Zwischenwelt(en)

09.02.2008 um 14:29 Uhr

Dumm. Dümmer. Gast.

von: Discovery   Kategorie: Im Laden

Diese kleinen wichtigtuenden Vollsprallos. Grad alt genug für den Laden verbringen die ihre komplette Freizeit dort. Am Tresen. Das billigste Bier saufend und sich lautstark in sämtliche Barkeeper-Gast-Gespräche einmischend. Rotzlöffel, die winkend durch die Tür kommen und -wow, so hip- dich mit Namen begrüßen. Keine Ahnung, wie die heißen.
Und immer zu dritt. Gestern keimte ein bisschen Hoffnung auf - lange war niemand von denen zu sehen (für gewöhnlich stehen die schon zehn Minuten vor Öffnung unten am Eingang). Dann aus der Traum. Bäm!
Wie kommen die eigentlich darauf, dass wir die mögen? Selbst Kollege B., der mit jedem kann, kommuniziert nur das Nötigste.
Idioten. Möchtegerns. Subsympathen sondergleichen. Ich freu mich jetzt schon auf Montag.

05.02.2008 um 05:17 Uhr

So. Nochmal offiziell.

von: Discovery   Kategorie: Im Laden

Und zwar großes Dankesehr, Herr Kollegenfreund S., für's Planungsfehlerausbügeln und dafür, dass das mit uns, also dem gemeinsamen Humor und so, immer noch klappt. "Es war mir eine Ehre, heute abend mit Ihnen spielen zu dürfen". Großes Theater mit Federboa.

22.12.2007 um 04:40 Uhr

Peng!

von: Discovery   Kategorie: Im Laden

Hat's gemacht. Und ich musste gar nicht viel dazu tun. Ein paar Mal lachen und auch etwas (ha!) rotwerden. Jetzt heißt es wieder aufs Kleine Schwarze starren und auf Nachricht warten. Schön? Schön!

15.12.2007 um 19:29 Uhr

Nur Patienten..

von: Discovery   Kategorie: Im Laden

Dass die Gäste im Laden manchmal nicht ganz atta sind, ist ein alter Hut, muss aber trotzdem ab und zu von mir erwähnt werden. Nicht, dass am Ende jemand denkt, ich bin hysterisch und meine gelegentliche Job-Unlust ist nur eingebildet. Ha!
Gestern, ja? Wir haben etwa eine halbe Stunde geöffnet, der erste Ansturm ist abgefertigt und Kollege P. und ich haben Zeit, locker am Buffet lehnend einfach nur gut auszusehen.
Kommt ein Typ rein, Anfang zwanzig vielleicht, schleicht in den Eingangsbereich, von welchem man aus in die beiden sich gegenüberliegenden Räume gelangt. Bleibt stehen und starrt. Erst kurz in den rechten, dann lange in den linken Raum. Wirklich lange. Bewegungslos wie ein Krokodil, das man im Tierpark mit Münzen bewerfen kann. (Die Verlockung ist groß und meine Hand wandert Richtung Portmonee..
nein, natürlich nicht.)
Der junge Mann beginnt, hin und her zu laufen. Von einem Raum in den anderen. Irgendwie sieht er aus, als suche er etwas oder jemanden. Und wir würden ihm ja auch wirklich gerne helfen, aber er würdigt uns keines Blickes. Dieses Spiel dauert bestimmt eine Viertelstunde. Dann plötzlich stürzt er auf eine Gruppe am Tisch sitzender Caipirinhatrinker zu und setzt sich zu ihnen. Ah, na endlich. Fall erledigt. Vielleicht isser ja nur kurzsichtig.
Paar Minuten später steht er wieder verwirrt in der Nähe des Tresens und Kollege P. will mit seiner freundlichen Geschwätzigkeit trumpfen.
P: „Na, Mensch, da haste ja deine Leute doch noch gefunden."
Typ: „..."
P: „Hast ja ganz schön gesucht, wa? Ich mein, wir haben das ja nur von der Bar aus gesehen.."
Typ: „..."
Kollege P. gibt nicht auf.
P: „Wir haben uns ja schon Sorgen gemacht.."
Typ: „Wegen Selbstmord?"
P. entfährt ein verzweifeltes Lachen. Ein Glucksen eher. Hektisch: „Nein, nein, wir dachten nur..."
Typ wendet sich ab und verfällt wieder in die Krokodilsstarre.
Die Nummer mit dem Einfach-dazu-setzen (die Caipis gehörten nicht zu ihm) brachte er dann noch ein paar Mal, gern auch bei Mädels. Da saß er einfach nur daneben und sagte nichts. Stand irgendwann auf und ging wieder.
Ich glaube, es ist überflüssig zu erwähnen, dass dieser Gast, allein schon aus Studiengründen zu meinem absoluten Liebling des Abends erklärt wurde.

 

24.11.2007 um 05:28 Uhr

Jenseits der Freaks.

von: Discovery   Kategorie: Im Laden

Unsere Gesichter kennen sich seit Jahren. Flüchtig. Dienstlich.
Seit drei Wochen begegnen sich unsere Blicke irgendwie gezielter.
Heut beinah suchend. Zum Abschied.

09.10.2007 um 14:50 Uhr

112

von: Discovery   Kategorie: Im Laden

Im Laden hatten wir ja schon öfter die Gelegenheit, den Notarzt oder zumindest einen Rettungswagen zu rufen. Platzwunden am Kopf, ausgekugelte Schulter oder Fenstersprung.. nichts, was es nicht schon gegeben hätte.
Gestern war es wieder soweit. Mitten im größten Stress brüllt es hysterisch aus der zweiten Reihe: „Ruft einen Krankenwagen! Ruft einen Krankenwagen!"
Da stand ein junger Mann und hielt krampfhaft seinen bewusstlosen Freund im Arm. Na prima. Kollege B. angewiesen, den Notruf zu wählen. „Wie ist denn die Nummer?" 110?"
Im Eifer des Gefechts kann man das schon mal verwechseln, ich habe dafür vollstes Verständnis. *hüstel*.
Inzwischen lag der Patient schon auf dem Bier - versifften Boden und wurde vom umstehenden Pöbel abwechselnd brutal ins Gesicht geschlagen. Wirklich brutal. Aufgewacht ist er trotzdem nicht.
Gefühlte Stunden später öffnete er dann langsam die Augen, war einigermaßen orientiert und dann sogar in der Lage, sich Richtung Haupteingang zu bewegen, um dort von den Sanitätern abgeholt zu werden.
Was seinen plötzlichen Schwächeanfall verursacht hat, blieb ungeklärt. Sollte es tatsächlich der Alkohol gewesen sein? Gewagte Hypothese...

09.10.2007 um 13:40 Uhr

Am Tresen mitgehört.

von: Discovery   Kategorie: Im Laden

Der Job bringt es mit sich, dass man, auch wenn man sich noch so sehr aufs Bier - Zapfen konzentriert, das ein oder andere Gespräch an der Theke mehr oder weniger freiwillig belauscht.

Gast 1 (in jugendlicher Aufdringlichkeit Aufgeschlossenheit zu seinem Nachbarn, der entspannt an seiner Cola nippt): „Kommst du aus Frankreich?"
Gast 2: „Aus Tunesien."
Gast 1: „Woher?"
Gast 2: „Tunesien."
Gast 1: „Ah, aus Spanien."
Gast 2: „Nein, Afrika, ganz oben. Tunesien!"
Schweigen.
Gast 1: „Und woher da genau?"
Gast 2: „Hör doch auf, du kennst doch gar keine Städte dort."
Gast 1: „Doch, ein paar schon. Sag mir noch mal, wie die Hauptstadt heißt."
Gast 2: „Tunis."
Gast 1: „Wie?"
Gast 2: „Tunis!"
Gast 1: „Nie gehört."
Gast 2: (Verdreht nur die Augen.)
Gast 1: „Nagut. Ich habs versucht. Man sieht sich."

02.10.2007 um 14:52 Uhr

Wohin denn sonst..

von: Discovery   Kategorie: Im Laden

Sammelbecken der gescheiterten Existenzen.
Mutantencombo.
Auffanglager perspektivloser Akademiker..
Kollegenfreund B. wählt wirklich nicht die blumigsten Worte für die Crew. Aber wo er Recht hat...
Und trotzdem war es irgendwie gut gestern, nach zwei Wochen Pause wieder gemeinsam den Laden zu schmeißen. Weisse bescheid..

22.05.2007 um 05:45 Uhr

Vermutlich habe ich es schon mal erwähnt..

von: Discovery   Kategorie: Im Laden

Aber selbst wenn, dann ists mir grad auch egal.

Manchmal hasse ich meinen (Neben)Job. Und zwar wahrhaftig und aus tiefstem Herzen, und komischerweise immer montags.
Wenn der Mob über den Laden herfällt, als gäbe es kein morgen mehr, und dieses rotztütendichte Studentenpack an der Bar tausendmal gehörte Thekenschlager grölt.
Wenn jeder Typ, der noch halbwegs gerade stehen kann, dies ausgerechnet immer in den ohnehin schon schmalen Durchgängen muss.
Wenn den lallenden Hühnern mit jedem geschnorrten Wodka-Redbull ihre Dekolletés immer ein Stück weiter auf den Tresen fallen.
Wenn ich hundertmal am Abend in irgendwelche Glasscherben trete, weil so ein volltrunken sabbernder Idiot sein Bierglas nicht mehr halten kann.
Wenn der letzte Haufen Elend meint, kurz vorm Morgengrauen noch philosophische Grundsatzdiskussionen anfangen und uns da hinein verwickeln zu müssen.
Dann verfluche ich das Geld, das ich dort verdiene und mich eben immer wieder davon abhält, die ganze Scheiße einfach hinzuschmeißen.

Ab ins Bett, Madame!