Zwischenwelt(en)

30.04.2007 um 20:56 Uhr

Ich war fotografieren..

von: Discovery   Kategorie: So gesehen

Weil diese Stadt einfach wunderhübsch ist.

Leider dauert ein Sonnenuntergang auch nicht ewig. Noch so viel Abend übrig.

30.04.2007 um 19:12 Uhr

Püh, dann eben nicht.

Merke: Vorabendliche Verabredungen mit der Männerwelt zukünftig nur noch unter Bibeleid, wahlweise Schwur auf die Unschuld der Mutter, eingehen. "The person you've called.."

Jetzt heißt es: Auf eigene Impulse zwecks weiterer Abendgestaltung warten.

Ich warte.

Aber nicht mehr lang. So.

30.04.2007 um 17:14 Uhr

Anstalts-News

von: Discovery   Kategorie: Außenwelterleben

Im Grunde gibt es vom heutigen Tag nichts wirklich aufregendes zu berichten. Aber ich machs trotzdem. Des guten Willens wegen. Und außerdem soll ich mal wieder meinen spontanen Impulsen nachgeben und somit meine Kreativität fördern, was aufgrund Ereignismangels in etwa dem „Aus Scheiße Bonbons machen" gleichkommt.
Was also hab ich die acht Stunden auf dem Zauberberg getrieben? (Erwähnte ich, dass die Klinik tatsächlich ein Stück oberhalb der Stadt liegt?)
Morgenrunde.
Patienten - Personal - Verhältnis: Fünf zu vier. Irgendwie fühle ich mich angesichts dieser geballten Kompetenz gehörig unter Druck gesetzt. Ich berichte von meinen zahlreichen Wochenendaktivitäten: „Rumsielen. Ausruhen. Entspannen." Man nickt wohlwollend und wendet sich dem nächsten Patienten zu.
Frühsport.
Fällt aus wegen Wanderung.
Wanderung.
Ich geh nicht mit. Bereite mich stattdessen auf mein Einzelgespräch vor. So die offizielle Version. Tatsächlich trainiere ich mit einem Mitpatienten das allgemeine Länder-Hauptstädte-Wissen in Form von Listen, die wir uns gegenseitig abfragen. Hängen geblieben sind davon zumindest Georgien, Aserbaidschan, Malaysia, Belize und noch einige mehr. Ghana zum Beispiel.
Einzelgespräch.
Keine bahnbrechenden Erkenntnisse. Dafür Beleuchtung der Arbeit mit meinem stationären Therapeuten. Und die angenehme Erleichterung, dass sich selbst promovierte Psychologen über einen Umstand einfach nur wundern können, ohne ihn zwanghaft erklären zu müssen.
Linsensuppe.
Wegen Einzelgespräch kalt geworden.
Ausgiebig auf der Terrasse Pigmente haschen.
Währenddessen musikalischer Ausflug in vergangene Stimmungen. Das muss Einstein mit seiner Relativität von Zeit und Raum gemeint haben. Die Zeiten sind längst vorbei, aber es bedarf geringer Mühe, sie im Hier und Jetzt wieder realistisch erfahrbar zu machen. Das menschliche Gehirn ist einfach anbetungswürdig. Und wenn man bedenkt, was wir mit diesem Ding alles nicht begreifen, entpuppt sich die Welt als riesengroßer mystischer Spielplatz.
Zweite Runde Hauptstadtfragerei.
Diesmal allerdings mit wild assoziierten Eselsbrücken. Sämtliche neuronalen Netzwerke laufen auf Hochtouren, und es fühlt sich verdammt gut an, so frei denken zu können. Klingt komisch, is aber so.
Feierabend.
Wenn H. sich endlich meldet, steht dem abendlichen Freiluftbier nichts mehr im Wege.

 

29.04.2007 um 18:53 Uhr

Gesehen und geklaut.

[1] Würdest du dich lieber finden oder verlieren?
Finden, um mich dann irgendwann vielleicht wieder zu verlieren und dann wieder zu finden, usw..
[2] Warum lügst du?
Darum.
[3] Was denkt dein Spiegelbild von dir?
Na? Kennen wir uns nicht irgendwoher?
[4] Selbstgespräche?
Manchmal. Aber nur ganz ganz leise.
[5] Heimlich verliebt? Warum nicht?
Nein. Noch nicht. Aber ich arbeite dran.
[6] Wie würdest du dich dir selbst vorstellen?
Guten Tag, darf ich vorstellen? D.. Sehr angenehm, guten Tag.
[7] Wann hast du zuletzt in einer anderen Farbe als schwarz oder blau geschrieben?
Am 25.03.2007
[8] Gibt es Umstände, unter denen blauer Lidschatten ok ist?
Zeitreise. Beginn der Menschheit. Keiner siehts.
[9] Beschreibe einem Blinden Dein Aussehen. Würdest Du lügen?
Vermutlich. Und dann sag ich: Finger weg!
[10] Sind dir deine Eltern peinlich?
Inzwischen nicht mehr.
[11] Lieblingsfeiertag?
Buß- und Bett-Tag.
[12] Welches Holz riecht am besten?
Das, was noch als Baum irgendwo rumsteht.
[13] Drei Menschen, die du verachtest?
Gleichgültigkeit ist sparsamer im Energieverbrauch als Verachtung.
[14] Welche Tradition würdest du gerne begründen?
Die Morgens-bringen-mir-meine-Mitbewohner-den-Kaffee-ans-Bett-Tradition.
[15] Wen müsste man erschießen?
Die Revolverhelden.
[16] Worüber stehst du?
Über den Dingen jedenfalls nicht.
[17] Lieblingswort?
Affektinkontinenz.
[18] Keine Frage. Welche Antwort?
Vielleicht.
[19] Wie würdest du lieber heißen?
Eine Wahl hab ich ja doch nicht.
[20] Das letzte Weihnachtslied deines Lebens?
Ein sehr klägliches.
[21] Briefe aufreißen oder aufschneiden?
Gegebenenfalls (Zer)reißen.
[22] Wenn du eine Band hättest, wie würde sie heißen?
Blaue Felixmützen.
[23] Liebst du jemanden?
Ja.
[24] Jemals an Buntstiften gekaut?
Türlich.
[25] Was hast du dir zu deinem letzten Geburtstag gewünscht?
Nicht schon wieder älter zu werden.
[26] Lieblingsschimpfwort?
Kackbratze. Obwohl das ja eigentlich ein Kosename ist.
[27] Wovon solltest du Ahnung haben, was hindert dich daran?
Keine Ahnung.
[28] Was macht dich müde?
Melatonin.
[29] Mittag oder Mitternacht?
Egal. Hauptsache schlafen.
[30] Langsam oder schnell?
Angemessen.
[31] Fisch oder Fleisch?
Käse.
[32] Wen vermisst du am meisten?
Den einen oder anderen.
[33] Wonach riecht dein Atem?
Im Augenblick nach Pfefferminztee.
[34] Wenn du nicht du wärst, würdest du dich gerne kennen lernen?
Unbedingt!
[35] Was wirst du nie verstehen können?
Warum einem der Rückweg immer kürzer vorkommt als der Hinweg.
[36] Kannst du pfeifen?
Aber ja.
[37] Worin bist du behindert?
Logisches Denkvermögen und Orientierungssinn sind lediglich rudimentär vorhanden.
[38] Worin bist du perfekt?
Darin, mir mit Perfektionismus das Leben schwer zu machen.
[39] Warum fällt die Behinderung leichter als Perfektion?
Wie meinen?
[40] Was an der Natur würdest du ändern?
Willkürliche Änderung ist widernatürlich.
[41] Welche Tierart ist überflüssig?
Spinnen. Wenn ich da an der Natur was ändern könnte..
[42] Frage- oder Ausrufezeichen?
?
[43] Wirst du jemals berühmt sein? Wofür?
Ich gehe mal schwer davon aus. Das „wofür" muss allerdings noch geklärt werden.
[44] Glaubst du an Gott?
Ich wünschte, ich würde nicht.
[45] Siehst du nackt besser aus als angezogen?
Eher nicht.
[46] Was machen deine Füße gerade jetzt?
Zu Jazz-Musik gar lustig hin und her wackeln.
[47] Und wirst du?
Was?
[48] Was würdest du sofort abschaffen?
Mündliche Prüfungen.
[49] Welcher Feiertag müsste dringend erfunden werden?
Der Kreativitäts-Tag. Verordneter Einfallsreichtum!
[50] Würdest du auf einem Atlas die Elfenbeinküste sofort finden?
Ich denke wohl. Allerdings scheitert es derzeit am Atlas.
[51] Was findest du wirklich nicht zum Lachen?
Traurigkeit.
[52] Kannst du deine Nase mit deiner Zunge erreichen?
Kann ich.
[53] Hast du es gerade versucht oder wusstest du es auch so?
Gewusst. Dafür hab ich schon als Kind Beifall geerntet.
[54] Liebst du deine Erinnerungen?
Die einen mehr, die anderen weniger.
[55] Hast du je etwas gefunden?
Ha, jede Menge!
[56] Wofür schämst du dich noch immer?
Das würde ne lange Liste werden.
[57] Wo würdest du gerade lieber sein?
In einer meiner Zwischenwelten.
[58] Mache eine Faust. Wie fühlt es sich an?
Warm.
[59] Schläfst du lieber ein oder wachst du lieber auf?
Einschlafen. Da hab ich die Nacht noch vor mir.
[60] Was ist dein Lieblingsbuchstabe?
B. oder R. Vielleicht auch A.
[61] Was nimmst du deinen Eltern immer noch übel?
Meine Erziehung.
[62] Was hättest du lieber nicht ausgelassen?
Die ein oder andere Vorlesung.
[63] Welche Frage würdest du dir jetzt stellen? Beantworte sie.
Reicht's? Ja.
[64] Worüber würdest du dich mit dir streiten?
Darüber, ob Aquarellfarben-Horten sinnvoll ist oder nicht.
[65] Der traurigste Ort der Welt?
Welcher Welt?
[66] Letzte Frage. Wie sollte sie lauten?
Und jetzt? 

 

29.04.2007 um 17:09 Uhr

Weil mir grad danach ist..

von: Discovery   Kategorie: So gesehen

 

29.04.2007 um 14:08 Uhr

Dialog eins

von: Discovery   Kategorie: Fiktive Dialoge

Ich: „Ach wenn ich nur nicht solchen Appetit auf Schokoladeneis hätte."
Er: „Dann?"
Ich: „Dann hätte ich keinen Appetit auf Schokoladeneis."
Er: „Wo ist das Problem?"
Ich: „Ich hab Appetit."
Er: „Auf Schokoladeneis?"
Ich: „Ja."
Er: „Das ist wirklich ein Problem."

28.04.2007 um 20:43 Uhr

Psychotrommeln

von: Discovery   Kategorie: Außenwelterleben

Samstag. Endlich mal wieder Zeit nur für mich. Und ich bin viel zu tranig, um die wirklich genießen zu können. Gnarf.
Heut morgen nach aufdieminutegenau vierundzwanzig Stunden auf den müden Füßen ins Bett gefallen und satte fünf Stunden durchgeschnarcht. Huh! Enorm.
Und trotzdem ein gerüttelt Maß an Haushaltsangelegenheiten geschmissen (vierte Maschine läuft noch), nebenher Nahrung beschafft und musikalisch was fürs gebeutelte Gemüt getan. Telefoniert, A.s Pflanzen gepflegt und mehrfach die Klamotte gewechselt hab ich außerdem. Und wenn ich dann noch mein Bett mit neuem Überzug versehen hab (was in der nächsten Stunde geschehen wird), darf der Sandmann gern über die Schwelle springen und mir ne Ladung Schotter ins Gesicht werfen. Bis dahin erzähle ich einfach vom vergangenen Donnerstag.
Nun, das war so. Um mein Leben nicht nur neuen Anstrich, sondern ne gründliche Vollsanierung zu verpassen, bin ich emsig dabei, meine Woche mit festen Terminen voll zu stopfen, die mich zwingen -oho- mein Nest zu verlassen und mich auf Teufelkommraus neuen Eindrücken auszusetzen. So geschehen also am Donnerstag.
Ich bin jetzt Trommlerin! Für drei Ex-Verrückte und mich begann vorgestern ein zwölf - mal - fünfundvierzig - Minuten - Exkurs ins Reich der afrikanischen Rhythmen.
Mit angolanischer Gelassenheit (und ner Verspätung außerhalb des akademischen Viertels) begann unser Kursguru die Stunde mit kurzen Erklärungen der verschiedenen Djembé, zeigte einmal „Bass, Slap, Tap" (Der kleine Narzisst in mir hat sich vor lauter Erfolgsdruck „Und wehe das klappt nicht auf Anhieb!" bald ins Hemd gemacht) und schon gings los.
Mit uns im Raum saßen aufgrund von Gruppenverplanung noch vier nette Leute, die den Kurs inzwischen zum dritten Mal machen, und erduldeten brav die Anfängerübungen.
Erst ganz langsam, bis jeder die verschiedenen Rhythmen halbwegs drauf hatte. Doch es dauerte nicht lang, da wurde das Ganze schneller und schneller und vor allem lauter und der ganze Raum war nur noch Bass, Bass, Slap, Bass (Und vor allem Bass!), der Schrank vibrierte, der Guru sang mit und ich kam mit dem Denken und bewussten Koordinieren gar nicht mehr hinterher. Da haben sich meine Hände kurzentschlossen selbständig gemacht, und -oh Wunder- so ganz ohne mich den Takt gehalten. (Narzisschen noch nachträglich zufrieden!) Irgendwie tobte das alles wildharmonisch in mir herum und... passte ganz einfach! Ein derartiges Gefühl hätte ich in der ersten Stunde nun wirklich nicht erwartet, und deshalb war es auch eine Spur beängstigend. Aber irrsinnsgroßartig.
Dann war die Zeit plötzlich um. Die Arme taten weh, der Kopf drehschwindelte, und wie vier bekiffte Engel sind wir nach Hause geschwebt, haben kaum ein Wort gewechselt, um uns irgendwann vorfreudig zu verabschieden: „Nächste Woche um sechs?" „Nächste Woche um sechs!"

25.04.2007 um 20:56 Uhr

Die Kurzfassung

von: Discovery   Kategorie: Außenwelterleben

06.00
Or nöö, bitte nicht!
07.20
Klapsenkaffee. Ausnahmsweise wirklich angemessen stark.
07.42
Das Therapeutenteam beliebt zu scherzen und überrascht zur Morgenrunde mit neuer Sitzordnung.
08.37
Frühsport. Mit auffallend geringer Beteiligung. Sowas aber auch.
09.00
Frühstück. Keine Erdbeermarmelade. Ich brauche ein Einzelgespräch!
09.31
Einzelgespräch.
Themen: Wer hat das Penicillin entdeckt, wie heißt das israelische Parlament und wann flog der erste Sputnik ins All?
Außerdem: Rationalität mit Emotionalität kreuzen! Das macht den Weg frei für Barmherzigkeit. Oder so ähnlich.
10.15
Kunsttherapie. (Siehe 18.04.2007). Kleine Abweichung: Den Schnipsel sucht jemand anderes für mich aus. Kein Hundertwasser, aber trotzdem spontan ansprechend.
10.51
Das israelische Parlament hängt mir noch gewaltig nach. An künstlerische Betätigung ist irgendwie nicht zu denken. Ich gehe eine rauchen und bin pünktlich zur Bildbesprechung zurück. Viel zu sagen hab ich allerdings nicht.
11.45
Noch eine rauchen. Auch der Sputnik macht mir zu schaffen.
12.30
Seelachsfilet mit Kartoffeln und Soße.
12.50
Yann Tiersen so laut es geht.
Der ganze Zauberberg da oben fühlt sich inzwischen wie eine große Sippe an. Kaum einen Schritt, den man geht, ohne jemanden zu grüßen. Unheimlich.
14.30
Endlich Kaffeepause. Vor lauter grüßen vergisst man glatt das Wesentliche.
14.40
Wiederkehrer überflüssigerweise willkommen heißen.
Über „alte Zeiten" plaudern. Feststellen, dass es nicht immer gute waren.
15.33
Beinahe den Feierabend verpasst. Nun aber husch.
16.02
Versuch, das „Leben danach" zu regeln.
In der Summe kann ich einen dreiviertel Punkt von der to-do-Liste streichen, lobe mich trotzdem.
17.30
Mit ner „Ehemaligen" im Biergarten auf ne Apfelschorle getroffen. Die Realität ist anstrengend, das ist ihr anzusehen. Wir halten das Treffen kurz.
19.00
Mitbewohner A. erzählt mir ohne Punkt und Komma von seinem Tag. So überdreht hab ich ihn selten gesehen. Ich will höflich sein und bleibe sitzen. Ertappe mich dabei, den gedanklichen Sputnik zu mimen.
20.00
Vollkornbrot mit Käse.
20.34
Warten auf die Nacht. Akku leer, und ich weiß nicht mal wovon.

 

 

23.04.2007 um 20:55 Uhr

Da war ja noch was..

von: Discovery   Kategorie: Außenwelterleben

Das heutige Gespräch mit meinem Therapeuten war wieder mal sehr vergnüglich.
Erstens:
War er sehr begeistert von meinem Gemütszustand. Für ihn sei sogar ne Entwicklung über die letzten zwei Wochen sichtbar. (Ich sehe was, was du nicht siehst? Na meinetwegen)
Zweitens:
Da ich (Zitat) „nicht mehr patientig" (ein gigantisch schönes Wort, wie ich finde) sei, wisse er auch gar nicht so richtig, worüber wir noch reden könnten. (Na prima! Dann schweigen wir uns die verbleibenden 5 Sitzungen doch einfach an. Ist immerhin auch Training!)
Drittens:
Gute Prognose. An biologisch relevanten Faktoren bringe ich alles mit, was ein Rezidiv unwahrscheinlicher macht.
Viertens:
Hab ich dank seiner sprühenden Phantasie eine Idee für meine Diplomarbeit.
Fünftens:
Therapeutischer Auftrag: Kalender besorgen. Wurde umgehend erledigt. (Und es ist wirklich nicht leicht, im fortgeschrittenen Jahr noch einigermaßen ansehnliche UND brauchbare zu finden)
Sechstens:
Hab ich die Erlaubnis, weiterhin To-do-Listen führen zu dürfen.

 

23.04.2007 um 20:10 Uhr

Guck doch mal, wie herrlich die Sonne scheint!

Das wird schon wieder. Lach doch mal! Man muss sich nur an den kleinen Wundern des Alltags freuen!
Es gibt Äußerungen, die, selbst wenn sie von außen an jemanden herangetragen werden, der momentan in einer depressiven Episode steckt, hilfreich sind oder motivierend wirken. Die oben genannten gehören mit Sicherheit nicht dazu.
Natürlich möchte man so einen elenden Jammersack dazu bringen, nach gefühlten fünf(zig) Wochen endlich mal den Hintern hochzukriegen, der Abwasch macht sich schließlich nicht von alleine. Die Rechnungen bezahlt auch niemand sonst. Und das Geheule jeden Tag macht selbst das stabilste Nervenkostüm irgendwann nicht mehr mit.
Die Verlockung, da in einem kleinen Nebensatz so was wie: 'Nimm nicht alles so schwer, das Leben ist schön, und übrigens, der Mülleimer könnte auch mal geleert werden', fallen zu lassen, ist in der Tat groß. Aber.
Liebe Leute lasst Euch sagen, derartige Phrasendrescherei bringt keine Punkte. Denn: Das Gegenteil von gut ist? Aber ja. Gut gemeint. (Dieser Hinweis ist übrigens in jeder handelsüblichen Depressions-Broschüre nachzulesen.)
Wie komme ich überhaupt darauf?
Well, ich saß vorhin gemütlich auf einer Bank im Klinikpark, überbrückte die Zeit bis zur nächsten Therapie mit Nichtstun, und fühlte mich gut. Richtig gut. Weil sich nämlich einiges verändert hat:
Das Vogelgezwitscher ist kein bedrückender Lärmbrei mehr. Die Sonne scheint nicht, um ausgerechnet mich zu blenden. Das Eichhorn provoziert mich nicht mit seiner Lebenslust. Und das Stricknadelgeklapper der Dame neben mir ist keine Aufforderung zur Flucht, sondern gibt mir das wohlige Gefühl, hier nicht alleine die Zeit totzuschlagen.
Derartiges von mir zu hören - vor ein paar Monaten so was von undenkbar. Undenkbarer geht fast nicht.
Heißt das also, dass an den Fröhlichkeitsparolen doch was dran ist? Türlich. Aber die Erfahrung kann man keinem aufdrücken. Die muss man hübsch selber machen.
Und trotzdem (Ich brech ne Lanze für die F32- und F33er):
Diese entzückenden Alltagskleinigkeiten sind nicht das, was das Leben ausmacht.

PS: Aber sie bereichern es ungemein.

22.04.2007 um 18:03 Uhr

Die Immerallesbesserwisser

Es gibt Situationen, in denen Menschen den ein oder anderen „Kunstgriff“ benutzen, um ihr kreatives oder geistiges Potenzial brillanter darzustellen, als es möglicherweise ist. Die harmloseste Variante dürfte das Nachschlagen im Duden der Rechtschreibung wegen sein, die höchste Form vermutlich das Plagiat.

Um die Diskussion „Wie viel Diebstahl ist erlaubt?“ geht’s mir allerdings grad nicht, ich beschränke mich auf die legalen Alternativen.

Und ich hab mir die Frage gestellt, was einen Menschen dazu motiviert, den Gebrauch derartiger Hilfsmittel als solche bei jemand anderem zu „enttarnen“. Wenn’s geht auch noch öffentlich.

Doofes Beispiel: Jemand erzählt einen Witz und alle lachen. Bis auf einen in der Runde, der nichts besseres zu tun hat, als dem Erzähler meinetwegen an den Kopp zu knallen: „Wääh, kenn ich schon, den hat doch XY letztens erzählt, als wir zusammen blablabla.“ Das schmälert nicht unbedingt den komischen Gehalt des Witzes, hinterlässt beim Witzmachenden mitunter ein schlechtes Gefühl, das doch eigentlich nicht sein müsste.

Nun muss man sich das nur noch auf Situationen übertragen vorstellen, für die ich leider keine Beispiele habe und die ich auch nicht annähernd beschreiben kann, und schon ist man an dem Punkt, der eigentlich niemanden interessiert, und an welchem jedes Kopfzerbrechen darüber die reinste Zeitverschwendung ist.

Und ich frage mich trotzdem: Ist es einfach ne Profilneurose? Definieren solche „Witzzerstörer“, die scheinbar immer über den Dingen stehen, ihren Selbstwert über das Bloßstellen der vermeintlichen Schwächen eines anderen? Ach, ich weiß es nicht. Aber es kotzt mich trotzdem an. So.

20.04.2007 um 16:38 Uhr

Ausflug der Halbtags-Kaputten. Oder: Safari light

von: Discovery   Kategorie: So gesehen

Seit heute morgen pfeife ich ununterbrochen den absoluten Kracher der Heimatmusik vor mich hin: Das Waaandern ist des Müllers... und so weiter. Weil wir heut ausgeflügelt sind. Und wären wir nicht so durch den Wald gerannt, hätten wir vermutlich noch viel mehr wilde Tiere gesehen. Aber für den Anfang nicht schlecht.

18.04.2007 um 21:05 Uhr

Hundertwasser, Picasso und ich

Heute: Kunsttherapie
Was'n das?
Eine Gruppe von vielleicht sieben, acht Gestörten sitzt verteilt an zwei Tischen in einem herrlich hellen Atelier, umgeben von herrlich vielen Materialien und brennt darauf, von der Therapeutin ein herrlich abstruses Thema zur einstündigen Bearbeitung vorgeschlagen zu bekommen.
Diesmal:
„Ich verteile hier mal ein paar Bilderschnipsel, und sie suchen sich einen heraus, der sie am ehesten und ganz spontan am meisten anspricht." Gut. Und weiter?
„Dann wählen sie sich ein Format, kleben den Schnipsel irgendwo auf's Blatt und gestalten die restliche Fläche unter dem Einfluss des gewählten Motivs."
Aha. Ich hänge immer noch bei der Bildauswahl. Kann mich nicht entscheiden zwischen Hundertwasser und Hundertwasser. Das eine zeigt schiefe Häuser, ein Mädchen auf roter Straße und allerlei gelbe und grüne Kästchen - ganz naiv und ganz meins. Das andere von ihm sieht fast genauso aus. Nur ohne Mädchen, ohne Straße, ohne Kästchen.
Letztlich wähle ich das Mädchen, male noch mehr Häuser, Brücken und Kästchen, dazu Windmühlen und Boote, die kopfüber die Straße, die bei mir allerdings ein Fluss ist, entlang schwimmen.
Natürlich reicht mal wieder die Zeit nicht, um meine kreative Hirnblüte vollends zur Entfaltung zu bringen. Noch so viel freie Fläche. Frustrierend.
Eine halbe Stunde vor Schluss finden sich die Maleristen in einem Stuhlhalbkreis zusammen, um quasi blickgebündelt an die Wand zu starren, an der die angeklebten Werke auf ihre Erklärung warten.
„Ich hab heut den Eindruck, dass viele von ihnen sehr in ihrer Arbeit aufgegangen sind... als hätte sich beim Arbeiten in ihnen eine kleine Geschichte entwickelt." Ich runzle die Stirn. „Na, Frau D., sie gucken so skeptisch, bei ihnen war's wohl nicht so?" „Hm, nein. Nicht wirklich." Und ich erzähle, weshalb ich mich für den Hundertwasser mit statt ohne Mädchen entschieden habe, verleihe meiner Unzufriedenheit ob der blassen und flachen Farben Ausdruck, bedaure, dass ich nicht fertig geworden bin und beende meine Rede mit: „Aber immerhin bunt."
Nun ist es aber nicht so, dass mein Bild damit abgehandelt wäre. Oh nein. Einige Mitmaler lassen sich dazu hinreißen, noch den einen oder anderen Kommentar abzugeben.
Ich könne machen, was ich wolle, ich sei ja immer unzufrieden mit mir.. Und die Kästchen... die seien so hart umrandet... wie eine rigide Abgrenzung verschiedener Lebensfelder. (Was bitte sind Lebensfelder?)... So durchstrukturiert und eingeengt!
Ja, das ist selbst mir inzwischen aufgefallen, aber ich möchte es nicht jede Stunde aufs neue hören müssen. Geschickt kontere ich: „Hahaa, du müsstest mal meine Bilder vom Anfang hier sehen! Dagegen ist das heutige die blanke Lavur!" Und da springt mir auch schon die Therapeutin zur Seite.
„Ich glaube, die Strukturen und harten Ränder gehören einfach zu ihnen. Man muss hier auch nicht alles verändern. Und was die Unzufriedenheit betrifft.. die kann durchaus auch ein Motor für weitere Schaffensperioden (!) sein. Viele Künstler durchlaufen zu Beginn eine Phase, in der sie glücklich sind mit ihren Werken. Dann kann eine lange lange lange Phase kommen, in denen sie mit nichts zufrieden sind, bis sie irgendwann viel viel viel später wieder an den Punkt gelangen, an dem sie sich auf die Schulter klopfen und sich sagen: Gut gemacht. Selbst Picasso (Titelbezug!) hat die Entwicklung durchgemacht." Na also. Ich Genie ich. Bin einfach nur in Phase II!
Weil ich aber trotzdem ungern unzufrieden bin, hab ich das Bild mit nach Hause genommen, noch dickere Kästchen gemalt und meinen Lebensfeldern klargemacht, wohin sie gehören. Punkt.

17.04.2007 um 19:56 Uhr

Ich liebe meinen Therapeuten!

von: Discovery   Kategorie: Außenwelterleben

Na? Reißerischer Titel, was?
Eigentlich ist es so, dass ich nicht ihn liebe, sondern die Arbeit, die er macht. Und im Grunde auch nicht die Arbeit als solches, sondern wie er sie macht. Und lieben ist vielleicht auch das falsche Wort. Ich bin begeistert davon. So. Jetzt ist von der Überschrift nichts mehr wirklich wahr. Macht aber nichts.
Wie kommt's denn, dass ich so enthusiasmiert (Synonymwörterbuch!) bin? Ich glaube, ein großer Teil liegt darin begründet, dass mir der Mann nicht das Gefühl gibt, mit einer programmierten Fassade zu sprechen. Der spricht sogar zurück! Provoziert ohne wertend zu sein. Ist kreativ und spontan, erweckt aber nicht den Eindruck plan- und ratlos zu probieren, nur um das Probieren auf seiner To-do-Liste abhaken zu können.
Ein Beispiel?
Ganz grob gesagt ging es heute um das Thema gebremste Spontaneität. Hemmungen in Situationen, die an und für sich keiner Hemmung bedürfen, bzw. nicht in diesem Ausmaß, das ich mitunter an den Tag lege. (Na, jetzt werde ich aber sehr persönlich, wie?).
Und wir waren gerade so am überlegen und theoretisieren, wie man derartige Gewohnheiten überwinden könnte und was beispielsweise in dem therapeutischen Rahmen möglich wäre, als der gute Mann unvermittelt seine Füße auf den Tisch zwischen uns legt (Um Gottes Willen, die Tischdecke!), mich anguckt und fragt, ob ich nicht Lust hätte, es ihm gleich zu tun... sei ja auch viel bequemer (haha!).
Ich gebe zu, kurz überlegt zu haben. Aber dann, zack, Füße hoch (Tischdecken kann man schließlich waschen), und dann saßen wir da rum, redeten munter weiter, ich musste feixen, Experiment gelungen.
Später unterhielt er sich in einem Rollenspiel mit meinem „schwarzen Ich" (Jetzt wird's noch persönlicher, autsch!), als würde ich, also ich als herkömmliches Ich (nein, ich bin nicht multipel!) einfach nur als Raumschmuck dabei sitzen und nichts zu sagen haben. Das war ungewohnt, schwierig, aber aufschlussreich.
Diese winzigen Episoden minimaler Unkonventionalität haben mich vermutlich deshalb so beeindruckt, weil ich es von meinem stationären Therapeuten monatelang gewohnt war, zum fixen Termin in ein enges Zimmerchen bar jeder persönlichen Atmosphäre zu gehen, mich dort an/hinter/neben einen rosabedeckten Tisch zu zwängen, um dann in einem mitunter krampfigen Monolog diverse Themen anzureißen, die oftmals irgendwo in den Akten verschwanden, ohne sie wirklich befriedigend bearbeitet zu haben. Ok, Ich bin ungerecht und unterschlage die Fortschritte, die ich mit ihm ja durchaus gemacht habe. Aaaaber, ich komme einfach nicht umhin zu sagen: Ich bin wirklich hin und weg... und sowas von zuversichtlich, Halleluja.

16.04.2007 um 20:19 Uhr

Mein Meta-Meta-[…]-Meta-Ich. Oder: Die endlose Analyse

Es ist inzwischen eine Weile her, dass ich hier meine ersten Gedanken verfasste, und schon relativ zu Beginn berichtete ich von dem Phänomen, dass ich anfing, in aufschreibbaren Sätzen und Wendungen zu denken. Erlebnisse sozusagen aus der Perspektive der Erzählbarkeit heraus zu betrachten.
Dieser Umstand zwang meine Aufmerksamkeit, sich in mindestens zwei Teile zu splitten: Einerseits Anwesenheit in entsprechender Situation und andererseits (sozusagen auf einer höheren Meta-Ebene... siehe unten) Prüfen, inwieweit sich die Ereignisse später des Festhaltens als würdig erweisen. Allein diese Aufteilung forderte (und fordert derzeit wieder) von meinem Bewusstsein eine ganze Reihe an Bewertungen und Entscheidungen.
Mein Therapeut würde an dieser Stelle sagen: „Werden sie doch mal konkret! Geben sie mir Beispiele!" Später, Herr R., später.

Also. Bewertungen.
Wie stelle ich mir das vor?. Nun, ein Individuum begibt, nein, befindet sich in einer Situation. („Begibt" setzt schon wieder so viele Entscheidungen voraus, die die Sache an diesem Punkt unnötig verkomplizieren würden.)
Eine der ersten vorgenommenen Bewertungen in einer Situation könnte sein: Angenehm vs. Unangenehm.
Darauf folgt recht bald: Situation verlassen oder bleiben.
Eine sich unter anderem anschließende Entscheidung wäre vielleicht: Passiv bleiben oder aktiv werden.
Derartige Fragen würde ich mal auf der ersten Meta-Ebene ansiedeln. (Meta-I meinetwegen)
Dass sich mit jeder dieser zu treffenden Entscheidung die möglichen Handlungsvarianten potenzieren, wird schon anhand dieser drei genannten Aspekte deutlich. (Hach, und da gibt's ja noch einige mehr!)
Man könnte sich also vorstellen: Individuum nimmt Situation als angenehm wahr, entscheidet zu bleiben, sich aber nicht bewusst aktiv einzubringen.
Zum Beispiel: (Ha!)
Ich befinde mich in einem Raum, in dem sich mehrere Menschen angeregt unterhalten.
Ich empfinde es als angenehm dort zu sein (Weil ich die Leute mag, und/oder das Thema interessant finde usw.), und beschließe zu bleiben (Um das angenehme Gefühl aufrecht zu erhalten), mich aber nicht aktiv an dem Gespräch zu beteiligen (Weil ich nichts zum Thema beizutragen habe, weil ich Angst habe vor Leuten zu sprechen oder was auch immer)

Oder auch: Individuum erlebt Situation als unangenehm, entscheidet sich aber bleibend aktiv zu werden, um die Situation zu beeinflussen.
Usw. Usw.

Dass sich die bisher angeführten Entscheidungen im Situationsverlauf durchaus flexibel gestalten, muss ich jetzt einfach mal außen vor lassen.
Nun ist es ja so, dass sich das ganze X-oder-Y-Gedenke überwiegend im Reich des Unbewussten bewegt, und damit der gerichteten Aufmerksamkeit nicht allzu viel abverlangt.

Es sei denn, man macht gerade eine Psychotherapie.

Da setzt man sich nämlich irgendwann nicht mehr einfach so in eine Runde, schwatzt mit oder hält die Klappe, wenn man nichts zu sagen hat. Steht auf, wenns genug ist oder bleibt, weil man zu betrunken ist, um aufzustehen. Naahein!
Da ist man nämlich so hochgradig selbstfixiert, dass man sich, noch bevor man irgendwo eine Gruppe erahnt hat, auf Meta II begibt und fragt: „Verspüre ich das Bedürfnis nach sozialem Kontakt? Verspüre ich es wirklich? Kommt es aus mir selbst oder denke ich nur, dass es aus mir selbst kommt? Warum verspüre ich das Bedürfnis? Kann ich etwa nicht allein sein? Bin ich gar so narzisstisch, dass ich denke, nichts verpassen zu dürfen?"

Wenn ich das Pech habe, dann tatsächlich auf eine Gruppe zu stoßen, schließt sich gleich der nächste Fragenkatalog an:
„Ob ich mich jetzt einfach dazusetzen darf? Was, wenn die mich nicht leiden können? Und warum stell ich mir überhaupt die Frage, ob ich mich dazusetzen kann? Was macht mich so unsicher? Sieht man mir die Unsicherheit womöglich an?"

Spätestens jetzt ist der Punkt erreicht, an dem sich das psychotherapeutisch gezüchtete dritte Meta-Ich einschaltet. Das ist nämlich dafür zuständig, zu analysieren, ob es sich bei der ganzen Fragerei (und dem sich anschließenden Verhalten) um gewohnte Tendenzen handelt (die man im Zuge der Behandlung ja gerade abzulegen wünscht), und wenn dem so ist, Motivation und Strategien bereitzustellen, um diesen Gewohnheiten eben nicht nachzugeben, sondern bewusst alles anders zu machen als bisher.
Ein beliebtes Mittel, derartige Situationen zu trainieren, ist übrigens, den Patienten beispielsweise auf die Straße zu schicken und fremden Leuten Komplimente machen zu lassen.
Jahaa, weil diese Meta-III-Prozedur aber noch nicht genug Energie frisst, muss das vierte Meta-Ich zusätzlich darüber nachdenken, ob und wie man den ganzen Kram am besten dem Therapeuten erzählt. Schließlich will man ja zeigen, dass man mitarbeitet und -denkt, und nicht nur sinnlos Zeit absitzt. Ein guter Patient sein eben.
Und als absolute Krönung überlegt sich das blogschreibende fünfte Meta-Ich, wie es diese wunder- und vor allem sinnvollen Gedanken einer unbekannten Leserschaft berichten kann, von der es nicht einmal weiß, ob es sie gibt.
Na, ist das nicht Multitasking in Reinkultur? Und da fragen mich die Leute, warum ich mich nach nem Acht-Stunden-Klinik-Tag nicht einfach zu ihnen auf die Couch setze, um übers Wetter zu plaudern. Ich kann gar nicht! Bis ich alle Entscheidungen getroffen habe, die es mir ermöglichen, mich zu setzen, sind alle anderen schon wieder weg!

15.04.2007 um 19:15 Uhr

Trotzdem..

von: Discovery   Kategorie: So gesehen

Weil mir Blau eben doch immer noch ein bisschen Spaß macht. Abkoppeln alter Assoziationen, und schon ist es nicht mal mehr problematisch.

15.04.2007 um 18:49 Uhr

Übrigens..

von: Discovery   Kategorie: So gesehen

Male ich jetzt organisch. Und grün. Grün! Ich! Meine künstlerisch bildende Welt bestand lange Zeit aus Rot, Schwarz, Weiß, Grau und bestenfalls Blau. Der Kontraste wegen. Und jetzt? Grün. Das erweitert meinen farblichen Horizont um einiges.

15.04.2007 um 18:30 Uhr

Verfluchte Vorsätze..

Ich bin ja selbst schuld. Habe mir nämlich vorgenommen, nur noch selten und schon gar nicht alleine Alkohol zu trinken. Klingt vernünftig und vor allem gesund. Soweit so gut. Nun verhält es sich aber so, dass ich heute, bei dieser frühsommerlichen Balkonsitzatmosphäre das enorme Bedürfnis verspüre, mich eben wirklich auf den Balkon in den Frühsommer zu setzen und ein lecker Köstritzer zu trinken.
Der Aspekt der Seltenheit ist gegeben. Das Bier steht immerhin schon einige Tage unberührt im Kühlschrank.
Um auch die Bedingung des Geselligkeitstrinkens zu erfüllen, hab ich verzweifelt versucht, Mitbewohner A. zum Mittrinken zu animieren.
Augenklimpern, Bettelhaltung und logische Argumente (Der Saufdruck muss nur hoch genug sein, da entfaltet sich die Kreativität von ganz allein!) - nichts hat geholfen. Er bleibt standhaft. Ausgerechnet jetzt! Wochenlang am Schlucken, und gerade heute erzählt der mir was von Sodbrennen. Das ist nicht fair.

14.04.2007 um 23:41 Uhr

Ich bin einfach

nicht in der Lage, vernünftige Absätze in den Text zu bringen.

Randnotiz: Kein Weltuntergang!

14.04.2007 um 23:33 Uhr

Begegnungen

Ich hab jetzt ne Weile überlegt, ob und wie ich erkläre, weshalb es überhaupt zu dem „Mein Therapeut sagt.." kommen konnte.
Also ganz kurz: Ich brauchte ganz dringend jemanden, der sich mit Irrungen und Verwirrungen im Oberstübchen allgemein und in meinem speziell so richtig auskennt. Einen Profi eben. Madame hat also einen Dachschaden, jetzt sogar richtig offiziell und schwarz auf weiß.
Und weil da nicht nur ein paar Ziegel fehlen, im Gegenteil, man auf der Esse sitzend bis in den Keller gucken kann, bemühen sich gleich Schornsteinfeger, Zimmermann und Dachdecker gemeinsam um die Reparatur. Die kommen natürlich nicht alle Nase lang hier vorbei, deshalb bin ich mit Sack und Pack zu denen in die „Firma" gefahren und hab mich gleich mal ein paar Monate dort eingenistet.

Statt mit schwerem Gerät gehen die da ganz subtil an die Sache ran... ein paar kleine Kügelchen in den Mund geworfen (zum Füllen der Lücke von innen vermutlich), Besprechung der Schadensursache und eigener Instandsetzungsversuche, und nicht zuletzt Bildung einer Gruppe von ähnlich Betroffenen zum Besingen, Betanzen und Bemalen der Gefühle, die mit der drohenden Einsturzgefahr einhergehen.

Ok, Zeit die Dinge beim Namen zu nennen.
Im November bin ich rein in die Klapse, seit Ende März nur noch halbtags dort, und Mitte Mai werd ich voraussichtlich wieder ganz zu Hause sein.
Ich bin ja fast dazu geneigt zu sagen:
Die Erfahrung sollte jeder mal gemacht haben!
Eine Mischung aus Knast und Klassenfahrt, Freundschaft und Intriganz, Ohnmacht und Manipulation, Drama und Komödie. Das ganz normale Leben eben.. allerdings auf engstem Raum und unmittelbar intensiv.

Und obendrauf gibt's die Lizenz zum Irresein.
Immer schon mal Lust gehabt, aus Wut irgendwas (etwa eine Tasse, einen Winterstiefel oder Tennisschläger) gegen einen Baum oder eine Mauer zu schleudern? Ab in die Klinik, da gilt das sogar als adäquater Erregungsabbau!

Hatten Sie je das Bedürfnis, schwarze Farbe auf Leinwand zu spucken und im gleichen Atemzug zu verkünden, Sie freuen sich des Lebens? Na Hopp, in die Klapper, da werden Ihre Bilder als besondere Beispiele expressiver Affektvisualisierung zur Belohnung im Treppenhaus ausgestellt!

Aber eigentlich sind es andere Erfahrungen, die ich meinte. Und zwar die in Form von Begegnungen. Begegnungen mit Menschen, mit denen man innerhalb weniger Wochen eine Verbundenheit entwickelt, als kenne man sich schon Ewigkeiten.
Die Gemeinsamkeit, dass jeder dort Einsitzende irgendein Problem mit sich und/oder der Welt hat, erleichtert den Erstkontakt natürlich gewaltig.
„Na, und weswegen bist du hier?"
Es folgt die Nennung der Diagnose und die Aussage, man rechne mit vielleicht zwei, höchstens drei Wochen Aufenthalt.
Allgemeines Gelächter.
„Ja, das dachte jeder hier. Bei mir sind's inzwischen [hier könnte jetzt 2, 3 oder 4, gar 5 oder 6 eingesetzt werden] Monate."
Entsetzter Blick und offensichtliche Irritation.
Noch mehr Gelächter.

Der erste Schock wird mit ner spendierten Zigarette weggeraucht, das Eis ist gebrochen, und ehe man sich's versieht, spricht man über Ängste, Traumata und das Gefühl, für's Leben einfach nicht geschaffen zu sein. Man heult und lacht zusammen, ist ehrlich und experimentell wie nie:
Sich ein-lassen ist das Zauberwort.
Auch los-lassen.
Wenn zum Beispiel jemand Ausgang hat und nicht mehr wiederkommt, weil ihm zwischendurch eine Brücke verlockender schien als die Aussicht auf abendlichen Kräutertee und einfach nie enden wollenden Weltschmerz.
Und zu-lassen.
Dass da jemand ganz tief zu hören scheint, obwohl du kein Wort sagst. Ohne therapeutischen Hintergrund, einfach um des Da-Seins willen.
Auch aus-lassen.
Und zwar herzlich. Über Essen, Personal oder Parkbepflanzung, Therapiepläne, verstopfte Abflüsse und auch Mitinsassen.
Und was ist mit ver-lassen?
Ja, und zwar gemeinsam. Alte Pfade nämlich.
Natürlich, solche Menschen trifft man auch „da draußen" (tschuldigung, dieses Klischee musste ich mir jetzt gönnen). Aber man muss länger suchen, denke ich.

Der Preis für die Erfahrungen war nicht ganz ohne (Mal ganz abgesehen von den zweihundertachtzig Euro „Eintritt" Ha!) aber ich denke mal, es hat sich gelohnt. Und so ganz fertig sind wir ja noch nicht.. wer weiß, was da noch so auf mich wartet.