Briefe an 284

21.08.2006 um 21:09 Uhr

Letzte Eindruecke

von: 220

Lieber 284,

morgen geht es nach Hause. Endlich. Schon.

Das Fremdgefuehl ist verschwunden. Bis auf das Essen finde ich es sehr schoen hier. Aber laenger einfach so rumliegen koennte ich wahrscheinlich auch nicht.

Was wird zu Hause sein? Werde ich die Gelassenheit und Entspannung beibehalten koennen. Ich fuerchte nicht. Schon jetzt muss ich ja manchmal ganz schoen mit mir kaempfen, um Dich nicht mit sinnlosen Fragen zu loechern und das von hier aus, wo es doch recht teuer ist, zu telefonieren.

Ich hoffe so, dass ich es schaffe. Dass ich Abstand zwischen meinen Gefuehlen zu Dir und zu unserem Zusammenleben bringen kann. Du musst Deinen Weg gehen. Ich kann Dich nicht mit Worten oder Taten irgendwie beeinflussen. Und ich muss auch meinen Weg gehen. Ich weiss nicht wohin. Ich denke, irgendwann wird etwas in meinem Leben passieren, was mir eine neue Richtung zeigen wird. Aber ich kann und ich will es nicht erzwingen. Also warte ich, wenigstens noch ein Weilchen. Worauf weiss ich nicht. Nicht auf Dich, jedenfalls nicht ausschliesslich. Auf einen Anderen, keine Ahnung, momentan nicht vorstellbar fuer mich. Vielleicht habe ich ja auch schon gefunden, worauf ich warte, vielleicht ist mein Beruf, dass was mich erfuellt und die Kontakte die sich daraus ergeben werden. Ich weiss nicht. Ich weiss es einfach nicht. Aber vielleicht muss ich auch nicht immer alles wissen.

Morgen bin ich wieder da. Ich habe ein wenig Angst davor.

Aber ich liebe Dich, noch immer.

Deine 220

15.08.2006 um 21:35 Uhr

erste Eindruecke

von: 220

Lieber 284,

nun bin ich hier, auf Lanzarote. Ganz allein. Und so fuehle ich mich momentan auch. Die Insel macht einen ganz netten Eindruck, aber viel werde ich davon wahrscheinlich nicht sehen. Ich will ja eigentlich hier im Hotel bleiben. Das Hotel ist auch ok. Typisch touristisch. Ich glaube, ich will so einen Urlaub eigentlich nicht mehr. Lieber wuerde ich umherfahren, etwas endecken und erleben. Hier sind unglaublich dicke Englaender, die sich abends beim Buffet den Bauch vollschlagen.

Beim essen kann ich wohl keinen Anschluss finden. Man wird plaziert, da ist einem jede Chance genommen, sich seine Tischnachbarn auszusuchen. Vorhin musst ich am Nachtischbuffet fast heulen. Es gab Miel y malo (schreibt man das so?).

Du ahnst gar nicht wie sehr ich Dich vermisse und wie allein sich ein Mensch fuehlen kann.

Naja, vielleicht wird es ja noch besser. Vielleicht muss ich dem ganzen einfach eine Chance geben.

Ich liebe Dich!

Deine 220

P.S. Die Tastatur macht mich verrueckt. Nichts ist da, wo meine Finger es vermuten.

14.08.2006 um 12:08 Uhr

15. August

von: 220

Lieber 284,

nun ist es soweit. Morgen fahre ich in Urlaub. Allein. Morgen ist der 15. August. Ich möchte hier nun mal versuchen, in die Vergangenheit zu reisen und rückblickend betrachten, was an diesem Tag schon alles passiert ist.

15.08.2003
Mein Hochzeitstag. J. und ich haben an diesem Tag geheiratet. War ich damals glücklich? Keine Ahnung. Ich wollte unbeding vor 30 heiraten und ich wollte unbedingt mal so ein Kleid tragen. Prinzessin sein für einen Tag. Es war sehr aufregend. Erinnerungen habe ich nicht viele. Ich weiß, ich hatte vor der Hochzeit Bedenken, ob es das Richtige ist, ob ich für immer mit J. zusammenleben will. Aber irgendwie dachte ich, das läuft schon alles ganz gut. Und was nicht gestimmt hat, musste wohl so sein. Wer ist schon dauerhaft zufrieden usw. Und ich verschloss die Augen, machte mir und J. was vor. Das große Gefühl der Rührung blieb bei mir aus. Selbst in der Kirche. Alles zog so an mir vorbei. Irgendwie spürte ich, dass es nicht richtig war. Aber die Maschine lief.

15.08.2004
Unser erster Hochzeitstag. Seit Anfang Juli war J. klar, dass es einen anderen Mann in meinem Leben gibt. Ich hatte mich noch nicht entschieden. Und wir sind in das Hotel gefahren, wo wir geheirtatet hatte. Alle haben sich gefreut, unseren Tisch geschmückt und wir haben nach außen das glückliche Ehepaar gegeben. Im inneren war jeder einsam. Ich sehnte mich nach Dir. J. hoffte auf einen Neuanfang. Wir waren sprachlos. Im Rückblick schäme ich mich für die Zeit. Ich hätte nicht anders handeln können, aber ich hätte mich schneller entscheiden müssen. Für uns alle. J. verzeiht mir nie, dass ich ihn für einen anderen verlassen habe. Er fragt nicht, was er dazu beigetragen hat. Damit will er sich nicht auseinandersetzen. Er nimmt mir die Chance zur Aufarbeitung.

15.08.2005
Ich kann mich nicht mehr erinnern, was wir letztes Jahr getan haben. Das Datum war nicht mehr wichtig für mich. Aber ich weiß ich habe mit einem schlechten Gewissen an meine Hochzeit und an J. gedacht. Wieso habe ich ein schlechtes Gewissen. Jeder von uns hat etwas zur Trennung beigetragen.

15.08.2006
Mittlerweile bin ich geschieden. Und auch von Dir getrennt. Ich fahre in den Urlaub. ALLEIN. Ist es der Beginn von etwas Neuem? Will ich das überhaupt? Neu, aber mit Dir, das will ich! Nicht mit einem anderen. Und Du? Du hast etwas Neues. Zu schnell. Wir hätten eine Chance, wenn es A. nicht gäbe. Aber das ist nicht die Realität. Nach dem schönen Donnerstag in der letzten Woche, habe ich nun das Gefühl. Du gehst wieder auf Distanz. Lässt Dich wieder voller Freude auf A. ein. Ich kann nichts tun. Jede Beeinflussung bringt Dich weg von mir. Ich kann und muss einfach abwarten. Abwarten, was mit Dir und mit mir wird. Geduld war noch nie meine Stärke. Es fällt mir so schwer. Und ich habe Angst, dass ich die Liebe meines Lebens hatte und verloren habe und nie vergessen kann. Bis zum Schluss!

Ich liebe Dich!

Deine 220

13.08.2006 um 22:48 Uhr

Das Beste im Leben

von: 220

Und es ist so was von vorbei
Dass wir ein neues Wort dafür brauchen
Und ich steh so was von daneben
Dass ich endlich wieder ganz klar seh

Es ist mir so was von egal
Wann ich dich das erste Mal wiederseh
Mein Kopf bleibt zu mein Herz geht auf
Und ich fang Schritt für Schritt ein
Neues Leben... an

Mein Licht ist an
Bin wieder da
Kann es nicht sein
dass es von vorn beginnt
Kann es nicht sein
dass ich dann besser bin
Kann es nicht sein
dass es ein Fehler war
Dass alles was wir sind
Alles was wir tun
Niemals umsonst ist
Und niemals vergebens
Der Sinn ist zu haben
Das Beste im Leben
Und wir sind das Beste
Und wir sind das Beste
Das Beste im Leben

Ich will dass du jetzt an mich glaubst
Selbst wenn du denkst
dass ich vollkommen verrückt bin
Will auf den größten Turm
der Welt hinauf
Selbst wenn du meinst
dass ich dafür zu klein bin

Denn wir haben viel zu viel getan
Was für uns beide richtig schlecht war
Und wir haben nie genug probiert
Weil für uns das Gleiche
So verschieden... war

Mein Licht ist an
Bin wieder da
Kann es nicht sein
dass es von vorn beginnt
Kann es nicht sein
dass ich dann besser bin
Kann es nicht sein
dass es ein Fehler war
Dass alles was wir sind
Alles was wir tun
Niemals umsonst ist
Und niemals vergebens
Der Sinn ist zu geben
Das Beste im Leben
Und wir sind das Beste
Und wir sind das Beste
 

Das Beste im Leben sind wir
Bist du - Bin ich - Sind wir

                                                      Rosenstolz

13.08.2006 um 15:21 Uhr

So wie ich war

von: 220

Lieber 284,

gestern bei der Autofahrt habe ich noch einmal viel über die Vergangenheit nachgedacht. Mehr über mich als über Dich.

Ich kann nicht mehr verstehen, wie ich noch vor einigen Monaten war. Und ich kann verstehen, dass so wie ich war, ich jede Attraktivität für Dich verloren habe.

Keine Ahnung, was mich so gelähmt hat. Wieso ich so teilnahmslos und ohne Energie war. Sicher hat mich die Trennung von J. mehr belastet, als ich mir vorstellen kann. Sicher auch deswegen, weil er mir nicht die Chance zur Aufarbeitung gibt. Nur mit ihm könnte ich herausfinden, wieso ich mich so vollständig verloren habe. Du hast mich quasi erweckt. Und dann bin ich doch wieder zurückgefallen. Mittlerweile bin ich total "wach". Mein Geist lebt wieder. Ich nehme wieder teil am politischen Leben in Deutschland und der Welt, ich bilde mich weiter, ich lese viel, ich verschließe nicht mehr meine Augen und rette mich in den Schlaf.

Es wäre schön, wenn Du mich so, wie ich jetzt bin, neu kennenlernst. Ich bin auf dem Weg zu mir. Noch bin ich nicht angekommen. Vielleicht sollte man auch niemals ankommen. Aber ich bin anders. Bitte lerne mich neu kennen. Gib mir und damit uns diese Chance.

Du bist die Liebe meines Lebens. Ich könnte es nicht verwinden, wenn ich Dich durch so ein Verhalten für immer verloren habe. Du hast für mich gekämpft, damals. Für jemanden, von dem Du nur ahnen konntest, dass es ihn gibt. Jetzt bin ich da. Jetzt kämpfe ich um Dich. Und Du? Bitte!

Ich liebe Dich.

Deine 220

13.08.2006 um 11:05 Uhr

Tag- und Nachtfahrt

von: 220

Lieber 284,

gestern auf dem Weg zu meiner Mutter war ich bester Stimmung. Ich hörte Rosenstolz, hab viel an Dich gedacht (natürlich), war entspannt und gelassen und der festen Überzeugung, dass egal was wird, ich positiv aus dem ganzen Dilemma rauskomme. Als Deine Freundin, vielleicht sogar wieder als Deine Frau. Und ich war voller Geduld, Geduld mit Dir und mit mir, ohne Druck. Ich war sogar bereit, mit bestimmten Menschen einfach Frieden zu schließen, nicht dass daraus eine Freundschaft entstehen würde, aber einfach ein entspanntes Gefühl, ohne Wut im Bauch. 

Auf dem Rückweg war es dann schon wieder anders. Ich hörte ebenfalls wieder Rosenstolz, doch jetzt waren die traurigen Lieder dran. Nun komme ich immer in eine etwas merkwürdige Stimmung, wenn ich im dunkeln allein kilometerweit fahre. Leider konnte ich die positive Stimmung des Vormittages nicht halten. Du hattest Dich den ganzen Tag nicht gemeldet (bis auf die Einkaufs-SMS) und meine Nachricht blieb unbeantwortet. Wieder habe ich zuviel erwartet. Wieder ist meine Phantasie größer gewesen als die Realität. Ich dachte dann, dass Du hier eine kleine Nachricht hinterlassen hättest. Oder mir mal eine Sonnenblume hinstellen würdest. Ich glaube, meine rege Phantasie ist doch mein größtes Problem. Immer wieder gauckelt sie mir Möglichkeiten vor, wie es sein könnte und immer wieder hat die Realität überhaupt nichts damit zu tun. Du hast wahrscheinlich nur latent an mich gedacht, warst so in Deinem eigenen Leben gefangen, so im Verliebtseinsrausch, dass Du mich nicht gesehen hast, dass ich in den Hintergrund trete für Dich. Oder Du probierst so sehr Deine Beziehung auf festere Füsse zu stellen, dass Du nicht sehen kannst, wie sehr es mich verletzt. Du bist fast nie hier. Manchmal denke ich, ich könnte diesen Abstand aushalten und es wäre ok und manchmal genieße ich diesen Abstand auch, aber meist ist es nicht ok.

Vielleicht warst Du aber auch nur so im Streß und machst Dir überhaupt keine Gedanken. Wahrscheinlich ist es das.

Wie auch immer, gestern Vormittag war ich mir sicher, dass mein größter Wunsch in Erfüllung gehen wird, nun bin ich es nicht mehr. Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll. Loslassen kann ich nicht, und damit kann ich mich auch nicht auf was neues einlassen.

Wahrscheinlich kann ich erst einmal einfach nur abwarten.

Ich liebe Dich!

Deine 220

11.08.2006 um 21:18 Uhr

Droge

von: 220

Lieber 284,

Du bist wie eine Droge für mich. Sobald wir zusammen sind geht es mir gut. Bist Du jedoch nicht da, fühle ich mich verlassen, habe Sehnsucht. Gestern war ein wunderschöner Tag für mich. Wir waren zusammen, haben geredet, gelacht, diskutiert, geschwiegen. Alles war genauso, wie es sein soll. Warum konnten wir dies nicht während unserer Beziehung halten? Wohin waren all diese Gefühle gegangen? Wieso hat sich so ein Druck aufgebaut? Antworten gibt es nicht.

Mittlerweile bin ich entspannt, wenn wir zusammen sind. Aber nun bist Du wieder weg und Du fehlst mir. Noch werde ich durch das gute Gefühl von gestern getragen. Aber das wird wohl nicht mehr lange so sein. Morgen muss ich nach Hause fahren. Oma hat Geburtstag und nur deswegen mache ich es. Schön wäre es, wenn nur Mutti und Oma da wären, aber es rückt natürlich die ganze Verwandtschaft an. Menschen, mit denen ich nichts gemeinsam habe. Die ein komplett anderes Leben als ich führen und die nicht einmal ansatzweise verstehen, wie ich lebe. Aber egal, einen Tag werde ich das schon aushalten.

Und dann fahre ich ja auch bald in Urlaub. Langsam kriege ich Angst, nicht vor den Tagen, die ich am Pool verbringen werde, ein wenig vor dem Allein-Frühstücken und ganz viel Angst vor dem Allein-Abendessen. Aber vielleicht habe ich ja Glück und treffe auf Menschen, mit denen ich mich gut unterhalten kann.

Ich hätte Dich gern für immer hier. Du fehlst mir.

Ich liebe Dich!

Deine 220

09.08.2006 um 10:10 Uhr

In eigener Sache

von: 220

Ich schreibe hier, weil es mir hilft. Es ist für mich eine Art Therapie. Hier finde ich Menschen, die mir einfach nur zuhören, die mitfühlen, die sagen "Ich verstehe Dich" und die mir auch manchen guten Rat geben.

Ich weiß, dass das hier öffentlich ist, und ich niemandem verbieten kann, hier zu lesen. Aber es gibt Menschen, für die die Inhalte überhaupt nicht bestimmt sind. Diese Menschen dringen in mein Privatleben ein. Sie stehen mir nicht nah, sind keine Freunde oder irgendetwas.

Ich gehe davon aus, die Angesprochenen wissen, dass sie gemeint sind.

Ich bitte euch, hört auf hier zu lesen. Es geht euch nichts an, überhaupt nichts. Ihr deklassiert euch damit.

Ich habe das Wichtigste in meinem Leben verloren. Das sollte euch reichen!

08.08.2006 um 20:12 Uhr

Immer wieder

von: 220

Lieber 284,

immer wieder schaffst Du es, mich in mein Tal der Tränen zu schicken, auch wenn ich doch eigentlich so stark sein will. Heute wieder. Ich mach aber auch immer wieder den Fehler, mich auf irgendetwas zu freuen, was zum Teil so stark durch meine Wünsche getragen ist, die Du erstens nicht kennst und zweitens nicht berücksichtigen kannst oder willst. Und wenn ich Dir dann von meinen Wünschen erzähle, kannst Du sie nicht nachvollziehen, weil Du in dieser einen Beziehung eben doch anders tickst.

Ich muss mir also immer wieder sagen, dass ich nichts mehr von Dir erwarte (was ich natürlich doch tue) und dass meine Enttäuschung in mir bleibt. Und ich muss mir sagen: MACH DOCH WAS DU WILLST. Es ist Deine Sache und wenn Du, nur um A. nicht zu verärgern, oder enttäuschen oder irgendwas, dann in Kauf nimmst, dass ich traurig bin, dann ist das so und Du brauchst Dir darüber auch keine Gedanken zu machen. Es ist sicher ganz gut, wenn ich immer wieder merke, wo wir stehen und mir nicht einbilde, bloss weil wir schöne entspannte Momente zusammen haben, dass sich irgendetwas zu meinen Gunsten geändert hätte.

Aber hoffen und träume werde ich wohl immer.

Deine 220

06.08.2006 um 19:42 Uhr

Klischees

von: 220

Lieber 284,

langsam entspreche ich den Klischees eines Großstadtsingles. Noch nicht in der Nutzung des Nachtlebens. Aber in der Gestaltung meines Tagesablaufes. Ich mache das, was mir Spaß macht, lese viel und muss mich auch einen ganzen Tag nicht großartig zurecht machen und nun fange ich an, mir Essen zu bestellen.

Ich wollte gern was Warmes essen und statt selbst zu kochen, habe ich beim Chinesen angerufen. Erinnerst Du Dich an die Sex and the City-Folge, in der Miranda immer wieder das Gleiche bestellt und die Imbissmitarbeiterin sich schon lustig macht. So wird es mir vielleicht auch bald gehen.

Naja, vielleicht auch nicht. Wir werden sehen.

Ich liebe Dich!

Deine 220