Tao 522
Du bist ein Buddha, ob du es nun weißt oder nicht,
das ist deine Entscheidung: Wissen oder Nicht-Wissen.
Aber deine Realität ist die Wirklichkeit eines Buddha.
Anonyme Götter.
Sie wissen es nicht,
sie sind mit sich selbst nicht vertraut, aber alles Götter.
Im Tiefschlaf, vielleicht,
aber trotzdem: Ein Gott ist ein Gott,
ob er nun schläft oder wach ist.
Wenn du also liest,
und ich muss es hier schreiben,
beharrlich, wieder und wieder,
dass es eine Seinsweise gibt
wo jeder Moment unendliche Seligkeit ist,
wo jeder Augenblick ekstatisch ist,
und du lebst gerade im Mist --
dann wäre es besser,
keine Sehnsucht daraus abzuleiten,
denn Verlangen kreiert bloß Schrott.
Verstehst du, worum es geht,
dann kannst du dir deine Wünsche
aus den Händen schlüpfen lassen.


Wenn du nur so tust, als ob du ein Sucher nach dem Darüber-Hinaus seist, dann wirst du deine ganze Welt mitbringen, du wirst all deine Wünsche mitbringen. Darum denken die Leute an Gott, an den Himmel. Es ist nicht so, dass sie an Gott und am Himmel interessiert sind, sie sind nur an Macht interessiert, auf Prestige aus. Vielleicht haben sie Angst vor dem Tod und aus Furcht und aus Gier heraus beginnen sie, zu Gott zu beten. Aber ein Gebet, das aus Furcht und Gier heraus entsteht, ist überhaupt kein Gebet. Ein wirkliches Gebet entsteht aus Dankbarkeit, niemals aus Furcht und Gier. Andacht entsteht aus Liebe zur Wahrheit, was auch immer sie ist. Sonst werden deine weltlichen Sehnsüchte wieder auf Gott, in den Himmel, projiziert werden. Wenn du dir die Beschreibungen des Paradieses von verschiedenen Religionen aus verschiedenen Ländern anschaust, wirst du erstaunt sein: Nach was sie sich sehnen, das wird projiziert. Zum Beispiel wird das tibetische Paradies warm beschrieben -- offensichtlich, denn die Tibeter leiden so sehr unter der Kälte, dass sie gerne einen Himmel hätten, der voll Sonne und Wärme ist, so dass sie wenigstens ein Bad jeden Tag nehmen können. In Tibet besagen die Schriften, dass es deine Pflicht ist, ein Bad wenigstens jedes Jahr zu nehmen! Das indische Paradies ist kühl, tatsächlich ist es klimatisiert. Sie kannten das Wort zur damaligen Zeit noch nicht, also heißt es "luft-gekühlt". Das muss so sein -- Indien hat so sehr unter der Hitze gelitten.
Omar Khayyam hat in seinem "Rubaiyat" gesagt:
Als ich jung war, suchte ich häufig den Doktor
und den Geistlichen auf.
Sie argumentierten hin und her und darum herum
und ich kam raus zur selben Tür, wie die, in die ich reinging.
Er besuchte so viele Philosophen, so viele Heilige --
aber sie redeten immer darum herum
und er mußte durch dieselbe Türe wieder zurückkommen.
Aber das Leben wird nicht auf dich und deine Theorien warten,
es verläuft so schnell. Bald wird der Tod sich ereignen
und du wirst sterben mit deinen Theorien in deiner Hand;
und sie werden dir nicht helfen, sie sind bloß kalte Asche.
Dschuang Dsi sagt: Lebe, denke nicht!
Das ist alles, was diejenigen, die es verstanden haben,
immer gesagt haben:
Lebe, denke nicht!
das Gesetz
der umgekehrten Wirkung
zurück:
Es ist ein sehr tiefes
psychologisches Gesetz:
Tu etwas
und genau das Gegenteil
passiert.
Das ist die ganze Lehre
von Lao-tse.