Taoistische Reflektionen

30.06.2009 um 23:59 Uhr

Tao 522

von: tao

Verrückt
Leute, die Dinge lieben, werden wie Dinge -- tot, verschlossen.
In ihnen vibriert nichts mehr, nichts tanzt und singt in ihnen,
ihre Herzen haben den Pulsschlag verloren,
sie leben ein mechanisches Leben.
Sie schleppen sich dahin, belastet, beladen mit  vielen Dingen,
aber sie haben keine Freiheit
denn nur Liebe kann dir Freiheit geben;
und Liebe kann dir nur Freiheit geben,
wenn du der Liebe Freiheit gibst.
Menschen, die Angst vor der Liebe haben,
werden habgierig auf Geld.
Menschen, die lieben,
werden immer weniger besitzergreifend,
Geld bedeutet ihnen nicht viel.
Wenn Geld da ist, ist  das in Ordnung, es kann benutzt werden;
wenn es nicht da ist, ist das auch in Ordnung,
denn Liebe ist solch ein Königreich,
dass kein Geld es kaufen kann.
Liebe ist solch eine tiefe Erfüllung
dass du ein Bettler auf der Straße sein  und singen kannst
wenn du Liebe hast in deinem Herzen,.
Wenn du geliebt hast und geliebt worden bist,
dann krönt dich die Liebe, macht einen König aus dir.
Geld macht dich einfach häßlich.

29.06.2009 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 23/2 (8)

von: tao

Verrückt
Was ist das für eine Furcht
vor tiefer Bauchatmung?
Die Furcht ist,
wenn du chaotisch atmest,
wirst du wieder wild werden.
Die Rüstung wird zerbrechen
und der Atem
wird wieder auf das Sexzentrum treffen.
So unterdrückt dich die Gesellschaft --
sie erzeugt eine Kluft
zwischen dem Sexzentrum und der Atmung.
Und wenn das Atmen
nicht das Sexzentrum erreicht,
dann sind alle Quellen des Glücklich-Seins blockiert.
Dein Magen wird versteinert.
Er läßt nichts mehr nach unten kommen
und dein Körper ist in zwei geteilt.
Du identifizierst dich nie
mit der unteren Körperhälfte.
Für dich ist die untere Hälfte
wirklich etwas Niedrigeres.
Eine Bewertung hat sich eingeschlichen.
Die obere Hälfte bedeutet etwas Höheres, etwas Gutes;
die untere bedeutet etwas Schlechtes.
Du hast nie das Gefühl der Identifikation
mit deiner unteren Körperhälfte,
es ist etwas Schlechtes -- der Teufel,
dort wohnt der Teufel.
Adam wurde hinausgeworfen,
und jeder Adam und jede Eva
wird aus dem Garten Eden hinausgetrieben.
 

28.06.2009 um 23:59 Uhr

Tao 521

von: tao

 

Du bist ein Buddha, ob du es nun weißt oder nicht,

das ist deine Entscheidung: Wissen oder Nicht-Wissen.

Aber deine Realität ist die Wirklichkeit eines Buddha.

Anonyme Götter.

Sie wissen es nicht,

sie sind mit sich selbst nicht vertraut, aber alles Götter.

Im Tiefschlaf, vielleicht,

aber trotzdem: Ein Gott ist ein Gott,

ob er nun schläft oder wach ist.

Wenn du also liest,

und ich muss es hier schreiben,

beharrlich, wieder und wieder,

dass es eine Seinsweise gibt

wo jeder Moment unendliche Seligkeit ist,

wo jeder Augenblick ekstatisch ist,

und du lebst gerade im Mist --

dann wäre es besser,

keine Sehnsucht daraus abzuleiten,

denn Verlangen kreiert bloß Schrott.

Verstehst du, worum es geht,

dann kannst du dir deine Wünsche

aus den Händen schlüpfen lassen.

Sonstige

27.06.2009 um 23:59 Uhr

Quellender Urgrund 2/12 (13)

von: tao

 
Zen-Meister sagen zu ihren Schülern: "Geht und meditiert über den Klang von einer klatschenden Hand." Nun kann eine Hand nicht klatschen; zum Klatschen sind mindestens zwei Hände nötig. Eine Hand kann keinen Ton erzeugen; damit ein Geräusch hervorgebracht wird, muss etwas aneinandergeschlagen werden. Der Klang entsteht aus dem Konflikt, klatsch ! Eine Hand kann kein Geräusch machen. Das ist nun absurd, aber der Schüler muss darüber meditieren. Er meditiert. Manchmal braucht es ein Jahr, manchmal zwei Jahre und manchmal zwanzig Jahre -- es kommt immer darauf an. Und der Schüler meditiert ständig morgens, am Nachmittag, abends, in der Nacht. Und er schläft gerade mal fünf Stunden und dann wieder, um drei Uhr frühmorgens, sitzt er wieder in diesem absurden Sport -- denken, meditieren... "Was ist der Klang einer klatschenden Hand?" Und er weiß es ja, und er denkt es immer wieder: "Was für einen Unsinn machst du da? Das ist doch gar nicht möglich. Du wirst es niemals herausfinden." Und er muss jeden Tag zum Meister gehen und ihm berichten, ob er es gefunden hat oder nicht. Und der Meister beleidigt ihn und manchmal schlägt er ihn, und manchmal wirft er ihn aus dem Zimmer raus und sagt: "Du hast es nicht gefunden. Du bist bloß ein Narr. Versuche es intensiv. Bemühe dich mehr." Und er versucht es -- mehr und noch mehr -- ein Jahr lang bemüht er sich, zwei Jahre, drei Jahre, oder zwanzig Jahre. Was wird passieren? Man wird immer verspannter, angestrengter und angespannter, und es gibt keine Möglichkeit, es zu lösen, also kann diese Hochspannung nicht entspannt werden: Das ist das Geheimnis des Koan. Wenn es irgendeine Antwort gibt, dann kann die Spannung losgelassen werden, aber es gibt keine Antwort. Eine Antwort als solche ist nicht möglich -- von Anfang an ist das schon verunmöglicht worden.
Wütend

26.06.2009 um 23:51 Uhr

Tao 520

von: tao


Der östliche Sichtweise der Dinge ist die: Was auch immer ist, kann nicht mit den Augen gesehen werden. Und was auch immer mit den Augen gesehen werden kann, ist bloß eine Fiktion -- genieße es, während du es siehst, liebe es -- es ist leela, das Spiel Gottes. Taoistische Reflektionen sind also keine Predigten -- eine Predigt ist eine ernste Sache -- sie sind bloß wie Vogelgesänge. Was auch immer hochkommt, wird aufgeschrieben; und da spielt es keine Rolle, ob das von der Geschichtsforschung bewiesen worden ist oder nicht, denn Geschichte an sich ist bedeutunglos.
Sonstige

25.06.2009 um 22:36 Uhr

Tao Te King 9 (25)

von: tao

Fröhlich
Wenn ihr wollt, dass eure Liebe ewig währt,
dann kommt euch nicht zu nahe,
denn wenn ihr euch zu nahe kommt,
dann entsteht die Notwendigkeit,
wieder weit weg zu gehen.
Wenn ihr euch zu nahe kommt,
dann beeinträchtigt ihr gegenseitig eure Freiheit --
und jeder braucht seine eigene Privatsphäre.
Liebe ist schön,
wenn sie sich mit deiner Privatsphäre vereinbaren läßt;
wenn sie anfängt, in deine Privatsphäre einzudringen,
dann wird sie giftig.
Und Liebende verhalten sich immer dumm und töricht.
Wenn sie verliebt sind,
hören sie auf nichts und niemanden:
Sie versuchen, sich zu nahe zu kommen
und dann zerstören sie ihre Liebe.
Wären sie ein wenig weiser gewesen,
würden sie sich nicht so nahe gekommen sein und
dann würden sie sich für immer nahe geblieben sein.
Bernard Shaw hat irgendwo gesagt:
In der Zeit, wenn ein Mensch endlich
weise in der Liebe geworden ist,
ist sein Leben schon so gut wie vorbei.
Sehr alte Leute werden weise, was die Liebe betrifft,
aber dann ist die Möglichkeit zur Liebe schon vorbei.
Und er sagt weiter:
Ich frage mich immer,
warum Gott die Jugend an junge Leute verschwendet.
Sie sollte den alten Leuten gegeben werden,
die weiser sind, die gelebt haben,
das Leben kennengelernt haben
und ein Gleichgewicht erreicht haben --
aber Gott verschwendet die Jugend
ständig an junge Leute.

24.06.2009 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 17/10 (22)

von: tao

"Dschuang Dsi
mit seinem Bambusstab
angelte im Fluss Pu.
Der Fürst von Dschu entsandte
zwei Vizekanzler
mit einer offiziellen Urkunde:
Wir ernennen dich hiermit
zum Premierminister."
Politik entstammt dem Ego,
es ist der Egotrip, das Ego-Spiel. Aber Dschuang Dsi
war weit und breit bekannt
als ein weiser Mann,
es war nicht nötig,
dies der Öffentlichkeit kundzutun.
Verrückt

23.06.2009 um 16:58 Uhr

Südliches Blütenland 19/13 (33)

von: tao

"Schlimm genug für einen Seevogel
von Menschen umgeben zu sein
und von ihren Stimmen erschreckt zu werden.
Doch das war nicht genug!
Sie töteten ihn mit Musik!
Wasser ist für Fische
und Luft ist für Menschen.
Die Naturen unterscheiden sich,
und damit die Bedürfnisse.
Daher legten die weisen Menschen des Altertums
keinen Maßstab fest
der für alle gelten soll."
Ihr könnt nicht wie Dinge behandelt werden.
Sachen können ähnlich sein;
Seelen können das nicht sein.
Du kannst eine Million Volkswagen vom Band haben,
die genau gleich sind.
Du kannst den einen Volkswagen
durch einen anderen Volkswagen ersetzen
und das wird keine Probleme machen,
aber du kannst kein menschliches Wesen ersetzen.
Verrückt

22.06.2009 um 23:31 Uhr

Quellender Urgrund 2/4

von: tao


Sogar bei einem kleinen Kind beginnt der Kampf,
in dem Moment, in dem es sich als "Ich'" zu fühlen beginnt.
In einem Supermarkt bestand ein kleines Kind darauf,
ein Spielzeug zu bekommen.
Die Mutter sagte nachdrücklich:
Nein, ich werde das nicht kaufen.
Du hast schon genug bekommen.
Das Kind wurde wütend und sagte:
Mami, ich habe noch nie ein gemeineres Mädchen
als dich gesehen,
du bist das allergemeinste.
Die Mutter sah das Kind an,
sein Gesicht, den wütenden Gesichtsausdruck,
und dann sagte sie:
Warte nur, du wirst sicherlich noch
einem wirklich gemeinen Mädchen begegnen,
da warte nur ab!
Wieder zuhause
bestand die Mutter darauf,
dass das Kind seine Hausaufgaben macht.
Es gehorchte nicht
und spielte mit seinen Spielsachen weiter.
Also sagte sie: Hörst du nun auf mich oder nicht?
Das Kind sah auf und sagte:
Was denkst du, wer ich bin -- Papa?
Nur ein kleines Kind, und das Kämpfen beginnt schon --
das Ego ist entstanden.
Es weiß, Papa kann zum Schweigen gebracht werden,
aber es läßt sich das nicht gefallen.
Beschäftigt

21.06.2009 um 14:52 Uhr

Tao 519

von: tao

Fröhlich
Der Taoismus ist nicht dafür da, um euch zu sagen,
dass ihr Diener der Menschheit werden solltet.
Das hat noch nie geholfen.
Das erzeugt ein subtiles, frommes Ego,
und wenn das Ego fromm ist, ist es noch giftiger,
denn es sieht so schön aus,
und du kannst dich noch mehr daran klammern.
Der Taoismus ist dafür da, um dir dabei zu helfen,
das Ego fallenzulassen:
Fromm oder pietätlos;
ob es das Ego eines Sünders oder eines Heiligen ist.
Das Ego muss aufgegeben werden --
was auch immer dann geschieht, ist schön.
Dann ziehst du los,
und dann sitzt du vielleicht neben einem Bettler,
und du hilfst ihm,
aber dann bist du nicht mehr da;
dann fließt Tao durch dich hindurch,
die Gesamtheit arbeitet durch dich.
Dann erwartest du auch keinerlei Resultat mehr von dem, was du tust,
nicht einmal ein einfaches Danke von dem Bettler;
und du hältst auch nicht nach Fotografen Ausschau,
und nach Zeitungsreportern,
ob sie noch rechtzeitig an Ort und Stelle sind,
und du wartest nicht darauf,
dass Regierungen von dir Notiz nehmen,
und dass das Komitee, das die Nobelpreise verleiht,
über dich nachdenkt.
Nein.
Du bist nicht da,
und du wirst es nicht einmal in dir mit dir herumtragen,
dass du gedient hast,
dass du geholfen hast,
dass du jemandem in seinem Unglück
einen solch großen Dienst erwiesen hast;
nein, das wirst du nicht mit dir herumtragen,
du hast es nämlich nicht getan,
Tao ist da gewesen -- es hat durch dich gearbeitet.
Du warst besessen.

20.06.2009 um 22:53 Uhr

Ko Hsuans Schrift der Reinheit und der Gelassenheit 1 (10)

von: tao

Wütend

Wenn du nur so tust, als ob du ein Sucher nach dem Darüber-Hinaus seist, dann wirst du deine ganze Welt mitbringen, du wirst all deine Wünsche mitbringen. Darum denken die Leute an Gott, an den Himmel. Es ist nicht so, dass sie an Gott und am Himmel interessiert sind, sie sind nur an Macht interessiert, auf Prestige aus. Vielleicht haben sie Angst vor dem Tod und aus Furcht und aus Gier heraus beginnen sie, zu Gott zu beten. Aber ein Gebet, das aus Furcht und Gier heraus entsteht, ist überhaupt kein Gebet. Ein wirkliches Gebet entsteht aus Dankbarkeit, niemals aus Furcht und Gier. Andacht entsteht aus Liebe zur Wahrheit, was auch immer sie ist. Sonst werden deine weltlichen Sehnsüchte wieder auf Gott, in den Himmel, projiziert werden. Wenn du dir die Beschreibungen des Paradieses von verschiedenen Religionen aus verschiedenen Ländern anschaust, wirst du erstaunt sein: Nach was sie sich sehnen, das wird projiziert. Zum Beispiel wird das tibetische Paradies warm beschrieben -- offensichtlich, denn die Tibeter leiden so sehr unter der Kälte, dass sie gerne einen Himmel hätten, der voll Sonne und Wärme ist, so dass sie wenigstens ein Bad jeden Tag nehmen können. In Tibet besagen die Schriften, dass es deine Pflicht ist, ein Bad wenigstens jedes Jahr zu nehmen! Das indische Paradies ist kühl, tatsächlich ist es klimatisiert. Sie kannten das Wort zur damaligen Zeit noch nicht, also heißt es "luft-gekühlt". Das muss so sein -- Indien hat so sehr unter der Hitze gelitten.

 

 

19.06.2009 um 17:07 Uhr

Quellender Urgrund 1/5 (10)

von: tao

 
Konfuzius hat also eine falsche Frage gestellt, (s. 24.05.2006) und damit eine falsche Antwort provoziert. Und natürlich weiß dieser Mann gar nichts über Freude. Denn er sagt: "Ich habe viele Freuden." Viele? Dann ist etwas schiefgelaufen. Freude ist eins. Wenn du sagst, du hast viele Freuden, dann redest du vielleicht über deine sogenannten "Momente des Glücklichseins", die nicht wirklich Momente des Glücks sind, sondern nur von weniger Leid. Eine Person ist sehr unglücklich, dann fühlt sie sich eines Tages weniger miserabel und sie sagt: "Ich bin sehr glücklich." Aber das ist bloß relativ; sie weiß gar nicht, was Glücklichsein ist. Sie kennt nur manchmal sehr intensives Unglücklichsein, und manchmal eben ist es nicht so intensiv. Wenn es nicht so intensiv ist, dann sagt sie: "Ich bin glücklich." Du kannst es bei dir selbst beobachten. Hast du jemals kennengelernt, was Glücklich-Sein ist? Kennt du den Geschmack des Glücks? Du hast nur unterschiedliche Stufen des Unglücks kennengelernt. Manchmal ist das Unglücklich-Sein so stark, dass es unerträglich ist. Manchmal ist es erträglich, unter Kontrolle -- du kannst es tolerieren. Du gehst von weniger Unglück zu mehr Unglück, von mehr Leid zu weniger Leid. Aber du hast nicht verstanden, was Glücklich-Sein ist, denn hast du erst einmal erkannt, was Glück ist, dann besteht keine Notwendigkeit mehr, überhaupt noch unglücklich zu sein -- denn dann hast du den Schlüssel.
Sonstige

18.06.2009 um 23:37 Uhr

Südliches Blütenland 17/10 (21)

von: tao

 
Buddha sieht vollkommen aus,
das perfekte Modell für eine Statue;
wie er so dasitzt unter dem Bodhi-Baum
mit geschlossenen Augen,
ohne irgendetwas zu tun.
Er sieht wie das perfekte Ideal aus,
das vollkommene "Du solltest",
wie der Mensch eben sein sollte --
absolut gewaltlos, absolut wahrhaftig,
absolut meditativ.
Er ist bloß noch wie Marmor,
überhaupt kein Mensch mehr.
Du kannst von Dschuang Dsi keine Statue machen,
du wirst ihn an zu unpassenden Orten finden.
Er ist bloß ein gewöhnlicher Mensch --
und das ist seine Schönheit,
das ist seine ganze Botschaft.
Sei einfach gewöhnlich, angle, mit einem Bambusstab,
und Dschuang Dsi sagt, dass dies Erleuchtung ist.
Buddha mag Erleuchtung erlangt haben
-- es mag sehr leicht für seine Natur gewesen sein,
unter einem Baum zu sitzen --
aber wenn du Buddha folgst, wirst du zu Stein werden,
Dschuang Dsi würde besser für dich sein.
Sei einfach ganz normal.
Für Buddha mag das Normalität gewesen sein...
einfach nur dazusitzen.
Daher kam er an.
Aber soweit es dich betrifft,
und den normalen, gewöhnlichen Menschen,
ist Dschuang Dsi besser.
Und mit "besser" ist kein Vergleich gemeint,
damit ist nur gemeint, dass er so gewöhnlich ist
dass du ganz leicht bei ihm sein kannst,
ohne neurotisch zu werden.
Wenn du Buddha folgst, kannst du neurotisch werden.
Wenn du Dschuang Dsi folgst,
wirst du immer natürlicher werden.

17.06.2009 um 15:10 Uhr

Südliches Blütenland 17/1 (16)

von: tao

 

Omar Khayyam hat in seinem "Rubaiyat" gesagt:

Als ich jung war, suchte ich häufig den Doktor

und den Geistlichen auf.

Sie argumentierten hin und her und darum herum

und ich kam raus zur selben Tür, wie die, in die ich reinging.

Er besuchte so viele Philosophen, so viele Heilige --

aber sie redeten immer darum herum

und er mußte durch dieselbe Türe wieder zurückkommen.

Aber das Leben wird nicht auf dich und deine Theorien warten,

es verläuft so schnell. Bald wird der Tod sich ereignen

und du wirst sterben mit deinen Theorien in deiner Hand;

und sie werden dir nicht helfen, sie sind bloß kalte Asche.

Dschuang Dsi sagt: Lebe, denke nicht!

Das ist alles, was diejenigen, die es verstanden haben,

immer gesagt haben:

Lebe, denke nicht!

16.06.2009 um 22:55 Uhr

Tao 518

von: tao

Immer wenn ein Witz erzählt wird,
kannst du sofort drei Arten Gelächter
voneinander unterscheiden:
Das erste kommt von denen,
die den Witz sofort verstanden haben,
das zweite kommt von denen,
die ein wenig brauchen, ihn zu verstehen,
das dritte von denen,
die denken , dass es humorvoll gewesen sein muss,
man vertraut demjenigen, der den Witz erzählt hat
oder den anderen Leuten, die schon lachen,
und um sich nicht dumm vorzukommen,
schließen sie sich dem Gelächter an.
Es wird erzählt,
dass Lao-tse im Alter von 84 Jahren geboren wurde.
Das ist bloß ein "lao-tseischer" Witz.
Niemand kann vierundachtzig Jahre lang
im Mutterschoß leben.
Sogar wenn Lao-tse es gekonnt hätte,
denk auch an die Mutter!
Lao-tse mag erleuchtet sein und könnte leben,
aber die Mutter....
Die arme Mutter, denk doch auch an sie.
Sogar neun Monate sind zuviel,
aber vierundachtzig Jahre....
Die Mutter wäre schon lang vorher tot gewesen.
Nein, es ist ein subtiler Humor.
Es besagt, dass Lao-tse weise geboren wurde.
Es ist eine symbolische Sache.
Verrückt

15.06.2009 um 23:59 Uhr

Tao 517

von: tao

Beschäftigt
Es scheint so zu sein, wie es sein sollte.
Wenn du Buddha schlägst,
wird Buddha mehr leiden
als du es würdest, wenn dich jemand schlägt.
Denn er ist grenzenlos sensitiv geworden.
Seine Sensitivität ist sehr feinfühlig.
Er ist genau wie ein Lotusblatt.
Dein Stein wird ihn sehr tief treffen.
Das wird ihm tiefes Leid bereiten.
Natürlich wird er sich dessen bewußt sein.
Natürlich wird er weit weg davon sein.
Natürlich wird er dies transzendieren,
er wird es registrieren, dass es gerade geschieht,
und er wird kein Teil davon sein,
er wird ein wolkenähnliches Phänomen sein,
das dies umschwebt --
aber es ereignet sich.
Du kannst nicht so sensibel für Schmerzen sein,
du schläfst so fest.

14.06.2009 um 13:31 Uhr

Tao 516

von: tao

140609.JPG
 
Wenn du Selbstmord begehen willst, tu es.
Aber nein, du willst keinen Selbstmord begehen --
du möchtest, dass andere zu dir sagen:
Das ist sehr schlecht, das ist eine große Sünde.
Begehe keinen Selbstmord.
Dann kannst du es anderen anlasten,
die Verantwortung auf ihre Schultern legen.
Du bist frustriert, jeder ist frustriert,
aber wenn du aus Frustration heraus
vor dem Leben davonläufst
wirst du wieder zurückgeworfen werden.
Wenn du wirklich entkommen willst,
dann verstehe das Leben, lebe es,
lebe es bis ganz zu Ende,
so dass die ganze Illusion erkannt wird
und du entdeckst,
dass das ganze Leben und seine Hoffnungen
bloß wie Träume sind.
Dann kannst du aus dem Traum herauskommen;
dann wird Selbstmord kein Selbstmord sein,
es wird Samadhi sein.
Dann übergibst du nicht nur den Körper dem Tod,
du übergibst genauso dein Denken dem Tod.
Du wirst dein Denken los.
Dann gibt es nichts, weswegen du zurückkommen müßtest.
Das Leben ist soviel Anstrengung, aber das ist gut
denn durch Anstrengung wächst du, du wirst reif.
Fröhlich

13.06.2009 um 14:43 Uhr

Südliches Blütenland 17/11 (21)

von: tao


Die Polizei suchte und suchte viele Tage lang nach Dschuang Dsi
und konnte ihn nicht finden.
Du kannst nur das finden, was du bist.
Du findest immer dich selbst in den anderen,
denn die anderen sind bloß Spiegel.
Um Dschuang Dsi zu fangen
wäre ein Lao-tse nötig gewesen.
Niemand sonst konnte ihn fangen,
denn wer konnte ihn schon verstehen?
Ein Buddha war nötig,
Buddha würde erraten haben, wo er war.
Aber ein Polizist? Unmöglich!
Nur wenn er ein Dieb wäre, würde das möglich sein.
Schau dir den Polizisten an,
wie er so ist, wie er redet,
die dreckige Sprache, die er benutzt,
sie ist sogar noch vulgärer als die Sprache der Diebe.
Der Polizist muss noch vulgärer sein als der Dieb,
sonst würden die Diebe gewinnen.
Die Polizei kam zurück zu Hui Dsi und berichtete
dass die Dschuang Dsi nicht finden könnten.
Einen solchen Menschen gab es nicht.
Sie müssen ein Bild von ihm gehabt haben,
aber Dschuang Dsi hat kein Gesicht.

12.06.2009 um 16:25 Uhr

Tao Te King 70 (12)

von: tao

 
Verrückt
Und wenn das Staunen erreicht ist,
dann ist Lao-tse absolut einfach -- so offensichtlich!
So offensichtlich wie das Leben selbst.
Die Wahrheit ist einfach.
NIchts muss darüber gesagt werden.
Und, du wirst sie verstehen
denn du bist Teil davon.
Du bist niemals von ihr weggegangen.
Du bleibst im Ozean,
du bist in ihm geboren, du löst dich in ihn auf.
Das Meer lebt durch dich, von Moment zu Moment.
Mit jedem deiner Herzschläge pocht die Ganzheit.
In dir geht die Ganzheit,
in dir spürt das Ganze Hunger,
in dir empfindet das Ganze Sättigung,
in dir liebt die Ganzheit! und wird geliebt!
In dir wird jeden Moment das Ganze geboren!
Das ist der Unterschied
zwischen Philosophie und Taoismus.
Philosophie denkt, das Leben hat Probleme,
die gelöst werden müssen,
das ist ihre Grundannahme.
Der Taoismus denkt, das Leben beinhaltet nichts,
das gelöst werden muss.

11.06.2009 um 15:05 Uhr

Tao 515

von: tao

Und immer wieder komme ich auf

das Gesetz

der umgekehrten Wirkung

zurück:

Es ist ein sehr tiefes

psychologisches Gesetz:

Tu etwas

und genau das Gegenteil

passiert.

Das ist die ganze Lehre

von Lao-tse.