ungebremst ins Chaos

21.06.2017 um 21:48 Uhr

Manchmal...

von: blacksheep   Kategorie: Männer

... möchte man durch den Ort rennen und schreien: "Kümmert euch um euren eigenen Kram!"

Ich weiß, so ein Dorf - bevorzugt so ein kleines Kaff in dem ich lebe - ist ein Universum für sich. Es ist ja eigentlich ganz schön, dass jeder jeden kennt und auch, dass jeder - zumindest bis zu einem gewissen Grad - am Leben des anderen teilhat/interessiert ist.  Aber dann gibt es auch noch diese Tratschsache, die ja ebenfalls bis zu einem gewissen Grad tolerierbar ist, doch da denke ich ganz oft "interessiert mich null, weil: geht mich nix an". Ich wünschte es gäbe mehr Leute mit dieser Einstellung.

Nur so zur Warnung, was die Bekanntheitsbeziehungsverhältnisse angeht, könnte es möglicherweise gleich etwas kompliziert werden.

Jedenfalls kam ich heute Nachmittag nach Hause und erhielt eine Nachricht von meiner Freundin, dich mich als Haus- und vor allem Katzensitter engagieren wollte, wenn sie demnächst ein paar Tage Urlaub macht. Außerdem haben wir schon ewig nicht mehr gequatscht, also bin ich schnell auf einen Kaffee rüber. Es ließ sich nicht vermeiden, dass Jans Name irgendwann fiel (was etwas mit komplizierten Nachbarschaftsverhältnissen zu tun hat) und im Zuge dessen erfuhr ich, dass Jan und ich bzw. unser "Verhältnis" (oder wie auch immer man das was wir haben/hatten oder auch nicht) des Öfteren mal Gesprächsthema sind/waren. Und da der Nachbarin meiner Freundin - nennen wir sie Nora - (die ja nun auch durch meine Freundin das eine oder andere mitbekommen hatte) das irgendwann zu blöd wurde, hat sie Jan mal direkt darauf angesprochen.

In meinem Hirn ging eine Lampe an. Jetzt ist mir klar, warum Jan mir mal vorgeworfen hat, ich hätte mit Nora über "uns" gesprochen (was mich damals total irritiert hat, denn ich habe in meinem ganzen Leben noch nie mehr Worte als "Moin" mit ihr ausgetauscht - einfach weil wir nichts miteinander zu tun hatten/haben).

Ich muss sagen, dass ich diese Art der Herangehensweise gut finde. Dass man sich den Betreffenden einfach mal schnappt und direkt fragt, was denn eigentlich Sache ist. Obwohl ich im ersten Moment dachte, die hätte ja auch einfach "lasst mich mit dem ganzen Scheiß in Ruhe, das interessiert mich nicht/geht mich nichts an" sagen können. Aber wie gesagt, ich finde eigentlich beides sehr okay.
Jans Reaktion darauf soll folgende gewesen sein: Erst hat er sich dumm gestellt und dann behauptet, das wäre ja alles totaler Quatsch ich hätte Hirngespinste und würde ihm nachlaufen (ich krieg das gerade nicht mehr so ganz zusammen, ich hab ja immer so Teildemenz was Erinnerungen an Gespräche angeht...).

Nachlaufen? Ernsthaft? Okay, zugegeben, hin und wieder provoziere ich es ja bei öffentlichen Veranstaltungen, dass wir uns irgendwann unterhalten, aber ob ich das nun als nachlaufen bezeichnen würde, wage ich mal zu bezweifeln. Ich terrorisiere ihn nicht mit Whatsapp Nachrichten (es waren 2 in einem Jahr) und wenn mich jemand nach Jan fragt, erzähle ich nichts weiter, als das wir uns ganz gut verstehen (klar, meine Freundin weiß es besser), aber das ist ja wohl auch kein Verbrechen. Und mal abgesehen davon, wenn ich wirklich so eine schrecklich nervige Trulla wäre wie es diese Reaktion vermuten ließe, dann hätte ich an seiner Stelle schon des öfteren mal ein unhöfliches - lass mich in Ruhe, ich will nichts mit dir zu tun haben - fallen lassen. Klare Worte verstehe ich durchaus.

Nora, die ihn (vermutlich) länger und (definitiv) besser kennt als ich, soll daraufhin gesagt haben, er solle mal mit mir sprechen und "die Sache" klären. Klare Ansage und so.
Wie gesagt, für eine klare Ansage wäre ich sehr zu haben.

Auf der anderen Seite erzählte meine Freundin, Jan hätte des öfteren mal nach mir gefragt wenn sie so Nachbarschaftstreffen hatten. Was im Gesamtzusammenhang weder für sie noch für mich Sinn machte. Ich meine, entweder bin ich ein liebeskrankes Huhn das ihm nachrennt und dann würde/sollte ihn mein sonstiges Leben nicht die Bohne interessieren oder er kann mich (auf welche Weise auch immer) ganz gut leiden, was dann allerdings zu der Frage führt, warum er sich so arschig benimmt. Naja, jedenfalls sagte ich meiner Freundin sie solle Jan, falls er mal wieder nach mir fragt, sagen, er solle doch froh sein, dass ich nicht anwesend wäre um ihm nachlaufen.

Kann dieser Typ nicht einfach aus meinem Kopf verschwinden? Ich meine, ich hab genug Baustellen in meinem Leben, da brauch ich mir diesen Kindergarten doch nicht auch noch antun.

07.05.2017 um 11:45 Uhr

Krawall-Kater...

von: blacksheep   Kategorie: Männer

Nein, damit ist nicht der gemeint, der mit Alkohol zu tun hat, sondern der, der heute morgen um halb 8 meinte, sich vor meinem Schlafzimmerfenster mit einem Artgenossen anlegen zu müssen und mich dadurch unsanft aus dem Schlaf gerissen hat. Okay, bezüglich meiner zusammenhanglosen Träume, die allesamt mit Alkohol und dem älteren Teil der Dorfjugend zu tun hatten, war das vielleicht gar nicht so schlimm, andererseits brauche ich doch meinen "Schönheitsschlaf"...

Aber okay.
HALLO WACH!

Fakt ist, ich war/bin weniger betrunken als befürchtet. Kein Karussell und keine überdimensionale Matschbirne.
Fakt ist aber auch, dass meine Speicherkapazität für erinnerungswürdige Gespräche leicht beschädigt ist. Ich versuche nämlich schon seit ich wieder zu Hause bin, daran zu erinnern, was Jan von mir wollte das mich dazu verleitete zu sagen: "Aber nicht ohne Gegenleistung." (Ich hoffe, es fällt mir noch wieder ein)
Jan: "Was wäre das denn?"
Ich: "Du versprichst mir aber, dass du spätestens morgen früh wenn du aufstehst vergessen hast, was ich jetzt sage."
Jan: "Raus damit."
Ich (hatte wohl irgendwie in den "Jetzt ist es auch egal was ich sage"-Modus geschaltet, aber auf jeden Fall war ich sehr neugierig darauf, wie seine Reaktion ausfällt): "Ich will ein Baby." (Zu Juli würde ich sowas NIEMALS so direkt sagen. Glaube ich. Obwohl der auch schon echt viel aus mir rauskriegt.)
Jan (völlig entspannt und keineswegs in irgendeiner Form schockiert): "Ich weiß."
Klar weiß er das, wir haben mal drüber geredet. Aber in Anbetracht der Tatsache, das wir hier mehr oder weniger ernsthaft über Leistung und Gegenleistung sprachen und ich so meinem "Ich will ein Baby" ungesagt ein "von dir" angefügt habe, hätte meiner Meinung nach einen Ansatz von "Du hast einen Schaden" als Reaktion verdient.

Während wir (als wir uns noch in einer 4er Runde befunden hatten) noch über Beziehungen sprachen und er sich an diesem Gespräch munter beteiligt hatte, wurde er überraschend einsilbig als es um meine Beziehung ging. Jeder seiner spärlichen Aussagen hängte er ein "aber das müsst ihr unter euch klären" an.
Ja.
Aber...
Meine Freunde (also, die richtigen, ernsthaften) haben eine Meinung und scheuen sich nicht, sie zu äußern - auch wenn das nichts an der Tatsache ändert, dass letztendlich ich (und mein Mann) unseren Kram auf die Kette kriegen müssen. Auch andere äußern ihre Meinung wenn sie gefragt werden und ausgerechnet er nicht? Obwohl ich ihn explizit aufgefordert habe. Vielleicht... will er sich tatsächlich raushalten weil er sich irgendwie in die Sache verwickelt fühlt. Klingt das in irgendeiner Form realistisch? Für mich macht es nämlich irgendwie Sinn. Vor allem im Zusammenhang mit einer Aussage von ihm, die eine vielfältige Reaktion in mir ausgelöst hat.
"Ich werde nicht der Grund dafür sein, dass das mit euch auseinandergeht." Also, ich bin mir gerade nicht sicher ob das der genaue Wortlaut ist (der erste Teil des Satzes schon), aber die Aussage trifft es jedenfalls 100%ig. Er sagte es mit fester Stimme und klang dabei zwar entschlossen, aber es gab so einen Unterton bei dem ich das Gefühl hatte, dass es zwischen uns anders laufen würde, wenn ich Single wäre.
Ich habe ihm versichert, dass er nicht der Grund für eine Trennung wäre, da der immer in irgendeiner Form in der Beziehung  zu finden ist und dass er höchstens der Tropfen ist, der das Fass zum Überlaufen bringt. Ich weiß dass das wie ein hilfloser Versuch klingen kann, ihm diese fixe Idee zu nehmen, er wäre Schuld (denn ich habe irgendwie den Eindruck, dass er das denkt - und ich war immer fest davon überzeugt, dass ich die einzige mit diesen leicht paranoiden Ideen bin). Aber das ist wirklich meine Meinung. Da sind sich Kopf und Herz ausnahmsweise mal einig.

Als wir uns zusammen auf den Weg nach Hause machten, habe ich mir spätestens nach 50 Metern gewünscht, dass das eine dieser Nächte ist, die ewig dauern. Und als wir auf der Leitplanke saßen, fühlte es sich für eine Weile genauso an.

Das verrückte an der ganzen Sache ist, dass ich alles notwendige angesprochen habe um unser Verhältnis zu klären und das Ende vom Lied ist, dass seine Reaktionen und Antworten alles irgendwie noch verwirrender gemacht haben.

Memo an mich selbst: Einmal den Mut aufbringen eine Frage zu stellen, die möglicherweise eine schwer verdauliche Antwort nach sich zieht in der Hoffnung, es möge einen heilsamen Schock geben. In die eine oder andere Richtung.

07.05.2017 um 03:29 Uhr

Voll gewesen, toll gewesen...

von: blacksheep   Kategorie: Männer

Also, nur damit ihr gleich bescheid wisst: ich bin betrunken. Zumindest angetrunken. Ich war nämlich zwei Tage feiern. Gestern auf der allerbesten Hochzeit, auf der ich jemals gewesen bin (und das trotz der Tatsache, dass ich in einem Raum mit etwa 200 Personen immer nur auf einen fixiert war). Und heute auf dem 2.besten Resteverzehr nach einer Hochzeit, wobei, vielleicht war es auch der Beste, aber das kann ich erst morgen beurteilen, wenn ich wieder halbwegs nüchtern bin.
Wie auch immer, spätestens wenn ihr weiter das wirre Zeug lest, das ich hier gleich verfassen werde, merkt ihr eh, dass ich das eine oder andere alkoholische Getränk zu mir genommen habe. Aber von vorne...

Kurze Ausschweifung zum 1. Mai. Da habe ich Jan natürlich nicht getroffen - naja, es ist eher wahrscheinlich, dass ich ihn verpasst habe, weil ich so früh und er so spät - oder so ähnlich - dort war. Aber das ich ja nun egal.... Zurück zum aktuellen Wochenende...

Also gestern. Die Mega-Hochzeitsfeier des letzten unverheirateten Paares in unserer Clique oder des vorletzten? Egal, jedenfalls hatte ich so überhaupt keine Lust auf diese Hochzeit. Glückliches Brautpaar, Cliquenpaare mit Kindern und werdende Eltern - nicht gerade das, womit ich im Moment sonderlich gut umgehen kann. Aber gut. Morgens zum Friseur, mal eben die Haare schön, dann ein Kleid kaufen (ja, ich mach das neuerdings immer so) und dann den Tag irgendwie rumkriegen. Nachmittags Kirche. Echt schön (da der Bruder der Braut musikalisch begabt ist und aktuellel Musik im Gottesdienstprogramm untergebracht wurden) dann zur Gaststätte - den ersten Aperol reinkippen und hoffen, dass es schnell weiter geht und ich nach dem Ehrentanz unter Vorgabe fadenscheiniger Gründe abhauen kann.
Tisch gefunden, hingesetzt, an nichts böses Gedacht. Ehemann: "Ach, Jan ist auch da" Mega (Achtung, Ironie). Ehrlich, es ist schon verrückt. Es schleicht sich immer genau das ins Gehirn, mit dem man sich AUF GAR KEINEN FALL beschäftigen will. Ob ich es nun wollte, oder nicht, ich wusste immer, wo Jan war. Also her mit dem Alkohol, Hemmschwelle abbauen und rauf auf die Tanzfläche, die wilden 90er auferstehen lassen (Megageile Band...). Mitternachtsbuffet. Jan und ich treffen uns beim Mettigel und - Halleluja, ein Wunder! (Achtung, Ironie) - Er spricht ganze 3 Sätze mit mir. Bezüglich des Mettigels. Okay, das bringt den Weltfrieden jetzt nicht unbedingt voran, beruhigt mich aber für den Moment ungemein. Weil ich nämlich dachte, dass das ein Schritt auf dem Weg zu einer - wie auch immer gearteten - Normalität ist. Her mit dem Alkohol, Dauergrinsen ins Gesicht, auf der Tanzfläche abzappeln. Das Gefühl, dass es aufwärts geht, hat etwas enorm befreiendes...

Lagerfeuer (am Ende der Party wird ein Stuhlkreis gebildet, in der Mitte werden Teelichter aufgestellt, es gibt noch ein/zwei ruhige Songs während das Brautpaar versucht, auch die letzten abzufüllen....). Da etwa 60 der Gäste absolut noch nicht nach Hause wollen (um 5 Uhr morgens, wohlgemerkt), ist es eine große Runde und ich nehme aus Platzmangel, auf dem Schoß meines Mannes Platz. Jan steht an der Theke. Wenn Blicke töten könnten.

Ich liebe Ed Sheeran (sorry, aber ich hab den Fernseher laufen und auf Vox gibt es gerade immer Ausschnitttweise Ed Sheeran vor der Werbung) und ich kriege dann immer einen Ohrwurm "I'm in love with the shape of you..."

Ich hab euch gewarnt, ich bin betrunken...

Heute also der Party 2. Teil. Resteverzehr ab 11.30 Uhr. Um 18 Uhr bin ich bereit nach Hause zu gehen. Trete - mich verabschiedend - vor die Tür des Partyraumes wo mich die Stimme meines Mannes aus meinen Zuhause-Sofa-chillen-Gedanken holt. "Ach, Jan ist auch schon da." AAAAAAAHHHHH. Echt jetzt. Wäre mir nicht aufgefallen (ehrlich nicht, ich schwöre) wenn er es nicht gesagt hätte. Wie gesagt, Sofa, chillen und so.
Wie auch immer, ich verbrachte 2 Stunden auf dem Sofa - halb chillend - und danach drängte es mich zurück auf die Party. Ich habe wirklich mit mir gehadert. Ich dachte mir, es sei vielleicht besser, zu Hause zu bleiben, so nach dem Motto "Zeit heilt Wunden" oder "Gras über die Sache wachsen lassen". Ja, okay, ich weiß, ich bin eine absolute Niete darin, aber das hindert mich ja nicht daran, an diesem Makel zu arbeiten. Jedenfalls habe ich erstmal Radfahrend eine Runde durch die Felder gedreht und bin dann zur Party. Mit dem festen Vorsatz "1 Bier und wenn es dann noch scheiße ist, lassen wir es gut sein".
Und wenn du denkst, es geht nichts mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her...
So saßen Jan und ich irgendwann allein auf der Terrasse vor dem Partyraum. Wie fängt man am besten ein Gespräch an? Keine Ahnung. Also die direkte Nummer.
Ich: "Hast du gar keine Angst?"
Jan: "Wovor?"
Ich: "Was die anderen morgen erzählen, wenn wir jetzt ganz alleine hier draußen sitzen."
Jan: "Du sitzt ja direkt vor dem Fenster, da kann gar nichts passieren."
Ich: "Naja, jedenfalls finde ich es schön, dass du mit mir redest. Und mich nicht immer nur so anguckst als würdest du dir wünschen ich wäre nicht da."
Jan: "Du weißt genau warum."
Ehrlich, je öfter ich diesen Satz von ihm höre, umso weniger bin ich mir sicher, dass ich das wirklich weiß. Ich meine, okay, moralisch haben wir uns am Tag X nicht mit Ruhm bekleckert, aber wie war das noch mit der Zeit und dem Gras? Ich meine, wie soll ich das abhaken wenn er sich damit offensichtlich ebenso schwer tut?

Egal, wir kamen jedenfalls auf meine derzeitige Beziehungssituation zu sprechen woraufhin er etwas sagte, das klang wie "du hast damals versprochen, dass das mit euch so oder so vorbei ist, wenn nicht heute, dann morgen".
Es dauerte einen Moment, mein Hirn ratterte um die Information zu verarbeiten. Klick.
   "Hast du gerade gesagt, ich hätte was versprochen???"
Verwirrung, die 1. Eine Antwort bekam ich natürlich nicht, weil restliche Anwesende das Talent haben, immer dann aus der Terrassentür zu kommen, wenn es gerade um die Beantwortung wichtiger Fragen geht. Nach einem (erfolglosen) Versuch uns zum Reinkommen  zu überreden, sind wir wieder allein und reden weiter. Darüber, dass er nicht versteht warum ich mich nicht trenne, woraufhin ich versuche ihm zu erklären, dass das alles nicht so einfach ist. Und überhaupt.
Ruhiger Moment.
Ich: "Jan, jetzt mal ganz ehrlich. Wenn ich mich jetzt trenne, wo soll ich denn hin?" (Wir hatten vorher über Mietwohnungen gesprochen und darüber, dass die ja nicht bezahlbar sind)
Jan (in einem Ton als wäre es das normalste der Welt): "Zu mir."
WHAT THE FUCK? HÄ? Hab ich Ohrhalluzinationen oder was? MEGAVERWIRRUNG.
Ich leise (total davon überzeugt, dass ich da irgendwas völlig falsch verstanden habe): "Hast du gerade gesagt zu dir?"
Kurzer, sich ewig anfühlender Moment des Schweigens zwischen uns.
Jan: "Ich..."
Terrassentür auf...
   "Ihr seid ja immer noch hier draußen. Wollt ihr nicht mal reinkommen?"
Hatte ich erwähnt, dass das Timing der anderen Gäste echt höllisch miserabel war?

Wir sagten -  zum wiederholten Mal - wir kämen, wenn wir unser Glas leergetrunken hätten. Statt dessen füllten wir es wieder auf und redeten weiter. Irgendwie kamen wir tatsächlich auf den Tag X zu sprechen. Ich gebe zu, es war echt arschig von mir, ihm vorzuwerfen, er sei Schuld an dem ganzen "Schlamassel", aber irgendwie hatte ich gehofft, ihn so zu einer Reaktion provozieren zu können die uns weiter bringt.
Ich: "Du hast angefangen. Es wäre ja gar nichts passiert, wenn du mich nicht geküsst hättest."
Jan: "Du hättest nicht mitmachen dürfen"
Ich: "Du hast mich vorher abgefüllt" (Herrgott, ich war echt arschig.)
Natürlich hat uns das kein bisschen weitergebracht.

Irgendwann landeten wir dann doch im Partyraum. Dort war es laut und heiß und voller Betrunkener (okay, außer uns waren es noch 10 andere inklusive Brautpaar) und wir hockten auf unseren Barhockern neben dem Tiefkühlschrank mit dem Schnaps und tranken eben diesen mit Cola. Und ER fing damit an, unseren Tag X in Einzelheiten aufzudröseln. Wer wo gestanden und was gesagt bzw. getan hat und was dann passiert ist und mein Gehirn versuchte in rasender Geschwindigkeit zu Frage zu klären, wieso in Gottes Namen er das in der "Öffentlichkeit" tut owbohl er mir sonst manchmal vorwirft, ich würde ihn in der Öffentlichkeit ansprechen. Oder ihn nicht ansprechen, je nachdem was er gerade für besonders auffällig hält.
Jan (mal wieder): "Du hast angefangen. Hättest du nicht immer deinen Charme spielen lassen..."
Ich war kurz geneigt, in Gelächter auszubrechen. Charme spielen lassen - echt jetzt - niemand ist in sowas unbegabter als ich.
Ich: "Ich bin überhaupt nicht charmant."
Er (sieht mich mit seinen schwachmachenden Kulleraugen an): "Wenn du wüsstest, wem du schon alles den Kopf verdreht hast."
Natürlich war nicht rauszukriegen was er damit meinte. Oder wen. Aber wahrscheinlich ist genau das mein Problem. Dass ich sowas nicht weiß. Dass ich selbst nicht mal mitkriege, dass ich charmant sein kann oder es automatisch bin oder whatever. Oder dass ich es einfach nicht ernst nehme.

Der Mann verwirrt mich.

Schließlich löste das Brautpaar die Party auf indem es uns bat, nach Hause zu gehen. Ohne Zicken machte Jan sich mit mir zusammen auf den Weg (also, wir hatten in etwa denselben Weg, sonst wären wir wahrscheinlich gerade mal zusammen bis zur Kreuzung gegangen) und wir redeten wie normale Menschen miteinander. Wie Freunde, die denselben Weg haben. Schließlich begleitete ich ihn noch ein wenig über die Grenze meines Wohnortes hinaus, wo wir schließlich eine Pause einlegten, weil er noch eine Zigarette rauchen wollte.
Wir saßen auf der Leitplanke, sahen in den Himmel und er erzählte mir einen vom Polarstern. Ungelogen, der Himmel war wolkenverhangen und nur ein einziger Stern war durch eine Wolkenlücke zu sehen. Ich hab keine Ahnung ob das wirklich der Polarstern war, aber Jan klang sehr überzeugend bei seiner Erklärung (ich werde das googeln). Irgendwie war es ein klein wenig romantisch.
Wir verabschiedeten uns mit einer freundschaftlichen Umarmung. Zugegeben, ein Teil von mir wünschte sich einen Kuss, aber der größere Teil von mir hat gerade keinen gesteigerten Bedarf an noch mehr Schlamassel. Als er mich im Arm hielt, spürte ich eine gewisse Erleichterung. Ehrlich, unabhängig davon was zwischen uns beiden war oder ist oder auch nicht ist, es wäre schön, wenn wir hin und wieder einfach nur miteinander reden würden. So wie wir es auf dem Heimweg getan hatten und das sagte ich ihm auch. Also, dass es schön wäre wenn er mal wieder mit mir reden würde.
Wir verabschiedeten uns nochmal - mit noch einer Umarmung - dann stiegen wir auf unsere Räder und fuhren nach Hause. Er den Deich rauf, ich zurück ins Dorf.

Mein Kopf hat eine Menge Infos (verbale und nonverbale) zu verarbeiten und der Alkohol macht mich so langsam echt bettschwer, also werde ich mich jetzt erstmal hinlegen - hoffentlich ohne Karussell fahren... - und möglicherweise später noch mal mit ein paar Erinnerungsfetzen um mich werfen.

Aber eins weiß ich sicher. Er hat mir ein paar Dinge erzählt, mit denen er mich testen will. Relativ früh in unserem Gespräch hat er mir nämlich erzählt, dass er einer Bekannten im Vertrauen einiges erzählt hat, auf die er von Freunden angesprochen wurde, kaum dass das Gespräch beendet war. Erst war er sich nicht sicher ob er nicht doch jemand anderem auch dasselbe erzählt hat, deshalb hat er der "Tratschverdächtigen" mal ein paar Fake-News aufgetischt um zu sehen, was passiert. Und da er mir vorgeworfen hat, ich hätte von unserem Tag X sämtliche Einzelheiten in unserem "Dorfuniversum" verbreitet (Hallo, ich weiß ja bei den meisten Details selbst nicht mehr, ob das wirklich passiert ist, gesechweige denn, dass ich das jedem auf die Nase binden würde) kann ich das durchaus verstehen. Er meinte, er wäre ganz gut im Lügen, woraufhin ich erwidert habe, dass ich wetten würde, dass jemand, der ihn wirklich gut kennt, merken würde, wenn er lügt. Und mir hat er etwas erzählt, von dem ich fast sicher bin, dass er sich das ausgedacht hat, weil es so unwahrscheinlich klingt für jemanden in seinem Alter.

Ich geh jetzt erstmal schlafen...

12.12.2016 um 14:22 Uhr

Blind Dates

von: blacksheep   Kategorie: Männer

Nachdem ich eine "wahnsinnig erholsame" (Achtung: Ironie) Nacht hatte, in der ich mich zunächst stundenlang hustend von einer Seite auf die andere gedreht habe - erst im Bett und dann auf dem Boden weil ich dachte, mir würde auf hartem Untergrund der Rücken beim Husten nicht so weh tun (natürlich falsch gedacht) - bin ich also um halb 4 in der früh frustriert und heulend ins Wohnzimmer umgezogen und habe es mir mit zwei großen Kissen auf dem Sofa bequem gemacht, wo ich quasi sitzend immer mal wieder fünf Minuten gedöst habe. Dann um 7 Uhr mit einem megaschlechten Gewissen den Chef angerufen und mich für heute krank gemeldet - ich hasse es wirklich an Tagen, an denen es viel Arbeit gibt, krank zu werden. Klar, ich kann nichts dafür, aber so bin ich eben.

Vor gefühlten hundert Jahren, als ich jung und verzweifelt auf der Suche nach einem Mann war, habe ich mich öfter mal (okay, so oft nun auch nicht) mit Männern getroffen, die ich übers Internet kennengelernt habe. Ich bin heute noch überrascht, dass ich so mutig war mich darauf einzulassen, wo ich doch damals null Erfahrung mit Dates im allgemeinen und Männern im Besonderen hatte. Zugegeben, ich war dabei auch mal etwas unvernünftig, aber als halbwegs intellligenter Mensch ist man ja in der Lage, aus seinen Fehlern zu lernen und ich würde mal behaupten, dass das bei mir der Fall ist. Auch wenn es manchmal nicht so aussieht.

Kommen wir also nochmal auf Luis und unser geplantes "Date", oder wie auch immer man das nennen will, zurück. Wir "kennen" uns jetzt schon fast ein Jahr und haben in der Zeit viel miteinander geredet (also, eigentlich haben wir ja geschrieben, aber das nur so am Rand). Natürlich bin ich dabei sehr ich selbst, denn ich glaube, dass man sich auf Dauer auch in einem Chat nicht völlig verstellen kann, habe jedoch wesentliche Fakten nicht erwähnt sondern großzügig umschrieben. Ich kann ja schlecht das winzige Kaff, in dem ich wohne, nennen wenn ich nicht will dass mich jemand in zwei Sekunden per megaschnellem Internet ausfindig machen kann. Ja, das ist jetzt etwas überzogen, aber ihr wisst schon, was ich meine. Genauso ist es mit meinem richtigen Namen. Dank meiner Eltern bin ich mit einem eher seltenen Vornamen ausgestattet und der, in Kombination mit ein paar wahrheitsgemäßen Fakten, führt bei google unweigerlich zu nutzbaren Treffern.
Also wie gesagt, wir kennen uns fast ein Jahr und haben in dieser Zeit ausschließlich im Chatroom miteinander geredet. Was allein deshalb schon faszinierend ist, weil es für unsere virtuellen Dates keine Möglichkeit gab, sie abzusagen. Wir haben uns eine Zeit lang mehr oder weniger regelmäßig getroffen - bis er jemanden kennengelernt hat. Eine Frau bei der es so aussah, als würde es zwischen ihnen was werden und wegen der er dann aus Gründen der Fairness, nicht weiter quasi-Dates im Internet haben wollte, was ich gut verstehen kann. Also wünschte ich ihm von Herzen alles Gute und drückte ihm die Daumen. Und da man in diesem Chatroom nur selten jemanden findet, mit dem man sich gut unterhalten kann, war ich eine ganze Weile nicht dort. Bis ich eines Tages so große Langeweile bekam, dass ich mich mal wieder dort einloggte. An dem Abend wurde ich dann (nachdem ich eine Menge Idioten kommentarlos weggeklickt hatte) von einem Unbekannten recht neutral-höflich angesprochen, der sich mich irgendwann fragte, ob die Schriftfarbe, ich ich im Chat benutze, früher mal blau gewesen sei. Das fand ich zwar eine merkwürdige (wenn auch berechtigte) Frage, die ich bejahte. Woraufhin er dann erklärte, dass er sich in dem Fall freuen würde, mich wiederzusehen. Ich stand aber sowas von auf dem Schlauch, bis er mich irgendwann mit meinem Tarnvornamen ansprach und dann seinen nannte. Kein Wunder, dass ich verwirrt war - er hatte sich einen anderen Chatnamen zugelegt... Da haben wir uns also nach über 5 Monaten wiedergetroffen.

Wie hoch ist eigentlich die Wahrscheinlichkeit, dass man in einem anonymen Chatroom jemanden wiederfindet, nach dem man nicht sucht?
Ich habe defintiv nicht gesucht, denn ich war ja davon ausgegangen, dass er inzwischen in einer mehr oder weniger glücklichen Beziehung steckt (bin halt eine Romantikerin).

Naja, jedenfalls treffen wir uns seit Anfang November hin und wieder und sind nun der Meinung, dass wir uns mal in "der Wirklichkeit" sehen wollen - wenn uns das Schicksal schon wieder zusammengeführt hat. Oder der Zufall. Whatever. Dafür haben wir uns einen neutralen Ort ausgesucht, einen sehr neutralen. Nicht nur einen öffentlichen Platz in seiner Stadt sondern einen öffentlichen Ort in einer Stadt, in die wir extra dafür fahren müssen. Und mit einem Plan B. Wenn er in der Realität doof ist, werde ich mich halt auf dem Weihnachtsmarkt vergnügen, das kann ich nämlich auch gut alleine. Aber vielleicht platzt das Treffen ja auch. Wir werden sehen.

Also keine Sorge, ich bin vorsichtig.

13.11.2016 um 12:27 Uhr

Ich werde 140, mindestens

von: blacksheep   Kategorie: Männer

Ich wurde nämlich gestern auf einer Party dermaßen geräuchert, dass mein Haltbarkeitsdatum sich deutlich nach hinten verschoben haben muss - zwangsläufig. Aber womöglich habe ich das auch mit Alkoholkonsum wieder relativiert...

Aber von vorne...

Gestern war einer dieser Tage auf die man sich einerseits freut, sich vor ihnen fürchtet und die am Ende ganz anders ausgehen als man dachte. Es stand mal wieder eine Vereinsversammlung an. Grundsätzlich habe ich auf die ja keine Lust, weil sie sterbenslangweilig sind und man - wenn man nicht höllisch aufpasst - für irgendeinen Posten gewählt wird. Außerdem muss man da jedes mal in einer Geschwindigkeit Bier trinken, die mächtig reinhaut, aber drei volle Flaschen vor sich stehen zu haben sieht auch blöd aus.
Ich musste hin. Weil ich sicher war, dass Jan auch dort sein würde und ich wollte wissen ob er sich nach vier Monaten immer noch so bescheuert benimmt oder ob er wieder normal mit mir umgehen kann. Also schmiss ich mich in meine Uniform und machte mich auf den Weg. Ich sah ihn schon von weitem, da er gerade mit einer gemeinsamen Freundin vor der Tür stand. Als ich an kam schleuderte ich eine fröhliche Begrüßung in die kleine Runde und er dreht sich weg, drückt seine Kippe aus und verschwindet im Lokal. Soviel also zum Thema "normaler Umgang". Meine Freundin jedoch war hellaufbegeistert und begrüßte mich mit den Worten "Super, du kommst nachher mit, dann bin ich nicht die einzige Frau in Uniform". In meinem Hirn fing es an zu rattern. Mitkommen???
Ich: "Wohin?"
Sie: "Zum Motorradclub."
Ich: "Wieso, was ist denn da los?"
Sie: "Winterfest. Und die freuen sich immer so wenn wir in grün-weiß da auflaufen."
Ich: "Aber ich muss morgen arbeiten."
Sie: "Das ist kein Argument."

Die Versammlung war wie erwartet unaufregend und irgendwie langweilig und prompt  wurde ich mit meiner Freundin zusammen in den Festausschuss gewählt. Meine (Ironie an) Begeisterung wuchs. Jan ignoriert mich weiter, meine Freundin schleppt mich zu den Rockern und der Verein wählt mich in den Festausschuss für die Party auf die ich nicht gehen will. Ganz großes Kino.

Vier Bier und einen Likör später stehen wir im Vereinsheim des Motorradclubs und ziehen sämtliche Blicke auf uns - obwohl wir beide keine Modelmaße haben. Aber in grün-weiß zwischen lauter in Leder gehüllten Leuten fällt eben auf. Alles so weit ganz coole Typen da und die Jungs von "unserem" Club haben auch immer ein Auge auf die Einheimischen - vor allem auf die Mädels. Sehr angenehm. Da ich zum ersten Mal dort bin, lerne ich ein paar nette Leute kennen und wir kommen mit Auswärtigen ins Gespräch. Und Bier gibts auch. Zum  Glück habe ich ordentlich Abendbrot gegessen und zusätzlich holen wir uns noch eine Portion Pulled Pork (megalecker) von den Jungs, die draußen am Verpflegungsstand arbeiten.

Natürlich tauchten auch noch andere von der grün-weißen Fraktion auf, unter anderem Jan. Je länger er in unserer Runde stand und mich natürlich weiterhin großzügig wie ein Luftloch behandelte, bekam ich einen Wutknoten im Hals. Weil ich aber so ein wahnsinnig netter Mensch bin und es blöd finde, vor versammelter Mannschaft Dramen aufzuführen die nicht sein müssen, habe ich den Knoten ignoriert und irgendwann beschlossen, dass es für mich und meine Nerven besser wäre, nach Hause zu gehen. Also verabschiedete ich mich von meiner Freundin und tänzelte mich durch die Massen Richtung Ausgang. Im Augenwinkel sah ich Jan, der inzwischen mit einem der Motorradleute an einem Stehtisch stand, setzte aber meinen Weg zielstrebig fort. Vor der Tür pustete der eisige Wind mir das Hirn frei.
Ich ging zurück ins Gebäude, krallte mir Jan und schob ihn so gelassen wie es mir möglich war, nach draußen, wo er mich mit fragendem Blick ansah.
Ich: "Kannst du bitte aufhören, dich wie ein Arschloch zu benehmen?" (Originalzitat. Ich war so stolz auf mich, dass ich es genau so gesagt habe und nicht mit einem netten "Weißt du, ich finde es nicht besonders nett von dir blablabla..")
Der Satz verfehlte seine Wirkung nicht. Seine Augen wurden größer und fragten gleichzeitig nach einer näheren Erläuterung.
Ich: "Kannst du mir mal erklären, warum du dich mir gegenüber so arschig benimmst?"
Er (mit einem Hauch schlechtem Gewissen in der Stimme): "Du weißt genau warum. Was da passiert ist..."
Ich (leicht genervt): "Ja, aber das ist kein Grund mich so zu ignorieren."
Er: "Ich weiß, aber ich wollte verhindern, dass wieder Gerede aufkommt. Glücklicherweise hat Max sich nicht dran erinnert, dass er uns erwischt hat."
Ich: "Geredet wird doch sowieso. Reicht doch schon, wenn wir einfach nur rumstehen und quatschen. *Seufz* Hast du eine Ahnung wie scheiße sich das anfühlt wie du mich anguckst? Du guckst mich an als wäre ich der schrecklichste Mensch auf der Welt."
Er: "Das bist du nicht."
Ich: "Dann guck mich auch nicht so an."
Er: "Weißt du eigentlich wie es mir damit geht? Ich hab so ein verdammt schlechtes Gewissen wenn ich an deinen Mann denke."
Ich: "Aber wenn ich jetzt mal ehrlich bin, denke ich, dass du das alles auch ziemlich provoziert hast. Okay, vielleicht habe ich es auch ein bisschen provoziert.."
Er: "Ja, das hast du. *Seufz* Das hätten wir einfach nicht machen dürfen."
Schweigen. Ich fühlte mich erheblich besser, einfach nur weil ich endlich die Chance hatte, mit ihm zu reden, ihm zu sagen wie ich mich fühle und weil er mir tatsächlich zugehört hat. Und weil ich tatsächlich dachte, nur einen Haken hinter die Sache machen zu können.
Er: "Ich denk da heute noch manchmal dran."
WTF??? Wieso sagt er das jetzt? Verdammt nochmal. Der Haken ist dahin, mein blödes Herz macht einen Purzelbaum. Und wenn wir gerade dabei sind, ehrlich zu sein (Denn wieso sollte er sowas sagen wenn er sich mich möglichst vom Hals halten will?)...
Ich: "Ich auch."
Er: "Ich bereue das auch nicht. Es war echt schön."
Ich: sprachlos.
Nichts bereuen und gleichzeitig ein schlechtes Gewissen zu haben, klingt im Ansatz für mich etwas schräg, aber ich nehme ihm das total ab, weil es mir irgendwie genauso geht.

Wie das auf Partys so ist, es laufen immer eine Menge Leute dort rum, die einen wirklich miserablen Sinn für Timing haben, deshalb mussten wir unser Privatgespräch abbrechen. Den Rest des Abends schien es ihn komischerweise nicht mehr zu stören in meiner Nähe zu sein bzw. er verbrachte einen Großteil der Zeit mit mir "allein" (sofern man auf einer Party von alleinsein sprechen kann).

Ich war um halb 4 zu Hause, was in Anbetracht der Tatsache, dass ich heute tatsächlich arbeiten musste/muss, zum Glück nicht ganz so übel ausgegangen ist wie ich befürchtet hatte. Das ist wohl meiner Trinkdisziplin geschuldet, denn ich habe mal ganz gewaltig auf die Mengen geachtet, die ich konsumiert habe, und nicht alles wild durcheinander getrunken.

Aber was ich eigentlich sagen wollte... Ich werde aus dem Kerl einfach nicht schlau. Ich bin mir so sicher, dass zwischen uns "mehr" ist. Ich meine, wenn da nichts wäre, würde er doch in irgendeiner Weise lässig dazu übergehen, das, was passiert ist als "netten Zwischenfall" oder was auch immer anzusehen und ihn in die "nicht der Rede wert"-Erinnerungsschublade stecken. Er bräuchte mich nicht ignorieren sondern ich wäre wieder "eine von vielen", er würde nicht sagen, dass er öfter daran denkt (ich meine, er sollte sich doch vorstellen können, welche Wirkung das hat) und so weiter.

Kann das Leben nicht zwischendrin einfach mal einfach sein?

26.09.2016 um 10:01 Uhr

Sonntagsausflug

von: blacksheep   Kategorie: Männer

Da gestern so ein schöner warmer Spätsommertag war und man ja nicht wissen kann, ob es nicht noch ein paar von dieser Sorte geben wird, machte mein Mann den Vorschlag ans Meer zu fahren. Meer geht immer, scheiß auf die blöden Rückenschmerzen, ich kann ja nicht nur in der Bude hocken (oder besser gesagt liegen) und Bewegung soll ja helfen. Ich dachte, es wäre ja ganz nett, sich chauffieren zu lassen (ruckartiges Bremsen = Rücken aua - und man weiß ja, was für Vollpfosten sonntags auf der Straße sind) und überließ meinem Mann mein Auto...

Böser Fehler.
Motor an, Gang rein, losfahren wollen - das Auto macht einen Hüpfer und der Motor ist aus.
Ich (bin ein furchtbarer Beifahrer und liebe mein Auto): "Handbremse."

Nächster Versuch.
Motor an, Bremse raus, losfahren. An der Ausfahrt anhalten, gucken ob einer kommt, losfahren. Das Auto macht einen Hüpfer und der Motor ist aus.
Ich (bin ein furchtbarer Beifahrer und denke jetzt schon darüber nach, die Plätze zu tauschen): "Nicht im zweiten Gang anfahren."

Wir kommen irgendwann tatsächlich an. Nachdem mein Mann das Auto insgesamt 5 Mal abgewürgt hat (dabei hat er den Führerschein 6 Jahre länger als ich) und sich nahtlos an die Sonntagsfahrer angepasst hat - wobei er eigentlich immer so fährt als wäre Sonntag - und nachdem er nach der Autobahnabfahrt ein "Was ist das denn?" von sich gegeben hat obwohl auf der Autobahn schon Schilder standen, dass es da eine Umleitung gibt. Wir landen als erstes auf einem Marmeladenfest wo ich nirgendwo einen Stand mit Marmelade sehe kann - keine Ahnung wo sie den versteckt haben, denn Leute mit Marmeladengläsern habe ich sehr wohl entdecken können. Danach gehts zum Strand, der ewig weit weg ist (ich fahre nicht wieder nach Dornumersiel) und wo das Meer natürlich auch weg ist. Scheißtag. Mein Rücken tut weh von den Schlaglöchern des Fußweges, die Cola ist viel zu kalt und hatte ich erwähnt, dass es kein Meer gab?

Zurück zum Auto. Auf dem Heimweg bekomme ich Kopfschmerzen. Die Nackenstütze am Beifahrersitz ist scheiße. Und mein Mann "Ich weiß wo es lang geht" macht Anstalten im Kreis zu fahren, was ich gerade noch so verhindern kann. Dank seiner grottenschlechten Orientierung brauchen wir für den Heimweg eine Stunde länger, so dass ich zu Hause so schlechte Laune habe, dass ich am liebsten sofort alleine wieder ins Auto steigen und wegfahren möchte. Aber mein Rücken möchte das Sofa, das Körnerkissen und den Fernseher.

Dabei hatte der Tag so gut angefangen, mit einem Frühstückstreffen mit meinen Laufkollegen.

08.07.2016 um 21:51 Uhr

Ich Katastrophenkind...

von: blacksheep   Kategorie: Männer

Nachdem ich mich im Mai erfolgreich vom Traditionsfestbesäufnis ferngehalten habe um nicht wieder im alkoholisierten Zustand Dinge zu tun, die ich hinterher bereue bereuen sollte und vor allem, um nicht wieder tagelang mit den Nebenwirkungen des Alkohols zu kämpfen, war ich fest davon überzeugt, das Schlimmste überstanden zu haben. Und dann kam gestern...

Wenn ein großes Fußballereignis ansteht ist es in der Clique so sitte, sich zum Grillen zu treffen und dann gemeinsam das Spiel anzuschauen - natürlich das eine oder andere Bier dabei zu trinken und sich nett zu unterhalten. Nachdem ich das fünfmal mitgemacht hatte, beschloss ich, das Halbfinale beim Public Viewing der Dorfjugend anzusehen. Ich hatte bei der WM dort wirklich nette Abende und so machte ich mich in der Hoffnung, mal wieder einen ebensolchen zu verbringen, auf den Weg. Das Trikot hatte ich aus Aberglaube nicht gewaschen sondern nur ausgelüftet, weil wir ja immerhin so bis ins Halbfinale gekommen sind und ich ein wenig  Bammel vor den Franzosen hatte.

Ich fläzte mich mit einer Freundin auf eins der Sofas und wir genehmigten uns das erste Bier. Ich ließ meinen Blick durch die Reihen und hinter die Theke wandern. Ein paar Gesichter konnte ich Namen zuordnen und bei den restlichen Gesichtern war mir wenigstens klar, wo ich sie in etwa zuordnen muss.
Mein erster Kommentar zum Spiel "na super, ein Italiener pfeift, das wird übel" und so sah es dann ja auch aus - nicht unbedingt schön aber noch nicht katastrophal. Hin und wieder kam noch der eine oder andere zu uns und - neugierig wie ich bin, guckte ich jedes Mal zur Seite.

Jan. Lässig in Jeans und kunstledener Jacke schlenderte er durch den Raum und machte es sich hinter der Theke auf einem Barhocker bequem. Nicht ständig hinsehen.... Nicht so auffällig hinsehen...

Ende der ersten Halbzeit. Treffpunkt vor der Tür zur Raucherpause. Ich rauche zwar nicht aber ganz alleine oben hocken während der Rest den neuesten Tratsch austauscht geht natürlich auch nicht. Jan und ich wechseln ein paar Worte.
Zweite Halbzeit. Mit Chips und mehr Bier verfolgen meine Freundin und ich das Spiel, das bekannterweise 2:0 für die Franzosen endet und uns nicht in Jubelstürme verfallen lässt. Statt dessen stehen wir nach Spielende auf und ich nehme meine Tasche. Jan sieht mich mit großen Augen an. "Du willst doch nicht ernsthaft ohne Frustsaufen nach Hause fahren?" Ich lächle ihn schulterzuckend an. "Mal sehen, vielleicht komme ich gleich noch mal kurz rauf."

Nach einer weiteren Raucher- / Tratschpause während der sich die meisten verabschieden, da es ja mitten in der Woche ist und auf die meisten von uns ein Arbeitstag wartet. Jan richtet einen fragenden Blick auf mich "Cola-Korn?" Ich seufze ergeben, es ist schwer ihm was abzuschlagen. "Also gut, einen."

Wir sitzen zu viert bei viel zu lauter Musik und laufendem Fernseher an der Theke und leeren das erste Glas. Dabei werden ziemlich flache Witze gerissen - was ich durch meine Ausbildung und den Job ja gewohnt bin - es werden Videos von Traktoren gezeigt, über die Arbeit geredet und Jans Hausbau bequatscht.
Der erste verabschiedet sich, wir sind noch zu dritt. Das nächste Glas Cola-Korn, die Musik wird ein bisschen leiser gemacht und es wird munter weiter diskutiert und in Erinnerungen an frühere Parties geschwelgt. Mini (der jüngste in unserer geselligen Runde) verschwindet zur Toilette und Jan, der hinter der Theke steht während ich auf einem Hocker davor sitze sieht mich an. "Also, ich wüsste schon wie ich dich jetzt auf Touren bringen könnte" bemerkt er und ich weiß ums verrecken nicht mehr, wie wir auf dieses Thema gekommen sind, aber das ist ja letztendlich auch egal. Ich beuge mich leicht vor und sehe ihn herausfordernd an. "Ach, tatsächlich? Wie denn?" Statt zu antworten, kommt er um die Theke herum zu mir. Ich rutsche vom Hocker und bereite mich innerlich vor auf das, was kommt, obwohl ich null Ahnung habe, was in seinem Kopf gerade vor sich geht. Er bleibt hinter mir stehen, seine Hände streicheln meine nackten Oberarm und dann spüre ich seine Lippen, seine Zunge und seine Zähne an meinem Hals, wo er mich kurz küsst, dann leicht beisst und sich schließlich kurz festsaugt. Es dauert nicht viel länger als ein paar Sekunden, doch mein Körper reagiert sofort. Ich bekomme eine Gänsehaut und atme hörbar ein.
"Siehst du", bemerkt er und seine Stimme hat einen triumphierenden Klang, "es funktioniert."
Ich bin so perplex, dass mir gerade mal die Worte fehlen, statt dessen drehe ich mich  zu ihm und sehe ihn mit einer Mischung aus Überraschung, Fassungslosigkeit und Erregung an.  Er steht einfach da und sieht mich mit einem "hab ichs nicht gesagt"-Lächeln an.
"Ein bisschen länger und ich hab dich in der Hand", grinst er.
"Du hast sie nicht alle" erwidere ich möglichst locker obwohl nicht eine leichte Anspannung spüre. NOCHMAL! brüllt meine innere Stimme, ich will mehr davon!
"Gib's zu, es hat dich angemacht."
Ich schweige.
"Na?"
"Ja", ich seufze ergeben, "ja, hat es."

Der Abend schreitet fort. Jan klettert auf einen Flutlichtmast (und ich sehe schon einen Krankenwagen samt Notarzt hier stehen und mich und Mini in Erklärungsnot), Jan und Mini tanzen eine Runde Discofox vor der Leinwand, es gibt noch was zu trinken, wir sammeln die Gläser ein die noch auf den Tischen stehen und dann verabschiedet sich Mini von uns. Netter Abend, denke ich und freue mich auf mein Bett. Wir werden hier alles ausmachen und dann auch gehen.
Denkste.
Wir machen vernünftige Musik an (die Toten Hosen), reden über Sex - vor allem über den Orgasmus der Frau (ja, es war irgendwie schräg) - und darüber, wie eine Mann bzw. eine Frau so gebaut sein sollte. Als wäre es das normalste auf der Welt erklärt er schließlich, ich wäre genau sein Typ und ihm würden gerade eine Menge Dinge durch den Kopf gehen, die er mit mir anstellen würde. Ich war mal wieder sprachlos - kam öfter vor an dem Abend - machte aber nichts, denn kurz darauf lagen wir uns knutschend in den Armen. Verdammt fühlt sich das gut an, aber ich sollte echt langsam nach Hause, die Nacht wird noch kurz genug... aber es fühlt sich echt soooo gut an...

KLIRR! Eine Flasche und zwei Gläser segeln zu Boden und zerschellen in diverse Einzelteile. Ein Geräusch, dass uns schlagartig in die Wirklichkeit zurückholt. Wir sehen lösen uns voneinander, sehen uns einen Moment schweigend an und beseitigen dann die Scherben. In einem plötzlich aufkommenden Fluchtreflex gehe ich durch den Raum Richtung Tür.
"Wo gehst du hin?" fragt er.
Ich bleibe stehen und drehe mich um. "Ich.. brauch frische Luft."
"Geh doch ans Fenster."
Ich biege ab, öffne das Fenster und atme tief durch. Wieso? Wieso mache ich schon wieder so einen Blödsinn? Blöde Frage, weil es sich gut anfühlt und weil ich lange nicht mehr das Gefühl hatte gewollt zu werden.
Ich sehe auf den Fußballplatz, draußen wird es hell, und atme weiter durch in der Hoffnung, das komische Gefühl in meinem Magen würde dadurch verschwinden. Ich höre wie Jan auf mich zu kommt.
"Ist besser das wir aufgehört haben" sagt er und sein warmer Arm berührt meinen als er sich neben mich stellt.
"Ich weiß." erwidere ich und bin trotzdem etwas wehmütig.
"Obwohl mir das gerade wirklich echt nicht leicht fällt. Ich könnte dich jetzt da auf den Tisch... Aber du bist verheiratet, das wäre nicht okay. Und ich hab ja auch eine Freundin."
"Ich weiß."
"Aber leicht ist das wirklich nicht." Seine Arme schlingen sich von hinten um meinen Körper, seine Hände legen sich mit festem Griff um meine Brüste und ich spüre wieder seinen gierigen Mund an meinem Hals. Willig lehne ich mich bei ihm an und neige den Kopf leicht.
Er dreht mich um, unsere Lippen finden sich, Hände gleiten über den Stoff und darunter, sowohl seine als auch meine. Seine Hände packen mit festem Griff die Unterseite meiner Oberschenkel und er hebt mich auf die Fensterbank. Alter Schwede, ich wiege 90 Kilogramm und der hebt mich hier einfach rauf... okay, vielleicht nicht ganz so einfach, aber ER HEBT MICH HIER DRAUF! Ich bin minütlich mehr beeindruckt von dem was er tut und davon, dass er sagt was er will und dass er es sich holt ohne zu fragen (natürlich immer darauf achtend wie ich reagiere) und diese Kombination macht mich gerade wirklich ziemlich an.
Er legt meine Beine um seine Hüften, drängt sich an mich und ich ziehe ihn zusätzlich an mich heran. Hin und wieder befürchte ich, aus dem Fenster zu fallen, deshalb nehme ich irgendwann wie Beine runter und rutsche von der Fensterbank - mit festem Boden unter den Füßen fühle ich mich deutlich sicherer. Etwas hektisch fummel ich an seiner Hose herum um sie aufzumachen ohne zu wissen wohin das noch führen soll. Vor einer Weile hatte Jan etwas von "Tür abschließen" gesagt aber ich dachte wozu, jetzt liegen doch eh alle im Bett. Ich weiß nicht ob wir zum äußersten gehen oder nicht, ich genieße einfach den Moment - so gut es geht. Der Alkohol hat mich zwar lockerer gemacht aber ich weiß immer noch, was ich tue. Nein, ich habe keine Ahnung was ich  hier gerade tue - alles was ich weiß ist, dass es sich gut anfühlt und dass ich nicht aufhören will so lange ich nicht muss.
Er hebt mich auf den Billiardtisch und ich denke, oh gott, mein rücken, gleich wird irgenwas KNACKS machen und ich werde hilflos wie ein Käfer auf diesem Tisch liegen bleiben. Aber das passiert zum Glück nicht. Ich liege auf dem Billardtisch, die Beine um Jan geschlungen, herummachend wie Teenies.

"HEILIGE SCHEIßE, WAS GEHT DENN HIER AB???"

Von einer Sekunde auf die andere fühle ich mich stocknüchtern. Jan ist einen Schritt zurückgegangen und zieht sich hektisch die Hose wieder an, ich bin vom Billardtisch hochgeschossen und heilfroh, dass ich nicht oben ohne dastehe.

"Was macht ihr da verdammt nochmal?"

"Wir haben nicht... Wir wollten nur ausprobieren..." stammelt Jan während ich die mindest ebenso dämlich Antwort "Gar nichts" von mir gebe.

"Wenn ihr Vögeln wollt, warum schließt ihr dann nicht die Tür ab?"

"Wir wollten ja nicht..." Jan bringt den Satz nicht zu Ende, wahrscheinlich weil ihm dasselbe durch den Kopf geht wie mir. Wir hätten womöglich irgendwann unseren letzten Rest Vernunft über Bord geschmissen, aber wie auch immer - das ist jetzt reine Spekulation. Der Abend ist beendet. Definitiv.

"Alter," spricht Jan nun unseren Besuch an, "wenn du auch nur ein Wort darüber verlierst, ich schwöre dir..."

"Macht euch mal locker, ich hab gar nichts gesehen. Ich plauder das nicht aus."

Ich lehne schweigend am Billardtisch, lasse meinen Blick von einem zum andern wandern und komme mir vor wie in einem schlechten Film. Jan wirkt ein wenig panisch während ich mich irgendwie leer fühle. Ich sollte ein schlechtes Gewissen haben und mehr Angst davor, dass uns diese Aktion ganz gewaltig um die Ohren fliegen wird, aber da ist nichts.

Wir sind wieder allein. Machen Musik und Fernseher aus, schließen ab und sitzen noch ein paar Minuten draußen auf der Bank.
"Hoffentlich hält er wirklich dicht. Ich trau ihm da nicht." sagt Jan und ich nicke zustimmend. Was das angeht traue ich niemandem.
Wir sprechen uns ein bisschen ab. Wer wo lang nach Hause fährt, dass wir nicht zusammen gegangen sind - alles irgendwie verzweifelte Versuche mit dem Schock des Erwischtwerdens klarzukommen während mir die ganze Zeit nur eine Frage im Kopf rumgeht.
"Jan?"
"Ja?"
"Wir hätten das nicht gemacht wenn wir nüchtern gewesen wären, oder?"
"Jedenfalls nicht weiter als so."
Das ist kein richtiges Nein und darüber hinaus ziemlich verwirrend. Schließlich haben wir im Laufe des Abends noch über Dinge gesprochen, die er eigentlich nicht wissen sollte. Er hat mich gefragt ob es stimmt, dass ich damals kurz davor war die Hochzeit abzusagen wegen ihm. Das muss ihn ziemlich beschäftigt haben, wenn er danach fragt, immerhin ist das drei Jahre her. Ich habe ihm wahrheitsgemäß geantwortet, nämlich dass er bei diesen Überlegungen zwar eine Rolle gespielt hat, es aber nicht allein seinetwegen passiert wäre. Außerdem hat er später noch gesagt, er wisse "aus einer sehr zuverlässigen Quelle" dass ich in meiner Ehe nicht glücklich sei. Dazu habe ich nichts gesagt, denn es gibt nur eine Person hier, mit der ich darüber gesprochen habe und ich habe mich in dem Moment einfach mehr verraten gefühlt.

Jetzt gehe ich aber erstmal ins Bett, letzte Nacht habe ich nämlich gerade mal eine Stunde geschlafen, auf dem Sessel im Wohnzimmer...
Ich muss noch ein paar Gedanken sortieren und werde mich dann wahrscheinlich hier nochmal weiter darüber auslassen...

12.04.2016 um 18:57 Uhr

Die großen Fragen des Lebens

von: blacksheep   Kategorie: Männer

Heute: Was finden Männer eigentlich an Pornos?

Ich hoffe hier hat keiner hochtrabende Fragen wie die nach dem Sinn des Lebens erwartet Fröhlich

Als mir neulich Abend langweilig war - was bei dem Fernsehprogramm heutzutage ja auch kein Wunder ist - saß ich an meinem PC und fing an zu googeln. Es gibt ja heutzutage für jeden "Scheiß" Listen - ja, tatsächlich bin ich nicht der einzige Mensch auf der Welt der Listen schreibt - und diese sind auch und vor allem im WWW zu finden.

Suchanfrage: an welchen orten sollte man sex haben

Wie gesagt, mir war langweilig.

Das Schöne am langeweile-googeln ist, dass man von einem zum anderen kommt und am Ende fast nicht mehr weiß, wo man angefangen hat. So kam es, dass ich auf einer Pornoseite gelandet bin, wo man "Schmuddelfilmchen" für lau gucken kann.

Ich bin ja nicht so die Porno-Guckerin (gibt es eigentlich Statistiken darüber wie viel Prozent der Frauen Pornos gucken? Wahrscheinlich, auch wenn ich die bislang nicht entdeckt habe), was womöglich damit zusammenhängt, dass mein Opa mir mit 16 eine Videokassette aus seiner Sammlung mehr oder weniger aufgedrängt hat mit den Worten "du bist ja jetzt alt genug" (echt wahr) und da ich damals schon neugierig war, hab ich in einer stillen Stunde mal reingeschaut. Mal ehrlich, nach so einem "Liebesgrüße aus der Unterhose" oder wie auch immer sowas damals hieß, kann einem die Lust auf Sex doch nur vergehen.

Naja, jedenfalls hab ich dann mal in ein paar dieser Filmchen reingezappt. Die Titelauswahl ist übrigens damals wie heute echt... naja... albern. "Teen girl wird von hinten geknallt" - "Dicke Oma (über 50) zeigt alles" ... Auch sonst ist es mehr so lala. Okay, die Frauen sind schöner, die Männer sehen besser aus (weil durchtrainiert - nicht mehr Karohemdenträger mit Bierbauch) und die "Handlungsorte" sind nicht mehr so abgewrackt. Es wird nicht mehr versucht, dass ausdauernde rumgevögel mit "Handlung" zu stören.

Was mich jedoch mal interessieren würde: wieso zieht der Mann in diesen Filmen immer kurz vor seinem Orgasmus seinen Schwanz aus der Frau und spritzt dann auf sie drauf?

14.02.2016 um 20:29 Uhr

Treffen mit Juli

von: blacksheep   Kategorie: Männer

Stimmung: zwischen Himmel und Erde

oder: mein Samstag als sprechende Bürodekoration...

Wir haben es tatsächlich geschafft uns zu treffen. Nachdem ja inzwischen wieder fast ein halbes Jahr vergangen ist seit wir uns mal allein gesehen haben. Auch damals zunächst in seinem Büro. Aber ich lerne ja dazu. Statt mit 6cm Absätzen an den Schuhen und mit der ständigen Sorge, damit diese lebensgefährlich aussehende Treppe zu der Holzkiste, die er Büro nennt, herunterzufallen habe ich mich dieses Mal für flache Schuhe entschieden. SEHR GUTE IDEE.

Ich kam gegen 10.45 Uhr dort an. In der Halle arbeiteten noch ein paar fleißige Männlein an irgendwas während Juli an seinem Schreibtisch saß und kalten Kaffee mit Vanillepulver trank, was vermutlich genauso eklig schmeckt wie es sich anhört. Sein erster Kommentar nach der Umarmung zur Begrüßung und der Feststellung, dass er sich freut mich  zu sehen war: "Neue Haarfarbe."
Sehr aufmerksam, wobei dieses Rot ja wirklich kaum zu übersehen ist - schon gar nicht, wenn gerade mal zufällig ein Sonnenstrahl darauffällt (Memo an mich selbst: beim nächsten Mal einen Tacken dunkler...), aber selbst wenn ich nur ein schlichtes Mittelbraun gewählt hätte, wäre ihm das aufgefallen.  Ich kenne ehrlich gesagt keinen anderen Mann, der einen so genauen Blick auf das Outfit von Frauen wirft UND es hinterher auch noch kommentiert.

Die Stimmung war... hm, anders als sonst, was jedoch jetzt keine negative Bewertung darstellen soll. Erstens war er ja in seinem Büro um zu arbeiten, da kann ich ihn ja nicht ohne Luft  zu holen zuquatschen (ich bin ein sehr rücksichtsvoller Bürobesucher) und außerdem bin ich nach den andauernden privaten Tiefschlägen in diesem Jahr auch gerade nicht besonders gut im Leute bespaßen. Und wir haben gerade mal Mitte Februar. Das kann ja echt noch heiter werden.

Wir sprachen über Urlaub (der Mann macht neuerdings so oft Urlaub dass ich gar nicht mehr hinterherkomme...), seine Pläne bezüglich "mein Haus", "mein Boot", Altersunterschiede in Beziehungen, mein furchtbar schreckliches Leben und darüber, dass ich gestört bin (Er: "Wie gestört denn?" Ich: "Nicht gestörter als jeder andere auch, aber zur Reha will ich trotzdem." Er: "Dann bin ich beruhigt."). Darüber, wer in Beziehungen die Übersicht über die Finanzen haben muss (beide, da waren wir uns einig), gemeinsame Konten, gemeinsame Bekannte und was uns sonst noch so einfiel. Zwischendurch herrschte auch mal minutenlanges Schweigen, aber das war keineswegs peinlich oder sonstwie unangenehm. Es fühlte sich jedenfalls sehr vertraut an, auch wenn ich mir manchmal etwas unproduktiv vorkam (ich kann ja anderen nur begrenzt beim Arbeiten zusehen ohne selbst etwas tun zu wollen).

Irgendwie kamen wir dann aufs Thema Zeichnen, wahrscheinlich weil er gerade eine Zeichnung für irgendwas, was er noch bauen soll, anfertigte woraufhin ich meinte, ich würde nur Häuser und Wohnungen zeichnen. Und schon bekam ich den "Auftrag" ein Haus für ihn zu zeichnen.
O-Ton Juli: "Zeichne mir mal ein Haus, so wie du meinst, wie ich gerne wohnen würde."
Ich: "Kein Problem."
Ich weiß schon genau wie das aussehen soll. Offen, großzügig, Schlafzimmer mit eigenem Bad, graue Klinker, dunkle Dachpfannen... Jetzt muss ich das nur noch zu Papier bringen. Und dann bin ich mal sehr gespannt was er dazu sagen wird.

Natürlich kamen wir auch um das Thema Kinderkriegen nicht drumrum, was nicht weiter verwunderlich ist, weil ich mit ihm ja schon immer über die ganze Sache geredet habe. Er meinte ich wäre "bestimmt eine total süße Mami" (Zitat) und das ist dann ja immer so ein Moment wo ich mir mühselig ein paar Tränchen verkneifen muss. Einerseits habe ich gerade überhaupt keinen Kopf für das Thema weil ich genug andere Baustellen zu bearbeiten habe, andererseits tickt meine biologische Uhr und drittens... naja, kriege ich den Gedanken nicht aus dem Kopf, dass ich dazu gerne ihn als Vater hätte. (Ja, ich weiß schon was ich dazu zu hören kriege...).
Wie auch immer. Als ich dann möglichst cool meinte "Wer weiß ob ich überhaupt mal ein Kind kriege" kam dann von ihm ein wörtliches "da müssen wir das wohl ein wenig beschleunigen" und damit hat er mich ja erwischt, da konnte ich nicht mehr anders als zu grinsen, woraufhin er meinte "manchmal möchte ich zu gerne wissen was in deinem süßen Köpfchen so vor sich geht" und ich nur noch breiter grinste und erwiderte "Nein, möchtest du nicht".

Gegen 18 Uhr haben wir uns dann verabschiedet - obwohl ich ja gedroht hatte ich würde bleiben bis er mich vor die Tür setzt. Aber er war eh kurz davor, Feierabend zu machen und ich wollte ja noch zu meiner Zweitmama, die ich noch länger nicht gesehen habe als ihn (das schlechte Gewissen lässt grüßen). Und wir haben uns für März lose verabredet. Er hat sich nämlich schon ein Boot ausgesucht für das er sich interessiert und das ist mehr oder weniger in der Nähe von meinem Wohnort und da hatte er die Idee, wir könnten uns treffen und zusammen  hinfahren. Mal sehen ob was draus wird.

Hm. Manchmal frage ich mich warum ich ihm nicht einfach sagen kann, was mir manchmal so durch den Kopf geht. Ich meine, ich kenne ihn ja lange genug um zu wissen, dass es eigentlich nichts gibt, was ich ihm nicht sagen kann (was ihn zu einem extrem wertvollen Gesprächspartner macht).
Naja, jetzt widme ich mich mal meiner nächsten Baustelle. Ich muss den Antrag für die Reha ausfüllen. Es scheint fast so, als müsste man für manche Fragen einen extra Studiengang absolvieren um sie korrekt zu beantworten...

05.09.2015 um 21:28 Uhr

Irrungen & Wirrungen - 2. und 3. Akt

von: blacksheep   Kategorie: Männer

Obwohl ich nun schon seit knapp einer Woche in der Internet-Zivilisation angekommen bin (Urlaub bei meinem Vater ist zwar sehr erholsam, aber auch Internet-frei wenn ich nicht gerade einen Abstecher zu meinen W-Lan-fähigen Freunden mache), komme ich erst jetzt dazu, über mein Date mit Juli zu berichten. Es war sehr lang und sehr aufschlussreich...

Viereinhalb Stunden mit Juli bieten eine Menge Stoff zum Nachdenken. Wie immer. „Passiert“ ist nichts, aber darüber bin ich ehrlich gesagt keineswegs unglücklich. Ich hatte einen tollen Abend. Überraschend, witzig, informativ, erkenntnisreich, faszinierend, emotional und überhaupt – dieses Gespräch hatte alles das, was ein gutes Gespräch ausmacht. Letztendlich ist es wahrscheinlich auch keine gute Idee aus unserer (freundschaftlichen) Beziehung eine weitere reale Baustelle zu machen.

Am Ende waren wir soweit dass er irgendwie Mitleid mit mir hatte – fühlt sich nicht so gut an. Ich will nie wieder mit diesem Blick von ihm angesehen werden. NIE! Schon schräg, ständig wünsche ich mir, dass mich mal jemand für einen kurzen Moment bedauert anstatt mir kluge Ratschläge zu erteilen und wenn es passiert ist es auch nicht richtig.

Aber nun erstmal auf Anfang…

Wir trafen uns in seinem Büro, einer chaotisch anmutenden Holzkiste mit einer lebensgefährlichen Treppe und verbunden mit Erinnerungen, wo er Akten sortierte, Kaffee kochte und mir an den Schreibtisch brachte während ich einfach nur da saß und mit ihm redete. Über meine Ehe, meinen Kinderwunsch und das sonstige Chaos in meinem Kopf. Über seine Beziehung, die Arbeit, die ihm über den Kopf wächst und das sonstige Chaos in seinem Kopf (von dem ich ehrlich nicht ahnte, dass es in dem Ausmaß vorhanden ist – wobei es mich jetzt, wo ich davon weiß, auch nicht so wirklich überrascht dass es vorhanden ist…). Dabei gelangte ich zu der überraschenden Erkenntnis, dass wir uns in vielfältiger Weise ähnlicher sind als ich es jemals für möglich gehalten hätte, obwohl ich im Laufe der Zeit diverse Ähnlichkeiten entdeckt habe.

Wir definierten „effektiv“ und „effizient“ sowie „Opportunitätskosten“ (keine Ahnung wie wir darauf gekommen sind) bevor wir uns darüber unterhielten ob ich schon zu Abend gegessen habe und beschlossen (nachdem ich seine Frage verneint hatte), dass wir uns das letzte Brötchen teilen. Selbiges wurde bestrichen mit von ihm höchstpersönlich in einer nächtlichen Aktion gekochten Mirabellenmarmelade (DAS kann er also auch…). Wir redeten über Palettenmöbel, Sex und die Frage warum es manchen Menschen schwer fällt, Berufliches und Privates zu trennen. Nebenbei brachte er mir noch einen Kaffee, regte sich über Frauen im allgemeinen und eine im speziellen auf und grinste hin und wieder vor sich hin. Wir diskutierten über das Schwänze kürzen bei Schweinen, die Flüchtlingsproblematik und den Arbeitsmarkt sowie den Sinn bzw. Unsinn von Piercings. Dann sicherte er seine Daten und beschloss, es sei an der Zeit Feierabend zu machen (das war gegen 21 Uhr…)

Wir wollten in die Eisdiele umsiedeln, doch die stellten da schon die Stühle hoch, so dass wir letztendlich in dem Spezialitätenrestaurant mit dem großen M gelandet sind wo wir ein nicht durchgerührtes McFlurry verspeisten, Juli mich bzw. das was ich sagte als „süß“ bezeichnete und ich eine Mücke umbrachte bevor sie dazu kam, mich zu stechen. Danach sprachen wir erneut über meine derzeitige Situation und es fühlte sich ein wenig an wie eine Therapiesitzung. Einfach nur weil er immer weiter gefragt hat und immer tiefer eingestiegen ist, so wie es die Psychologin tut. Sehr anstrengend. Die Verabschiedung bestand aus einer kurzen Umarmung (es regnete und der Herr wollte nicht nass werden...) und seinem Satz: "Wenn du mich diese Woche noch mal sehen willst, ich hab Samstag Nachtschicht in W..." - Ich muss ehrlich einen echt bedauernswerten Eindruck hinterlassen haben...

Als ich im Bett lag konnte ich natürlich nicht sofort schlafen, weil mein Hirn so am Rattern war um das Gespräch zu verarbeiten. So konnte ich noch meine Freundin über den Verlauf des Abends informieren, sie konnte sich über mich aufregen (mein Umfeld ist auch schon Juli-geschädigt, wenn auch in einer anderen Form als ich...) und wir stritten uns fast über dieses leidliche Thema. Wie war das noch mal mit der nicht erreichten Grenze der Leidensfähigkeit? Ich habe also durchgeatmet und so elegant wie ich konnte das Thema gewechselt um mir den Abend nicht doch noch zu versauen.

Am Samstag machte ich mich also auf nach W. Erstmal das "Taschengeld" von meinem Vater mit Karussellfahren verprassen und dann auf zu Juli und dem Rest der Rettungstruppe, die sich die Zeit mit Gesellschaftsspielen vertrieb in der Hoffnung, keine Verletzten verarzten zu müssen.

Und dort lernte ich SIE kennen. Julis 19jährige Freundin.

Zu der haben natürlich alle eine Meinung (und komischerweise sind sich da auch alle, die sich zu ihr äußerten, bemerkenswert einig...), was mich einen Schlenker zum Anruf einer Bekannten machen lässt, die mich anlässlich meines 37. Ehrentages anrief...

C: Und? Was wie ist dein Eindruck? (Es ging um Julis Freundin)

Ich (herumdrucksend): Ja, hm, also...

C: Ich weiß nicht, was er an der findet. Mal ehrlich, findest du sie besonders hübsch? Oder besonders klug?

Ich: Besonders? Ja, besonders jung, aber sonst...

C: Wenn hinter ihr die Sonne scheint, sieht man's doch durchleuchten, oder?

Da könnt ihr euch jetzt wohl denken, dass das Urteil mancher Leute über SIE nicht besonders schmeichelhaft ausfällt.

Aber zurück zu Samstagabend. Ich hatte mir zwei Dinge fest vorgenommen:

1. Ihr gegenüber nicht voreingenommen zu sein. Denn: Ich kenne sehr nette, gutaussehende, intelligente 19jährige Menschen

2. Nicht so offensichtlich Gar nicht raushängen zu lassen dass ich mal was mit Juli hatte (Ich habe offensichtlich etwas an mir, dass seine aktuellen Freundinnen mich als Konkurrentin sehen, auch wenn ich mir nicht so genau erklären kann was)

Zumindest letzteres gelang mir bis auf einen kleinen Seitenhieb ganz gut und ich glaube, den hat sie nichtmal mitbekommen, auch wenn alle anderen wissend gegrinst haben. Ehrlich, sie ist ja ganz nett, aber... nichts für Juli. Damit meine ich jetzt nicht, dass ich mich für die bessere Wahl halte. Ich bin einfach nur der Ansicht, dass er eine Frau mit ein wenig mehr Lebenserfahrung und Selbständigkeit an seiner Seite braucht, die ihm auch mal den Rücken stärken kann - er hat schließlich genug um die Ohren. Nicht voreingenommen sein war da schon schwieriger. Nicht nur wegen der Meinung der anderen, auch Juli und ich hatten schon ein paar Takte über sie gesprochen und vieles von dem, was er sagte, konnte ich in der kurzen Zeit, in der ich sie gesehen/gesprochen habe, wiederfinden.

Soviel dazu.

Es war sicher noch nicht das Ende...

 

26.08.2015 um 23:46 Uhr

Irrungen Wirrungen 1. Akt

von: blacksheep   Kategorie: Männer

Musik: Sheryl Crow - First cut is the deepest

Das Leben ist eine Achterbahn oder ein Impro-Theater – in jedem Fall weiß man irgendwann nicht mehr, wo einem der Kopf steht, einem ist flau im Magen und trotzdem macht es so viel Spaß, dass man es einfach immer wieder tun will.

Flirten mit Juli gehört irgendwie auch dazu. Wobei das natürlich inklusive unserer Begegnungen die Königin der Achterbahnen ist, um mal bei diesem Vergleich zu bleiben. Und da ich ja nicht anders kann, als das hier breit zu treten (vor allem um meine Freunde nicht damit zu belästigen – obwohl die eine sehr darauf brennt alles über dieses Thema zu erfahren) und ich außerdem nicht schlafen kann wenn ich mir die Gedanken nicht jetzt noch von der Seele schreibe, müsst/dürft/könnt ihr jetzt mal wieder was darüber lesen.

Ich bin gerade mal wieder urlaubstechnisch unterwegs und da versuchen Juli und ich es seit einer Weile wieder, uns in der Zeit zu sehen weil es job- und entfernungsbedingt sonst schwierig wird. Ich denke, er genießt diese Treffen ebenso wie ich, denn sonst würden wir es ja nicht tun. Meist sitzen wir in irgendeiner Gastronomieeinrichtung und quatschen bei Speis und Trank über Gott und die Welt. Nicht, dass das auch nur im Entferntesten mal langweilig würde, aber irgendwie ist es trotzdem immer dasselbe. Langer Rede kurzer Sinn, heute gab es dann mal ein Chat-Gespräch bezüglich Terminverabredung…

Juli: Morgen Abend?

Ich: Wann und wo?

Juli: Gute Frage (…) Büro oder Eisdiele oder…

Ich: Oder? (Ich bin verwirrt – unkonkrete Ansagen sind doch sonst nicht sein Fall…)

Juli: Wie gesagt *Zwinkersmiley*  (Was zur Hölle meint er damit??? Egal, find ich raus.)

Ich: „Oder“ waren wir lange nicht mehr *Zwinkersmiley* (Kann ich auch…)

Juli:  Ist das ne Einladung? *freudig lachender Smiley*

Ich: Ja *freudig lachender Smiley“ (Keine Ahnung was ich hier gerade tue…)

Juli: Nicht dein ernst…

Ich: Und wenn?

Längere Pause… Ich sollte besser aufpassen was ich von mir gebe…

Juli: Krass. Seit wann bist du so weit? (Ui, offenbar meint er tatsächlich das, was ich dachte, dass er es meint…)

Ich: Wir kommen vom Thema ab

Juli: *Smiley mit einzelnem Schweißtropfen* (erleichtert?)

Ich: Und?

Juli: Ich hab ein Luftbett in meinem Büro.

Ich: Ist nicht dein Ernst…

Juli: Doch

Ich: *erschrockener Smiley* Komme ich aus der Nummer noch elegant wieder raus?

Juli: Klar.

Ich (in einem Anfall von Leichtsinn/Übermut oder ähnlichem): Aber du nicht…

Soviel dazu. Was ich damit bezwecke ist ja wohl klar. Ich will ihn provozieren. Ich will… Keine Ahnung… Ich will Juli. Oder?... Ja, aber… So ganz genau weiß ich irgendwie nicht was ich will. Es ist wie immer kompliziert. Zumindest in der Praxis. Theoretisch hätte ich als Außenstehende eine Menge guter Ratschläge zu verteilen, aber wenn man im Chaos steckt, neigt man (also ich in jedem Fall) dazu, alles noch ein wenig komplizierter zu machen.

Natürlich habe ich das ganze Drama mit einer mir nahestehenden Person durchgekaut, was zur Folge hatte, dass  mir nun schon eine dritte Person eine Wohnmöglichkeit angeboten hat für den Fall, dass ich in naher Zukunft meinen Mann verlasse. Im Ernst, wenn ich aus dieser Nummer raus bin, schreibe ich einen Rosamunde-Pilcher-mäßigen Erfolgskitschroman sowas kann man sich im echten Leben nicht vorstellen wenn man es nicht selbst erlebt.

Nebenbei bemerkt, hatte ich erwähnt, dass mir heute jemand eine Liebeserklärung gemacht hat? Nicht, dass mich das jetzt zusätzlich aus der Bahn werfen würde, aber in manchen Situationen hat sowas einen gewissen Unterhaltungsfaktor – wenn es so total fehl am Platz ist und überhaupt nicht in die Situation passt.

Ach, und für den Fall, dass das alles etwas verwirrend ist – ich habe gestern einen Kofferraumdeckel auf den Schädel bekommen, deshalb kann ich mich notfalls damit rausreden, dass ich einen Dachschaden habe :)

To be continued…

20.06.2015 um 22:58 Uhr

Juli bringt mich zum Denken...

von: blacksheep   Kategorie: Männer

Stimmung: im Keller
Musik: Sarah Connor - Mit all deinen Farben

20.06.2015

 

Es ist 22:30 Uhr. Ich bin gerade von meinem Treffen mit Juli zurück und sitze bei meinem Vater in der Küche. Ich schaue auf dem PC eine Folge „Graf Duckula“ und versuche die Gedanken in meinem Kopf zu ordnen.

Zwei Dinge hat mir dieser Abend mal wieder deutlich vor Augen geführt.

Erstens: Bei manchen Menschen ist es egal wie lange sie dich nicht gesehen haben, sie lesen in deinem Gesicht immer noch wie in einem offenen Buch.

Zweitens:  Ich werde offensichtlich nie lernen, manche Dinge einfach NICHT zu sagen. (Aber selbst wenn wäre das dank Punkt 1 wohl hinfällig).

 

Aber kommen wir erstmal zu Juli und seinem (übervoll gepacktem / stressigem) Leben. Er hat im Augenblick eine Menge um die Ohren. Beruflich ist er ja seit ich ihn kenne schon immer voll beschäftigt, aber dann gibt es da noch ein paar andere Dinge, die ihn derzeit stressen. Die Politik, das ehrenamtliche Engagement und dann noch etwas, was ich als „undefinierbaren Lebensstress“ bezeichnen würde. Alles zusammen wirkt sich natürlich auch auf die Beziehung zu seiner Freundin aus.

An diesem Punkt wird mal wieder deutlich, dass zwei Seelen in meiner Brust schlagen. Auf der einen Seite möchte ich natürlich, dass es ihm (in jeglicher Hinsicht) gut geht – auf der anderen Seite stehen meine Gefühle für Juli dem irgendwie im Weg.

 

Womit wir bei den Tatsachen angekommen wären, an die mich der heutige Abend erinnert hat.

 

Juli fragte mich nach der Kinderwunschgeschichte, woraufhin ich mit leichtem Augenzwinkern meinte, wenn er den Wunsch hätte, in nächster Zeit Vater zu werden, wäre jetzt genau der richtige Zeitpunkt. Immerhin habe ich heute früh meine „Eisprungspritze“ bekommen. Dadurch kamen wir dann zu dem ominösen „Hilfsangebot“ das ich vor einer Weile von einem Freund bekommen habe. Ich hatte mir fest vorgenommen, niemandem zu erzählen wer dieser Freund ist (zumindest niemandem der ihn auch kennt) aber Juli runzelte nur zweimal die Stirn und schon wusste er um wen es sich handelt. An meinem Pokerface muss ich dringend arbeiten. Aber genauso wie ich das nicht sagen wollte, wollte ich genauso wenig zugeben, dass ich ein Angebot dieser Art eventuell angenommen hätte, wenn es von jemand anderem gekommen wäre. Mein Schweigen auf seine Frage, wer denn dieser jemand sei, war da schon Antwort genug. Und als wir gerade dabei waren, unsere Verabschiedung auf dem Parkplatz noch ein paar Minuten hinauszuzögern, kamen wir auf das Thema Sex zu sprechen, wobei ich anmerkte, dass ich diesbezüglich wegen der Aussagen meiner Mutter etwas „gestört“ sei, was sich aber inzwischen gebessert hätte, woraufhin er meinte „da habe ich ja sicher nichts zu beigetragen“. Ich antwortete völlig ruhig und ernsthaft, dass er gar nicht wüsste, zu was er bei mir alles beigetragen hätte. Julis Reaktion darauf war seine Lieblingsfrage des Abends: „Zum Beispiel?“ (Seine andere Lieblingsfrage heute war: „Warum?“).

Meine Antwort: „Du hast mein erstes Mal ausgebügelt.“

Daraufhin war er – wie drückte er sich aus? - ein wenig perplex.

 

Naja, jedenfalls haben wir uns dann (leider) mit einer langen, freundschaftlichen Umarmung verabschiedet und er bat mich, dass ich mich Dienstag nach dem Embryotransfer bei ihm melde und fügte an, dass er bis dahin vielleicht auch seine Gedanken bezüglich dem, was ich so von mir gegeben habe, bearbeitet hätte – was auch immer ihn jetzt so beschäftigt.

 

Wie gesagt, ich sitze jetzt in der Küche und lasse meine Gedanken wandern während ich gleichzeitig versuche, sie zu ordnen / zu verarbeiten. Deshalb nicht wundern, wenn ich hier womöglich etwas wirres Zeug von mir gebe.

 

Ich habe mich gerade gefragt, warum ich es nicht schaffe (oder es aufgegeben habe?) gewisse Dinge vor ihm zu verheimlichen. Habe ich im Laufe der Zeit zu einem gewissen Grad gelernt, vor ihm zu meinen Gefühlen zu stehen oder ist das womöglich der Hoffnungslosigkeit der Situation geschuldet? Also ich meine, da der Zug bezüglich uns beiden (zumindest laut der Vernunftebene) abgefahren ist, da kann ich doch jetzt frei von der Leber weg sagen was mir so in den Sinn kommt. Ohne den Gedanken im Hinterkopf zu haben ob ich seinem Bild von der „perfekten“ Freundin entspreche. Versteht ihr was ich meine?

 

Wann könnte ich ihm gegenüber besser ich selbst sein als jetzt? Mit all meinen Zweifeln und Unsicherheiten, mit meinem Pragmatismus, meinen Unzulänglichkeiten und meinem manchmal merkwürdigen Humor.

 

Komischerweise überkommt mich gerade der Wunsch, mich dafür bei Juli zu bedanken. Und dafür, dass er mir mal wieder eine andere Sichtweise ermöglicht hat.

 

Anmerkung: Warum stellt Juli mir die Fragen, die mir im "Normalfall" eigentlich mein Mann stellen sollte?

 

Aber jetzt muss ich ins Bett – denken ist anstrengend...

17.05.2015 um 19:54 Uhr

Mit dem Alter wird man vernünftig, oder?

von: blacksheep   Kategorie: Männer

Als Antwort auf diese Frage gibt es von mir heute ein glasklares NEIN.

Ich bin das beste Beispiel. Statt nach dem alljährlichen Traditionsfestbesäufnis besoffen nach Hause zu torkeln, ins Bett zu fallen und mich am nächsten Tag darüber zu ärgern wie viel ich getrunken habe und zu schwören, dass ich nie wieder einen Tropfen Alkohol anrühre, verlasse ich das Fest mit einem jungen Mann und sitze eine halbe Stunde später mit selbigem knutschend in einer Bushaltestelle.

Halloooo - Vernunft, wo bist du?

Weggesoffen?
Ignoriert?
Noch  nie vorhanden gewesen?

Egal, einfach mal nicht nachdenken. Wenn du schonmal die Gelegenheit hast, den ganzen Alltagsstress für eine WEile zu vergessen und nicht darüber nachzugrübeln was Morgen sein wird, solltest du das nutzen.

Klack, klack, Klack. Schritte auf der Straße die direkt an der Bushaltestelle entlangführt und wir sitzen mitten auf dem Präsentierteller. Still sein, leise Atmen und hoffen, dass niemand zur Seite guckt. Diese Hoffnung ist natürlich idiotisch, denn wenn ich dort vorbeigehe, gucke ich IMMER in das Wartehäuschen, obwohl ich weiß, dass dort eigentlich nie jemand sitzt. Wenigstens irgendwie das Gesicht verstecken, damit man nicht erkannt wird. Im Prinzip eine gute Idee, dumm jedoch, wenn man auf der Party die einzige war, deren Fingernägel knallpink lackiert sind... Hoffentlich sieht man das im Dunkeln nicht.

Drei Minuten später. Der kleine Schockmoment hat mich für einen kurzen Moment vernünftig gemacht und ich ziehe meine Klamotten in Position.

"Wir müssen damit aufhören."

"Ich weiß."

"Uns kann hier jeder sehen" (Vor allen Dingen die Fmilie im Haus gegenüber, die von ihren Fenstern direkt ins Wartehäuschen gucken können)

"Gartenhäuschen?"

"Kein Sex" Frage-Aussage

"Kein Sex."

Deal.

Oh Mann, verfluchter Alkohol, denke ich, als ich keine zwei Minuten später auf dem Boden der Partyhütte liege. Halb an- halb ausgezogen. Was mache ich hier eigentlich?
Verstand aus.

Draußen wird es hell. Okay, eigentlich dämmerte es schon eine Weile aber nun ist es bald sechs Uhr früh. Wir schaffen es irgendwie vom Boden wieder hoch, doch zur Tür komme ich nicht. Er drückt mich fest gegen die Wand, hebt meine Hände über den Kopf und drückt sie dort mit einer Hand gegen die Wand. Es wäre für mich kein Problem sie dort wegzuziehen, aber irgendwie... Irgendwie fühlt es sich gut an, dass da mal ein Kerl ist, der kein Problem damit hat, die Richtung vorzugeben. Bei dem alles was ich tun muss ist, zu entscheiden was ich will und was nicht. Er fordert und ich ergebe mich in mein Schicksal. Jedenfalls bis zu einem gewissen Punkt.

Kein Sex. Ich gebe zu, ich habe darüber nachgedacht. Wahrscheinlich hätte ich es sogar getan wenn er nicht er gewesen wäre, sondern ein (bestimmter) anderer (und damit meine ich nicht zwangläufig Juli).

Um sechs stehen wir wieder auf der Straße und unterhalten uns öffentlich, als wären die letzten zwei Stunden nicht passiert. Wir verabschieden uns und gehen unserer Wege.

Keine 48 Stunden später sitze ich jetzt hier und lasse die ganze Aktion Revue passieren.

Wieso ist das passiert? - Keine Ahnung, so besoffen war ich nicht.
Wieso mit ihm? - Davon habe ich noch viel weniger Ahnung, denn er ist nichmal mein Typ

Wieso sind die Dinge, die mich beschäftigen a)die Frage ob wir im Bushäuschen erkannt wurden und b)die Erkenntnis sexueller Vorlieben von denen ich bislang nichts wusste?

Am stärksten ist die Erinnerung an dieses Gefühl. Ich fange jetzt nicht an über Liebe bzw. Verliebtsein oder ähnliches zu reden, denn es war irgendwie klar, dass es damit rein gar nichts zu tun hat (höchstens mit Sympathie, denn ich lass ja nicht jeden Vollhorst an mir rumfummeln). Nein, ich meine diesen winzigen Moment in dem ich das Gefühl hatte "ja, das ist genau das, was ich brauche" - einen Mann, der mal "richtig" Mann ist und bestimmt wo's lang geht und in logischer Konsequenz die Freiheit, mal Schwäche zu zeigen. Im Sinne von "sich verführen/fallen lassen".
Das hat sich eingebrannt. Ähnlich wie damals, als mich ein Arbeitskollege von oben bis unten musterte und ich an seinem Blick erkennen konnte dass er gerade dabei ist, sich die Klamotten wegzudenken - und zwar mit dem Gedanken, eine begehrenswerte Frau vor sich zu haben. So hat mich weder davor noch danach ein Mann angesehen.  Okay, ja, Juli, aber der ist ja ne Geschichte für sich.

Ich habe keine Ahnung, was ich jetzt davon halten soll, aber komischerweise sprühe ich gerade vor Energie - um es Mal etwas bildlich auszudrücken. Ich bin motiviert bis in die Zehenspitzen für alles was ich in nächster Zeit vor habe. Auch wenn es vielleicht moralisch nicht ganz korrekt ist - aber ich sollte öfter "Spaß" haben.

13.10.2014 um 00:43 Uhr

Verliebt in einen Unbekannten?

von: blacksheep   Kategorie: Männer

Kann man sich in jemanden verlieben, den man noch nie gesehen hat? Von dem man nichts weiter weiß als das, was er einem in Mails oder chatrooms von sich verrät?

Ich denke schon. Irgendwie.

Mir ist natürlich bewusst, dass "Papier" geduldig ist und wahrscheinlich nirgendwo so viel gelogen wird wie in Chatrooms, aber ich glaube auch dort entwickelt man im Lauf der Zeit ein Gespür dafür, wann der andere lügt und wann er "er selbst" ist.

Ich komme nicht einfach so auf dieses Thema. Natürlich nicht, schließlich geht es ja um mein Leben. Oder zumindest um Themen, die mein Leben irgendwie berühren oder mich beschäftigen.

Ich habe jemanden kennengelernt. In einem Chatroom. Vor über einem Jahr. Wir haben uns eine Weile aus den Augen verloren, aber inzwischen schreiben wir ziemlich regelmäßig. Man könnte fast sagen, der Sonntagabend gehört uns. Er hat schonmal den Versuch gemacht nach einem Foto von mir zu fragen, aber er akzeptiert widerspruchslos, dass ich das bislang abgelehnt habe. Jetzt steht die Frage im Raum ob wir uns treffen sollen/wollen. Wir haben eine Weile herumgesponnen wie das aussehen würde, was wir machen und so weiter.

Er will das unbedingt, obwohl er, wie er schreibt, Angst davor hat mich zu enttäuschen. Ich kann diese Angst nachvollziehen, denn trotz allem, was wir inzwischen voneinander wissen, bin ich eine Fremde für ihn. Möglicherweise liegt es daran, dass ich wesentlich älter bin als er und deshalb vielleicht der Meinung ist, meine Erwartungen nicht erfüllen zu können. Das widerum verstehe ich nicht. Schließlich hat er ja nicht die ganze Zeit großmäulig verkündet, dass er Casanova Konkurrenz machen könnte und ein super Liebhaber ist. oder das er aussieht wie Brad Pitt zu seinen besten Zeiten (die ja so langsam vorbei sind).

Seltsamerweise hat er keine Angst, dass er von mir enttäuscht sein könnte.

Ich habe die schon. Ich hätte das vermutlich nicht, wenn ich ein Mann wäre und mit einer wesentlich jüngeren Frau flirten würde, denn das ist ja heutzutage schon Standard (man erinnere sich an Juli und seine 15jahre Jüngere Flamme). Aber wenn ich jetzt Händchen haltend mit einem Anfang 20jährigen durch die Stadt flaniere - wie sähe das denn aus? Obwohl der Altersunterschied in etwa derselbe wäre. Wahrscheinlich mache ich selbst daraus ein Problem. Aber ich bin weder Madonna noch Demi Moore oder mit deren Selbstbewusstsein ausgestattet als das ich so tun könnte als sei es das normalste der Welt (selbst wenn es das vielleicht ist und wir uns nur durch irgendwelche gesellschaftlichen Regelungen die wir uns ausgedacht haben einreden lassen dass es das eben nicht ist).

Aber trotz dieser Angst wächst der Wunsch ihn kennenzulernen. Herauszufinden wie viel von dem was er schreibt echt ist und wieviel von dem was er gerne wäre in dem steckt was er schreibt. Man kann sich ja hinter geschriebenen Worten so gut verstecken. Wer wüsste das besser als ich?

Wir haben heute lange miteinander geredet und irgendwann saß ich hinter meinem Laptop und hatte ein flaues Gefühl im Magen und Herzklopfen. Und das auf eine Weise wie ich es ewig nicht hatte.

Das Blöde ist nur, ich weiß dass, wenn wir uns einmal gegenüber gestanden haben, es zwischen uns nie wieder so sein wird wie es jetzt ist. Ob es eine positive oder negative Veränderung geben wird, sei jetzt mal dahin gestellt, aber es wird sich etwas verändern. Stellt sich nur die Frage was besser ist. Das Risiko einzugehen oder das Gefühl zu genießen und zu träumen so lange es anhält.

Ich glaube, ich habe mir die Antwort längst gegeben als ich nach Hotelzimmern in seiner Stadt geschaut habe. Ich bin es leid, Dinge zu bereuen, die ich  NICHT getan habe.


29.09.2014 um 22:45 Uhr

Meine unendliche Juli-Geschichte

von: blacksheep   Kategorie: Männer

Stimmung: philosophisch

Das Wochenende ist vorbei und ich versuche noch, mein Treffen mit Juli irgendwie einzuordnen. Das reinste Chaos.

Mein persönlich ausgemaltes Worst-Case-Szenario ist nicht eingetreten - wie auch, die Zeitspanne um eine Freundin zu finden, diese zu heiraten und zu schwängern war eindeutig zu kurz. Das mit der Freundin allerdings...

Es ist ein wenig kompliziert. Zusammen ist er mit ihr noch nicht, aber wenn es nach ihm geht, wird es wohl darauf hinauslaufen. Erstmal befinden sie sich jedoch in der Kennenlern-Phase in der ausgelotet wird, ob und wie es zwischen den beiden weiter geht.
Ich dachte, so eine Nachricht würde mich schwer aus den Socken hauen, nach dem ganzen Gefühlschaos in das er mich (mal wieder) gestürzt hat. Aber nein, das hat es nicht.

Möglicherweise liegt es daran, dass meine "Juli und ich - Traumpaar für immer"-Phantasie oder wie auch immer ich das nennen soll, für mich eben realistischerweise genau das ist. Eine Phantasie. Ein Traum der mir irgendwie Mut macht und mich ein wenig davon abhält, den Kopf möglichst tief in den Sand zu stecken und mich mit dem Gedanken anzufreunden, dass mein Liebesleben furchtbar war, ist und sein wird.

Als Erklärungsalternative hätte ich dann noch ihr Alter anzubieten. Die Frau (wobei es mir irgendwie widerstrebt sie so zu nennen) ist gerade mal 18 Jahre alt. Ich weiß, es gibt 18jährige, die um Längen erwachsener sind als ich, aber diese sind selten zu finden und bislang hat Juli keine von diesen Exemplaren erwischt. Wenn ich mir also eine "Standard-18jährige" an Julis Seite vorstelle, brauche ich mir keine grauen Haare wachsen zu lassen. Denn dann kann ich mich entspannt zurücklehnen und warten, bis sich das "Problem" von alleine erledigt hat. Juli braucht jemanden, der ihm geistig annähernd ebenbürtig ist. Da würde ich mal selbstsicher behaupten, dass das bei "Durchschnitts-18jährigen" nicht der Fall ist.

Schrägerweise freue ich mich aber aufrichtig für ihn dafür, dass er offensichtlich verliebt ist. Erinnert sich jemand an mein Rätselraten bezüglich der Zwinkersmileys? Die sind hormonell bedingt. Der "normale" Juli benutzt so gut wie nie Zwinkersmileys - das ist mir am Samstagabend klar geworden, als er umgeben von dieser klebrig-süßen Aura des Verliebtseins dauergrinsend und wie ein Duracell-Häschen hin und her getigert ist.

Nichtsdestotrotz hatte ich eine Menge Spaß.

Ich hatte den besten Döner der Welt (nachdem die Imbissbude gerade schließen wollte als wir kamen und wir danach an der McDoof-Theke festgestellt haben, dass wir eigentlich nicht auf Burger und versalzene Fritten können), den ich weder bezahlen musste, noch den Müll wegräumen. Er meinte, er wäre ein guter Hausmann woraufhin ich lachend meinte, ich würde ihn heiraten und er würde den Haushalt schmeißen während ich die Kohle ranschaffe. Woraufhin er, zwar auch grinsend aber mit ernstem Unterton erwiderte, das wäre okay wenn er das mit seiner Firma geregelt bekäme. Dafür hatte ich prompt einen Vorschlag. Ich würde die Firma übernehmen. Da guckt er mich an und sagt im Brustton der Überzeugung: "Dir würde ich sogar zutrauen, dass du das  hinbekommst. Wahrscheinlich sogar ziemlich erfolgreich."

Ernsthaft, ich liebe es wie er mich sieht. Zumindest was das angeht. Ich bin eine kluge Frau die alles kann was sie sich in den Kopf setzt. Ich wünschte, ich hätte diese Einstellung auch und würde mich nicht ständig selbst klein machen. Ich meine, theoretisch weiß ich, dass ich echt was drauf habe, aber in der Realität fehlt mir manchmal einfach der Mut. Ich arbeite dran.

Später war ich dann tatsächlich mal mutig. Ich habe ihm nämlich gesagt, dass ich die Art wie er mich sieht, mag - selbst wenn ich das nicht so genau definieren kann.
Schweigen.
Dann fing er an zu reden und mir fiel wieder ein, warum ich über solche Dinge mit Juli nicht reden sollte. Er kennt mich einfach zu gut. Bäm - Bäm - Bäm. Jeder Satz ein Volltreffer. Aber irgendwann machte er Schluss mit seiner Aufzählung und (so ungern ich mir auch Wahrheiten über mich anhöre) ich hätte gerne mehr erfahren. Ich lerne daraus so unendlich viel über mich selbst und über mein Gegenüber. Sehr spannend. Aber ich fand auch, dass er mit einem Satz besonders richtig lag: "Manche Dinge müssen einfach ungesagt bleiben."

Tatsächlich haben wir uns fest vorgenommen, uns öfter zu sehen als wir es in den vergangen Jahren getan haben, auch wenn das sicher nicht einfach werden wird auf Grund unserer Terminkalender usw.

Seufz.

Dieses Juli-Ding ist echt kompliziert.

Manche Menschen möchte man gleichzeitig umarmen  und an den Rand des Universums schießen...

23.09.2014 um 19:25 Uhr

Zur Hölle mit den Zwinkersmileys

von: blacksheep   Kategorie: Männer

Musik: Ladies night

So schnell kann's gehen. Eben noch mangels SMS-Rückmeldung am Grübeln und schon ist man WEGEN eines SMS-Dialoges am Grübeln.

Als ich heute völlig entgegen meiner sonstigen Gewohnheit auf dem "Firmenparkplatz" noch mal auf mein Handy sah, traf mich fast der Schlag. Eine SMS von Juli. Und zwar eine gewohnt kurze, denn sie bestand nur aus zwei Wörtern.

(Juli) Samstag Abend?

Super. Samstag Abend bedeutet er "gehört" mir. Keine nachfolgenden Dates. Zumindest nehme ich das an, es lohnt sich ja sonst auch nicht. Also keine Fragen stellen und den Termin sichern.

(Ich) Nehm ich. Und ich dachte schon, ich hätte was falsch gemacht.

(Juli) Nee alles gut... gibt nur Neuigkeiten *ZWINKERSMILEY*

Neuigkeiten? Hm. Sonst kündigt er sowas doch auch nicht vorher an. Und was bedeutet dieser verfluchte Zwinkersmiley???

(Ich) Ich hoffe, es sind Gute. *Grinsesmiley*

(Juli) Ansichtssache *ZWINKERSMILEY*

WAAAAH. Dieser Kerl treibt mich in den Wahnsinn. Klar, ich weiß was "Ansichtssache" bedeutet - aber wieso dieser verfluchte Zwinkersmiley???

(Ich) Na hoffentlich ertrage ich das...

(Juli) Bestimmt

Danach habe ich mich nicht getraut, weiter zu fragen. Ich habe nicht den blassesten Hauch einer Ahnung, was für Neuigkeiten das wohl sein können. Okay, seinen Hochzeitstermin wird er jedenfalls nicht verkünden - immerhin ist er Single. Und wenn er glaubt, dass ich diese Neuigkeiten vertrage, dann wird er mir auch keine neue Freundin vorstellen. Oder mir sagen, dass ich mich zur Hölle scheren und ihn in Frieden lassen soll. Soviel also zum Thema MEGA WORST CASE Szenario. Aber bei Juli weiß man nie...

Ehrlich, das ist schlimmer als Weihnachten. Klar versucht meine Schwester da auch jedes Mal, mich erst meganeugierig zu machen um mich dann zappeln zu lassen, aber was Weihnachtsgeschenke angeht, habe ich im Lauf der Jahre eine gewisse Grundgelassenheit entwickelt.

Aber wenn Juli Neuigkeiten ankündigt... Da habe ich kein gutes Gefühl. Und jetzt muss ich tatsächlich VIER GANZE TAGE warten bis ich erlöst werde. Männer können echt so unsensibel sein. GRMPF

Nichtsdestotrotz, ein Gutes hatte die ganze Sache immerhin. Ich habe es heute tatsächlich geschafft 15 Kilometer zu laufen. Zwei Stunden in denen ich nicht darüber nachgedacht habe, was mich am Samstag erwartet. Okay, wir sprechen jetzt mal nicht über die ersten zehn Minuten in dem ich mich nackt unter ihm in seinem Bett gesehen habe... Verflucht noch eins, irgendwie fühlt es sich an, als würde ich mein Leben zurückbekommen.

02.08.2014 um 15:41 Uhr

Wenn es falsch ist...

von: blacksheep   Kategorie: Männer

... warum fühlt es sich dann so verdammt gut an?

Die Party endete nach Mitternacht. Juli und ich räumten auf und setzten uns danach noch ein wenig auf den Balkon. Laue Sommerabende mit Sternenausblick sollte man genießen wenn man die Möglichkeit hat. Trotzdem wurden wir irgendwann von der Müdigkeit eingeholt. Er ging ins Bad, ich genoss noch ein wenig den Ausblick. Ich ging ins Bad, er räumte die Stuhlkissen vom Balkon.

Juli: "Du schläfst aber jetzt schon im Bett?"

Es war mehr eine Feststellung als eine Frage. Ich grinste ihn an. Beim Aufräumen hatte ich schon gesehen, dass in seinem Schlafzimmer-Getränkelager eine zweite Garnitur Bettwäsche auf dem Bett lag.

Ich: "Ja, sonst müsste ich jetzt zum Auto gehen und die Klappmatratze holen und dazu habe ich keine Lust"

Juli: "Du hast eine Klappmatratze im Auto?"

Er schüttelte den Kopf. Das Licht im Wohnzimmer ging aus und wir gingen ins Schlafzimmer. Ich kroch unter meine Decke, er unter seine.

Juli: "Wer hätte das gedacht..."

Ich: "Dass ich schon wieder in deinem Bett lande..."

Juli: "Schon wieder? Wie das klingt..."

Ich: "Hast Recht. Das letzte Mal ist gefühlte hundert Jahre her."

Licht aus, schlafen. Ganz harmlos.

Mitten in der Nacht legt sich sein Arm schwer um mich. Ehrlich, ich hätte nicht gedacht, dass mich das so erschrecken würde dass ich beinahe aus dem Bett falle. Was allerdings mit der Tatsache geschuldet gewesen wäre, dass ich nur gefühlte 5% der Matratze zum Schlafen hatte. Ich hatte irgendwie verdrängt, dass er so ein einnehmendes Wesen hat wenn er schläft. Ich war einigermaßen wach und nahm mir die Zeit, über  meine Reaktion nachzudenken. Wegschubsen oder liegen lassen? Wegschubsen wäre auf Grund meiner privaten Situation objektiv wahrscheinlich die richtigste und einzig akzeptable Reaktion gewesen. Subjektiv gesehen fühlte sich liegen lassen aber einfach zu gut an. Also Augen zu und weiter schlafen.

6 Uhr früh.

Ich habe keine fünf Stunden geschlafen, aber ich bin hellwach und muss erstmal aufs Klo. Dann krieche ich wieder unter meine Decke. Es ist taghell und an Schlaf ist nicht zu denken. Ich liege still im Bett und sehe Julius beim Schlafen zu. Das ist wie damals beim "Babyfernsehen". Meine Schwester erzählte mir nämlich nach der Geburt eine ganze Weile, sie bräuchte keinen Fernseher mehr weil sie eh nur das Baby ansehen würde - also "Babyfernsehen". Juli sieht so friedlich und entspannt aus wenn er schläft, da kann man sich vorstellen wie seine Kinder später aussehen. Volle Lippen, Stupsnase... aber ohne lästige Bartstoppeln.

Meine Hand lag reglos in seiner und wenn ich die Augen zugemacht habe, wusste ich nach einer Weile nicht mehr ob meine Hand tatsächlich noch dort liegt oder nicht. Sie waren quasi miteinander verschmolzen.

Kurzes Blinzeln von Juli. "Wieso grinst du?"

Gegenfrage von mir: "Wäre es dir lieber ich würde traurig gucken?"

Daraufhin grinste er und schlief prompt wieder ein. Und ich guckte weiter "Juli-Fernsehen". Ich hätte nicht gedacht, dass es sich so anfühlen würde. Ich war sowas von tiefenentspannt.

Als ich morgens von "Urwaldgeräuschen" oder wie auch immer er seinen komischen Weckton bezeichnet, langsam aus meinen Tagträumen gerissen wurde, passierte etwas, das ich damals nie für möglich gehalten hätte. Ich wünschte mir sein krähendes Huhn zurück. Dieses Elend nervige Weckerungetüm das mich so oft so unsanft aus dem Schlaf gerissen hat. Der Vorteil des Weck-Huhns ist nämlich der, dass man ihm eins aufs Dach gibt und dann Ruhe ist. Die Urwaldgeräusche machten immer eine kurze Pause und fingen dann schon nach gefühlten zwei Minuten wieder an (tatsächlich waren es 5 aber was macht das schon für einen Unterschied?).

Eine 3/4-Stunde später als geplant quälen wir uns aus dem Bett.

Juli: "Bin ich eigentlich der erste Mann, mit dem du das Bett teilst seit du verheiratet bist?"

Ich grinse ihn an. "Ja. Wieso?"

Keine Antwort.

Juli macht Kaffee. Wir decken zusammen den Frühstückstisch.

Juli: "Warum bin ich eigentlich der Mann, der für die Premieren in deinem Leben zuständig ist?"

Ich: "Keine Ahnung. Zufall."

Juli: "Oder Schicksal."

Schicksal. Es klingt irgendwie merkwürdig wenn ein Mann in diesem Zusammenhang über Schicksal redet und ich zwinge mich, darüber nicht weiter nachzudenken. Ich habe genug damit zu tun, mich mit meiner dunklen Seite anzufreunden.  Aber er hat schon irgendwie Recht. Manchmal passieren Dinge, vor denen man einfach nicht weglaufen kann. Manche Dinge sollen einfach passieren. Wie sonst sollten wir lernen? Oder uns weiterentwickeln? Herausfinden wer wir sind, was wir wollen oder ob wir vielleicht einen Fehler gemacht haben den wir jetzt geraderücken sollten.

Mein Zeitfenster für den Weg zur Arbeit ist denkbar knapp kalkuliert. Jedenfalls wenn man bedenkt, dass Samstagmorgen ist und die halbe Welt jetzt einkaufen geht.

Ich: "Passt schon. Ich habe ein schnelles Auto. Und einen Bleifuß."

Juli: "Fahr vorsichtig, wir brauchen dich noch." Kurze Pause um dem Satzanhang mehr Gewicht zu verleihen. "Ich auch."

Juli ist sehr zurückhaltend was solche "Gefühlsäußerungen" angeht, deshalb wirkt dieser Nachsatz ganz besonders.

Zwei Stunden später erntet auf einem Campingplatz eine fröhlich pfeifende und singende Putzfrau im Waschhaus beim Putzen irritierte Blicke...

30.06.2014 um 13:21 Uhr

Ist das mein/sein Ernst?

von: blacksheep   Kategorie: Männer

Gestern war er da. DER Tag auf den ich mich so gefreut habe und vor dem mir gleichzeitig so gegraut hat weil man nie weiß, was einem mit ihm erwartet. 

Mein Treffen mit Julius.

Seit Mittwoch wusste ich schon, was ich anziehen wollte, auch wenn ich diese Planung nach einem spontanen Shoppinghalt am Samstag wieder über den Haufen geworfen habe. Aber hey, das macht man doch so wenn man das "perfekte" Outfit gefunden hat, oder nicht?

Nach der Party vom Samstag und einem ausgiebigen Frühstück am Sonntag, stand ich also bei meinem Vater im Bad. Frisch geduscht und sämtliche unnötigen Haare von meinem Körper entfernt, schlüpfte ich in die neue enge Jeans, das schwarze T-Shirt mit den weißen Tupfen (so fiftys look) und die hohen Schuhe. Dezentes Makeup damit ich nicht wie sonst so leichenblass im Gesicht aussehe, farbloser Lipgloss. Die Haare glatt und offen und die Glitzerohrringe in die Ohren. Zusammen mit den knallrot lackierten Fingernägeln war ich ausnahmsweise mal sehr zufrieden mit meinem Outfit.

Kommentar meines Vaters auf die Frage wie ich aussehe: "Gewöhnungsbedürftig."

Aber darüber muss man sich wohl nicht wundern, wenn man erst mit Ende 20 anfängt, hohe Schuhe zu tragen und mitte 30 werden muss um sich zum allerersten Mal (ungelogen) die Fingernägel in knallrot zu lackieren. Ansonsten hab ich alle Farben so ziemlich durch (sogar gelb obwohl das wirklich sehr scheußlich aussieht), nur knallrot hab ich mich nie getraut. Das ist so eine "guck her"-Farbe und ich fand das an mir irgendwie... nuttig ist das falsche Wort... hm... naja, ich wollte zwar hin und wieder, dass die Männer gucken, aber dass sie soooo gucken wollte ich auch nicht. Selbes Spiel mit knallrotem Lippenstift - traue ich mich immer noch nicht.

Pünktlich stehe ich auf dem Parkplatz, sein Auto ist noch nicht zu sehen. Ich hab Herzklopfen. Ich klappe die Blende herunter und ziehe mit einem Blick in den Spiegel noch mal den Lipgloss nach und denke mir "alter, was hab ich hier eigentlich vor?". Für meine Verhältnisse so deutlich aufgebrezelt dass es für jeden, der mich kennt nur einen plausiblen Schluss zu ziehen gibt: sie will den Kerl rumkriegen. Oder ihn zumindest heftig provozieren.

Ich denke für einen Moment darüber nach, den Schlabberpulli aus dem Koffer über mein Shirt zu schmeißen und die Ohrstecker rauszunehmen und die roten Nägel zum "Überbleibsel der Party gestern" zu erklären. Ich hab mal wieder Angst vor der eigenen Courage. Jetzt stell dich mal nicht so hasenfüßig an, schimpft meine innere Stimme die mich des öfteren zu irgenwelchem Unsinn anstiftet, wenn du mal ehrlich bist, willst du das doch. Du willst, dass er dich so sieht und denkt "Alter ist die heiß" und dass er dann nochmal genauer hinsieht und denkt "die würd ich gerne..." HALT DIE KLAPPE! faucht meine Vernunft und versucht, mich auf dem Pfad der Tugend zu halten. Wie gesagt, sie versucht... Was soll denn schon groß passieren? Er wird dich nicht mitten in der Eisdiele aus den Klamotten zerren und dich an Ort und Stelle flachlegen. Und sich ein paar Streicheleinheiten fürs weibliche Ego abzuholen ist ja nun wirklich nichts schlimmes. Genau. So ist es. Es besteht also kein Grund, das Drama schon anzufangen bevor überhaupt raus ist, dass es eins geben wird.

Julius ist ziemlich pünktlich, der blumige Duft des Bodysprays den ich mir dezent in den Ausschnitt gesprüht habe ist noch nicht ganz verflogen. Wir begrüßen uns mit einer Umarmung und finden einen Tisch, der nicht mitten im Geschehen ist. Wenig später stehen die Eisbecher vor uns auf dem Tisch und während wir löffeln, reden wir. Über alles mögliche. Natürlich starten wir mit dem allgemeinen Smalltalk. Was macht die Firma, wie läuft dein Studium, und so allgemein, wie sieht es bei dir beziehungstechnisch aus bis er dann diese eine Frage stellt.

Und wie sieht es mit eurer Familienplanung aus?

Mein Hirn arbeitet im Fast Forward-Modus. Themawechsel, die Wahrheit oder die ganze Wahrheit? Wohin will ich dieses Gespräch lenken? Will ich es wirklich in DIESE Richtung lenken? Hm. Zeit schinden.

Ich: "ja, das ist nicht so'n leichtes Thema"

Er: "Aha" (er ist zwar interessiert aber nicht so neugierig dass er mich zum reden drängen würde)

Ich erzähle ein bisschen von dieser Kinderwunschgeschichte und schon ist dies ein allgemeines Thema. Man kennt jemanden der auch... und so. Seine Reaktion ist okay und ich werde irgendwie abenteuerlustig.

Ich: "Ja, wenn man darüber mal zuviel nachdenkt, kommt man schon manchmal auf komische Ideen. Ich meine, ich könnte ja billiger an ein Kind kommen (da waren wir gerade mit dem Thema Kosten zugange), ich müsste mir bloß nen Kerl besorgen..."

Er: "Und ich hätte nicht mal was damit zu tun."

Ich (emotionslos bzw. neutral): "Eben, da ich ja verheiratet bin wäre es rechtlich gesehen das Kind von meinem Mann."

Das Gespräch läuft völlig normal weiter als würden wir uns das Wetter oder Arbeitsmarktpolitik unterhalten, wir trinken den ersten Kaffee und ich verabschiede mich irgendwann  mal kurz um auf die Toilette zu gehen. Zwei Minuten Unterhaltungspause, die Stille auf dem "stillen Örtchen" und plötzlich...

KLINGELING! JEMAND ZU HAUSE? HAST DU MITGEKRIEGT WAS ER DA GERADE GESAGT HAT?????

Mein Hirn fängt an zu rattern und bleibt an einem Wort hängen: "Ich" Genau das hat er gesagt. "Ich". "Ich hätte damit nichts zu tun"

HAALLOOOOOO????? HAST DU GESCHNALLT WAS HIER ABGEHT?????

"Ich hätte damit nichts zu tun" Der Satz schwirrt mir im Kopf herum. Er hat mir jetzt doch nicht allen Ernstes zu verstehen gegeben, dass er???? Nein. Nicht wirklich. Oder doch? "Ich hätte damit nichts zu tun".

Der Typ würde dir ein Baby machen, ja, nervt mich meine innere Stimme, er  hat dir gerade verklickert, dass du nicht suchen brauchst. Er steht zur Verfügung. Gut, er hat es nicht direkt gesagt, aber wie lange kennst du ihn jetzt? Ewig. Und wie oft hat er Dinge getan von denen du niemals erwartet hättest, dass gerade er sie tut? Eben. Hör auf meine Worte und denk mal drüber nach.

21.06.2014 um 16:40 Uhr

Kopfkino

von: blacksheep   Kategorie: Männer

Letzte Nacht habe ich durchgemacht. Ich saß ein meinem Büro am Schreibtisch und wollte nicht ins Bett weil ich noch nicht müde war und nachdem ich dann alle News im Fratzenbuch, sowie alle emails und wichtigen Blogeinträge gelesen hatte wurde mir langweilig. Da dachte ich mir, ich guck mich mal in einem Chatroom um und sehe wer sich da so rumtreibt. Zugegeben, es war ein "Erotikchatroom" wenn man es denn so nennen will, wobei die meisten Typen von denen man da so angeschrieben wird, Null Phantasie haben. Drei Sätze und schon kommt man sich vor als hätte man die Hauptrolle im billigsten Porno ever.

Aber dann tauchen sie auf. Die Nachtschwärmer. Die sich kurz vom lernen ablenken wollen, gerade von einem Date kommen oder aus sonstigen Gründen nicht schlafen können. Die entweder einfach neugierig sind, mal wieder was zum lachen brauchen oder das tun, was ich dort tue:

Die Nadel im Heuhaufen suchen.

Manchmal hat man Glück und wird nicht sofort nach der Größe der Oberweite und dem Vorhandensein von Schambehaarung gefragt. Die richtig interessanten Kandidaten fragen erst spät bis gar nicht nach Alter, Aussehen und Beruf oder gar dem "real name". Mit denen redet man wie bei einem "normalen" Date stundenlang über Gott und die Welt bevor man (wenn überhaupt) zum erotischen Teil übergeht.

Ich liebe es.

Wenn man "ihn" gefunden hat, ist das wie mit einem guten Buch, man möchte einfach nicht aufhören zu lesen. Und sogar im chat bin ich da echt pingelig. An das ewige kleingeschreibe kann ich mich ja gerade noch gewöhnen und Buhcstabendreher :) passieren mir auch - aber wenn es vor Rechtschreibfehlern nur so wimmelt vergeht mir total die Lust.

Die guten Gespräche speichere ich ab. Sie zu lesen hilft mir wahnsinnig weiter wenn ich an meinem Roman sitze und versuche, den Protagonisten unterschiedliche Sprechweisen zu verpassen. Jemand der gebildet ist und einen guten Job hat sagt nunmal nicht ständig "ey Alte, lass ficken".

Anonymität macht frei. Man kann sein wer man will und was man will, man kann tun was man will und jemanden einfach wegklicken wenn man genervt ist (was im richtigen Leben ja auch manchmal wünschenwert wäre...). Ich habe ja oft ein ziemlich loses Mundwerk, aber in der realen Welt werde ich ziemlich schweigsam wenn jemand versucht mit mir intensiv über Sex zu reden. Ich bin auf dem Gebiet ein wenig gestört (danke, Mama) aber ich arbeite dran und es wird ständig besser, aber manchmal wünschte ich mir, ich bräuchte nur einen Schalter umlegen und könnte mal so richtig wilde Sau spielen. Einfach nur um zu sehen wie das ist.

Im Chat geht das. Zack, Schalter um und ich bin die kleine Schwester deines besten Freundes die du ohne sein Wissen flachlegst, das Luder das immer nackt auf dem Balkon gegenüber steht und an sich rumspielt während du zusiehst,  die Schlampe die für jeden die Beine breit macht wenn sie gerade Lust drauf hat, die Angestellte die unterm Schreibtisch vom Chef hockt und ihm einen bläst oder was auch immer. Willig, tabulos, dauergeil.

Zugegeben, am Anfang hatte ich das Gefühl, sogar in der Einsamkeit meines abgeschiedenen Büros rot zu werden, wenn ich Sätze wie "ich will dass du mich leckst" , "oh gott, jaa, besorgs mir" oder "fick mich richtig hart" getippt habe. Es wollte auch einfach nicht in meinen Kopf rein, dass Männer sowas hören wollen, aber ich werde inzwischen so oft nach realen Treffen, meiner Telefonnummer oder zumindest der Mailadresse gefragt, dass ich denke ich muss wohl ziemlich gut "mit Worten ficken" können. Zumindest so lange ich sie nur tippen und nicht aussprechen muss.

Nein, ich gebe natürlich niemandem meine Telefonnummer, ich zeige mich nicht vor der Kamera, ich treffe mich auch nicht mit einem von ihnen und wenn ich eine mailadresse rausgebe, dann natürlich nicht die "Standardadresse". Ich habe meine Prinzipien.

Mein "Lieblingsliebhaber" ist (so behauptet er jedefalls) 20 Jahre alt. Ich glaube ihm das sogar weil der Sex den wir miteinander haben noch so unschuldig ist. Zwar auch laut und leidenschaftlich, aber mit ausgiebigem Vorspiel und kuscheln hinterher. Er ist auch der einzige, mit dem ich  bislang öfter gechattet habe, quasi eine virtuelle Affäre. Das mag der eine oder andere vielleicht für verwerflich halten, aber ich finde ja, jeder muss selbst für sich entscheiden auf welche Weise man glücklich wird. Und dazu  muss man eben manchmal viel herumprobieren.  Ich meine, manche Männer gehen heimlich in den Puff obwohl sie ne Frau haben. Julius hat mich mal gefragt was ich tun würde, wenn mein Partner beim Sex etwas will was für mich absolut nicht in Frage kommt. Meine Antwort war, dass ich ihm die Wahl lassen würde entweder darauf zu verzichten oder zu einer Prostituierten zu gehen und sie dafür zu bezahlen. Man bekommt doch sowieso nie zu 100% das, was man will, warum sollte man sich das, was fehlt, dann nicht woanders holen?

22.10.2013 um 17:51 Uhr

Gerüchteküche

von: blacksheep   Kategorie: Männer

Stimmung: amüsiert - nachdenklich

Nachdem meine Freundin mich ne gefühlte Woche mit "alles okay bei dir"-Nachrichten zugemüllt hat obwohl ich schon beim ersten Mal mit "mir gehts gut alles okay" geantwortet hatte, bin ich mal auf nen Kaffee bei ihr vorbei gefahren.

Es stellte sich heraus, dass es (mal wieder) um Jan ging. Das Gerücht ich hätte was mit ihm hält sich hartnäckig und wurde nun durch folgende schräge Geschichte befeuert:

An einem Samstag fand bei Madame X eine Party statt, auf der auch Jan war. Zumindest so lange, bis er eine SMS bekam und auf einmal ganz dringend weg musste. Kurz darauf fuhr ich mit meinem Auto am Wohnzimmerfenster des Partyhaushaltes vorbei. Auf SMS-Nachfrage erklärte Jan er sei "beschäftigt" und, nein, nicht mit der Freundin sondern "anderweitig". Laut Gastgeberin anderthalb Stunden später war Jan zurück auf der Party und wenig später sei ich wieder dort vorbei gefahren. 

Was Jan angeht, mag das mit den anderthalb Stunden ja hinkommen, aber ich bin definitiv nach spätestens einer halben Stunde wieder dort vorbeigefahren (ich war an besagtem Abend nur kurz weg um meinen Mann von einer anderen Party abzuholen).

Naja, jedenfalls meinte die noch halbwegs neue Nachbarin meiner Freundin, sie hätte auch schon gehört, dass ich und Jan was hätten.

Der spricht allerdings nur mit mir, wenn wir allein sind. Was laut Gerüchteküche unsere Taktik ist damit niemand auf die Idee kommt wir würden uns besser kennen. Nee, klar.

Was meine Freundin zusätzlich auf die Idee gebracht hat, es könne doch etwas wahres an dem Gerücht dran sein ist der Spruch den ich neulich gemacht habe, so nach dem Motto "was ich Jan texte werde ich euch sicher nicht auf die Nase binden" nachdem ich ne Ewigkeit damit aufgezogen bin ich würde ständig mit Jan texten. Und da dachte ich, wenn sowieso keiner an der Wahrheit interessiert ist, kann ich ihnen genauso gut erzählen was sie hören wollen, dann ist wenigstens Ruhe.

Was ich mich nun Frage ist, ob Jan von diesen Gerüchten auch was mitbekommt und wenn ja wieviel (ich gehe davon aus, denn beim Schützenfest hat er mir ja auch erzählt er hätte wegen dieser "Sache" einen Vortrag gehalten bekommen). Ebenso würde mich interessieren, ob er es nicht manchmal ein wenig macht wie ich und den Leuten erzählt was sie hören wollen damit er Ruhe vor diesem Thema hat. Mal sehen, vielleicht treffe ich ihn ja bei den Vereinsmeisterschaften.