Taoistische Reflektionen

31.01.2010 um 23:59 Uhr

Tao 603

von: tao

Musik: Nawang Khechog – Creating an Enlightened Society

Es wäre besser, du ließest dein Problem fallen und wärst wahrhaftig.Und was das auch immer kostet, du solltest es zahlen. Für das Leben muss man zahlen. Für jeden Moment der Schönheit und der Freude muss enorm gezahlt werden. Das ist nicht umsonst, man muss es sich verdienen.
Das bringt Kummer und Leid. Darum sind so viele Leute unglücklich in der Welt. Es ist sehr selten, dass man einem Menschen begegnet, der glücklich ist, denn es kommt selten vor, dass man auf einen Menschen trifft, der authentisch gelebt hat, der rebellisch gelebt hat, der sein eigenes Leben gelebt hat und der sich nicht darum gekümmert hat, irgendeinen Kompromiss zu schließen. Kompromisse zu schließen heißt dein Wesen zu vergiften. Schließe niemals Kompromisse. Es ist besser zu sterben als Kompromisse zu schließen. Stirb, wenn es sein muss, aber stirb kompromißlos -- dann bleibst du sauber, unvergiftet. Dann bist du eine Schönheit. Dann hast du Würde. Du würdest die gleiche Würde haben, wie sie Jesus hatte, als er gekreuzigt wurde.

30.01.2010 um 21:56 Uhr

Südliches Blütenland 17/3 (22)

von: tao

Musik: Paul van Dyk – In Between

Hast du die Geschichte vom Hundertfüßer gehört? Ein Hundertfüßer ging auf seinen hundert Füßen so vor sich hin -- darum wird er Hundertfüßer genannt. Es ist ein Wunder, mit einhundert Füßen zu laufen, sogar es mit zwei zu schaffen ist so schwierig! Einhundert Füße zu koordinieren ist wirklich fast unmöglich. Aber der Hunderfüßer hat es geschafft, dies zu tun!
Ein Fuchs wurde neugierig, und Füchse sind imer neugierig. Der Fuchs ist in der Folklore das Symbol des Denkens, des Intellekts, der Logik. Füchse sind großartige logische Denker. Der Fuchs schaute zu, er beobachtete ihn, er analysierte es, er konnte es nicht fassen. Er sagte: Warte mal! Ich habe eine Frage. Wie machst du das, und wie weißt du, welcher Fuß auf welchen Fuß zu folgen hat? Einhundert Füße! Du gehst so reibungslos. Wie kommt es zu dieser Harmonie? Der Hundertfüßer sagte: Ich bin mein ganzes Leben lang schon so gelaufen, aber ich habe noch nie darüber nachgedacht. Gib mir ein bißchen Bedenkzeit. Und dann schloß er seine Augen und zum ersten Mal entzweite er sich: Das Denken als Beobachter, und er selbst als der Beobachtete. Zum ersten Mal wurde der Hundertfüßer zweigeteilt. Er hatte schon immer gelebt und war gelaufen, und sein Leben war eine Ganzheit: Da gab es keinen Beobachter, der neben ihm stand und ihn selbst betrachtete, er war noch nie zweigeteilt gewesen, er war ein integriertes Wesen gewesen. Nun entstand zum ersten Mal eine Teilung. Er betrachtete sein eigenes Selbst und dachte nach. Er war Subjekt  und Objekt geworden, er war zweigeteilt geworden, und dann, dann fing er das Laufen an. Es war schwierig, fast unmöglich. Er fiel hin! Denn wie macht man das denn mit einhundert Füßen? Der Fuchs lachte und sagte: Ich wußte doch, dass das schwierig sein muss, das wußte ich schon vorher. Der Hundertfüßer begann zu weinen und zu schluchzen. Mit Tränen in den Augen sagte er: Es ist niemals zuvor schwierig gewesen. Aber du hast das Problem erzeugt. Nun werde ich niemals wieder gehen können. Das Denken ist in sein Wesen eingetreten; es entsteht, wenn du geteilt bist.

29.01.2010 um 22:56 Uhr

Tao 602

von: tao

Musik: Meditation – Warm

Eine schöne Geschichte - die ein wenig profan ausschaut:
Nur Zen-Buddhisten können das tun: Sie liebten ihren Meister so sehr, sie liebten Buddha so sehr, dss sie sich sogar Profanität leisten konnten. Die Geschichte geht so, dass ein Affe zu Buddha kam.
Der Affe repräsentiert den Menschen, der Affe bedeutet das Denken, das Denken ist ein Affe. Charles Darwin kam sehr, sehr spät zu dieser Erkenntnis, aber dem Osten ist schon immer bewußt gewesen, dass der Mensch von den Affen gekommen sein muss, denn er ist immer noch äffisch. Beobachte bloß das Denken, sein konstantes Schnattern, und dann beobachte einen Affen im Baum. Du wirst eine Ähnlichkeit verspüren.
Ein Affe kam zu Buddha, und er war kein gewöhnlicher Affe. Er war ein König, ein Affenkönig -- das heißt, er war absolut ein Affe. Der Affe sagte zu Buddha: Ich würde gerne ein Buddha werden. Buddha sagte: Ich habe niemals davon gehört, dass irgendjemand jemals ein Buddha geworden ist, während er noch ein Affe blieb. Der Affe sagte: Du kennst  meine Kräfte nicht. Ich bin kein gewöhnlicher Affe.
Kein Affe denkt, dass er gewöhnlich ist, alle Affen denken, dass sie außergewöhnlich sind; das ist Teil ihres "affigen Seins".
Er sagte: Ich bin kein gewöhnlicher Affe. Was redest du nur? Ich bin ein Affenkönig. Also fragte Buddha: Was für bemerkenswerte oder außergewöhnliche Kräfte hast du? Kannst du sie mir zeigen? Der Affe sagte: Ich kann bis ganz ans Ende der Welt springen. Er war schon überall in den Bäumen herumgesprungen. Er wußte, wie man springt. Da sagte Buddha: In Ordnung. Komm auf meine Handfläche und springe bis zum anderen Ende der Welt. Der Affe bemühte sich sehr und er war wirklich ein sehr kraftvoller Affe, ein sehr intensiver Affe. Er schoß weg wie ein Pfeil, und er ging und er lief und er sauste. Monate, und die Geschichte sagt, Jahre vergingen. Und dann kam der Affe bis an das äußerste Ende der Welt. Er lachte und sagte: Da schau her! Das äußerste Ende! Er sah nach unten. Da gähnte ein Abgrund und fünf Säulen standen da, um die Grenze zu markieren. Nun mußte er wieder zurückkommen. Aber wie sollte er beweisen, dass er bei diesen fünf Säulen gewesen war? Da pinkelte er an eine Säule -- er war ein Affe -- um sie zu markieren! Jahre vergingen und er kam zurück. Als er wieder zu Buddha kam, sagte er: Ich bin bis ganz am Ende der Welt gewesen und ich habe eine Markierung hinterlassen. Aber Buddha sagte: Schau dich doch mal um. Er hatte sich überhaupt nicht bewegt. Diese fünf Säulen waren die fünf Finger von Buddha. Und sie stanken nach Urin.... Er war mit geschlossenen Augen nur dagesessen, er mußte wohl geträumt haben.
Das Denken ist ein Affe mit geschlossenen Augen, der träumt.
 

28.01.2010 um 23:59 Uhr

Quellender Urgrund 2/4 (22)

von: tao

Musik: Al Gromer Khan – La Chanson de la Rose

Dschuang Dsi kann jetzt verstanden werden, denn er sagt:
Kämpfe nicht mit der Natur.
Sei so sehr in Liebe zur Natur, werde so eins mit ihr
und durch diese Liebe, von Herz zu Herz,
wird das Geheimnis eröffnet.
Und das Geheimnis ist, dass du nicht das Individuum bist,
du bist das Ganze.
Und warum damit zufrieden sein, bloß ein Teil zu sein?
Warum nicht das Ganze sein?
Warum nicht das ganze Universum besitzen?
Warum kleine Dinge besitzen?
Ramteerth pflegte zu sagen:
Wenn ich meine Augen schließe,
sehe ich Sterne in mir kreisen,
die Sonne in mir aufgehen, den Mond in mir aufgehen.
Ich sehe Ozeane und Himmel.
Ich bin die Weite, ich bin das ganze Universum.
Als er zum ersten Mal in den Westen ging
und anfing, diese Dinge zu sagen,
dachten die Leute, er wäre verrückt geworden.
Jemand fragte ihn: Wer erschuf die Welt?
Er sagte: Ich, sie ist in mir.
Dieses "Ich" ist nicht das Ego, nicht das Individuum.

27.01.2010 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 18/12 (25)

von: tao

Musik: Chinmaya Dunster – New Moon

Dir sind so viele Dinge auferlegt worden

dass dein inneres Leben nicht spontan sein kann.

Du gehst in die Irre,

nicht wegen irgendeiner bösen Macht,

sondern wegen der Weltverbesserer.

Es ist kein Teufel, der dich zum Falschen anleitet,

es sind deine Priester, deine Führer,

deine sogenannten Heiligen.

Das ist sehr schwierig.

Es ist leicht, an einen Teufel zu glauben,

da schiebst du alle Verantwortlichkeit auf den Teufel.

Es gibt keinen Teufel.

Und das sagt Dschuang Dsi auch.

Dschuang Dsi sagt:

Es gibt keinen Gott, es gibt keinen Teufel,

nur das Leben existiert.

26.01.2010 um 23:59 Uhr

Tao Te King 16 (22)

von: tao

Musik: Stephen DeRuby – Opening

Das Bewußtsein kann
auf Gedanken reduziert werden;
Gedanken können wieder in Bewußtsein eingeschmolzen werden.
Denk einfach an einen Fluß im kalten Winter.
Wenn immer mehr Eisschollen zu sehen sind
dann sind nun bestimmte Teile des Wassers gefroren.
Dann kommt noch mehr Kälte
die Temperatur fällt weiter unter Null
und der ganze Fluss ist zugefroren.
Nun gibt es keine Bewegung mehr, kein Fließen.
Bewußtsein ist ein Fluss, ein Strom --
 mit mehr Gedanken ist der Strom gefroren.
Wenn es so viele Gedanken gibt,
so viele "Denk-Hindernisse",
gibt es keine Möglichkeit mehr
für jegliches Fließen.
Dann ist der Fluss komplett gefroren.
Du bist schon tot.
Aber wenn der Fluss vollständig fließend ist,
wenn du die Eisberge abschmelzen läßt
wenn du all das, was gefroren ist, dahinschmelzen läßt,
all die Gedanken....
dann ist dies das,
um was es bei der Meditation geht:
Es ist eine Anstrengung,
alle Gedanken aufzutauen.
Sie können wieder in Bewußtsein
umgewandelt werden.
Dann fließt der Fluss,
dann hat der Fluss eine Strömung,
und strebt lebendig, vibrierend und tanzend
zum Meer.

25.01.2010 um 23:59 Uhr

Tao 601

von: tao

Musik: Namaste – Dai Ko Myo

Du bist niemals imstande gewesen, wirklich wütend,
authentisch zornig zu sein,
und du kannst nicht
authentisch lieben.
Wenn du total bist
tust du alles authentisch,
was auch immer
die Konsequenzen sind,
ohne jemals
an die Folgen zu denken.
Das ist die taoistische
Mathematik des Lebens:
Wenn du ganzheitlich lebst,
ist es immer gut,
was auch immer
die Konsequenzen sind.
Was auch immer!
Es ist immer gut.
 

24.01.2010 um 23:59 Uhr

Tap 600

von: tao

Musik: Karunesh – Moon Temple

 
Wenn sich endlich etwas in dir ereignet,
und du dann denkst,
dass dies eine Einbildung ist,
eine Projektion oder dies oder das,
kann das Denken es wieder verschließen
und dann wird alles gestoppt werden.
Höre nicht auf das Denken.
Während du bei dir bist,
sei nicht bei deinem Denken.
Du bist ein Nicht-Denken
und der einzige Weg, bei dir zu sein,
ist ein Nicht- Denken zu sein,
und dann können sich Dinge ereignen.
Niemand tut sie,
sie passieren einfach ganz von selbst.
Du sitzt still da, bist ruhig bei dir,
und du wächst.
Niemand tut da irgendetwas,
weder du noch ein anderer.
Du sitzt einfach still da,
und die Existenz in dir wächst von selbst.
Wütend

23.01.2010 um 23:59 Uhr

Goldene Blüte 2/1-6 (4)

von: tao

Musik: Karunesh – Morning Glory

Jemand beleidigt dich und im selben Moment verschwindet deine Menschlichkeit -- du bist wieder wild, wieder ein Tier -- und der Mensch kann tiefer fallen, unter die Tiere, denn wenn er fällt, gibt es nichts, was ihn aufhält. Der Mensch kann sich über die Engel erheben, aber das geschieht selten, denn sich über die Engel zu erheben ist eine schwere Aufgabe, ist mühsam; man muss dafür arbeiten. Es benötigt harte Arbeit, es braucht Mut, Mumm, um das Unbekannte zu erforschen. Millionen von Leuten werden geboren und sterben, aber sie leben nie. Ihr Leben ist nur scheinbar Leben, denn sie bleiben im Unbewußten verwurzelt. Und was du auch immer an der Oberfläche tust, ist vielleicht überhaupt nicht wahr, was dich betrifft; tatsächlich ist genau das Gegenteil der Fall. Darum muss Sigmund Freud in deine Träume hineingehen, um deine Realität zu sehen. Sieh bloß die Ironie darin: Deine Realität muss in deinen Träumen gesucht werden, nicht in deiner Realität. Man kann dir nicht glauben -- bei dem, was du über dich selbst sagst.
 

22.01.2010 um 23:59 Uhr

Tao 599

von: tao

Musik: Prem Joshua – That Silent Place

 Im Osten ist die Arbeit am Bewußtsein von einer total anderen Dimension als im Westen ausgegangen: Wir müssen dieses Denken gehen lassen, jeder Teil des Denkens muss ganz langsam losgelassen werden: In tiefer Bewußtheit, beim Meditativ-Sein, verschwinden die Gedanken, das Denken wird früher oder später inhaltslos. Und wenn das Denken ohne Inhalt ist, ist es Nicht-Denken, denn das Denken als solches ist nichts als der gesamte Denkvorgang. Wenn du gedankenlos bist, nicht einmal ein einziger Gedanke noch in deinem Wesen herumschwirrt, dann ist da Nicht-Denken. Du kannst es Individuation nennen, du kannst es Samadhi nennen, du kannst es Nirwana nennen oder wie du es sonst nennen willst.

 

Aber gib acht: Leute wie Jung können sehr verführerisch sein, denn sie reden in Begriffen, die wirklich schön sind. Sie reden über Individuation und du beginnst vielleicht daran zu glauben, dass die Individuation von Jung dasselbe ist. Es ist nicht dasselbe, es kann nicht einmal das gleiche sein -- er hat niemals selbst meditiert.

 

22.01.2010 um 02:09 Uhr

Tao 30

von: tao

Musik: 2002 – The Ocean Dreams

Also ist es besser,
sich nur nicht zu sehr zu bemühen,
das Denken still zu kriegen.

Lieber beiseite treten, an den Straßenrand,

und den Verkehr passieren lassen.

Es einfach beobachten, einfach zuschauen,

mit unbekümmertem Blick,

mit indifferenten Augen,

und genau das, was wir uns gewünscht haben,

wird geschehen –

aber nicht durch das Wünschen.

Das Verlangen wird uns nicht

indifferent sein lassen.

Buddha hat das Wort upeksha verwendet,

das bedeutet absolutes Indifferentsein;

und er sagt,

dass wir niemals meditativ werden können,

bevor wir nicht upeksha erreicht haben,

bevor wir nicht indifferent sein können.

Das ist der fruchtbare Boden.

In diesem Humus

sprießt die Saat der Meditation –

es gibt keinen anderen Weg.

21.01.2010 um 23:59 Uhr

Quellender Urgrund 3/8 (10)

von: tao

Musik: Terry Oldfield – Rising Sun

Verrückt
Diese Geschichte von Hua Dsi handelt von einem Mann, der sein Gedächtnis verlor, der sein Denken verlor, der seine Vergangenheit verlor, der entlastet wurde. Um es in Christus-Worten zu sagen: Der wieder ein Kind wurde, imstande, in das Königreich Gottes einzugehen.
 

20.01.2010 um 23:59 Uhr

Tao 598

von: tao

Musik: Stephen DeRuby – Infinity


Verstehen kommt nur durch Erfahrung.
Viele Male wirst du fallen.
Aber lass dich nicht entmutigen.
Steh wieder auf,
und geh weiter.
Viele Male wirst du fallen
und du wirst dich wieder zu sehnen beginnen.
Das ist so subtil
dass du vielleicht sogar denkst, du hättest keine Wahl getroffen,
du hättest nichts bevorzugt,
und du hast es doch.
Aber je wachsamer du bist,
desto eher wird es sich eines Tages ereignen.
Es ist anderen passiert,
und die waren in der gleichen Klemme,
und hatten die gleichen Schwierigkeiten --
wie kann ich nur mir das nicht wünschen
was doch so wonnevoll ist.
Wie kann ich ganz einfach das nicht ersehnen,
und wunschlos bleiben,
nicht irgendetwas irgendetwas anderem vorziehen,
bloß sein, ohne jegliche Vorliebe.
Ich weiß, das ist fast unmöglich --
aber es geschieht.
VerrücktVerrückt

19.01.2010 um 23:59 Uhr

Tao Te King 56 (17)

von: tao

Musik: Gerald Jay Markoe – Mindfulness

 
Geh an den Dingen vorüber, ohne sie anzuschauen.
Halte deine Augen leer.
Schau auf die Welt mit leeren Augen,
so dass du sie nicht betrachtest,
du siehst dir nichts Bestimmtes an.
Dieses Gefühl könntest du haben
bei einem Menschen des Tao
wenn du ihm begegnen würdest.
Er sieht dich an, aber er betrachtet dich nicht.
Er schaut und schaut doch nicht.
Seine Augen sind wie leere Spiegel.
Er ist nicht indifferent; er ist auch nicht interessiert.
Er hört, und er hört nicht.
Wenn du etwas sagst, hört er zu,
aber wenn du mittendrin aufhörst
ist er nicht neugierig auf den fehlenden Halbsatz.
Sogar wenn du mitten im Satz halt machst --
dann ist für ihn da der Punkt; es ist beendet!
Er ist nicht neugierig.
Dann hört das Denken mit dem Sammeln auf.

18.01.2010 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 20/2 (23)

von: tao

Musik: Terry Oldfield – Shadows Dancing

"Wer von einem Menschen regiert wird, lebt in Sorge."
Wenn du Menschen beherrschst, lebst du in Konfusion;
wenn du anderen erlaubst, dich zu dominieren,
wirst du in Leid leben,
denn ein Sklave kann nicht glückselig sein.
"Yau wünschte sich deswegen
weder, andere zu beeinflussen
noch von ihnen beeinflußt zu sein."
Du solltest nicht versuchen,
irgendjemanden zu beeinflussen,
und du solltest darauf achten,
dass du nicht von anderen beeinflußt wirst.
Das Ego kann beides tun,
aber es kann nicht in der Mitte bleiben.
Das Ego kann versuchen, Einfluß zu nehmen,
dann fühlt es sich gut, dominant,
aber bedenke, dass sich das Ego auch gut fühlt,
wenn es beherrscht wird.
Die Meister fühlen sich gut,
weil so viele Sklaven beherrscht werden,
und die Sklaven fühlen sich auch gut,
dominiert zu werden.
Und es gibt zwei Denktypen in der Welt:
Das Denken derjenigen, die dominieren --
das männliche Denken,
und das Denken derjenigen,
die es mögen, beherrscht zu werden --
das weibliche Denken.
Mit "weiblich" sind nicht Frauen gemeint,
mit "männlich" auch nicht Männer.
Es gibt Frauen, die maskulin denken
und es gibt Männer, die feminin denken.
Das ist nicht immer deckungsgleich.

§

17.01.2010 um 23:59 Uhr

Tao 597

von: tao

Musik: Oliver Rehbinder – M44 Beehive Cluster

Verrückt

Wenn das Ego Aufmerksamkeit möchte,

das Denken seine konstante Bewegung fortsetzt,

dann lass das Ego sterben.

Du klammerst dich an das Ego --

du bist bereit, den Körper zu zerstören,

aber du bist nicht bereit, das Ego zu zerstören.

Wenn das Ego das Problem ist, dann lass das Ego fallen.

Der Körper hat dir nichts getan,

der Körper ist eine schöne Sache.

Der Körper ist genau wie ein Tempel,

er ist eines der größten Wunder,

den es in der Existenz gibt.

Genieße ihn, feiere ihn,

denn durch ihn wird alles Feiern möglich.

Ohne ihn wirst du ein Geist in einer Maschine sein.

Aber du möchtest alles nett haben.

Darin liegt deine Sehnsucht.

Du möchtest eigentlich ein nettes Leben haben --

"nett" bedeutet ein Leben des Dahinvegetierens,

nichts tun und alles bekommen,

alles erhalten

ohne irgendeine Anstrengung zu unternehmen.

17.01.2010 um 02:26 Uhr

Tao 33

von: tao

Musik: Gandalf – Blossoms Falling Like Snow


Methoden sind bloß Spiegel.

Sie reflektieren unser eigenes Unbewußtes.

Das ist nicht viel. Sie geben uns niemals irgendetwas Neues,

sie spiegeln uns einfach wider.

Aber wir kennen uns eben nicht selbst,

darum denken wir, wir hätten etwas Neues erreicht,

wir hätten durch diese Methoden

irgendein neues Wissen gewonnen.

Als der russische Diktator Chruschtschow nach Paris kam,

besichtigte er eine Ausstellung mit modernen Gemälden.

Er war ein unkultivierter Mensch

und in keiner Weise ästhetisch,

er hatte keinen Sinn für Schönheit.

Er war genau genommen vulgär.

Aber er war eingeladen worden und mußte hingehen.

Großartige Gemälde wurden in dieser Ausstellung gezeigt.

Er sah sich ein Gemälde an und sagte:

Ich verstehe es nicht. Das schaut häßlich aus.

Der Mann, der ihn herumführte, ein großer Kunstkritiker, sagte:

Dies ist ein Picasso und es ist eines der schönsten Dinge,

die in diesem Jahrhundert geschaffen wurden,

aber es braucht ein Vorverständnis.

Es ist nicht so gewöhnlich, daß es jeder verstehen könnte.

Sie müssen Ihr ästhetisches Gefühl,

Ihre Sensitivität schon steigern,

nur dann werden Sie sehen können, was es darstellt.

Sie gingen weiter. Chruschtschow fühlte sich unwohl.

Er hätte sich niemals vorstellen können,

daß so etwas passieren könnte.

Tatsächlich hätte auch in Rußland so etwas

niemals geschehen können.

Kein Kritiker, kein Künstler wäre so mutig gewesen,

ihm zu sagen, daß ihm das Verständnis fehlen würde.

Dann stand er vor dem nächsten Gemälde,

betrachtete es minutenlang intensiv,

und sagte dann: Ich denke, dies ist auch ein Picasso.

Der Kritiker sagte: Es tut mir leid, mein Herr,

dies ist bloß ein Spiegel.

Sie betrachten sich gerade selbst in ihm.

Er war ein häßlicher Mann –

für ihn mag es wie ein Picasso ausgesehen haben –

ein Gemälde von Picasso, eine Verzerrung, eine Karikatur.

16.01.2010 um 23:59 Uhr

Tao Te King 5 (14)

von: tao

Musik: Music from the World of Osho – Wild Birds

"Natur

Himmel und Erde agieren nicht aufgrund (des Impulses) irgendeines Wunsches, wohlwollend zu sein; sie handeln alle Dinge ab, wie man mit Hunden aus Gras umgeht. Die Weisen handelt nicht von (irgendeinem Wunsch her) wohlwollend (zu sein); sie gehen mit den Leuten um, wie man Hunde aus Gras behandelt."

Von all den Leuten, die auf dieser Erde erwacht sind, ist Lao-tse unvergleichlich, er ist einzigartig. Ein Mensch mit gewöhnlichem Intellekt kann leicht irgendeine seiner eigenen Ideen Krischnas Bhagavadgita hinzufügen. In gleicher Weise kann alles Mögliche den Worten von Mohammed, Buddha oder Christus hinzugefügt werden, und es würde schwierig sein, dies zu entdecken. Die Aussagen dieser Heiligen stehen nicht im Widerspruch zur Moral und dem Verständnis des normalen Menschen. Darum sind all die Schriften der Welt interpoliert worden, sie wurden ständig erweitert. Jede Generation fügte etwas Neues hinzu, das zu ihr gehörte. So ist es nicht möglich gewesen, die Reinheit dieser Schriften zu bewahren. Aber Lao-tses Buch ist eines dieser ganz wenigen Bücher auf der Erde, das sich seine Reinheit bewahrt hat. Nichts kann ihm hinzugefügt werden. Der Grund dafür ist: Nur ein Mensch von dem Kaliber des Lao-tse kann jemals irgendetwas hinzufügen.

15.01.2010 um 23:59 Uhr

Tao Te King 9 (29)

von: tao

Musik: Spielen Prem Joshua & Manish Vyas – Moon Song

 
"Spanne einen Bogen
bis zum geht nicht mehr
Und du wirst wünschen,
du hättest rechtzeitig aufgehört."
... denn du wirst ihn zerbrechen.
"Schärfe ein Schwert
bis zum allerschärfsten
Und die Klinge wird
nicht lange halten."
Nur Balance dauert an, sonst nichts,
und Gleichgewicht ist
die schwierigste Sache
in der Existenz, im Leben, denn das benötigt ungeheure Weisheit.

14.01.2010 um 23:59 Uhr

Tao Te King 16 (21)

von: tao

Musik: Kadang – Maktub

Beschäftigt
Es ist einfach unglaublich
dass die Leute es mögen, in Institutionen zu leben.
Aus Angst, aus Angst vor dem Tod,
haben sie überall um sich herum
alle Möglichkeiten für den Tod getötet.
Sie erzeugen eine Illusion um sich herum
dass alles so bleiben wird, wie es ist.
Alles ist sicher und geschützt.
Hinter dieser Sicherheit versteckt
empfinden sie eine gewisse Sicherheit,
aber das ist töricht und dumm.
Nichts kann sie retten;
der Tod wird kommen und an ihre Türen klopfen
und sie werden sterben.
Das Bewußtsein kann zwei Sichtweisen einnehmen.
Die eine ist, Angst vor dem Leben zu haben,
denn durch das Leben kommt der Tod.
Die andere ist, das Leben so tief zu lieben
dass du beginnst, auch den Tod zu lieben,
denn er ist der innerste Kern des Lebens.
Die erste Einstellung kommt vom Denken her,
die zweite Einstellung kommt aus der Meditation.
Die erste Geisteshaltung kommt von zu vielen Gedanken,
die zweite Geisteshaltung kommt
aus einem gedankenlosen Denken,
von einem Nicht-Denken.