Auf der Suche nach... ja, was eigentlich?

20.12.2012 um 00:12 Uhr

Die bittere Pille

von: Sadeyes   Kategorie: Bindungsangst

Hmm... eigentlich ist es schon fast zum Lachen! Oder doch zum Heulen?

Als ich meinen P kennenlernte und merkte, dass ich mich von ihm angezogen fühle, habe ich meiner besten Freundin gesagt "Ich weiß nicht... diese unbestimmte Anziehung, die von ihm ausgeht... und seine Augen... der hat sicher Bindungsprobleme"

Tja, hätt ich vielleicht mal auf mich selber gehört und meine Finger von gelassen. Aber das ist auch leichter gesagt als getan. Steht ja auch keinem auf die Stirn geschrieben. Und außerdem... will ich das wirklich? Ich weiß es nicht. Unsere Beziehung ist meistens ein einziges großes Fragezeichen mit allerdings auch vielen schönen Momenten. Übermorgen seit einem Monat.

Allerdings... seine Ängste spitzen sich derzeit zu und er denkt öfters über das Beenden der Beziehung nach. Und ich? Ich weiß irgendwie, dass das nichts mit mir persönlich zu tun hat. Das sind seine Dinge, die da hochkommen. Wir reden drüber. Das hilft. Ist manchmal auch verdammt hart in seiner Ehrlichkeit.

Ich hab ihm heut gesagt, dass ich ihn die letzten zwei Tage auch nicht sehen wollte. Da ist er dann doch auch schonmal zusammen gezuckt. Vielleicht hat er das von mir nicht erwartet?
Er denkt, dass ich ihm nicht wehtun würde oder könnte. Wegen meiner Geschichte, weil ich Rücksicht nehme.
Und während das auch irgendwie stimmt, so stimmt es doch auch, dass ich meine Grenze suche. Die Grenze des Ertragbaren. Wo ich seine Stimmungs- und Gefühlsschwankungen hantieren kann. Sollte ich irgendwann abgleiten dahin, wo ich bei E war, dann geht diese Beziehung nicht mehr. Und dann würde ich ihn auch verlassen... hoffe ich zumindest. Und ich weiß nicht, ob ihn das dann wirklich so kalt lassen würde.

P ist nicht E. Seine Bindungsangst ist bei weitem nicht so stark wie bei E. Er stößt mich nicht abrupt weg oder versucht mich, mit Worten zu verletzen. Er hat allerdings Probleme, Verabredungen mit mir zu treffen. Am liebsten alles immer ganz spontan. Bloß nichts fragen, nichts besprechen. Telefonieren, simsen, chatten... alles auch zu viel Verpflichtung. Und seine Stimming schwankt manchmal extrem und das ist auch fühlbar. Er kann manchmal sehr nah, liebevoll und verliebt sein und ein paar Stunden später sich in einen halben Eisklotz verwandeln, der nicht mehr viel berührt werden möchte und sich lieber hinter seinem Handy verbarrikadiert. Trotzdem seh ich bei ihm Gefühle. Ich seh auch oft das Eis wieder schmelzen. Die Art, wie er mich berührt wird zunehmend liebevoller. Hoffnung oder nicht? Heiß oder kalt? Ich weiß es nicht...

Schlimm sind bei mir die Nebenwirkungen. Durch seine Schlaflosigkeit und durch die Gefühlsachterbahn schlaf ich kaum noch. Ich bin aus meinem Rhytmus raus. Nicht gut für mich.
Und deshalb hab ich nun zum ersten Mal in meinem Leben Schlaftabletten verschrieben bekommen...

Und ehrlich gesagt, hab ich nun ein wenig Angst, die erste zu nehmen.... 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenlady_bright schreibt am 20.12.2012 um 12:21 Uhr:Hm, meine Thera würde jetzt sagen "pathologisches Muster" und "sie suchen immer wieder die selbe Art Männer". Meinen Einwand, es stehe ja keinem auf die Stirn geschrieben, ließ sie nicht gelten. Sie sagte, erst, wenn wir beim näheren Kennenlernen spüren, wie der Mann tickt, wird er interessant oder nicht, wird er "Kandidat" oder nicht. Und für dich scheint ein Mann jedesmal ein "Kandidat" zu werden, wenn du spürst, daß er Ängste hat.

    Und ab hier bist du schon weiter als ich. Du ziehst bleibst innerhalb der Grenzen, in denen du mit seinen Ängsten zurecht kommen kannst. Du beziehst sie nicht auf dich, gibst dir keine Schuld. Das ist sehr, sehr gut. Versuch unbedingt, auf diesem Weg zu bleiben, bei dir zu bleiben. Du wirst spüren, ob und wann der Punkt kommt, an dem es vielleicht überhaupt nicht mehr geht.
  2. zitierenSadeyes schreibt am 20.12.2012 um 18:31 Uhr:Ich glaub ja auch irgendwo, dass man seine Muster wiederholt. Ich glaube auch, dass so lange ich selber Bindungsangst habe, ich auch immer wieder Bindungsängstler in mein Leben hole. Männer, die mich ganz und gar wollen und jede Sekunde von mir beanspruchen wollten, würden mir auch zu viel Angst einflößen, vermute ich.
    Man kann halt seine eigene Bindungsangst prima hinter der Angst des anderen verstecken...
    Und wie man echt Herr seiner Bindungsangst wird, weiß ich auch nicht... Vielleicht ist es auch deshalb total idiotisch anzunehmen, dass P und ich überhaupt ne Chance haben.
    Vielleicht noch mehr, wo er ja anscheinend immer stärkere Abwanderungsgedanken bekommt. Manchmal weiß ich generell nicht mehr, was ich denken soll. Dann ist es den einen Moment so und den anderen so.

    Heute kann ich mich zB gar nicht entscheiden, ob ich mich irgendwie bei ihm melden soll. Wir haben weder gechattet noch gesimst noch telefoniert bisher. Nur Wordfeud spielen tun wir... aber das ist ja auch kein richtiger Kontakt in dem Sinne.
    Spätestens Sonntag Morgen fahr ich los nach Deutschland und ich hab noch nichtmal eine Ahnung, ob ich ihn vorher nochmal sehe.
    Gestern, wo er gegangen ist, war ich mir total sicher, er kommt wieder und heute ist das schon alles wieder von Zweifeln überdeckt.

    Und glaube mir, es ist schwer, auf dem Weg zu bleiben und ich merke, dass ich manchmal abweiche. Aber immer dann, wenn bei ihm die Angst und damit seine Macken am Größten werden, ist bei mir nun eine Art Schutzschild da, die auch zumacht und sagt, so geht das nicht und das mach ich auf Dauer nicht mit.
  3. zitierenLeoba schreibt am 12.01.2013 um 16:14 Uhr:Hallo liebe Sadeyes,

    das kommt mir so bekannt vor. Ich war auch mal mit einem Mann zusammen, der ähnliche Bindungsängste hatte und sich auch sehr ähnlich verhalten hat. Wobei "zusammen" nicht mal das richtige Wort ist. Auf keinen Fall durfte man das damals laut sagen, dass mann eine "feste Beziehung" hatte. Und ich kenne auch die Problematik mit telefonieren, simsen. Und ja keine festen Termine ausmachen. Das war eine sehr anstrengende Zeit für mich. Nie konnte ich mir wirklich sicher sein. Auf Dauer hat mich das richtig fertig gemacht, dafür bin ich einfach nicht gemacht. (Wer ist das schon? ;)) Was ich meine: Es hat mein Selbstwertgefühl immer weiter runtergezogen. Je weniger ich von ihm bekommen habe, umso mehr hab ich mich von ihm abhängig gemacht... Und je mehr ich wollte, umso mehr hat er sich zurückgezogen. Und wenn ich doch für eine Zeit stark war, dann wollte er wieder viel von meiner Nähe und das Spiel ging von vorn los... Erst eine richtige Trennung hat mir dann geholfen. Bei der Trennung hab ich sogar eine Erleichterung gespürt - dass ich jetzt endlich weiß, woran ich bin.
    Ich drück Dir ganz fest die Daumen, dass Du "bei Dir" bleiben kannst, bei Deinen Bedürfnissen, bei Deinen Gefühlen. Ich weiß wie schwer das ist, aber für mich hört es sich auch so an, dass Du auf einem guten Weg bist! Du hast schon so viel verstanden, was in Dir - und bei den Männern - passiert. Ich wünsch Dir alles Gute!

    Leoba
  4. zitierenSadeyes schreibt am 05.02.2013 um 22:23 Uhr:Liebe Leoba,
    vielen Dank, dass Du Deine Geschichte erzählt hast.
    Ja, da kommt mir auch sehr viel bekannt vor. Wobei ich mir momentan noch nichtmal sicher bin, ob sich bei ihm tatsächlich was ändern würde, wenn ich mehr Abstand nehmen würde bzw genommen hätte.
    Die Gelegenheit, das herauszufinden, werde ich wohl leider (?) nicht mehr haben. Bei uns ist es mittlerweile auch vorbei.
    Ein Stück geht es mir wie Dir. Ich bin erleichtert, dass ich nun nicht mehr warten muss... auf Anrufe, evtl Treffen, Aussagen von ihm, was nun ist, etc
    Ich kann nun wieder ganz hier bei mir sein... Aber ja... man vermißt auch Sachen vom anderen. So ganz komplett einfach ists dann ja doch auch nicht :(
    Trotzdem habe auch ich das Gefühl gehabt, dass es doch schon ein wenig anders war in dieser Beziehung. Dass meine Therapie mich verändert hat und ich in Zukunft bereits etwas besser auf mich aufpasse(n kann).

    Dir auch alles Liebe!

    Sadeyes
  5. zitierenchrissi schreibt am 05.02.2013 um 22:56 Uhr:hi
    habe in euren schriebs genau das gelesen was ich seit 5 jahren erlebe .dachte bis jetzt ,daß ich irgendwie doof bin das alles solange mitzumachen.habe zeitweise mein gesunkenes selbstbewußtsein durch fremdgehen versucht aufzubauen.mein "partner" war an silvester eine woche in urlaub-kam zurück und erklärte mir am telefon er möchte mich nicht mehr verletzen(guter vorsatz an silvester)wir können ja platonische freundschaft haben .nur er "nimmt" mich nicht mehr nach hause und ja es wäre eh nichts festes daraus geworden(begründung -bin einmal ausgeflippt)bin dann zu reiki und habe baldrian genommen und versuche stark zu sein nicht mehr in unsre stammdisco zu gehen.aber es tut weh.

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