Die Magie des Augenblicks

30.03.2009 um 11:45 Uhr

~> Gebrauchsanweisung für Budapest und Ungarn

von: Jari   Kategorie: ~ Reiseliteratur

"Freilich, kein Netz, kein Buch und keine Zeitung vermag ein Land je ganz zu erfassen. Vielgestaltig, unaufhörlich in Bewegung, mit jedem neuen Blick neu wahrgenommen, gleicht Ungarn - Sie erinnern sich - dem magischen Würfel, dessen bunte Bausteine nur mit Mühe in eine Ordnung gebracht werden können. In meiner Erinnerung bleiben feuchtheisse Thermalbäder, raffinierte Jugendstilmosaike, der Geruch einer blütensatten Pester Mainacht und der Ahorngeschmack eines kühlen Kéknyelü. Was Sie aus Ungarn mitnehmen werden, weiss ich natürlich nicht. Aber ich bin sicher, dass dieses Land Sie beeindrucken wird."


Aus: "Gebrauchsanweisung für Budapest und Ungarn" von Viktor Iro

 

 

25.03.2009 um 18:38 Uhr

~> Liebe - Ein unordentliches Gefühl

von: Jari   Kategorie: ~ Ratgeber / Sachbuch

"Für andere dagegen ist alles so viel einfacher. Denn wie Sie ja längst aus den Ratgebern wissen, ist es mit dem Lieben im Grunde ganz leicht: Schenken Sie Ihrem Partner mehr Anerkennung, versichern Sie sich öfter Ihrer Liebe, gehen Sie beim Streit nicht unter die Gürtellinie, variieren Sie hin und wieder die Stellung, hüten Sie sich vor Pauschalangriffen, vermeiden Sie die Worte "immer" und "jedes Mal", erleben Sie gemeinsam regelmässig ein kleines Abenteuer und - ach ja, bringen Sie Ihrer Frau ab und zu ein paar Blumen mit... Und worüber man nicht reden kann in der Liebe - darüber muss man schweigen."


Aus: "Liebe - Ein unordentliches Gefühl" von Richard David Precht 

 

 

15.03.2009 um 14:24 Uhr

~> Herr Nakano und die Frauen

von: Jari   Kategorie: ~ Liebe

"Untersteh dich aufzuhören, mach sofort weiter", lallte sie und drohte Takeo mit dem Zeigefinger. "Ein bisschen plötzlich!", befahl sie noch einmal.
Da richtete sich auch Herr Nakano auf. "Ein bisschen plötzlich gefälligst!", wiederholte er.
Er goss uns noch einmal Wein in die Tassen, die wir in einem Zug austranken. Wir sahen uns an und lachten. Ich spürte die Wirkung des Weins im ganzen Körper und hatte das Gefühl zu schweben. Als ich in Takeos Richtung blickte, schaute auch er mich an.
"Den alten Laden gibt es nun nicht mehr", sagte ich, und alle nickten.
Herr Nakano stand auf. "Trotzdem wird Nakanos Laden nie vergehen", sagte er mit schwerer Zunge. Nun begannen wir alle vier gleichzeitig zu reden, und keiner wusste mehr, was der andere erzählte. Es wurde immer chaotischer, und als ich wieder zu Takeo hinsah, ruhte sein Blick auf mir.
Jetzt liebe ich Takeo zum ersten Mal richtig, dachte ich in einem Winkel meines wirren Kopfes.
Mit einem klaren Ton stiess die neue Flasche, die Herr Nakano geöffnet hatte, gegen den Rand meiner Teeschale."

Aus: "Herr Nakano und die Frauen" von Hiromi Kawakami

 

 

14.03.2009 um 21:49 Uhr

~> Die Brüder Löwenherz

Und ich setzte mich neben ihn und hielt seine Hand und spürte, wie stark und gut er war und dass nichts wirklich gefährlich sein konnte, solange er da war. Dann fiel die Nacht mit ihrer Dunkelheit über Nangijala, über Berge und Fluss und Land. Und ich stand mit Jonathan am Abgrund. Ich trug ihn, er hatte die Arme fest um meinen Hals geschlungen, und ich spürte seinen Atem an meinem Ohr. Ganz ruhig atmete er. Nicht wie ich ... Jonathan, mein Bruder, warum bin ich nicht ebenso mutig wie du?

Ich sah die Tiefe unter mir nicht, doch ich wusste, dass sie da war. Und ich brauchte nur einen Schritt ins Dunkle zu tun, dann war alles vorüber. Es würde ganz schnell gehen. "Krümel Löwenherz", sagte Jonathan, "hast du Angst?" "Nein ... doch, ich habe Angst! Aber ich tue es trotzdem, Jonathan, ich tue es jetzt ... jetzt ... Und dann werde ich nie wieder Angst haben. Nie wieder Angst ha..."

"Oh, Nangilima! Ja, Jonathan, ich sehe das Licht! Ich sehe das Licht."


Aus: "Die Brüder Löwenherz " von Astrid Lindgren .