Zwischenwelt(en)

29.10.2005 um 14:08 Uhr

Der Geist war willig.. wirklich

..aber das Fleisch viel zu schwach. Während ich also ordentlich meine Bettdecke gefaltet, Tagesdecke Indira in weiß darüber gelegt und drei Kissen in gewohnter Position auf der Fläche "verteilt" habe, überkam sie mich. Die fiese hinterhältige Müdigkeit, und ich konnte nicht anders, als mich für einen Augenblick auf meinem Bettenkunstwerk auszuruhen. Nur hinlegen, dachte ich. Meine Augen dachten das nicht und ließen sich einfach nicht mehr öffnen. Zum Glück nicht wirklich lange. Geschätzte 20 oder 25 Minuten. Ich denke, das ist akzeptabel. Dann habe ich mich ans Tageslicht gequält - das ja heut wieder außergewöhnlich hell, aber dennoch durchaus bezaubernd. Und da ich immer noch Gründe für Außenweltaktivitäten brauche, befand ich Nahrungs- und Körperpflegeproduktebeschaffung für zwei solche. Letzteres gestaltete sich schwieriger als gedacht. Rossmann schien mir weit genug weg, um mich ausreichend zu bewegen und nah genug dran, den Einkauf nicht als Ausflug planen zu müssen. Und ich schlendere durch die Einkaufspassage, weiche fotografierenden Touristen und orientierungslosen Senioren aus, freue mich, dass ich trotz Kalorien- und Schlafmangel noch in der Lage bin überhaupt aufrecht zu gehen, als ich bemerken muss, dass ausgerechnet das Haus, in dem sich die Drogerie für gewöhnlich befindet, bis zur Dachkante eingerüstet und mit einem Schild versehen ist, auf dem steht: 'Wir bauen für Sie um.' Ach, na das ist doch prima! Dankeschön! Für mich! Wär doch nicht nötig gewesen! Aber kein Problem, da geh ich eben zum nächsten Rossmann.. Viel Spaß noch beim bauen! Verdammte Scheiße aber auch.. da muss ich durch die gesamte Innenstadt. Also doch planen. Ein Stück mit der Bahn - kein Problem. Da jedoch auch der Platz, an dem sich der zweite von mir anvisierte Rossmann befindet, derzeit in Bebauung ist, was ich selbstverständlich nicht bedacht hatte, ist mir nicht mal das Wechseln der Straßenseite möglich... kein Rankommen an den Laden. Mir tun die Füße weh, aber einen Trumpf habe ich ja noch. Rossmann Nr. 3! Keine Baustelle, keine Umwege und tatsächlich die Creme, die ich suche, im Regal. Na wenn das kein Grund zum Jubeln ist! Auf dem Rückweg noch ausgewählte Lebensmittel kaufen, nach Hause kommen und im Briefkasten die Benachrichtigung finden, dass ich bis 13 Uhr eine Briefsendung abholen kann (es ist 13.07 Uhr und die Post ist gegenüber vom Supermarkt, aus dem ich die Tüten grad hergeschleppt habe) und von J. eine sms mit der Frage, ob ich was dagegen hätte, dass er heut und morgen im Zimmer des abwesenden Mitbewohners A. schläft. Er habe Stress mit seinen WG-Genossen. Was soll ich da noch sagen außer "gnarf"?!

29.10.2005 um 06:36 Uhr

Wir machen durch bis morgen früh und singen..

bums fallera.. bums fallera. Na oder so ähnlich. Kein Schlaf für mich heute. Und das mit Absicht. Um den Rhythmus ein wenig zu forcieren. Ich habe ja nur noch wenige Nächte (in Worten drei), um mich auf zeitiges und dabei ausgeruhtes Aufstehen vorzubereiten. Es eilt also. Na mal schauen. Den heutigen Samstag werde ich vermutlich geistesabwesend, verschlafen sabbernd und denkbar unattraktiv und elanlos über die Runden bringen, dafür wird die folgende Nacht umso süßer und traumreicher sein. Hoffe ich.

Ich habe in der Geschichte mit J. am Donnerstag(?) einen Fehler gemacht. Hab mich dazu hinreißen lassen, mit ihm in der Sitzecke hocken zu bleiben, nachdem die anderen bereits in ihren Betten verschwunden waren. Wir haben uns nur unterhalten. So wie "früher". Ungezwungen. Angeregt diskutiert, über dies und das. Der Fehler? Ich befürchte, er hat das zum Anlass genommen zu glauben, dass tatsächlich alles so wie "früher" ist. Ein (angekündigter) Anruf von meinem Halbweltler beendete den Abend mit J. zwar relativ abrupt, aber es folgten wieder jede Menge "unverbindliche" sms... so ein Fehler passiert mir hoffentlich nicht so schnell nochmal. Das Telefonat mit meinem Schreiberling war dann irre schön. Und irre lang. Trotzdem zu kurz. Losgelöst von der Realität wär vielleicht zuviel gesagt.. besser dagegen: Mit eigenem Wirklichkeitscharakter. Ich hab nicht die richtigen Worte für das, was da grad passiert. Aber die sind auch nicht notwendig. Nicht in der Halbwelt.

Was mach ich denn jetzt? Noch mehr Kaffee kann ich erstmal nicht trinken, das Zittern könnte auf Dauer unangenehm werden. Ich werde mal vorsorglich mein Bett machen.. nicht, dass ich noch auf die Idee komme, mich aus Versehen hineinfallen zu lassen.

 

27.10.2005 um 14:22 Uhr

Liebes Tagebuch..

Ach, ich dachte, irgendwann muss ich ja mal so beginnen. Mit derartigem Titel meine ich. Also... naja, nix wichtiges eben... Schwamm drüber.

J. ist hier. Kaffeetrinken mit Mitbewohner A. Ich bin also wieder an meinen Rechner geflüchtet. So kann das nix werden mit weiterhin mögen! Dessen bin ich mir ziemlich sicher. Ich fühle mich ungern so verfolgt. Sage ja gar nicht, dass ich verfolgt werde, sondern dass ich mich danach fühle. Immer schön mit Ich-Botschaften arbeiten. Wie man diese dann über das Denken hinaus tatsächlich auch ausspricht, das lernen wir in der nächsten Stunde, liebe Kinder.

Habe in der Klinik angerufen. Wann ich Dienstag da aufzutauchen habe.. die erste Dame war sehr freundlich, konnte mir aber auch nicht wirklich helfen. Die zweite Dame hätte alle Informationen haben müssen, hatte sie aber nicht. Dafür klang sie zu Beginn des Gesprächs, als machte sie mir meine bloße Existenz zum Vorwurf. Gegen Ende war sie soweit, mir ihre Urlaubspläne und damit verbundene Schwierigkeiten zu verraten, freundlicherweise auch eine ungefähre Uhrzeit, zu der der Chef gewöhnlich zu arbeiten beginnt. Na das nenn ich Stimmungsumschwung. Zum Glück in die günstigere von beiden Richtungen.

Der Herbst macht grad ordentlich Betrieb da draußen. Windstille, aber Farben ohne Ende. Ich denke, ich verlagere meine J.-Flucht von drinnen nach draußen. Hat mehr Stil und so.

 

27.10.2005 um 08:52 Uhr

Wer will fleißige Handwerker seh'n..?

Der sucht bei uns in der Wohnung vergeblich.. Wie ich sie hasse, diese kleinen rosa Zettelchen an der Haustür, die zwei Wochen im Voraus das Einfallen der Schornsteinfeger, Heizungsmonteure, Gasableser, Wasserableser oder Nurmalsovorbeikommer ankündigen. Mit der präzisen Zeitangabe von "zwischen 7 und 9 Uhr". Was macht man? Sich den Wecker auf 8 stellen. Erfahrungsgemäß trudeln die Leute ja ohnehin erst gegen halb 10 ein. Hahaaaa, nicht so heute. Es klingelte Punkt 7. So schnell konnte ich meine vom Halbschlaf gebeutelten Gliedmaßen nicht mobilisieren, sich vom Hochbett hinunter bis zur Sprechanlage zu schwingen. Ich lauschte noch kurz, ob sich ein anderer meiner Mitbewohner zum Öffnen der Wohnungstür hinreißen lässt... nein, natürlich nicht. Eine Traumsituation für jeden beobachtenden Psychologen: Verantwortungsdiffusion nennt man das. Egal. Da die glückbringenden Emissionsmesser ohnehin die Runde durchs ganze Haus machen, werden sie wohl auf der Rücktour erneut klingeln und ich werde ihnen freundlich die Türe öffnen, sie hereinbitten, einen Kaffee anbieten, sie geschwätzig bei ihrer Arbeit unterhalten, interessierte Nachfragen stellen und möglichst unauffällig mit einem Finger die Jacken streifen. Da stellt sich mir die Frage: Wo berührt man einen Schornsteinfeger eigentlich idealerweise, um Fortuna eine möglichst hohe Dosis vom Stoff aller Stoffe zu entlocken? Und wie lästig muss es für einen Menschen sein, permanent von abergläubischen Geschöpfen begrapscht zu werden, in dem Wissen, dass es sich zweifelsfrei nicht um erotische Anziehungskraft, sondern lediglich um alberne berufsbezogene Märchen handelt? Sind Schornsteinfeger die Prostituierten der Moderne? Ich werde keinen von ihnen anfassen. [Zeitsprung... es klingelte] Wie ernüchternd. Kein stattlicher Mann in schwarz mit Zylinder und dieser komischen Kaminbürste am Gürtel. Ein kleines, beinah schmächtiges Männlein im Blaumann mit kleinem Köfferchen in der Hand. "Guten Tag, der Schornsteinfeger!" Ach nee... und so überraschend! Kein Kaffee, kein Schwätzchen, keine Prostitution. Die Sache war nach 7 Minuten Rumpeln, Klopfen und Hämmern erledigt. "Das wars, alles in Ordnung." Na da bin ich aber froh. Die letzten seiner Kollegen haben als Andenken immer so leuchtend rote Aufkleber mit der Aufschrift "Diese Feuerstelle ist nicht betriebssicher..blabla.. Lebensgefahr" hinterlassen. Das bedeutete dann, sich auf erneutes Kommen zwischen 7 und 9 einer anderen Firma einzurichten, welche dann innerhalb von weiteren 7 Minuten die Lebensgefahr beseitigt... allerdings erst nach 14 Tagen, in denen man sorgenvoll jedem Heizungsgeräusch lauscht und innerhalb der Wohnung möglichst wenig atmet, aber zumindest eine Erklärung für den außergewöhnlich tiefen Schlaf der letzten Zeit parat hat. Alles Geschichte. Das Blaumännchen ist wieder weg und ich bin tatsächlich mal zeitig aufgestanden.

Und sonst so? Habe ich J. gestern auf seine Kummer-mail in einem Beinahdreistundenschreibmarathon meine Sicht der Dinge geschildert. Gänzlich untheoretisch, voll aus der eigenen Erfahrungsschatzkiste schöpfend. Als ob sich die Episode "A." wiederholt. Allerdings mit vertauschten Rollen. Erstaunlich, wie simpel die Muster sind. J. schrieb mir daraufhin, er habe jetzt einen klareren Blick auf die Sache, die mail habe ihm geholfen. Das schrieb er mir zwischen den anderen kleinen Vorwands-sms. Nein, mein lieber J., ich fürchte, das mit dem Verstehen dauert noch ne Weile. [als hätte ich es heraufbeschworen... soeben, also quasi wirklich in diesem Moment quakte mein Telefon. Ja, mein Handy quakt. Na und?] J. fragt, ob ich heut frühstücken möchte.  Die Rolle des A. ist schwieriger als gedacht, aber wohl trotzdem wesentlich einfacher als der Gegenpart. Und ich schäme mich im Nachhinein für mein nachlaufendes, pseudo-nebensächliches sms- Bombardement, mit dem ich A. damals mächtig auf die Ketten gegangen sein muss. Es hat wirklich etwas Entwürdigendes. Total unsexy. Und so schrecklich durchschaubar dieses ganze Spiel. A. hat das wohl eleganter gehändelt als ich, aber für mich ist das Terrain freundlicher Zurückweisung noch Neuland. Keines, das mir gefällt, wenn ich ehrlich bin. Und ich habe das ungute Gefühl, dass sich das Ganze mit AII wiederholen könnte. Mit dem Unterschied, dass ich es bei ihm gar nicht erst soweit kommen lassen würde. Weil mein Bauch sich früher gemeldet hat und sämtliche Alarmklingeln wie blöde leuten. Wir waren gestern zusammen im Kino. Wallace&Gromit... Prädikat: empfehlenswert! Danach wollte ich eigentlich heim (Vorsichtsmaßnahmen und so), hab mich aber noch zu einem Guinness überreden lassen. (Konsequenz ist wirklich nicht meine Stärke). Und wir haben auch nett geschwatzt und es war ja auch ein durchaus angenehmes Beieinander... aber irgendwie... ich weiß auch nicht. Dieser sagenumwobene Funke bleibt aus. Fehlzündung sozusagen. Nur nicht so laut. Vielleicht liegt es auch am regen Kontakt, den ich in den letzten Tagen wieder mit A. hatte. Nach unserem nächtlichen Seelen-Strip am Sonntag war er derjenige, der jeden Tag anrief, er, der gestern kurz auf nen Kaffee vorbeikam... er, der wieder diese irrationalen Hoffnungen und Gedanken weckt, die ich doch schon so erfolgreich weggepackt hatte. Wie aufs Stichwort ist er wieder präsent und nimmt Raum in meinem Kopf ein, der ihm einfach nicht zusteht. Ist es denn so schwer für mich, mal nicht das Unmögliche zu wollen? Ich fürchte fast. Jetzt nur nicht zu einer sms an ihn hinreißen lassen...

26.10.2005 um 12:02 Uhr

ganz wichtig

(der Titel geflüstert wie in der Kondom-Schwangerschafts-Rennie-Werbung.. der Text gebrüllt wie "Fruchtalaaaarm" von dem Kind, das nur eine Mutter lieben kann)

Alles Liebe zum Geburtstag meine liebste B.!!!

24.10.2005 um 15:12 Uhr

Na dann doch lieber Gemüsesaft..

Statt Rotwein und Beck's. Schluss mit Alkohol... wenigstens für ne Weile. Das mittägliche verkaterte Erwachen beginnt mir nämlich selbst auf den (Wein)Geist zu gehen. Nicht, dass ich irgend jemandem frühes nüchternes Aufstehen schuldig wäre.. aber diese exzessiven nachgeholten Ferien gehen entschieden zu weit. So. Das musste mal gesagt werden. Und festgelegt sowieso.

Was inzwischen geschah:

Samstag haben J. und ich unterhalten. Eine Vieraugenaussprache. Er fand, dass es nötig wäre. Er hätte mich in den letzten Tagen als sehr distanziert und kalt wahrgenommen. (Möglich... aber war das nicht der Plan? Abstand gewinnen und so?). Wir kamen also wieder auf die Beziehungsschiene.. er hat die Weichen geschickt gestellt. Ich eierte ein wenig herum (wie sag ichs ihm denn deutlich aber möglichst nicht verletzend?) und war dann so klar und ehrlich, wie lange nicht. Wie noch nie, wenns mein persönliches Gefühlsleben betrifft. Ich bin nicht verliebt. Punkt. Mitbewohner A. und er wollten mich abends noch auf Arbeit besuchen. J. kam nicht, stattdessen sms von ihm. Es gehe ihm nicht gut.. ihm sei nur nach heulen, aber das werde schon vorbeigehen. Und ja, wir würden das irgendwann schon geregelt kriegen. In etwa 5 Minuten ist er mit Mitbewohner A. hier zum Kaffee verbredet. Naja, ich muss ja nicht dabeisitzen..

Gestern Abend war A. zu Besuch bei mir. In meiner umgeräumten "2. Etage". Er war begeistert. Und ich hab mich über die Begeisterung gefreut. Logisch. Es war wieder einer dieser gewissen Abende... wo man Gemeinsamkeiten entdeckt, die man vorher als üble einzigartige Marotten bei sich selbst diagnostiziert hat. Phantastisch! Juhu, ich bin normal! *räusper* Ich glaube, es gibt nichts, über das wir nicht miteinander sprechen könnten. Eine Ausnahme, die ich mir selber auferlege: Meine Gefühle für ihn... die zweifelsohne immer noch irgendwo vorhanden sind. Ich wäre sie gerne los. Wirklich. Aber das gestaltet sich schwierig. Man trifft recht selten Menschen, mit denen man ganz ohne Ärmelchen auf gleicher Welle schwimmt, egal in welchem Becken.  Gegen vier heut morgen ist er dann gegangen. Keine Ahnung, wann wir uns wiedersehen. Aber wer will schon immer alles genau wissen?

22.10.2005 um 15:35 Uhr

Termine Termine..

Oder: Wie bringe ich sämtliche Bedürfnisse unter einen Hut? Für morgen war erneutes Kennenlernen mit A II angedacht. Nichts festgelegt, aber im Kopf schon mal angedacht. Ja, wenn man schonmal anfängt zu planen.. Ich werde es verschieben müssen. Und warum? Weil A. angerufen hat. Ich hab ja gesagt.. er muss nur mit dem Finger schnipsen und ich springe. Wie würdelos. Nein, wie flexibel! Wir haben uns lange nicht gesehen, was natürlich seine Schuld ist. Wie kann er es wagen Urlaub zu haben? Tztztz.. Und ganz nach dem Motto: Wenn der gute Mann dann schon mal Zeit hat und sie mit mir verbringen möchte, dann werf ich eben alle Pläne über den Haufen.. auch wenn ich genau sowas nie tun wollte. Sowas? Na auf Abruf bereitstehen meine ich. Hüpf hüpf.. Aber ich hatte ja die Wahl. Entweder morgen oder Ende der Woche. Pro morgen: Er kommt frisch aus dem Urlaub, ist entspannt, hat keine 24-Stunden-Dienste hinter sich und somit ist die Chance groß, ihm in geöffnete Augen schauen zu können. Kontra:  Ach, was ist schon gesundes Selbstwertgefühl? Pah!

22.10.2005 um 13:51 Uhr

Doppelgnarf

Kinners Kinners... das geht doch so nicht. Oder doch. Vielleicht gerade so. Nur so.

Gestern hat M. in einem spanischen Restaurant seinen Geburtstag gefeiert.. Restaurant bedeutet: Projekt unterbrechen. Egal. War ja lecker. Kurz vor meinem Losgehen erfahre ich, dass D. (mein bisher einzig mehrjähriger LAG, wir erinnern uns) auch zugegen sein wird. Na janz toll. Naja, irgendwie freue ich mich ja doch. Sitzen auch den ganzen Abend nebeneinander, anfangs etwas verkrampft, scheint mir, aber das gibt sich.. mit jedem Desperados werden die Themen persönlicher und die Stimmung heiterer. Und ich glaube, es ist das erste Mal, dass wir über gemeinsam erlebtes plaudern. Vergangene Urlaube nämlich. Schöne Urlaube. Und wieder sagen wir uns, dass wir uns doch mal besuchen könnten. Zum Kaffee oder zum CDs austauschen oder zum Mikrowelle abholen. Ja, lieber D., sie steht immer noch hier, also mach dass Du Deinen Hintern hier rüber schwingst und sie mitnimmst. Ein guter Abend, ein sehr guter.

Derzeit habe ich das Gefühl, dass meine Lebens- und Erlebniswelt überwiegend durch Männer beeinflusst wird. Und das, obwohl, oder vielleicht weil ich da eigentlich keine Lust drauf habe. Oder weil mein wichtigster weiblicher Bezugspunkt nur noch übers Telefon bezogen werden kann. Ich weiß es nicht. Aber es macht Spaß.. keine anstrengenden emotionalen Kriege in mir. Keine Dramatik, die durchdacht werden will. Nichts. Geschehenlassen ist wohl das Zauberwort. Und sich gut fühlen. Konkreter? J. und ich haben beschlossen, dass wir zweifelsohne eine sehr schöne Woche miteinander verbracht haben.. harmonisch, witzig, versext. Aber dass das nunmal im Widerspruch zu unserem "wir-gehen-keine-Beziehung-ein-Gespräch" stand und somit umgehend ein Ende haben muss. Schließlich kann seinerseits nicht von einem "ich-will-keine-Beziehung" die Rede sein. Fairness und so. Und wiedergewonnene "Freiheit".. ich muss jetzt nicht mehr auf die Gefühle zweier Menschen achten.

Dann war ich doch tatsächlich mit A II aus.. von Kneipe zu Kneipe getingelt, ununterbrochen am reden. Selten einen Menschen mit derart positiver (oder sagen wir besser pragmatischer) Lebenseinstellung getroffen. Eine Einstellung, die meiner sehr fremd ist. Nicht, dass ich von grundauf negativ wär, aber meine Positivität bewegt sich wohl auf anderen Ebenen. In anderen Bereichen. Oder sie ist nicht allmächtig. Vielleicht das. Obwohl mir Ex-Mitbewohner P. gestern heftig abgeraten hat, werd ich schauen, ob sich A II näher kennenlernen lässt. Ohne Hintergedanken. (was mir P. wohl nicht glauben will). Einfach des neuen Inputs wegen. Neue Sichtweisen können den eigenen Scheuklappenblickwinkel nur erweitern. Allein schon deshalb lohnt es sich.

Tja und dann ist da noch mein Halbweltler. Traumtänzer. Schreiberling. Inzwischen hat er viele Namen. An früherer Stelle ist er als Internet-F. hier aufgetaucht. Ein Name, wie er unpersönlicher nicht sein kann.. wenn man von der allgemeinen Unpersönlichkeit dieser Abkürzungen absieht. Ich weiß nicht, was es ist, aber es ist gut so, wie es ist. Und ich bin sehr dankbar für diesen Austausch.

Ich fühle mich wohl. Und ich muss nicht darüber nachdenken, woran es liegt. Ist das ein Fortschritt? Na aber, das will ich meinen! Mir kommt es vor, als sei ich in eine dicke Decke aus liebenswerten Menschen eingewickelt. Genau richtig. Da kann der Winter kommen..

12.10.2005 um 18:48 Uhr

Aber das war ja nur ein Tag von zehn

Und ich hab vergessen zu erwähnen, dass die Chlorix-Taufe alles andere als fürchterlich war. Im Gegenteil. Sehr herzlich, sehr lustig und sehr entspannt. Also wieder sinnlose Panikmache vorher.

Und sonst so? Fand am Abend meines Ehrentages die erste körperliche Hürdenüberspringung  zwischen Ex-Aushilfsmitbewohner J. und mir statt. Er hat bei mir übernachtet. O-Ton: "Auch komisch, dass man bei dir im Bett landet, bevor man sich das erste Mal küsst, oder?" Na hör mal, klingt grad so, als wär das Standard.. tztztz. Kein Sex. Trotzdem wenig Schlaf.

Nächster Abend. Mittwoch also. Ich treffe mich mit Internet-F. in einer Kneipe. Wir reden viel und sehr sehr angenehm. Trotz anfänglicher innerer Anspannung, die durchs erste Bier schnell gelöst ist. Wir freuen uns auf baldiges Wiedersehen. Ja, wirklich, das tu ich! J. kommt in der Nacht noch vorbei. Zum Übernachten. Sex? Aber hallo. Und verdammt wenig Schlaf.

Nächster Morgen. Die große Reise steht an. C., Mitbewohner A. und ich wollen B. in ihrer neuen Heimat überraschen. 567,8 km von hier. Sie weiß von alledem nichts, aber ihre Mitbewohnerin ist eingeweiht. Wir müssen uns auf der Fahrt extra Zeit lassen, um sie auch wirklich abzupassen. Noch in ihrem Hausflur rufe ich sie an, um ihr mitzuteilen, dass ich unser verabredetes Telefondate am Abend verschieben muss, weil ich wohl nicht zu Hause sein werde. Eine Minute später klingeln wir. Der Prototyp eines geschockten Gesichts vor uns. Überraschung gelungen, würde ich sagen. Es dauert eine Weile, bis sie realisiert hat, dass wir da sind.. etwa 5 Zigaretten und ein Schaumbad. Dann ist auch endlich die Freude groß. Wir bleiben 4 Tage.. wir reden viel.. neue "Erkenntnisse".. trösten, Zuversicht.. eine heftige Diskussion zwischen B. und C., die aber halb acht in der Frühe auch endlich beigelegt ist.. wir fahren ans Meer... gehen ins IKEA (nicht meinetwegen, wohlgemerkt! Und ich musste die Vorstellung revidieren, ein schwedisches Möbelhaus gleiche dem anderen - Pustekuchen - unsers hier ist viel viel schöner!).. wir haben uns lieb und sagen uns das... wir genießen die gemeinsame Zeit. Am letzten Tag bemerke ich, wie sich die Grippe hinterhältig anschleicht, und so ist die Rückfahrt auch alles andere als entspannt.

Montag. Ich verbringe den Tag im Bett. Abends gesellt sich J. dazu und ich erkläre ihm, dass und warum ich keine Beziehung mit ihm eingehen kann. Er ist höflich, witzig, zuvorkommend, respektvoll, liest mir jeden Wunsch von den Augen ab, noch bevor ich ihn gedacht habe. Er ist unglaublich zärtlich und ein kreativer Liebhaber, ein absolut geduldiger Zuhörer... ich bin gern in seiner Nähe ... er ist alles, was Frau sich wünschen kann. Und ich? Bin wohl einfach nicht verliebt. Oder sucht Frau tatsächlich das sprichwörtliche Macho-Arschloch? Das kann doch einfach nicht wahr sein.. Er hat meine "Abfuhr" geahnt und akzeptiert. Wir verbringen erneut die Nacht zusammen.

Dienstag. Ich bin immer noch krank. DVDs retten mich über den Abend. Und wer wohl sonst noch? Sehr richtig. Bei der Zigarette-danach plagt mich mein schlechtes Gewissen und ich sage ihm, dass ich lieber alleine schlafen möchte. (Obwohl ich gern an seiner Schulter geträumt hätte.) Er geht. Die Nacht vergeht traumlos. Noch hat mich die Grippe in ihrer Gewalt.

Mittwoch. J. weckt mich mit Kaffee. Es ist doch nicht zum aushalten... Warum fällt es mir so schwer, mal weniger egozentrisch einfach "nein" zu sagen? Weil auch ich die Zeit genieße.. mich überkommt nur langsam die Gewissheit, dass es trotz aller gegenteiliger Beteuerungen seinerseits auf seine Kosten gehen wird. Heut abend mal alleine? Besser wärs wohl..

 

12.10.2005 um 17:56 Uhr

Ich bin ja so undiszipliniert..

was die Schreiberei angeht.. aber das sagte ich ja schonmal. Die letzten zehn Tage waren Leben pur - nicht schreibend gedacht, nicht virtuell, sondern simpel erlebt.

Mein Geburtstag. Montag Abend nochmal arbeiten. Bis 23.57 Uhr. Kellnertasche abwerfen, Gläser in die Hand und von nem Haufen netter Menschen Glückwünsche, Umarmungen, Telefonate und sms (sogar von A. :-)) bekommen. Ein gutes Gefühl... ein verdammt gutes. Am nächsten Morgen, also am eigentlichen Geburtstag gemütlich Kaffee trinken und anschließend mit J. ins Museum. Ins Museum? Ja genau. Am Eingang verabredeterweise mit H. auf nen Kaffee getroffen und ein superschönes Geschenk bekommen. Ein Mann, der zuhört, bzw. der weiß, womit er mich überraschen kann. Thank you so much! Nach dem Ausflug in die Welt der Kultur Spaziergang mit J. im "Park".. das Ding ist so groß, das hat den Namen Park eigentlich nicht verdient. Fotos machen, Wunsch-Nüsse sammeln, die eigentlich Eicheln sind, dafür aber aschenputtel-like drei an einem Zweig, durch nasse Wiesen laufen und sich gut fühlen. Am späten Nachmittag wieder nach Hause. Es dauert nicht lange, da betreten "meine Jungs", wie ich sie seit diesem Tag nenne (gemeint sind Mitbewohner A., Kollegenfreund S., C., J. und F.) die Wohnung. In der Hand eine selbstgebackene kalorienträchtige Torte mit 26 brennenden Kerzen und zwei große Pakete. Na Holla. Ich zweifle, ob in der Verpackung tatsächlich steckt, was drauf zu sehen ist. Nicht zu fassen - meine Jungs schenken mir nen DVD-Player samt Soundsystem, damit ich mich endlich ausgiebig meinen R.E.M.-DVDs hingeben kann. Sind sie nicht süß? Sind sie nicht einfach nur Zucker? Ich kann meine Freude nicht annähernd angemessen zum Ausdruck bringen.. aber sie wissen zitternde Hände und Tränen in den Augen ganz gut zu deuten. Wir verbringen den Abend gemeinsam bei Wein, Bier, Pizza und jeder Menge Lachen. Auch M. schaut später noch vorbei. Wie konnte ich nur jemals ernsthaft den Gedanken hegen, den Tag ganz allein in Geburtstagsignoranz einfach nur rumkriegen zu wollen? Da schüttle ich doch einfach nur den Kopf. Anrufe, sms und emails von Leuten, von denen ich es nie erwartet hätte. Großartig... einfach nur großartig. Jetzt bin ich 26. Die nächste große Hürde ist die... oh nein, lieber nicht dran denken..

02.10.2005 um 12:36 Uhr

Chlorix-Alarm

In ca. 2 Stunden rechne ich mit ihrer Ankunft. Die Sippe naht. Doch, ich freue mich sogar ein bisschen, auch wenn mich ihre Selbsteinladung etwa 8 Stunden Putzarbeit und 77,53 Euro für Nahrungsmittel gekostet hat. Zum Glück sind beide Mitbewohner abwesend.. so lässt sich der Status Quo der häuslichen Ordnung vielleicht ein wenig über die Zeit retten. Und sonst so? Sitze ich immer weniger am Rechner und wende mich immer mehr dem wirklichen Leben zu. Auf Kosten unzähliger ungeschriebener e-mails. Mein schlechtes Gewissen meldet sich. 'tschuldige F., ich hol das nach, versprochen! B. ist schon fast eine Woche nicht mehr da, ich höre ihre Musik und werde immer noch traurig. B., ich brauche doch Deinen Rat! Ex-Aushilfsmitbewohner J. hat mir nämlich persönlich seine "Zuneigung" gestanden..und die Rosen auf meinem Schreibtisch werden immer mehr. Ich fürchte, ich kann mich doch nicht so darauf einlassen, wie ich noch anfangs dachte. Er würde mich mit seiner Nähe erschlagen und ich bemerke schon jetzt Rückzugstendenzen meinerseits. Abgesehen davon ist er nicht der einzige, der derzeit in meinem Kopf Platz einnimmt. Ich habe A II kontaktiert und seitdem hagelt es Nachrichten seinerseits. P.'s Warnung zum Trotz möchte ihn ja zumindest mal kennenlernen. Tja, und dann ist da immer noch A. *selbsthau*. Ich gebe mir Mühe, auf rein platonischer Ebene an ihn zu denken.. wenn aber mitten in der Nacht schrecklich liebe sms von ihm aus Israel kommen, fällt es mir schwer, dieses Vorhaben umzusetzen. Wie immer ist also das Unerreichbare verlockender als das unmittelbar Greifbare. Sinnlos.

Übermorgen Geburtstag. Ich hab mir vorgenommen, den tatsächlich mal ganz allein mit mir und nur für mich zu verbringen. Einfach, um zu wissen, wie es sich anfühlt. In letzter Konsequenz müsste ich dazu natürlich das Telefon abstellen, damit würde ich mir aber den letzten Rest Verständnis ent- und eine gehörige Portion Zorn meiner Mitmenschen zuziehen. Geht also nicht.

Noch eineinhalb Stunden... ausreichend für ein paar Seiten "Der fünfte Berg" von P. Coelho.