Worum die Welt sich dreht

(mit Pro-Vitaminen!)

25.08.2004 um 10:29 Uhr

Im Loch

von: Daz

Für sechs Monate.

Auf dem Weg von der Medikamentenausgabe in meine Ecke stellt Kalle Pohl mir Beinchen. Die Tabletten schleudern durch die Luft und treffen Klapsmühlen-Hure Kabi Köster an der Schläfe. Sie geht zu Boden. Innerhalb einer Sekunde umzingeln mich zwölf breitgebaute Freier und fordern Tribut. Ich entschuldige mich höflich, aber breitgebaute Freier akzeptieren keine Entschuldigungen. Wenn du sechs Monate im Loch warst, spürst du jeden Tritt doppelt, schmeckst das Blut viel intensiver. Kein fairer Kampf, aber wehrlos gebe ich mich nicht geschlagen! Meine Faust fährt in Kalle Pohls Gesicht, und mit ihr der Hass auf ihn, Hass auf das Fernsehen, Hass auf alle, die billige Scheiße wie ihn produzieren. Die breitgebauten Freier wollen mich zurückreißen, aber das was ich sehe macht mich für einen winzigen Augenblick zum Gott: Kalle Pohl, blutbedeckt, windend, stöhend vor mir. Mein Werk. Ich spüre keinen Schmerz mehr. Ich trete nach. Und wieder. Und wieder.

Blackout.

Krankenstation. Sogar noch heute, zwei Tage nach Verlassen des Lochs, blendet mich das Weiß des Papiers, auf dem ich schreibe. Auf dem Bett neben mir liegt Kalle im Koma. Das Piepen seiner Herzlungenmaschine ist unterhaltsamer als alles, was er jemals getan hat.

Ich schließe die Augen und lausche.
Und lausche.
Lausche.

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