Hier, am anderen Ende der Welt, gibt es phänomenale Landschaften wie den “Herrn der Ringe” und ein Leben abseits der europäischen Eile und der Probleme, die heute den Westen verschlingen. Aber Neuseeland ist sicherlich kein Paradies auf Erden. Es ist nicht für Blindfahrten geeignet und ist für Familien manchmal zu teuer, um von einem einzigen Gehalt zu leben. Es kann auch Menschen enttäuschen, die Modernität und Komfort erwarten.

Ein Neuseeland Reisebericht

Nach vier Tagen Auckland habe ich die Flucht aus der Grossstadt ergriffen und mich in den Bus nach Turangi gesetzt, wo ich mich mit Vera verabredet hatte. Dort verbrachten wir drei wunderschöne Tage und schauten uns unter anderen, den Drehort Mordor und den Schicksalsberg aus dem Herr der Ringe Film an. Ebenfalls machten wir eine lange Flusswanderung und nahmen ein eiskaltes Bad in selbigem vor.

Aus Turangi fuhren wir mit dem Daumenexpress erst nach Palmerston North mit Bill und wurden danach von Dave aufgelesen, der uns bis nach Wellington mitnahm. Bill, der Halbmaori ist, erzählte uns eine Menge über die Geschichte des Landes und die Maoris. Dadurch wurde die Fahrt angenehm kurzweilig und als wir ausstiegen, lud er uns ein ihn auf unserem Rückweg in Coromandel zu besuchen. Mal gucken, vielleicht klappt das ja. Wäre eine schöne Möglichkeit um Flunder fischen zu lernen. Dave fragte uns, als wir Wellington erreichten, ob wir nicht für ein paar Naechte bei ihnen schlafen wollten. Er habe gerade mit seiner Frau telefoniert und diese hätte vorgeschlagen, dass wir mit zu ihnen kommen könnten und dort für eine Zeit wohnen dürften. Auch wenn es ein ungewöhnliches Angebot war, nahmen wir es gerne an und verbrachten 2 Nächte bei Dave und Lefki, ihren zwei Kindern und einem seeeeehhhhhrrrr haarigen Hund. Die Zeit verging wie im Flug und wir bekamen immer wieder angeboten länger zu bleiben. Am ersten Abend machten wir einen langen Spaziergang am Strand mit Mistz und den nächsten Tag nutzten wir um mit den Fahrrädern Wellington zu erkunden, uns im Te Papa Museeum zu bilden und uns ansonsten die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen.

Anschliessend gings mit der Fähre nach Picton, wo wir unsere Rucksaecke mit Verpflegung auffuellten und nach einer Nacht in eine viertägige Wanderung in die Marlborough Sounds aufbrachen. Vera und ich, zwei schwere Rucksäcke und jede Menge wunderschoene Landschaft, Ausblicke, Eindrücke. Das einzige was wir verplant hatten, war eine richtige Menge an Lebensmitteln und so stellten wir schnell fest, dass es eng werden könnte. (Nein, wir haben kein Weka getöteten und es zum Abendessen verspeist 😉 auch wenn Vera kurz davor war)
Zurück vom Track gab es erstmal ein riesiges Abendessen und anschließend den besten Hot Chocolate Pudding mit Vanille Eis den wir uns wünschen konnten.
Den folgenden Tag verbrachten wir faulenzender Weise in Picton und machten es uns abends im Hostel eigenen Hot Pool gemütlich. So lässt es sich definitiv leben.

Vier Tage wandern auf dem Abel Tasman Coastal Track liegen hinter uns und wir sind wieder in der Zivilisation. Zumindest temporär; also rein, duschen, waschen, proviantieren und schnell wieder weg in die Wildnis.

Haben uns die Füße wund und den Buckel krumm gelaufen und grinsen um beide Ohren. Waren im Urwald, an Wasserfällen und großartigen Stränden mit noch größerer Aussicht und bevor jetzt noch Postkarten Gedöns kommt sprechen die Bilder.

Direkt nach dem letzten Eintrag flott in den Supermarkt, mit Seth aus Montana und Rick aus Belgien, die wir auf dem Abel Tasman Track eingesammelt haben (eine andere lange Geschichte), für Veras Geburtstag eingekauft (VIEL), uns alle in unser frisch erworbenes Auto gepackt und zu den Nelson Lakes gecruised. Touris machen das so mit 50-80km/h (Henning ist gefahren, ob mans glaubt oder nicht). Abgesehen von diversem Sandfly schlachten (fiese kleine Biester und die jucken die Bisse) eine zünftige Feier am See mit extrem lecker Essen (wir sind seit Tagen weit vom Backpacker-Futter entfernt).

Nächsten Tag dann gemütlich den halben Tag verhängt und auf dem letzten Tropfen Sprit die erstbeste Tanke auf dem Weg nach Westport angelaufen. Andere Entfernungen hier von Sprit zu Sprit dafür nicht mal halb so teuer wie in D. In Westport dann Vera, Seth und Rick am Straßenrand “ausgesetzt”, weil die noch weiter gen Süden hitchhiken wollten und wir sind weiter in den Norden nach Hector in das schönste Hostel und einen der tollsten Orte auf Erden. Der geneigte Leser lasse sich vom Namen “Old Slaughterhouse” nicht irreführen. Es ist einfach der Hammer. Auf einem Hügel über dem Pazifik, mit einer traumhaften Aussicht ueber selbigen (Fruehstueck auf der Veranda mit Meerblick ;)), ein Haupthaus mit Küche, Wohnzimmer und den sonstigen Bedürfnissen und zwei Nebengebäude mit den Schlafgemächern, alles aus Holz und urgemütlich ohne oll zu sein. Dazu die nettesten Gastgeber, einfach zwei tolle Menschen (Daneben noch zwei Hunde und eine Katze, die wahren Herrscher ;)).

Die nächsten Tage haben sich dann gestaltet als eine Mischung aus Lesen (wir beide), Tagebuchschreiben-aufholen (Rike), dekadent Kochen/Frühstücken/Mittendrin-essen, bei schlechtem Wetter am Strand spazieren, bei Sonne am einsamen Strand gammeln, den Wellen lauschen, nette Menschen treffen, reden, spielen, gemütlich mit allen zusammen Sylvester genießen, Barbecue, noch mehr Barbecue, entspannen, chillen, hängen – sucht euch einfach ein Wort aus, dass für euch totales Seele baumeln lassen bedeutet und denkt den Ort dazu an dem ihr das am besten könnt.

Damit sind wir auch fast schon wieder im Jetzt. Heute wieder nach Nelson gefahren, jetzt im hier und morgen sammeln wir Gero ein (Rikes Bruder kommt aus Australien rüber) und dann hoch nach Takaka ins Hippie-Dorf. Werden wohl so 2-3 Nächte da oben bleiben und dann gibt’s den Plan, dass Rike und Gero den Heaphy Track gen Westen machen und Henning mit dem Auto wieder in das (sein) Traumhostel fährt und die beiden dann am Ende vom Track aufgabelt damit Gero auch in den Genuss dieses schönen Ortes kommt.

Wie schon im letzten Artikel angemerkt haben wir Rikes Bruder einen Tag spaeter am Nelson Airport eingesammelt. Der gute ahnte nichts von seinem Glueck und dachte er muesste selber zushen wie er nach Takaka kommt. Da Rike und Gero sich schon seit langer Zeit nicht mehr gesehen haben war die Freude natuerlich gross und Henning hat damit endlich die ganze Aderkassche Familie kennengelernt.

Dann weiter nach Takaka und Gero im Hostel abgelegt (schoen absnorcheln), riesen Salat als dinner und am naechsten Tag auch schnell raus aus dem Laden. War eins von den Hostels in denen man nicht mehr als eine Nacht bleiben muss. Der Plan war dann eigentlich weiter zum noerdlichsten Punkt der Suedinseln an den Farewell Spit zu fahren aber Rike hatte noch ein kleines shopping Beduerfnis, dass sich dann auf Henning und Gero uebertragen hat und so haben wir den Rest des Tages mit Klamotten shoppen in Hippie Laeden verbracht. Nebenbei noch den organic Laden gestuermt (Bio ist hier mind. so gross wie in Deutschland aber viel frischer … LECKER) und sogar noch die Einkaeufe fuer die naechsten Tage auf die Reihe gekriegt.

Die naechste Nacht fand uns dann weiter im Norden im Shambhala Hostel welches zwar sehr schoen gelegen ist und auch eine nette Hippie Atmosphaere hat aber die Grundgemuetlichkeit vermissen laesst, die es einem im Old Slaughterhouse so schwer macht wieder zu gehen. Dafuer waren wir dann auch mal ein bisschen frueher unterwegs und sind endich zu einem der schoensten Straende westlich vom Farewell Spit gekommen. Riesige Felsen mit Hoehlen zum erkunden (und auf der anderen Seite wieder rausbuddeln), tolle Fotogelegenheiten, mal wieder schnarchende Seeloewen und ganz generell eine wunderschoen lockere, froehliche Stimmung und nichts als Quatsch im Kopf haben uns da oben einen wahren Hammer-Tag beschert. Der Wind hat uns zwar mit Sand geschmirgelt aber das Knirschen zwischen den Zaehnen wurde irgendwann Nebensache. Fuer die naechste Nacht haben wir unser Lager auf einer kleinen Wiese am Strand aufgeschlagen und unter den Sternen geschlafen. Warm genug ist es auf jeden Fall hier, nur Rikes Schlafsack ist zu duenn (sagt sie) dafuer ist Hennings zu dick. So einfach loesen sich vermeintliche Probleme.

Mit entsprechend blendender Laune ging es dann wieder runter, erstmal zu den Pupu-Springs ihreszeichens die klarsten Suesswasserquellen der Welt. Zum Glueck konnten wir uns das wunderschoene Bild ansehen, dass sich uns dort bot aber leider konnten wir nicht testen wie gut das Wasser wirklich ist, da jeder kontakt damit verboten ist. Dydimo, eine angressive eingeschleppte Alge, die in vielen Gewaessern Neuseelands Probleme bereitet, soll sich nicht auch noch dort ansiedeln koennen. Dann vorbei an Takaka und Motupipi, was bei Rike leichte Lachkraempfe ausloeste, zu einer kurzen Runde Seekajak fahren. Henning hat sich in der Zwischenzeit im Auto backen lassen und sein Messer an einem Stueck Treibholz geschaerft. Danach noch schnelles shoppen fuer den Heaphy Track und wieder weiter zurueck in den Norden um auch die naechste Nacht wieder unter freiem Himmel, diesmal aber an anderer Stelle und direkt im Strand Sand zu verbringen.

Der naechste Tag bedeutete dann eine Trennung fuer vier Tage, damit sich Rike und Gero auf dem Track die Fuesse wund laufen konnten und mal ganz Zeit fuer sich hatten. Nachdem unser braves Auto 30 km Schotterpiste und 6 Furten ueberstanden hat nahm Henning es dann mit an die Westkueste um die naechsten Tage wieder im Old Slaughterhouse zu verbringen. Es muss schon ein schoener Platz sein wenn man ein Gefuehl von nach Hause kommen bekommt. Leider am Tag der Ankunft zu spaet fuers Barbeque dafuer die naechsten Tage wieder weit jenseits von Backpacker Mahlzeiten.

Rike und Gero haben den Track dann auch sehr genossen und wurden mit strahlender Laune von Henning in Karamea am Ende des Tracks eingesammelt. Trotz der schier unertraeglichen Gegenwart der Sandflies mussten die beiden dann erstmal in den Fluss springen um sich nach dem recht anspruchsvollen Marsch zu erholen. Die naechsten Tage haben wir dann entgegen unseres urspruenglichen Plans noch in unserem Traumhostel verbracht, dass Leben genossen und einfach nochmal wieder die Seelen baumeln lassen.

Nachdem wir uns dann tatsaechlich lossreissen konnten haben wir gestern Maruia Springs als naechstes Ziel angepeilt. Kurz Maruia, was in Deutschland in Fleck auf der Landkarte wäre, hier aber als Dorf durchgeht, haben wir dann auch gefunden wonach wir suchten: Hot Springs. Der Schwefelgeruch der uns auf einem kleinen Parkplatz am Fluss in die Nase stieg wies uns den Weg und so konnten wir tatsaechlich mitten in der Natur in wunderbar heissem Wasser liegen, uns zwischendurch im eiskalten Fluss abkühlen und sind damit sogar für kurze Zeit den Sandflies als allgegenwaertigen Plagegeistern dieses Landes entkommen.

Womit wir mal wieder im hier und jetzt angekommen wären. Hat zwar ein bisschen gedauert bis dieses update endlich zu Stande gekommen ist aber Internet ist hier nicht so allgegenwärtig wie man es z.B. aus Deutschland kennt. Wir sind gerade in Kaikoura an der Ostküste, werden morgen nach Picton fahren und die Fähre nach Wellington auf die Nordinsel nehmen und dann schauen wir mal was wir in der verbleibenden Zeit noch von unseren Ideen verwirklichen können und wo es uns genau hin verschlägt. In jeden Fall geht es uns mehr als nur gut, und wir hoffen das das auch für unsere Leser gilt. Ansonsten (und generell und überhaupt) freuen wir uns von euch zu hören. E-Mails, Kommentare hier im Blog, Telefone, Briefe, Postkarten, Rauchzeichen, so viele Möglichkeiten.

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