Wenn einer eine Reise tut ...
…ach, alleine das wäre schon einen Eintrag wert: Geschichten von Leuten, die selbst in Großraumabteilen der Eisenbahn Raum füllend sind, ganze Bankreihen benötigen, um Taschen, Getränke, Handy und sonstigen Überlebensballast griffbereit zu verteilen, einem den Hund am liebsten auf den Schoß gesetzt hätten, damit sie selbst nicht so „beschränkt“ reisen; menschenleere Bahnhöfe, an denen man an unverständlichen Fahrplänen Verbindungen raussuchen kann, die gar nicht mehr bestehen; Buslinien ohne Nummer und Beschilderung, die zwar in den richtigen Ort, aber leider auf die andere Seite der Weinberge fahren und so zu kilometerlangen Fußmärschen zwischen Rebstöcken ermuntern und Ortsfremde damit gleich mal mit der Schönheit der Landschaft in Verbindung bringen; nette Einheimische, die sich erbarmen und per Auto in geheimnisvollen Windungen durch eben diese süddeutschen Anpflanzungen sausen und mich so doch noch blasenfrei an das Ziel meiner Wünsche gebracht haben.
Es gab laue Nächte, in denen wir in begrünten Innenhöfen über Gott und die Welt geplaudert haben und in denen man sich wie zu Hause gefühlt hat. Kontakte, die zwanglos zustande kamen und auf Sympathie beruhten und zum Abschied sehr viel Vorfreude auf den nächsten Schulungsblock im September – weil der wieder am gleichen Platz stattfindet, wird die höchst unfreiwillig erworbene Ortskenntnis nun zum wertvollen Startkapital.
Dazwischen Vorträge des Mannes, auf den ich so gespannt war und der mich fasziniert und beeindruckt hat: Sätze mit der Konsistenz eines Brühwürfels, wie mein Schatz das trocken kommentiert hat, denn man braucht schon diverse Auflösungen, um den Gehalt dessen verdauen zu können, was uns da so locker serviert wurde.
Mit einer Fülle von Eindrücken bin ich also wieder nach Hause gekommen, habe mich begeistert in meine Bücher vertieft und wieder fügt sich Teil um Teil eines Puzzle zu einem Bild zusammen, das nur dazu da zu sein scheint, um noch tiefer einzutauchen und mehr Klarheit und (Er-)Klärung zu finden.
Außerdem hatten wir eine Woche Logierbesuch von meiner Busenfreundin und die Zeit ist uns allen wie im Fluge vergangen, weil wir das schöne Wetter, die entspannte Atmosphäre und ein paar andere Highlights in vollen Zügen genossen haben.
Jetzt wartet wieder Arbeit auf meinem Schreibtisch auf mich, ich habe neue Aufträge und die nächsten Termine müssen vorbereitet werden, was durchaus einen nicht unerheblichen Spaßfaktor enthält – das Leben geht also weiter, gut so!
