+Stefan+
Musik: Fields of the Nephilim - Last exit for the lost
Ich denke oft an Stefan, vor allem, wenn mir Menschen begegnen, die ihm sehr ähnlich sind. Stefan war ein ganz besonderer Mensch. Ich sah ihn zum ersten Mal in der Disco. Von Kopf bis Fuß in irgendwelche schwarzen Tücher gewickelt. Er stand in der dunkelsten Ecke, redete mit keinem Menschen. Einmal stand ein Mädchen neben ihm und schien mit ihm zu reden. Aber es sah nicht so aus, als würde er ihr antworten. Später musste ich feststellen, dass es auch so war. Sie war seine beste Freundin und er redete einfach nicht mit ihr, weil ihm nicht danach war. So war Stefan. Ein totaler Gefühlsmensch. Aber er liebte mit seinem ganzen Herzen. Er konnte es oft nicht zeigen oder sagen, aber seine Freunde und seine Liebe waren alles für ihn und sie beeinflussten seine Gefühle stark. Mit Stefan habe ich dann zum ersten mal geredet 4 Monate nachdem ich ihn zum ersten mal sah. Ich hatte total Angst ihn anzusprechen. Er war so unnahbar! Ich hab ihn vollgeblubbert, als ich es dann endlich übers Herz brachte. Ich hab nicht mehr aufgehört zu reden. Später sagte er mal zu mir er habe einen furchtbaren ersten Eindruck von mir gehabt und sich später gewundert, dass ich auch ganz normal sein kann. Ich liebte ihn seit diesem ersten Gespräch, obwohl fast nur ich geredet habe. Die drei Worte die er sagte waren wie Musik in meinen Ohren. Vorher war es nur eine Schwärmerei. Danach schrieben wir uns fast täglich Briefe (damals gab es zum Glück noch kein Internet) Seine Briefe hab ich immernoch. Sie sind mit Wachs versiegelt in einer Schachtel. Ich will sie irgendwann mal öffnen, wenn ich mit der Liebe meines Lebens zusammen bin und unendlich glücklich. Erst dann trau ich mir zu, dass ich es heil überstehe. Stefan wusste nach dem ersten Gespräch recht schnell, dass ich ihn sehr lieb hatte und mir mehr wünschte. Es wurde nicht mehr, es wurde eine ganze Zeit nicht mehr daraus. Es wurde erst einmal eine Freundschaft und ich bekam keine Info, warum es nicht mehr wurde. Nach weit mehr als einem Jahr hat er mich dann einmal abends überraschend besucht. Er kam unangemeldet, das war nicht typisch. Er hat die Nacht bei mir verbracht und wir haben gekuschelt. Es war wunderschön und es war einfach nur richtig. Es hat noch einmal fast 6 Monate gedauert bis wir zum ersten mal richtig miteinander Sex hatten. Es war mein erstes Mal und es war sehr schön. Wir hatten nie eine Beziehung ohne Probleme. Er war ein schwieriger Mensch, sehr emotional und ich war und bin das auch. Aber wir haben uns geliebt. Sehr oft hab ich geweint und er auch. Sehr oft haben wir dann auch zusammen geweint nachdem wir gestritten haben. Er war oft brutal sowohl körperlich, als auch in Gefühlsdingen, aber ich weiß jetzt, es war die Liebe, die er so zeigte. Nicht das jetzt einige denken, er hat mich einfach so mit Absicht geschlagen. Nein, es geschah oft wenn wir aus Spass rauften, dass er nicht merkte, wie er immer heftiger wurde. Meist blutete dann ne Nase oder ich hatte fürchterliche blaue Flecken überall. Aber ich vermisse das auch. Egal wie sehr ich mich verändert habe. Ich bin immernoch die gleiche unvernünftige, raufsüchtige und emotionale Claudi wie früher. Stefan hat mich dann irgendwann einmal betrogen. Für ihn waren Sex und Liebe immer zwei verschiedene Dinge. Ich fand es erst monate später heraus. Für mich ist eine Welt zusammen gebrochen und ich machte Schluss. Er lies sich nichts anmerken und wir blieben Freunde. Irgendwann telefonierten wir als ich schon längst mit dem Oswald zusammen war. Und da weinte er. Ich hab gedacht mir zerreißt es das Herz. Das zeigte mir, dass ich ihn immernoch liebte. Einmal lange Zeit danach waren wir einmal nachts zusammen schwimmen am See. danach lagen wir am Strand und haben uns geküsst. Ich denke ich hätte damals die Möglichkeit gehabt wieder mit ihm zusammen zu sein. Aber ich bin noch da...und das nur weil ich das nicht gemacht hab. Stefan hat sich umgebracht. Wenn ich damals mit ihm zusammen gewesen wäre, ich wäre jetzt auch tot. Es war so schon schlimm genug für mich. Es war, als wäre ein Teil meines Herzens gestorben mit ihm. Dieser Teil ist auch lange nicht mehr ins Leben zurück gekehrt. Erst jetzt wieder, seit ein paar Monaten ist dieser Teil wieder da. Ich kann jetzt an Stefan denken, ohne das er mir fehlt. Er ist eine wunderschöne Erinnerung geworden und ich liebe ihn immernoch, aber ich habe ihn losgelassen und ihm einen Sonderplatz in meinem Herzen überlassen.
das schrieb er mir am Ende seines ersten Briefes (teil des Textes von Fields of the Nephilim-Last exit for the lost): Would you pay life's pleasures to see me. Does it hurt for I want you to remain
Zum Gedenken an Stefan Baumert




lG
Traurig!
Wie lange ward ihr den zusammen?
Wie lange war eure Beziehung schon beendet, als er sich das Leben nahm?
Lg, mit stärkender Kraft bei Dir!
Aber es ist ganz komisch, wie ich mich oft verfolgt und beobachtet glaube von irgendwelchen Krähen. Im Gebirge habe ich mal den äusserst seltenen Kolkraben ziemlich aus der Nähe sehen dürfen, weil er sich direkt neben mich auf einen Baum setzte. Da wurde mir ganz anders!
wie es seiner mutter ergehen würde und allen anderen, die er hinterläßt...
vielleicht wäre er versöhnlicher mit der welt geworden, hätte er sich nur ein paar jahre mehr zeit gelassen. ich sehe ja an mir wie ich mich verändere, wie alles einfacher wird mit den jahren. vielleicht hätte sein schmerz auch nachgelassen.
aber all diese gedanken habe ja nun keinen sinn mehr. wir müssen uns unsere realität irgedwie hinbiegen und schönreden damit es für uns weiter geht.
und irgendwie ist er ja doch auch immer noch da.
ja...für mich wird er immer da sein und auf mich aufpassen und auch meine Tränen ab und zu kullern lassen so wie jetzt.
lieben Gruß!
aber dieser idealismus war ja auch wieder eine sache, die ihn so liebenswert gemacht hat.
wenn ich am grab bin, denke ich oft: das hast du jetzt davon. ich bin sicher so hätte er das nicht gewollt. ich meine ich weiß natürlich, daß er verbrannt werden wollte und seine asche anonym verstreut werden sollte, aber daß er jetzt in der prallen sonne liegt auf dem spießigsten friedhof der welt hätte ihm sicher keine freude gemacht.
schönen gruß
Ganz schön krass, wenn ich mir das heute zurück erinnere. Vielleicht soll es eine Lehre sein? Vielleicht soll das zeigen, dass es meist anders kommt, als man denkt. Nein, es hätte ihm keine Freude gemacht und ich bin sicher es macht ihm keine Freude, das es so ist wie es ist. Und jede Hilfe, die ich erfahre, von der ich nicht weiß woher sie kommt, die deute ich als Hilfe aus dem Jenseits. Die kreativen Träume, die ich habe. Die Intuition, die mir so oft hilft. Die (manchmal unheimliche) Kraft, die mich immer wieder befällt und mich weiter machen lässt, wenn ich kurz davor bin zu kapitulieren. Ich denke, dass ist die Kraft aus dem Jenseits, oder auch nur mein Gedenken an ihn und was ihm geschehen ist...ich rede wirres Zeug. Das kannst du glaub ich nicht verstehen, selbst wenn du es wolltest ;-)
Claudi