Bab Uche in Tunis

19.09.2005 um 14:21 Uhr

ping!

von: uchemr

So, ich glaube nach mehr als einem monat ohne lebenszeichen wird es wieder mal zeit fuer einen Eintrag. Viel passiert ist in diesem monat aber nicht wirklich. Es ist nun deutlich kaelter geworden, vorallem in der Nacht. Ich bin nun definitv zum warmduscher geworden. Das heisst aber nicht, dass es tagsueber zu kalt ist, um am strand zu haengen, nein, nein, ins schwitzen kommt man immer noch, nur nicht mehr so stark. Ich bin auch umgezogen: von Ariana nach La Goulette. Das zweite zuhause sieht von innen leider nicht mehr so gepflegt aus wie das erste. Zudem sind Moschee (Muezin um 05.00Uhr) und Abfallcontainer (Muellabfuhr um 06.00Uhr, faehrt rueckwaerts (beep, beep, ...), Katzenrivalitaeten) in naechser Naehe. Dafuer ist die Lage jetzt viel zentraler. Und ich weiss gar nicht mehr, wie bier schmeckt! Aber man gewoehnt sich erstaunlich schnell daran. Dafuer hab ich eine Shisha gekauft und auch schon ein paar mal eingeweiht (Wenn ich mal an lungenkrebs sterben sollte, dann ist es wegen tunesien). Viele trainees sind schon nachhause gegangen, sodass es einiges ruhiger geworden ist. Auch fuer die praktikanten aus dem buero hat das studium schon wieder begonnen. Aber wir haben natuerlich immer noch kontakt, treffen uns im kaffee, gehen in die disco, ... Zudem werde ich das entscheidungsspiel der WM-quali, tunesien - marokko, live im rades stadion mitverfolgen. Das wird sicher lustig. Dann wurde ich noch in die ecole des ingenieurs eingeladen, um mit den tunesischen studenten meine erfahrungen mit IAESTE mitzuteilen.

Ja, ja, das ende naht, und bin mich schon am vorbereiten fuer meine abreise. Was soll ich alles mit nachhause nehmen? Einen satz arabischer musik hab ich mir schon besorgt, und zwar in einem dieser cd-shops, wo alles grad auf mp3-cds gebrannt wird. Ist billiger und man braucht weniger cds. Dort gibts uebrigens auch alles moegliche an software zu kaufen. Ihr denkt jetzt sicher, in welchen dunklen ecken ich mich rumtreibe, aber ich kann euch versichern, es gibt mitten im stadtzentrum ganze warenhaeuser voll von musik- und software-"laeden". Das sollte es in der schweiz auch geben. Uebrigens hab ich vernommen, dass man hier fuer ca. 1Fr. ins Kino gehen und die neuesten Filme sehen kann. Ist sicher auch ein erlebnis, sich den neuesten divx-rip im Kino reinzuziehen. Muss ich mal ausprobieren. Wie ihr seht, laeuft hier nicht ganz alles politisch korrekt ab. Scheint aber niemanden zu stoeren. Mich auch nicht ;-).

Bald beginnt der ramadan. Dann heisst es: wenig essen, wenig schlafen, viel shisha. Manche nennen den Ramadan auch den monat der shisha (uiui, meine lungen!). Das werden wohl die ungesundesten monate meines lebens: Fettiges (aber leckeres) essen, praktisch kein sport und dazu shisha.

So, jetzt hoffe ich nur noch, dass das mit meiner pruefungsabmeldung geklappt hat. Ihr koennt euch ja vorstellen, das es hier SEHR kompliziert wird, wenn mal etwas rechtzeitig getan werden muss.

Uebrigens, live: mein kollege haengt gerade schlafend ueber seinem pult. Er hat nicht viel gegessen und geschlafen, weil, so sagt er, er trainiere schon fuer den ramadan ...

04.08.2005 um 15:00 Uhr

Von Produktivem und Destruktivem

von: uchemr

Ich sizte gerade im buero und hoere arabische musik, da kommt mir in den sinn, das ich mal einen blog ueber meine praktikumsarbeit schrieben koennte. Im wesentlichen handelt es sich um das generieren von signalen im wertpapierhandel. Ein lernfaehiges programm soll also anhand von sog. Technical Indicators abschaetzen, ob es guenstig ist zu kaufen oder verkaufen. Zuerst musste ich mich in die theorie der Rule Base Systems, Fuzzy Logic, Neural Networks und die grundlagen des tradens einarbeiten. Letzteres war ziemlich neu fuer mich, da war die rede von "bulls and bears", "support and resistance", "sharp ratio" oder "excess return" und so. Eigentlich wollte ich meine kenntnisse in einem boersenspiel etwas vertiefen, bin jedoch zu faul, um die ganze zeit wertpapierkurse zu studieren. Nun bin ich dabei, ein system basierend auf Neuronalen Netzen zu implementieren. Ich hoffe, ich habe hiermit nicht irgendwelche firmengeheimnisse preisgegeben. Und um alle neugierigen informatiker zu enttaeuschen: Ja, ich gebs zu, ich arbeite mit MS windows, MS visual studio, MS source save, MS internet explorer, MS visio, MS excel, MS word, MS whatever, ... (Zu meiner verteidigung muss ich jedoch hinzufuegen, dass ich c++ programmiere und nur free software libraries verwende, sowie ich mich bemuehe, multi-plattform faehige software zu schreiben).

Dann hab ich noch ein spanisches (ja ja, schon wieder die spanier) trinkspiel kennengelernt: kinnito (weiss nicht, wie man das schreibt, deshalb eingedeutschte version). Und ich muss sagen, das spiel ist ziemlich lustig. Das dach, auf dem wir die ganze nacht verbrachten hat am naechsten morgen ziemlich verwuestet ausgesehen, und in einem zimmer haengt seitdem eine riesige tunesische flagge. Ausgerechnet der einzige araber unter den mitspielern war der erste, der eine leere weinflasche vom dach warf. Ich musste lachen, dass mir die traenen kamen. Danach waren alle ziemlich wuetend auf uns: Die putzfrau, der waechter, die nachbarn, ... "Das kommt nie wieder vor!", wurden wir ermahnt. Wie auch immer, die spanier planen schon die naechste kinnito-night. Sie soll natuerlich noch besser werden als die letzte. Alkohol ist hier jedoch eine ziemlich teure und begrenzt verfuegbare ressource. Mal zwischendurch ein bier trinken liegt nicht drin, das wird gespart fuer die naechste party. Die zwischenzeit wird natuerlich mit gelegentlichem shisha-rauchen ueberbrueckt.

28.07.2005 um 17:37 Uhr

Hitze, Sand und kein wasser?

von: uchemr

Erstmal vielen Dank an alle, die mir Gratulationen zum Geburtstag zukommen liessen.

So, nach dem wuestentrip kann ich euch versichern, dass die wueste nicht einfach eine heisse, sandige einoede ist, sondern ziemlich vielseitig und faszinierend sein kann. Hier also eine kurze zusammenfassung des Sahara trips:

1. Tag: lange reise nach Tozeur, eine gigantische oase mitten in der wueste. Dort bezogen wir ein zimmer im "Hotel Oasis". Irgendwie fand ich es bisschen dekadent, in einem pool voll von fossilen wasserreserven zu plantschen. Hat aber trotzdem spass gemacht. Danach rundfahrt durch die dattelplantagen und besuch eines "Wuestenzoos". Dieser war jedoch ziemlich bescheiden (Der Hoehepunkt war ein Cola-trinkendes Kamel). Zum abschluss des tages gingen wir noch in ein "1001-Nacht" museum, was mich auch nicht grad besonders bewegte. Am naechsten tag besuchten wir (mit 4x4 offroadern, hehe) verschieden schoene orte rund um Tozeur: wasserfaelle, gebirgsformationen, verlassene doerfer, den planeten tatouine, ... und ritten am nachmittag per Kamel (Dromedar) durch die sandduenen. Schliesslich rasteten wir in Matmata, bekannt fuer die unterirdischen behausungen der (einstigen)wuestenbewohner.

3. Tag: Djerba. Nicht unbedingt in der wueste, aber auch im sueden von Tunesien liegend, eine insel mit schoenen badestraenden. Diese wird deshalb sehr oft auch von touristen besucht. Nach einem angenehmen bad im meer schlenderten wir durch die maerkte (souks) und bezogen unser hotelzimmer. Die touristische infrastruktur mussten wir natuerlich mit einem discobesuch auskosten, yeah.

Zufrieden machten wir uns am letzten tag auf den heimweg, wo wir noch bei einem sehr farbigen souk halt machten.

Fazit: Tausende eindrucke, 3 naechte praktisch kein schlaf und ein leeres portemonaie; ein einmaliges Erlebnis!

20.07.2005 um 18:57 Uhr

Die Wueste ruft

von: uchemr

Die ist das letzte Lebenszeichen, bevor ich einen 4-taegigen trip durch die Sahara unternehme... Morgen um 7.00 Uhr gehts los!

18.07.2005 um 19:31 Uhr

Erste Eindruecke

von: uchemr

So, nun hab ich es endlich geschafft, einen weblog zu schreiben. Ich bin jetzt nun seit einer Woche in Tunis. Die Sonne scheint und scheint und es wird immer heisser. Bereits morgens um 7Uhr ist es (im Schatten!) schon so heiss, dass man zu schwitzen beginnt. Da gibt es nur eins: Wasser trinken, so viel man kann. Zum glueck gibts Klimaanlagen, die einem zumindest im buero etwas abkuehlung spenden. Auch eine kalte dusche ist sehr angenehm. Dabei muss man aber beachten, dass das wasser abends meist auch eher warm ist, da es den ganzen tag ueber von der sonne geheizt wird. Ich frage mich immer wieder wieder, warum die dusche tatsaechlich ueber einen warm-regler verfuegt. Naja, vielleicht braucht man diesen ja dann im winter. Gestern war ich das erste mal am Meer in hammamet, einem der groessten touristenstraende von tunesien. Der ort war ziemlich voll. Riesige menschenmassen bewegen sich hier zu land und zu wasser. Ist aber trotzdem ein sehr schoener ort und v.a. gut mit OeV erreichbar. Ueberhaupt lohnt es sich meiner Meinung nach sehr, eine Reise nach Tunesien zu unternehmen, denn es ist geographisch wie auch kulturell ein sehr vielseitiges Land. Hier verschmelzen westliche und arabische welt in einem friedlichen Kompromiss. Auf dem Nachhauseweg erklaerte mir ein Taxifahrer, nachdem er grade mit einem halsbrecherischen Manoever eine lange Kolonne von im Stau stehenden Autos hinter sich stehen liess, die Kunst der Taxifahrens: "Das Taxifahren ist wie in einem Fussballspiel: Es braucht Uebersicht, Aufmerksamkeit und Intelligenz, sodass man den Raum optimal nutzen kann". Nach meiner Erfahrung lohnt sich uebrigens immer, mit dem Taxifahrer ein nettes Gespraech anzuzetteln. Die haben dann ein bisschen mehr Hemmungen, um abzuzocken.

So, ich verlasse jetzt mal wieder das buero und stelle mich der erdrueckenden Hitze. Heute abend ist schliesslich spanish night. Ole!