Beste Freundin

30.03.2011 um 14:57 Uhr

Gehen. Voran und oder Hauptsache vorwärts ....

Erneut Rhein. Rhein, Rhein. Alles Wichtige scheint sich hier abzuspielen für mich. Letzten Sonntag tiefe, ehrliche Gespräche am Rhein mit ihm. Und eben habe ich meine Jacke gepackt und bin Hals über Kopf zum Rheinufer gelaufen. Vorbei an der Universität, dem alten stattlichen Schlossgebäude. Dort, wo mir neulich die singenden Kindern begegnet waren. Wiederum fühlte ich mich frei und erleichtert.

 Kurz vor dem Rheinufer, das man über eine Treppe mit etwa 30 nach unten führenden Stufen und eine gut befahrene Straße erreicht, begegneten mir am Fuße der Treppe zwei Enten. Eine graubraun, eine bunt. Eine führte, die andere watschelte hinterher. Aus Richtung des Ufers kam ein Jogger angelaufen. Er warf einen besorgten Blick auf die beiden, die sich gefährlich nahe der Straße entlang bewegten. Ich wollte in Gedanken meinen Weg weitergehen. Der Weg entlang des Wasser, der gerade jetzt in diesem Moment, der mir eine schmerzliche Nachricht zu meiner langjährigen Beziehung gebracht hatte, gegangen werden wollte. Die Gedanken frei lassen, meine Gefühle ansehen, vorwärts gehen, laufen. Dann hielt ich inne und wusste, dass womöglich jeder Passant wie ich vorbeigehen würde und die beiden Enten dem Überfahren freigegeben wären. Das belegte Brötchen, das ich mir eben gekauft hatte, am späten Vormittag mit noch leerem Bauch und ohne Appetit, nahm ich, um die beiden mit Krümeln über die Straße und ans Rheinufer zu locken und zu führen. Wundervoll, wie die beiden das Angebot schätzten und mir folgten. Ich komme übrigens aus einem Dorf, dessen Einwohner die „Enten“ genannt werden. Krümel für Krümel, zwischendurch nahm auch ich mir ein Stück, und es schmeckte mir plötzlich wieder, gingen wir das steile Ufer mit den dort anlegenden Schiffen ab und suchten nach einem entengerechten Pfad ans Wasser. Die Menschen, die mir begegneten, schmunzelten entweder oder bemerkten nicht, was wir da taten. Jedenfalls war eine der beiden Enten der Anführer, der alle Krümel beanspruchte und dem anderen wegfutterte. Der Andere watschelte geduckt hinterher und machte sich gar nicht die Mühe, an einen Krümel heranzukommen. Aufgegeben, von vornherein. Mein Beziehungsthema. Mit dessen Anpacken vor zwei Wochen meine Welt begonnen hat, sich in rasendem Tempo zu wandeln, zu drehen, sich auf den Kopf zu stellen. Für einen Moment wird mir schwindlig. Ich werfe dem vermeintlichen Aufgeber mehrere Krümel nach hinten. Endlich fängt er einen davon und schnappt ihn, aus der Luft heraus, hastig in seinen Schnabel hinein. Der Vordere schaut ihm etwas unwillig und gleichfalls erstaunt zu. Ich lächelte und versicherte dem stolzen Sieger: „na siehste, es geht doch!“.

 Die Treppen der Reeder zu ihren Schiffen waren ungeeignet, um ans Ufer zu gehen. Das sollte ich bald merken. Eine andere Gelegenheit, ins kühle Nass und damit in eine schöne Entenzukunft zu gelangen, war nicht in Sicht. Ich fragte noch zwei ältere Damen, die sich über das ungewöhnliche Gespräch mit den Enten und mir freuten. Doch sie waren ortsfremd.. In dem Moment wusste ich, dass ich die Tiere sicher ans Ufer geleitet hatte und damit meine Aufgabe wunderbar für sie getan war. Sie blickten sich um, als suchten sie nun alleine weiter nach ihrem Zugang zum Wasser. Ich verabschiedete mich, ging meinen Weg zurück in die Stadt, den Rest des Brötchens genießend.

 Eine Stunde später erreichte mich wie von Zauberhand  ein Thema, das tief in mir etwas leuchten und klingen ließ. Eine zehntägige Meditation in einem kleinen Ort im südöstlichen Deutschland, nahe seinem Geburtsort. Ich meldete mich auf der Stelle an. Und dazu ein Treffen mit Mutter Meera, einer lebenden Avatar. In der Nähe meines Geburtsortes. Ich lächelte und staunte. Die eigene Verletzbarkeit zu erfahren, den eigenen Emotionen nicht davonzulaufen. Welche Kraft das für mich bereit hielt. Eine Tür, eine neue und sehr große Tür in meinem Leben, hatte sich geöffnet.

24.03.2011 um 16:19 Uhr

Hurra!!! Ich kann es!

von: Hidee   Stichwörter: Vergebung, Liebe, Aufmerksamkeit, Ernst

Was für ein herrlicher Tag! Ich war entspannt beim Englischkurs, trotz oder dank wenig Schlaf. Nette Gespräche mit Kolleginnen folgten. Ich ruhe in mir, bin fröhlich, und bin gleichzeitig freudig erregt. So wie als Kind, kurz vor meinem Geburtstag. Dabei stecke ich in einer eher schwierigen Phase meines Lebens. Eine  schwierigere kann ich mir, ehrlich gesagt, kaum vorstellen. Das Thema ist Liebe. Untertitel: ihr Fehlen.

 Nun, im Büro an der Uni war die Stimmung locker. Kaum einer ist da, es sind noch Semesterferien. Ein Chef hat sich für mittags angekündigt. Die Zeit bis dahin habe ich genutzt, um meinen Wagen in die Tiefgarage zu fahren. Ich parke gern vor dem Haus morgens, auf dem Platz für Lieferanten. Das bringt ab und zu Ärger. Man kommt zum Beispiel am Abend nicht weg, wie man möchte, sondern ist eingeparkt. Eigentlich wollte ich nach dem frühmorgendlichen Englischkurs am Bonner Marktplatz den ersten frischen deutschen Spargel kaufen. Ich habe mich dann für den gemeinsamen Rückweg zur Arbeit mit meinen Kolleginnen entschieden. Da der Spargel in meinem Kopf jetzt saß und da auch gar nicht mehr heraus wollte, habe ich ihn dann doch eben gekauft. Also bin ich in einer kleinen Sonnen-Frühlingsrunde am Rhein entlang zum Markt geschlendert, habe mich über den netten kurzen Wortwechsel mit der Spargelverkäuferin gefreut. Vorbei am Suppenküchenwagen, von dem mir der Verkäufer von weitem zurief. Nach kurzer Unterhaltung mit ihm dann zurück zur Arbeit. Vorbei an einer „Freude-schöner-Götter-Funken“ oder „Come-Sing-a-Song-of-Joy" singenden Vorschulgruppe mit mundharmonikaspielender Lehrerin. Die Sonne lachte, und mein Herz mit. Ich liebe das Leben.

 Heute Nacht, während ich ab 3 Uhr 45 wach lag, alleine im Bett, mein Partner war die zweite Nacht nicht nach Hause gekommen, habe ich mich entschieden, diese Zeit für mich zu nutzen. Da wir uns in den 14 Jahren schon 2 Mal getrennt hatten, nämlich nach 7 und 8 Jahren, bin ich, so glaube ich, schon ganz gut in Lebensberatung und Selbstcouching. Mein Bücherschrank ist voll von Zeilen, die mich weiterbringen. Tiefgehende Gespräche mit Freundinnen liebe und genieße ich. Bei den ersten Anzeichen drohenden Liebes- und Aufmerksamkeitsentzugs bin ich in die alten Fallen getappt, die heißen Selbstmitleid, Ohnmacht, Angst. Mit einem feinen und wichtigen Unterschied zu sonst: Ich habe sie erkannt. Ich habe sie angeschaut. Und habe begonnen, sie endlich aus dem Weg zu räumen. Jetzt scheint sich etwas zu bewegen in unserer Beziehung, mit offenem Ausgang. Nach dem Resonanz-Prinzip hatten wir uns gefunden, uns zu heilen. Jahrelang Rollen füreinander gespielt, an denen wir beide lernen und wachsen sollten. Jetzt ist es aber Zeit: um den ersten Frühlingsvollmond herum habe ich gelernt, mich ernst zu nehmen, zu vergeben und mich zu fragen: „Willst Du meine Freundin sein?“ All dies habe ich heute Nacht getan. Als ich heute früh aufstand, war ich erstaunlich frisch und locker und fröhlich. Und das mit wenig Schlaf. Aufgefüllt mit Licht und Energie, eine meiner geliebten Übungen, nachts oder am frühen Morgen. Und ich hatte meinen Gefühlen jetzt ganz genau zugehört, mit Ihnen gesprochen, Ihnen Aufmerksamkeit geschenkt und sie ernst genommen. Genau das hatte ich vermisst, das wollte ich doch von meinem Partner. Meinen Gefühlen hat das gut getan. Die Angenehmen wurden stark, die Schmerzenden durften gehen. Hurra!!! Ich kann es!