Wenn ich auch immer wieder behaupten würde, mein Kind hätte zumindest äußerlich so gar nichts von mir - in manchen Dingen sind wir uns sehr ähnlich.
Wir verzeihen - obwohl wir eigentlich keinen Grund dafür haben
Wir fühlen mit - oft so sehr, dass wir ob des Unglücks anderer in Tränen ausbrechen könnten, obwohl es nicht unser Leid ist
Wir geben - gerne auch alles was wir haben, ohne Nachzudenken, während andere, die sich das "leisten" könnten, nicht eine Sekunde darüber nachdenken.
Neulich und im nachhinein ist das schon ein seltsamer Zeitpunkt gewesen, unterhielt ich mich mit dem Kind über die Nachbarn. Und sie erzählte mir, dass sie immer noch nicht verstehen könne, wie das anfangs so nette Verhältnis auf einmal ein Ende fand (zumal sie in den einen auch noch irgendwie verliebt war....) Und just einen Tag später trifft sie beide in der Stadt. Erfährt, dass beide wohl vorhaben sich möglichst kräftig zu betrinken und der eine dann sogar noch einen finalen Sprung von der Brücke plant. Und sofort ist ihr Helfersyndrom da. Sie geht hin, sucht das Gespräch, bedrängt ihn das ja nicht zu tun, sie würde ihm auch gerne helfen, wenn er Probleme habe....(sie ist 18 und die Nachbarn so um die 27...)...und als sie dann schon zu Hause ist, klopft es gegen 5 an der Tür, sie geht hin und beide Tropfe stehen dort, fragen, ob sie langeweile habe (ja sicher, morgens um 5 ist einem immer langweilig und überhaupt wo ist mein riesig langer text hin, den ich hier schon geschrieben hatte...alles weg...) und sie geht mit. Und dann erzählt der andere, der mit Fahren unter Alkohol (seine Strafe hat er wohl jetzt 8 Monate Entzug der Fahrerlaubnis plus diverse Strafen, weil er ohne Führerschein auch schon erwischt wurde...) das er mit nichts mehr klarkomme, auch nicht mit dem Gefühl zu arbeiten und nichts über zu behalten (wenn man seine aufgebrummten Strafen nicht zahlt, wird es selten weniger. Die "dann-steck-ich-halt-mal-den-kopf-in-den-sand" mentalität ist aber sehr verbreitet, sorgt nie für ein gutes Ende, wird aber immer hübsch weiter zelebriert....), das wäre so ungerecht und überhaupt und letztendlich brach er in "bittere" Tränen aus. Als mein Kind mir das erzählte, war sie so voller Mitleid, dass sie fast selbst geweint hätte. Ach mein Kind. Ich hab versucht ihr zu sagen, dass sie das Leid der Welt und auch bestimmter Personen, die man mal sehr mochte, nicht so sehr an sich heranlassen darf, dass man sich nachher so fühlt, als ob man die Situation selbst erlebt. Irgendwo muß man die Grenze für sich finden. Wenngleich ich es manchmal wirklich auch bei Menschen im meinem Umfeld vermisse - das Mitgefühl.
Trotz dieser kleinen Annährung (als erstes haben die beiden Strategen sogar nach dem Befinden des Katers gefragt, man höre und staune!) bin ich froh, dass wir aus dem Umfeld wegkommen. Bei allem Verständnis - morgens um 5 muß niemand an meine Tür klopfen. Nicht wirlich....
Und dann hat mein Kind letzte Woche mit mir unsere russischen Kinder besucht. Sie wollte sie unbedingt kennenlernen und hätte sie am liebsten alle gedrückt (und das aus dem Mund meiner Tochter!). Morgen fahren sie. Heute gibt es noch einen Abschiedskaffee und als Überraschung gibt es neue Ranzen für alle. Ein Freund meines Chefs ist in irgendeiner "Loge" und die haben gesammelt...das find ich gut. Ich hab am Samstag noch Strickliesel-Dingens besorgt, weil sie welche geliehen bekommen hatten - aus unserem Kindergarten- und damit Spaß hatten.
Und ich denke immer, mein kleiner Liebling aus der Gruppe...wie wird es ihm wohl weiterhin ergehen? Wird sich seine Mama wirklich freuen, wenn er wieder da ist? Immerhin mußte sie 4 Wochen lang kein Essen für ihn besorgen. Und für ihn sind die Zeiten mit Obst und Gemüse zum Essen auch weitestgehend vorbei. Wenn man etwas nicht kennt, vermisst man es nicht. Werden sie das leben hier vermissen? Die warmen Zimmer. Das Essen?
Ich werde ihre freundlichen Gesichter sehr vermissen. Und die Betreuerin, eine ganz liebe Frau. Die ihren Urlaub opfert, bzw. ihr Gehalt für einen Monat. Ich weiß gar nicht, ob sie von der Organisation eine Entschädigung dafür bekommt...
Und ich ertappe mich dabei, dass man das früher hätte wissen müssen...Nein, ich muß mir auch nicht um alles einen Kopf machen. Meine Kollegen mit den höhren Bezügen denken keine Sekunde daran, ob sie was hätten geben können. Das tun, wie im richtigen Leben, komischerweise immer nur die mit den niedrigeren Einkommen. Deswegen gibt es wohl auch arm und reich. Die reicheren sitzen auf dem Geld. Wir gebens aus. für andere gerne auch.