Eva hat mir heute erlaubt, selber etwas zu schreiben. Nachdem ich sie endlich überzeugt habe, daß sie mich gar nicht mehr abgeben kann und ich bei ihr wohnen bleiben darf, hat sie mich heute das erste Mal ganz alleine mitgenommen. Wir waren in Kassel und haben uns eine sogenannte Hundeausstellung angesehen.
Doch der Reihe nach: Heute morgen sperrte mich Eva nach dem Frühstück mit meinem geliebten Kauknochen kurz in einem Zimmerkennel ein, da sie meinte, ich solle im Haus bleiben und nicht mit den anderen in den Auslauf gehen. Als alle anderen draußen waren, öffnete sie meinen Kennel wieder, doch ich bin gleich drin geblieben, um meinen Knochen weiterzukauen. Hund kann doch nicht so einfach damit aufhören. Nachdem auch Eva ihr Fressen bekommen hatte, zog sie sich eine Jacke an und rief mich. Ich verstand gleich, daß Eva mit mir irgendwo hinwollte. Doch da mußte ich erst noch einmal zurück zum Kennel und meinen Knochen mitnehmen. Hund weiß ja schließlich nie, wohin die Tour geht und wann man wieder etwas zu essen bekommt.
An der Haustür nahm Eva mir den Knochen allerdings ab und meinte, den würde ich nicht brauchen. Was weiß die eigentlich davon ???
Nach einer 45 minütigen Autofahrt waren wir in Kassel und Eva parkte auf einem großen Parkplatz. Ich schaute schon einmal vorsichtig aus meiner Box und was sah ich? Jede Menge Autos, Menschen und Hunde. Eva nahm mich an die Leine und dann ging es los. Die ersten Hunde habe ich erst einmal angebellt, doch da meinte Eva, wenn ich jeden Hund anbellen würde, wäre ich bald heiser. Ich glaube, da hatte sie nicht so ganz unrecht, denn als wir in eine große Halle kamen, waren da noch viel mehr Hunde. Vor Staunen war ich erst einmal ganz still und schaute und schaute. Doch dann sah ich, daß die alle ganz lieb waren und fing an jeden zu begrüßen. Ein kurzer Schlabber über die Nase war doch selbstverständlich. Eva meinte, daß ich bestimmt bald genug davon hätte. Doch da kannte sie mich schlecht. Den ganzen Tag habe ich jeden Zwei- und Vierbeiner angewedelt und Küßchen verteilt. Und Leute, was es alles für Hunde gibt. Ich dachte bis dahin, es gibt hauptsächlich Border Collies auf dieser Welt, doch da war ich im Irrtum. Es gab Hunde, die waren fast so groß wie Pferde und welche, die waren so klein, daß ich sie mit meiner Pfote locker hätte platt treten können. Habe ich natürlich nicht getan. Manche Hunde schienen krank zu sein. Die waren nur auf dem Arm oder wurden in so merkwürdigen Käfigen durch die Gegend geschoben. Arme Hunde !!!
Meinen Onkel Norris (Black Norris von den Buschchaoten) habe ich auch kennengelernt. Netter Kerl. Er rannte in einem großen, eingezäunten Bereich (Eva nannte das "Ehrentribüne") mit seinem Kumpel Balu ganz schnell über ein paar Hürden, trat gegen ein Gerät, bekam doch dafür glatt einen Ball von diesem Gerät zugeworfen und die beiden rannten wieder zurück. Die Menschen sagten dazu Flyball.
Und was es alles zu schnuppern und sehen gab. Überall waren nette Leute, die mich streichelten oder mir ein Leckerchen anboten. Doch da habe ich, sehr zu Evas Erstaunen, Charakter gezeigt (mache ich doch immer). Die Leckerchen habe ich nur genommen, wenn Eva sie mir gegeben hat. Sie sagte, daß sie das bei meinem Verfressensein, nie gedacht hätte. Das ist doch unverschämt, oder??
Andere Border Collies habe ich auch gesehen. Einige standen in einem abgesperrten Bereich, mußten dort gelangweilt rumstehen und zwischendurch im Kreis laufen und sich anfassen lassen. Eva sagte zu mir, ich solle genau aufpassen, das müsse ich später auch mal mitmachen. Na eins verspreche ich Euch, da werde ich aber Leben in diesen lahmen Haufen bringen.
So, jetzt bin ich wieder zu Hause und habe alle begeistert begrüßt. Meine Mama Jeannie bekam einen Extraschlabber und jetzt werde ich erst einmal ein Nickerchen machen. Denn aufregend war der Tag schon, aber auch sehr spannend. Und wenn Ihr nun Fragen zu anderen Hunden habt, fragt mich ruhig. Ich kenne sie jetzt alle.
Herzliche Grüße
Euer Primo