Letzte Eindruecke
Lieber 284,
morgen geht es nach Hause. Endlich. Schon.
Das Fremdgefuehl ist verschwunden. Bis auf das Essen finde ich es sehr schoen hier. Aber laenger einfach so rumliegen koennte ich wahrscheinlich auch nicht.
Was wird zu Hause sein? Werde ich die Gelassenheit und Entspannung beibehalten koennen. Ich fuerchte nicht. Schon jetzt muss ich ja manchmal ganz schoen mit mir kaempfen, um Dich nicht mit sinnlosen Fragen zu loechern und das von hier aus, wo es doch recht teuer ist, zu telefonieren.
Ich hoffe so, dass ich es schaffe. Dass ich Abstand zwischen meinen Gefuehlen zu Dir und zu unserem Zusammenleben bringen kann. Du musst Deinen Weg gehen. Ich kann Dich nicht mit Worten oder Taten irgendwie beeinflussen. Und ich muss auch meinen Weg gehen. Ich weiss nicht wohin. Ich denke, irgendwann wird etwas in meinem Leben passieren, was mir eine neue Richtung zeigen wird. Aber ich kann und ich will es nicht erzwingen. Also warte ich, wenigstens noch ein Weilchen. Worauf weiss ich nicht. Nicht auf Dich, jedenfalls nicht ausschliesslich. Auf einen Anderen, keine Ahnung, momentan nicht vorstellbar fuer mich. Vielleicht habe ich ja auch schon gefunden, worauf ich warte, vielleicht ist mein Beruf, dass was mich erfuellt und die Kontakte die sich daraus ergeben werden. Ich weiss nicht. Ich weiss es einfach nicht. Aber vielleicht muss ich auch nicht immer alles wissen.
Morgen bin ich wieder da. Ich habe ein wenig Angst davor.
Aber ich liebe Dich, noch immer.
Deine 220
