Der dressierte Mann
In einer Zeit, die als Aufbruch der Frauenbewegung gilt, landete die Autorin Esther Villar 1971 einen Bestseller, denn sie dreht den Spieß der Emanzipation um und entlarvt die Frauen nach ihrer Theorie als die eigentlichen Ausbeuterinnen des Mannes.
"Männer sind nicht zu beneiden, denn die bei Männern und Frauen tief verwurzelte Geschlechtsrollenpolarität verlangt, dass sie sich im Prinzip die Liebe der Frauen erkaufen müssen." Diesen und andere Standpunkte vertrat die Autorin in ihrem Buch vom dressierten Mann . Sie lieferte damit so etwas wie eine Antithese zur Frauenbewegung.
Eines der gewagtesten Zitate aus diesem Buch ist "[...] spätestens dann haben die meisten Frauen [...] beschlossen, die Laufbahn von Prostituierten einzuschlagen, das heißt, später einen Mann für sich arbeiten zu lassen und ihm als Gegenleistung ihre Vagina in bestimmten Intervallen zur Verfügung zu stellen - hört die Frau auf, ihren Geist zu entwickeln. Sie lässt sich zwar weiterhin ausbilden und erwirbt dabei allerlei Diplome - denn der Mann glaubt, dass eine Frau, die etwas auswendig gelernt hat, auch etwas weiß (ein Diplom erhöht also den Marktwert der Frau) -, doch in Wirklichkeit trennen sich hier die Wege der Geschlechter ein für allemal. Jede Verständigungsmöglichkeit zwischen Mann und Frau wird an diesem Punkt abgeschnitten, und zwar für immer."
Die These von der Unterdrückung des Mannes durch die Frau, die aus ihrem Körper Kapital schlägt, hat nichts von ihrer Brisanz verloren - bei aller Emanzipation gibt es bis heute keine "neue Frau" oder einen "neuen Mann", lese ich in einer Rezession.
Auch nach über 40 Jahren des Erscheines dieser provokant geschriebenen Streitschrift, mit ihrer schwungvollen und bissigen Polemik, fordert sie auch heute noch zur Diskussion und zum Nachdenken heraus.
Was vor über 40 Jahren in kämpferischem Dogmatismus diskutiert wurde, erscheint in unserer heutigen Zeit, in der es immer mehr alleinerziehende Mütter gibt, die ebenso im Erwerbsleben stehen, überdenkenswert. Ebenso ist der deutliche Trend zu immer mehr Singelhaushalten ein klares Zeichen dafür, dass sich in Bezug auf die von Ester Viller angesprochene Thesen einiges geändert hat.
Wer das Buch ausführlich liest, erkennt auch das Ziel von Esther Villar: Sie plädiert für die weitgehende Angleichung der Rollen von Mann und Frau. Sie gibt damit zu verstehen, dass eine Gleichwertigkeit der Geschlechter erst mit ihrer Gleichartigkeit gewährleistet sein wird.
Sicher ist: An dem Verhältnis und dem Verständnis der Geschlechter zueinander muss weiter, von beiderlei Seite, gearbeitet werden.




