Stimmung: mies
Olá Genossen,
Es scheint hart auf hart zu kommen, denn das Rektorat - wohl nicht nur das der Uni Dortmund - scheint die Gunst der Stunde nutzen zu wollen und weiter Maßnahmen gegen eine Freie Universität zu ergreifen. Zunächst kam ja der Beschluss über Studiengebühren für Langzeitstudenten, meiner Meinung nach gerechtfertigterweise, wenn auch nicht ganz sozial ausgeglichen für z.B. junge Eltern. Ich setze diesen Punkt aber als Anfangspunkt, da mir scheint, dass mit Einführung dieser Gebühren Uni-Leitung und Politik erkannt haben, dass von Studentenseite keinerlei nennenswerte Gegenwehr zu erwarrten ist.
Mit dem Sieg der CDU nach den Landtagswahlen kamen dann die Studiengebühren in NRW, wieder keine nennenswerte Gegenwehr, auch dank der cleveren Taktik der Uniführung, so fanden die wichtigen Senatsbeschlüsse in den Semesterferien statt...
Und jetzt verlangt Rektor Becker, dass sich die Uni Dortmund in eine TU umstrukturiert. Man nennt das jetzt Schärfung des Profils. Becker sollte einsehen, dass die Uni Dortmund nur Mittelmaß ist. Wenn er die Uni voranbringen will, sollte er lieber auf mehr Evaluation in der Lehre und Forschung setzen und den Profs mehr auf die Finger schauen. Aber zu glauben, dass durch pure Umbenennung "aus Scheiße Gold" wird... Vielleicht will er sich ein Denkmal setzen. Es gehört mehr dazu, zur Elite zu werden. Einfach die Mehrheit der Studierenden, die nun mal in den Geisteswissenschaften sind, beiseite zu lassen, ist nicht nur arrogant, sondern undemokratisch. Es ärgert mich mitansehen zu müssen, dass mal wieder die Gesellschaftswissenschaften als das nicht gewollte Stiefkind angesehen werden, sozusagen als "verlängerter Wurmfortsatz".
Die Gesellschaftswissenschaften bringen halt keinen Profit, mit geistigen Qualitäten wirbt man auch keine Drittmittel. So lassen sie sich in keiner Bilanz verwerten und scheinen nur zu kosten. Welch eine kurzsichtige Beurteilung. Gerade die Lehrerbildung ist eine Investition in die Zukunkt, aber leider zählt wohl nun auch in der Bildung wohl nur noch das kurzfristige Gewinnstreben, und da kommt eine Lehrerausbildung nun mal nicht mit. Genau die gleichen Fehler, die in der Wirtschaft gemacht wurden, sollen nun noch mal gemacht werden?
Aber ist Gegenwehr zu erwarten? Becker setzt wohl wieder darauf, dass die Studis gefrustet genug sind und alles hinnehmen werden. Vorsichtshalber findet diese Diskussion möglichst ohne Öffentlichkeit statt. So findet am 11.1.07 im Hörsaalgeb. II, HS1 eine "hochschulöffentliche" Diskussion statt, zu der nur keine Studenten geladen wurden, sondern nur Dozenten. Die Info ist wohl doch durchgesackert.
Mal gucken, ob sich die Geisteswissenschafte einfach so abwirtschaften lassen werden. Geplant ist das zwar noch nicht, ich sage noch nicht, denn das wird kommen. Wahrscheinlich bekommen sie eine Bestandsgarntie bis 2015 und dann wird neu verhandelt, oder so ähnlich. Diese Tricks kennt man ja mittlerweile, siehe Hochschulfreiheitsgesetz und Finanzierung der Hochschulen... Auch im Gespräch: Die Lehrerbildung vermittele nur noch Kernwissen, streng reguliert mit festen Inhalten. So wirds enden... Der Traum aller Gegner derer, die sich von Reformen der 68er angepisst gefühlt haben wird wahr. Der totale Backlash ist das. Alle erkämpften Freiheiten werden zurückgeschraubt, ja viel mehr noch, man nähert sich da etwas Neuem an: Selbst die Prä-68-Spießer haben Bildung noch nicht derartig als kommerzielles Gut verstanden.
The good times, they are over...