Ich kann nicht genau sagen wieso, ich kann auch nicht sagen, was gestern anders war. Was ich aber sagen kann, für dich war es gestern richtig und wichtig das wir reden. Du hast geredet und ich habe dir zugehört, innerhalb von zwei Stunden hast du mich an die Hand genommen und deinen Lebenslauf ansatzweise erzählt. Du hast von dir, über dich, über deine Familie, über deine Probleme, mit denen du dich rumärgerst, geredet. Ich konnte nur über deine Offenheit staunen, es hat mich berührt, mich erschreckt, doch ich hab mich über dein Vertrauen in mich gefreut. Wir kennen uns nicht, nicht richtig, auch gesucht haben wir uns nicht, doch gefunden haben wir uns. Das was gestern war, hat genau so gepasst, genauso hast du es gebraucht, auch wenn du dir mit Sicherheit jetzt schon wieder Gedanken machst, warum das so war, warum das alles aus dir rausgesprudelt ist. Ich habe dir aufmerksam zugehört, habe hier und da tief schlucken müssen, ob der Dinge die du mir erzähltest, doch ich habe dir gern mein Ohr geliehen.
Es hat gepasst, ich war da, hatte Zeit für dich und so telefonierten wir fast 4 Stunden lang. Ich freu mich wirklich. Auch wenn die Themen nicht zum freuen waren, doch ich erkenn mich in dir. Es kommt mir vieles so bekannt vor. Mit Sicherheit haben wir uns deswegen gefunden, vllt kannst du von mir lernen, vllt kann ich von dir noch lernen...interessant ist es aufjedenfall. Es ist schön zu sehen, das ich anderen helfen kann, es überhaupt zulassen kann, es war mir im Grunde schon immer sehr wichtig für andere da zu sein. Es lenkt ab. Es kann beruhigend sein, für andere da zu sein. Doch oftmals kann ich es nicht, weil ich selbst nicht weiß wie ich mir gerade helfen soll, wie ich mit mir klarkommen soll. Oft war es auch so, dass ich mich komplett abgekapselt habe, nur um nicht mit anderen konfrontiert zu werden, nur mich, nur meine Probleme, nur meins gesehen habe. . .
Klar ist es das worum es geht, es geht um mich...das muss ich wohl noch lernen, ich muss noch lernen für mich da zu sein, darf noch lernen mir selbst Zeit einzugestehen, klar klingt es egoistisch wenn man sich selbst über andere stellen will oder es möchte. .. .doch worum geht es denn? Es geht darum das ich Ich bin, das ich mir Zeit gebe, wenn ich sie brauche, das ich sie mir nehme, ohne darauf zu achten das es anderen vllt gerade angenehmer wäre, das ich für sie da bin. Denn ihnen bringt es auch nichts, wenn ich mir selbst keine Zeit gebe, ihnen dafür umsomehr....denn das Gleichgewicht würde ins wanken geraten.
Ich kann nur schwer beschreiben, wie zwiespältig meine Gedanken dazu sind. Einerseits möchte ich für andere da sein, ihr Leben teilen, daran teilhaben, auf der anderen Seite möchte ich mich weiter um mich kümmern, möchte weiter für mich da sein, für mich weiter lernen, mit mir und meinem Leben umgehen zu können.
Es sind zwei Seiten, die ich gerade nur schwer zusammenführen kann, jedenfalls momentan. Ich brauche Geduld, keine Frage, ich brauche Zeit, keine Frage, ich darf noch lernen, darf noch erkennen wie es sich zusammenstellen lässt, ob es das überhaupt braucht...
Es wäre eben die Frage was ich mir für mein Leben wünsche, wünsche ich mir, dass ich anderen helfe, ihnen zur Seite stehe, ihnen beistehe und mich um Lösungen für ihre derzeitigen oder kommenden Situationen kümmere, oder wünsche ich mir mir selbst beistehen zu können, mir selbst zu helfen um es dann vllt auch bei anderen besser zu können, sollte ich also erst egoistisch werden oder bleiben, um mich dann um andere kümmern zu können? Ist es das? Interessante Gedankengänge nach einem Telefonat, das ich mit jemandem führte um ihn erzählen zu lassen, ohne es zu nah an mich ran zu lassen, denn mich durch die Probleme anderer belasten zu lassen, das versuche ich zu vermeiden, denn der betreffenden Person und mir ist damit nicht geholfen...