr wissen, du kannst mehr wissen als Buddha,
du weißt vielleicht schon mehr als Buddha,
aber du kannst nicht weiser sein.
Tatsächlich gibt es bei Weisheit kein "mehr".
Man ist weise oder nicht weise --
dabei gibt es kein mehr und auch kein weniger.
Beim Wissen gibt es "mehr" und "weniger".
Wissen ist relativ, Weisheit ist absolut.
Du kannst nicht weiser sein,
und tatsächlich, wenn du weise bist,
wirst du sehr, sehr bescheiden sein.
Lao-tse ist so bescheiden,
was ihn selbst und sein eigenes Zeitalter angeht
dass er immer über die Weisen des Altertums spricht.
Und wenn du zu den Weisen der Vergangenheit gehst,
wirst du immer feststellen
dass sie wiederum über die Weisen früherer Zeiten sprechen.
Wenn du versuchst, östliche Schriften zu verstehen,
dann werden die immer besagen,
dass das, was auch immer sie sagen, nicht neu ist,
es war ihnen schon erzählt worden, sie haben es gehört.

12.01.2009 um 15:37 Uhr

Tao Te King 70 (10)

von: tao

 

Auf dem Tod des Staunens

errichtet die Philosophie ihr Gerüst.

Solange das Staunen noch bleibt

kann es keine Philosophie geben.

Das Staunen ist ein Seinszustand:

Offen, zulassend, ein Loslassen.

Du genießt, aber du stellst keine Fragen.

Du liebst das Leben

aber du kümmerst dich nicht darum, warum es da ist.

Dieses Warum

wird nicht zur Besessenheit.

Das "Was ist das eigentlich?" wird nicht zu einer Krankheit in dir,

dass du zuerst wissen mußt, warum es ist, was es ist.

Du akzeptierst es einfach, wie es ist,

und du wunderst dich!