Eine menschliche Tragödie... Gedanken eines Elbs
Zitat Robert Enke:
Â
"Ich habe sehr viel mitgemacht: beruflich und privat. Ich weiß nicht, ob jemand das Leben lenkt. Aber so viel weiß ich: Man kann es nicht ändern"
"Man muss sich mit einer Verletzung abfinden, man muss sich damit abfinden, wenn man ein Spiel verliert, und man muss sich damit abfinden, wenn man ein Kind bekommt, das schwer krank ist und stirbt."
Selten, leider auch zu meinem Verdruss, liest man noch etwas gefühlvolles, ob nun gut oder schlecht, hier auf diesem Blog.
Heute aber schon.
Michael Jackson war mir egal. Generell mache ich mir nicht viel aus Promi-Schicksalen, schließlich fehlt da einfach die persönliche Bindung. Aber bei Robert Enke ist das anders. Der sympathische, intelligente Fussballprofi, der immer fair war, niemals ein böses Wort verloren hat, Schicksalsschläge und private, sportliche und berufliche Rückschläge scheinbar mühelos weggesteckt hat, sich nie beklagt hat, der dadurch als Mensch zum Vorbild und zur großen Respektsperson, nicht nur für Fussballfans, wurde. Bei dem man den Eindruck hatte, dass im Zirkus Bundesliga ein ruhender Pol auch noch die Dinge hinter der großen Fußballbühne zu schätzen und zu würdigen weiß, alles im rechten Licht sieht. Gerade dieser Mensch zerbricht dann an seiner Depression, als für die nichtsahnende Öffentlichkeit scheinbar ein Happy-End sowohl im privaten, als auch im sportlichen Bereich greifbar nahe schien, und enthüllt ein geradezu groteskes Zerrbild der öffentlichen Wahrnehmung.
Das geht mir wirklich nahe, obwohl ich den Menschen ja nicht kenne; ihn ja eigentlich fast niemand gekannt hat.Â
Gestern abend auf Spiegelonline:
Robert Enke, tot, Suizid.
Nach einigem Lesen: "nach dem Tod seiner 2-jährigen Tochter.. Schicksalsschläge... aufgestanden... seinem Leben ein Ende bereitet"
Heute die Pressekonferenz seiner Frau Teresa.
Wahrscheinlich ein Mensch der ihn kannte wie kein Zweiter.
Bewegend. Ergreifend. Ehrlich.
Tieftraurig.
"Bleib bei uns."
sagt der Präsident des Vereins zu Teresa Enke...
In diesen minuten habe ich nicht gearbeitet,
ich sass einfach nur da,
und versuchte zu begreifen.
Ich möchte nicht wissen wie das ist, sein Kind zu verlieren und dann noch den geliebten Mann. Ich kann mir vorstellen das das mithin das Schlimmste ist was einem Menschen passieren kann.
Was für eine starke Frau...
Für mich ein bedrückender Tag. Nach ihren Worten, dem was sie sagte, welche Hölle er durchgemacht haben muss, welche Hölle seine hinterbliebende Familie noch durchmachen muss.
Der Suizid ist an Tragik kaum zu übertreffen. Ein schwerkrank depressiver Mensch, der Führungsspieler war und die letzten 3 Jahre in der Bundesliga zu den Besten seines Fachs gehörte. Ein Vater... erst der kleinen Laura, dann der adoptierten Leila. Nie abgehoben, immer sachlich und freundlich, ein Vernunftsmensch. Weltläufig, aber stets introvertiert.
Es ist auch an Anzeichen seiner gesellschaftlich unterschätzten Krankheit, dass er bis zuletzt sogar seinen engsten Vertrauten eine heile Welt vorgaukelte um es allen recht zu machen, statt sich helfen zu lassen.
Welch eine menschliche Tragödie. Unfassbar.
Ich komme mit meinem flauem Magengefühl ins Grübeln und erinnere mich.
Erinnerung. Als ich jemandem, den ich selbst sehr liebte, den Tod eines geliebten Menschen mitteilen musste.
Wie schwer das war. Und wie schlimm.
Rückblickend war das glaube ich der schwärzeste Tag in meinem ganzen Leben.
Dieser Satz.
"Dein Vater ist ..."
Meine zugeschnürte Kehle.
Ihre Augen dabei...
Tränen, Fassungslosigkeit. Machtlosigkeit. Wut.Â
An meinem Körper festkrallende Hände, trommelnde Fäuste.
Das schreiende "Warum!?".
Es war auch ein Grund für unsere Trennung. Vielleicht sogar der EINE Grund.
"Bleib bei mir." hatte ich damals noch gesagt.
Meine Hölle danach, die Gewissheit, meine Trauer,
Das "Warum ich? Warum jetzt? Warum immer ich?"
Irgendwann fand ich meine Antworten.Â
Suizid? Keine Option für mich. Nie.
Ich liebe das/mein Leben genauso wie es ist, mit allen Höhen und Tiefen.
Ich liebe mich mit meinen Stärken und Schwächen.
Immer bewusst, das meine Leiden nie vergleichbar sind oder waren mit denen anderer, bspw. eines Robert Enke.
Diesen Frage hat sich auch Robert Enke immerwieder gestellt.
"Warum ich? Warum jetzt? Warum immer ich?"
Er fand keine Antwort ausser diese...
Ich kannte ihn nicht, deshalb bilde ich mir kein Urteil über seine Verantwortung gegenüber seinen Lieben. Man könnte ihm puren Egoismus vorwerfen, ich denke aber in solch einer Situation denkt man an alles, nur nicht daran. Genauso wie er all die Jahre seine Rolle gespielt hat, stark nach aussen sein wollte, mit dieser Konsequenz, hat er auch diesen Weg eingeschlagen.
Mit dem flauem Magengefühl kommt nach der Erinnerung das Grübeln.
Und die Frage:
Könnte es vielleicht sein, das jemand aus Deinem Kreis...?Â
Meine ernüchternde Antwort ist. Ja.
"Ich habe ein Problem,
ich brauche Hilfe."
Scheint ein Satz zu sein, der für viele, nicht nur hier bei Blogigo, ob aus Stolz oder aus anderen Gründen, viel zu schwer zu sagen oder zu ertragen zu sein scheint.
 Sich Hilfe zu suchen.
Niemals.
Aber warum?
Muss es so weit kommen?
Dabei ist das Leben lebenswert, solange es auch nur einen einzigen Menschen gibt auf dieser Welt, der an einen glaubt und einen anlächelt. Finde ich...
Etwas wirrer Worte viel verabschiedet sich der Elb,
mehr vermag ich heute eh nicht mehr zu sagen,
in die Nacht mit etwas Musik.
Musik, die genau so einmal auf meiner Berdigung gespielt werden soll,
etwa in 120 jahren oder so.
Wunderschöne, kraftvolle Musik mit poetischer Dunkelheit, die in energischer Weise in den Vordergrund schwebt, von den darunter schwebenden Instrumenten auf melodramatischen Wogen getragen und immer wieder auffangend.
Wenn das Gemüt auch von dunklen Wellen umflutet wird, die es fast zum Ertrinken ins Meer betten, strahlt immer irgendwo von fern der Leuchtturm einer rettenden Insel dieser schiffbrüchigen Seele entgegen, um das Schwarz aus dem Nachthimmel zu nehmen..
In Gedenken.Beileid.Innehalten.
und dem Satz:
"Bleib bei uns."
Â
We sail today
Tears drown in in the wake of delight
There's nothing like this built today
You'll never see a finer ship in your life
Along the way
Stroke of time and no one's for me...
Can it be true? Nobody warned you... Â
And let the waves have their way now
Slow, and let the waves have their day
And I want that
Here I've been living on roofs made from sin
Upward and outward, "Begin, begin."
Here I've been lucid I'm living within
Inwardly urgent, I'm sinking again
The Lighthouse




