Taoistische Reflektionen

31.03.2009 um 15:50 Uhr

Tao 491

von: tao


Krishnamurti
bemühte sich sehr --
und er scheiterte, denn dies
ist das Gesetz.
Warum bemühst du dich
so sehr?
Du mußt tief in dir Angst davor haben, dass es so kommen wird, dass du versagen wirst.
Und wenn sogar Krishnamurti
dachte, dass dies
so kommen wird,
dann mußte es auch
so passieren.

30.03.2009 um 15:07 Uhr

Tao 490

von: tao

 

Wenn du nicht in die Polaritäten hineingehen kannst,

dann bist du eine fixierte und tote Erscheinung.

Du solltest dazu imstande sein, dich zu bewegen, flexibel zu sein.

Du solltest zu tiefgründigen Überlegungen fähig sein

und du solltest auch

in Irrationalitäten hineinfallen können.

Kalkuliere und liebe.

Arithmetik und Poesie.

Weise und alt, töricht und jung.

Wenn sich das Kind und der alte Mensch begegnen.

wenn der weise Mensch und der Narr

eine Einheit geworden sind,

gelangst du zum größten Wachstum.

Bedenke dies.

Erhalte dir immer die Fähigkeit, dich zu verlieben,

töricht zu sein, dich närrisch zu verhalten.

29.03.2009 um 23:37 Uhr

Quellender Urgrund 2/21 (7)

von: tao

Wenn du von der Sonne dominiert wirst, wirst du aggressiv sein, wahnsinnig aggressiv, ehrgeizig, politisch, heiß, brennend vor Verlangen und Leidenschaft. Wenn du vom Mond beherrscht wirst, wirst du kühl sein, ambitionslos, nicht aggressiv, rezeptiv, friedvoll und still. Aber beides muss transzendiert werden, denn beides ist einseitig. Man muss zu einem Moment kommen, an dem man sagen kann: "Ich bin weder Mann noch Frau." Das ist dann der Fall, wenn ein Mensch ein Buddha wird oder wenn ein Mensch ein Christus wird oder wenn ein Mensch ein Krischna wird -- wenn er weder Mann noch Frau ist, weder Mond noch Sonne, weder "is" noch "ra", sondern "el", weder yin noch yang. Er ist einfach, reines Ist. Alle Formulierungen sind verschwunden. Aber dieses Geschehen ereignet sich nur nach und nach. Zuerst mußt du das Prinzip des "ra" fallenlassen -- das Prinzip der Sonne, der männlichen Energie -- und du mußt dich in das Feminine, in das Weibliche hineinbegeben. Und von dort aus mußt dich in das Darüber-hinaus bewegen.
Alles geschieht durch das weibliche Prinzip -- bedenke das, denke immer daran.

28.03.2009 um 16:37 Uhr

Tao Te King 1 (32)

von: tao

Beschäftigt
Es ist möglich, dass ein Sünder ankommen
und ein Heiliger fehlgehen kann.
Wenn der Heilige zu voll ist mit seiner Heiligkeit,
wird er fehlgehen.
Lao-tse sagt:
"Wenn die Leute auf der Erde alle
Schönheit als Schönheit kennen,
Dann entsteht Häßlichkeit.
Wenn die Leute auf der Erde alle
das Gute als gut kennen,
Dann entsteht Böses.
Deswegen:
Sein und Nicht-Sein sind in ihrem Wachstum
wechselseitig voneinander abhängig."
Benutze beides -- triff keine Wahl.
Das Leben ist eine Interdependenz.
Verwende auch die Sünde, sie existiert für einen Zweck
sonst würde es sie nicht geben.
Benutze auch die Wut, die gibt es auch für einen Zweck
sonst würde es sie nicht geben.
Nichts existiert ohne irgendeinen Zweck im Leben.
Wie kann etwas ohne irgendeinen Zweck existieren?
Das Leben ist kein Chaos, es ist ein sinnvoller Kosmos.
"Sein und Nicht-Sein
hängen gegenseitig voneinander ab
in ihrem Wachsen;"
-- also sei und sei nicht, beides zusammen --.

27.03.2009 um 17:01 Uhr

Südliches Blütenland 17/10 (19)

von: tao

Wütend
Außergewöhnliche Leute
haben viel "Soll" in sich:
dies sollte getan werden,
das
sollte nicht gemacht werden. Sie leben moralisch,
sie leben nach Prinzipien. Doch was tut Dschuang Dsi
(s. 16.01.2006)?
Ein Mensch mit Wissen,
der fischt?
Unmöglich,
sich das vorzustellen --
du tötest damit Fische! Dschuang Dsi glaubt an die Natur.

Wütend

26.03.2009 um 21:38 Uhr

Tao Te King 9 (24)

von: tao

Liebende können sehr leicht zu Feinden werden;
tatsächlich: Wie kannst du dir einen Feind machen
bevor du ihn dir nicht zuerst
zu einem Freund gemacht hast?
Und je tiefer die Freundschaft ist,
desto tiefer wird die Feindschaft sein,
wenn es jemals dazu kommt.
Du kannst dir keinen Feind machen,
ohne dass du zuerst
eine Freundschaft geschlossen hast.
Freundschaft scheint die Vorbedingung zu sein.
Wenn du sehr darauf abfährst,
wenn du zu nahe kommst,
wirst du Feindschaft hervorrufen.
Komme niemals zu nahe, halte immer etwas Distanz.
Kahlil Gibran sagt in seinem wunderbaren Buch
"Der Prophet":
Liebende sollten wie Pfeiler eines Tempels sein --
sie tragen dasselbe Dach,
aber stehen nicht zu nahe nebeneinander.
Wie Säulen....
Wenn sie sich zu nahe kommen,
wird der ganze Tempel einstürzen.
Wenn sie zu weit weggehen,
auch dann wird der ganze Tempel zusammenfallen.
Sie können sich nicht zu nahe komme
und sie können sich nicht zu weit entfernen.
Das ist die Kunst, das ist der Dreh.

25.03.2009 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 26/7 (24)

von: tao

Sartre verlegt eine seiner Geschichten
in dieses neue Jahrhundert,
das einundzwanzigste. Ein sehr reicher Mann sagt:
Liebe ist nichts für mich, sie ist nur für arme Leute.
Was mich betrifft,
können meine Diener das für mich erledigen.
Natürlich, warum sollte ein Henry Ford hingehen
und seine Zeit damit verschwenden, eine Frau zu lieben?
Ein billiger Diener kann das tun.
Fords Zeit ist zu wertvoll.
Er sollte sie für irgendeinen besseren Zweck verwenden.
Das ist vorstellbar!
Wenn man sich das menschliche Denken betrachtet,
wie es ist,
ist es möglich,
dass in der Zukunft nur Diener Liebe machen werden.
Wenn du einen Diener dafür abstellen kannst,
warum dich selbst darum kümmern?
Wenn alles unter ökonomischen Gesichtspunkten
betrachtet wird,
wenn ein Ford, ein Rockefeller
einen soviel besseren Nutzen
aus ihrer Zeit ziehen können,
warum sollten sie dann  losziehen
und ihre Zeit mit einer Frau verschwenden?
Sie können einen Diener schicken,
das wird weniger Probleme machen.
Das kommt uns absurd vor, wenn wir das hören
aber es hat sich schon
in vielen Dimensionen des Lebens ereignet.
 
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24.03.2009 um 23:59 Uhr

Tao Te King 1 (31)

von: tao

Noch eine andere Geschichte:   Traurig
Es geschah einmal,
dass ein Heiliger an die Himmelspforte klopfte,
und zur gleichen Zeit, genau neben ihm,
klopfte auch ein Sünder an.
Und der Heilige kannte den Sünder sehr gut
denn er lebte in seiner Nachbarschaft,
in derselben Stadt.
Und sie waren am selben Tag gestorben.
Die Türen öffneten sich.
Der Torwächter, der heilige Petrus,
schenkte dem Heiligen nicht einmal einen Blick,
aber er hieß den Sünder willkommen.
Der Heilige war verletzt.
Das war nicht zu erwarten gewesen,
dass ein Sünder willkommen geheißen werden sollte.
Er fragte St. Petrus: Was ist denn los?
Du verletzt mich. Du beleidigst mich.
Warum werde ich nicht gut empfangen,
wenn schon der Sünder
mit solchem Willkommen aufgenommen worden ist?
Sagte der heilige Petrus: Darum. Du erwartest es.
Er erwartet es nicht.
Er fühlt sich einfach dankbar,
dass er in den HImmel gekommen ist,
während du das Gefühl hast,
dass du das dir verdient hast.
Er fühlt die Gnade Gottes, aber du denkst
es ist wegen deiner Anstrengungen,
dass du es erreicht hast.
Für dich ist es eine Errungenschaft,
und alle Errungenschaften gehören zum Ego.
Er ist bescheiden.
Er kann es nicht glauben,
dass er in den Himmel gekommen ist.

23.03.2009 um 21:34 Uhr

Südliches Blütenland 26/10 (18)

von: tao

Die Kirchen, Tempel und Moscheen
haben das Denken korrumpiert.
Wir sollten die Kinder der Natur überlassen,
das ist der Tempel, die wirkliche Kirche.
Wir sollten den Kindern lehren
den vorbeitreibenden Wolken zuzuschauen,
der aufgehenden Sonne, dem Mond in der Nacht.
Wir sollten ihnen beibringen, wie man liebt,
und wir sollten ihnen lehren,
keine Barrieren zu errichten
gegen die Liebe, die Meditation und die Andacht;
wir sollten ihnen beibringen,
offen und verletzlich zu sein,
wir sollten ihnen ihr Denken nicht verschließen.
Und wir sollten natürlich Worte vermitteln
aber gleichzeitig sollten wir auch Schweigen lehren,
denn gelangen Worte erst einmal in die Tiefe,
dann wird das Schweigen schwierig.
Wenn wir meditieren wollen, ist dies unser Problem:
An der Basis, da sind Worte
und nun versuchst du zu meditieren und still zu sein --
und die Basis ist immer da.
Immer wenn du still bist,
fängt die Basis zu funktionieren an.
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22.03.2009 um 23:29 Uhr

Tao 489

von: tao

Für den Taoismus seid ihr schon großartige Menschen. Jemand mag denken, dass er dies nicht ist -- das ist sein Problem. Er mag denken oder sogar glauben, dass er es nicht ist.... Und die Leute verhalten sich entsprechend ihren Glaubensvorstellungen. Wenn du glaubst, dass du kein großartiger Mensch bist, wirst du dich auf eine Art und Weise verhalten, die zu jemandem paßt, der kein großartiger Mensch ist. Wenn du glaubst, dass du schlecht bist, wirst du dich auch so verhalten. Wenn du glaubst, dass du gut bist, wirst du dich auf diese Weise verhalten.

Aber deine Anmaßungen sind dein Anspruch, deine Schauspielkunst. Ein Mensch des Tao sieht dein ursprüngliches Gesicht, er sieht dich, wie du bist. An dem Tag, an man seine eigene Großartigkeit sieht, an eben diesem Tag verschwinden alle Minderwertigkeiten. Man sieht in jedes Gesicht, in jedes Auge, und die Großartigkeit ist vorhanden. Die gleiche Großartigkeit, die in mir existiert, gibt es in dir, es sind nicht zwei -- es ist die gleiche Großartigkeit. Es ist der gleiche Ozean, der in dir Wellen schlägt und der in mir Wellen schlägt, der in einem Buddha, in einem Christus, in einem Krischna Wellen schägt.

21.03.2009 um 18:51 Uhr

Südliches Blütenland 26/10 (17)

von: tao

Du kannst einen Menschen nicht wieder
zum Kind machen,
du kannst ihn nicht wieder unschuldig machen.
Dieser Augenblick ist verloren.
Wenn diese Erde jemals wirklich religiös werden sollte
dann werden wir kein Christentum mehr lehren,
keinen Hinduismus, Islam oder Buddhismus;
das ist eines der größten Verbrechen,
die begangen werden.
Wir werden Andacht lehren,
wir werden Meditation beibringen,
aber keine Sektiererei.
Wir werden keine Worte und Glaubenslehren eintrichtern,
wir werden eine Lebensweise vermitteln,
wir werden Glücklichsein lehren,
wir werden zur Ekstase anleiten.
Wir werden lehren, wie man Bäume betrachtet,
wie man mit Bäumen tanzen kann,
wie man sensitiver sein kann,
wie man lebendiger sein kann
und wie man sich an den Segnungen erfreuen kann,
die Gott gegeben hat...
aber keine Worte, keinen Glauben,
keine Philosophien, keine Theologien.
Nein, wir werden sie nicht in eine Kirche führen
oder in einen Tempel oder in eine Moschee,
denn diese Orte sind die Quellen der Korruption.

20.03.2009 um 16:23 Uhr

Tao Te King 63 (9)

von: tao

Lao-tse sagt:
Für einen großartigen Menschen
gibt es keine großen Probleme.
Normalerweise mußt du es dir andersherum denken,
dass nämlich großartige Menschen dazu da sind,
um sich mit großen Problemen herumzuschlagen.
Und Lao-tse sagt,
dass es für einen großartigen Menschen
keine großen Probleme gibt,
weil er die Probleme niemals groß werden läßt;
er beschäftigt sich immer dann mit ihnen,
wenn sie noch klein sind,
wenn es noch in seinen Händen liegt;
dann kann etwas getan werden.
Und wenn du dich der Probleme annimmst
von Augenblick zu Augenblick
dann bist du immer frischund unbelastet;
niemals sammelt sich Staub auf deinem Wesen an.
Du schlüpfst in den nächsten Moment
frisch, jung und unbefleckt
entschlüpfst du in den nächsten Augenblick hinein,
wie eine Schlange aus ihrer alten Haut herausschlüpft;
das Alte bleibt zurück --
die frische und jüngere Haut kommt mit.
Dann ist das Leben ein Mysterium.

19.03.2009 um 23:07 Uhr

Südliches Blütenland 6/4 (34)

von: tao

Hochzeit ist keine Lizenz.
Keine Registrierung,
kein Standesamt kann dir eine Hochzeit geben;
kein Priester
kann dir das zum Geschenk machen.
Es ist eine große Revolution im Wesen,
es ist eine große Transformation
in deinem eigentlichen Lebensstil,
und es kann nur geschehen,
wenn du Zusammensein zelebrierst,
wenn der andere
nicht mehr als der andere empfunden wird,
wenn du dich selbst
nicht mehr länger als "Ich" empfindest.
Wenn die Zwei nicht wirklich zwei sind,
hat sich eine Brücke ereignet,
sie sind in gewissem Sinne eins geworden.
Physisch gesehen bleiben sie zwei,
aber so weit,
wie es das innerste Wesen betrifft,
sind sie eins geworden.
Sie mögen zwei Pole einer Existenz sein,
aber sie sind nicht zwei.
Es existiert eine Brücke.
Diese Brücke gibt dir Ahnungen
vom Zusammensein.
Die Ehe ist eines der seltensten Dinge,
dem man begegnen kann.
Die Leute leben zusammen,
weil sie nicht alleine leben können.

18.03.2009 um 17:48 Uhr

Südliches Blütenland 17/1 (13)

von: tao

Sonstige
Wenn du lachst, hat es den Anschein,
als ob du bloß oberflächlich
lachen würdest,
aber wenn du weinst,
dann weinst du aus ganzem Herzen.
Es ist leicht, so zu tun, als ob man lacht,
es ist sehr schwierig,
Tränen vorzutäuschen.
Wenn sie nicht fließen,
ist es unmöglich, sie zu produzieren.
Du kannst dir ein Lächeln aufzwingen,
du kannst keine Tränen erzwingen.
Je mehr du dich dazu zwingst,
desto mehr wirst du spüren,
dass keine Tränen kommen werden,
desto trockener
werden deine Augen sein.
Deine Trauer hat eine Tiefe,
dein Lachen ist an der Oberfläche.

17.03.2009 um 16:36 Uhr

Tao 488

von: tao

Die alte Generation glaubt an Geld. Und du wirst überrascht sein, dass der Glaube an Geld so tief geht, dass sogar diejenigen, die dem Geld entsagen, auch an Geld glauben; sonst wäre es nicht nötig, ihm zu entsagen. Und diejenigen, die diese Entsagung preisen, die glauben auch an Geld: Je mehr du darauf verzichtest, desto großartiger bist du. Es wird also am Geld gemessen, Geld bleibt das Kriterium. In der Welt bist du großartig, wenn du mehr Geld hast. Und sogar in der Welt der Mönche: "Auf wieviel Geld hast du verzichtet?" Sogar dort bleibt Geld wichtig.

Ein Taoist ist nicht verrückt nach Geld. Und bedenke, das heißt nicht, dass er damit gegen Geld ist -- er benutzt Geld. Normalerweise benutzt das Geld den Menschen, der Mensch hat auf solch eine unbewußte Art und Weise gelebt, dass er zwar denkt, er besäße Dinge, aber die Dinge besitzen ihn, er ist besessen davon. Der Taoist ist imstande, etwas zu nutzen: Der Taoist verwendet Geld, er benutzt Technologie, aber der Taoist bleibt der Meister. Er wird nicht zum Opfer, zum Instrument. Das ist das Großartigste, was geschehen kann, wenn man den Taoismus zur Anwendung bringt.

16.03.2009 um 23:03 Uhr

Südliches Blütenland 19/13 (30)

von: tao

Schau dir einen Baum an, wenn es Frühling ist,
und er hat keine Blüten
und da kommen auch keine Blüten mehr.
Was für eine Traurigkeit
macht sich da bei diesem Baum breit.
Der kann nicht lachen;
er kann nicht singen; er kann nicht tanzen.
Zum Tanzen braucht es Blüten.
Wie kann man sonst tanzen?
Sogar wenn jemand zu dir sagt: "Tanze!",
wie kannst du tanzen?
Denn Tanz ist überschäumender Genuß,
so ein Überfließen,
dass jede Zelle im Körper zu tanzen beginnt,
du wirst ein tanzender Kosmos.
Aber wie kannst du das?
Die Energie fließt nicht,
da kommt keine Energie.
Irgendwie schleppst du dich dahin,
du ziehst dich hinter dir her.
Wie kannst du da tanzen?
Blüten kommen, wenn der Baum soviel hat,
dass er geben kann.
Blüten sind ein Geschenk,
sie sind ein Weitergeben.
Der Baum sagt damit
zu dem ganzen Universum:
Ich bin mehr, als ich brauche.
Es ist ein Lied.
Der Baum sagt damit:
Nun begebe ich mich
in die Welt des Luxus hinein.
Meine Bedürfnisse sind erfüllt.
Der Baum hat mehr als er braucht --
dann ereignet sich das Erblühen.

15.03.2009 um 13:55 Uhr

Quellender Urgrund 2/20 (19)

von: tao

Feigheit ist Furcht, einfach und direkt,
Mut dagegen ist schlau versteckte Furcht --
ein tapferer Mensch ist ein raffinierter Feigling.
Es geschah einmal
dass ein Soldat, der an der Front kämpfte,
in große Panik geriet,
also begann er zu rennen, Richtung Hinterland.
Ein Offizier hielt ihn auf und fragte:
Was tust du da? Wohin gehst du denn?
Der Kampf ist in vollem Gange!
Bist du ein Feigling?
Aber der Mann war so im Schock,
er kümmerte sich einfach nicht um die Frage,
er rannte einfach weiter.
Der Offizier folgte ihm, bekam ihn zu fassen
und sagte: Wohin rennst du denn?
Warum antwortest du nicht?
Weißt du denn nicht, wer ich bin?
Ich bin dein General!
Der Soldat sagte: Mein Gott,
bin ich schon so weit weg von der Front?
Eure Generäle, eure Führer,
die halten sich immer ganz hinten auf.
Die werden niemals umgebracht,
die kommen nie in Schwierigkeiten,
sie sind perfekte Feiglinge,
die so tun, als ob sie die Tapfersten wären.
Andere sterben für sie
und sie bleiben im Hintergrund, in der Reserve.
Eure Napoleons, eure Hitlers, eure Alexanders
sind alles Feiglinge,
die ein Phantom projizieren und kreieren,
das genau entgegengesetzt
zu ihrem inneren Gefühlsleben ist.
Das muss bedacht werden, nur dann
kannst du an eine dritte Möglichkeit denken:
Furchtlosigkeit.

14.03.2009 um 16:34 Uhr

Südliches Blütenland 24/8 (21)

von: tao

Jeder große Führer folgt bloß
ständig seinen Nachfolgern.
Er sieht ständig nach,
woher der Wind gerade weht
und er muss immer vorneweg sein.
Das ist das Geheimnis,
ein großer Anführer zu sein --
du mußt imstande sein herauszukriegen,
was die Leute wollen.
Du mußt ihnen einen Slogan geben
bevor ihnen bewußt wird, was sie wollen.
Dann folgen sie dir.
Dieser Affe vom Affenberg (3.12.2006)
muss ein Führer gewesen sein.
Es musste demonstriert werden,
dass er keine Angst hatte,
nicht einmal vor einem großen Fürst.
Andere Affen waren geflohen,
armselige gewöhnliche Affen,
aber er war kein ordinärer Affe,
er war selber ein König.
Er muss die Stellung halten,
er muss dableiben;
auf diese Weise wird er
in den Augen der Affen
mehr Prestige bekommen.
"Ein Affe blieb jedoch, völlig unbekümmert,
und schwang sich von Ast zu Ast --
eine außergewöhnliche Zurschaustellung."
 

13.03.2009 um 22:33 Uhr

Tao Te King 9 (23)

von: tao

 

Spanne einen Bogen nicht bis zum Anschlag.
Wenn du lachst, ist es besser zu lächeln als zu lachen
denn ein Lächeln führt niemals zu Tränen,
nur Gelächter.
Oder, wenn du lachst, halte das Gleichgewicht.
Geh nicht bis zum Äußersten.
Bleibe auf ebenem Grund, sonst, früher oder später
wirst du ins andere Extrem geworfen werden
und dann wirst du leiden.
Wenn du glücklich bist, lass es nicht ausufern,
sei nicht zu glücklich.
Das ist gar nicht nötig.
Lächle vor Glück, lach nicht;
bewahre Stillschweigen darüber,
dann kann das Glücklichsein für eine lange Zeit andauern.
Wenn du den Dreh dabei heraus hast,
dann kann es für immer bleiben.
Ein Lächeln kann für immer bleiben,
aber nicht das Lachen.
Du wirst bei einem Buddha also ein Lächeln finden,
aber kein Gelächter.
Er kennt die Kunst, wie man die Balance beibehält.
Liebe, lass dich davon nähren,
nähre den anderen damit,
erlebe Ekstase, aber drehe nicht durch,
sonst wirst du früher oder später alles wieder
kaputt machen.
Früher oder später wird sich alles in Hass verwandeln.

12.03.2009 um 22:16 Uhr

Südliches Blütenland 2/4 (23)

von: tao


Was sollten wir also tun?
Was möchte Dschuang Dsi, dass wir tun?
Er möchte, dass wir nicht fragmentarisch sind -- er möchte, dass wir total sind.
Aber bedenke,
du kannst nur auf das Ganze sehen,
wenn du selbst ganz bist.
Denn das Gleiche kann Ähnliches erkennen. 
Wenn du bruchstückhaft bist,
kannst du das Ganze nicht erkennen.
Wie kannst du das Ganze erkennen,
wenn du fragmentarisch bist?
Wenn du in Partikel aufgeteilt bist,
kann sich das Ganze nicht in dir widerspiegeln.
Die taoistische  Bedeutung von Meditation
ist ein Denken, das nicht mehr geteilt ist,
in dem alle Fragmente veschwunden sind.
Das Denken ist ungeteilt, ganz und eins.
Dieses einheitliche Denken sieht tief
bis zum letzten Ende.
Es sieht vom Tod bis zur Geburt,
es sieht von der Geburt bis zum Tod.
Beide Polaritäten sind sichtbar.
Und aus dieser Sicht,
aus dieser durchdringenden Vision heraus,
entsteht die Aktion.