Zwischenwelt(en)

16.09.2008 um 23:54 Uhr

Morgen.

Geht es wieder los mit der moderierten Innenansicht und entsprechendem Ausdruck derer. Ein halbes Jahr (plus x Wochen zuvor) verborgen vor ihr, verleugnet, verwirkt. Jetzt soll es echt werden, damit es wirklich Hilfe sein kann. Manchmal braucht man eben mehr als einen Anlauf. Ich bin trotzdem sehr angespannt. Das halbe Jahr und dessen Anlass dürfte schließlich von Interesse und Fokus der "Unterhaltung" sein. Aufwühlen vielleicht. Oder sachlich abhaken. Ne Mischung vermutlich. Den März nicht allein ansehen und erinnern müssen und vor allem ins richtige Licht rücken. Ohne Zeitzwang.

12.12.2007 um 14:34 Uhr

Brehms Tierleben oder so.

Ich finde, Psychologen sollten nicht von Schafen sprechen.. das weckt in mir einen nahezu nicht zu bändigenden Drang, nach Hause zu fahren und das meinige kleine, von der Herde abgekommene [es geht schon wieder los] welche in die Hand zu nehmen und.. hach.
Ein Omega-Schaf also. Mit meinem Vormichhingrinsen enternste ich die Situation und das Thema. So kann das ja nichts werden. Nächste Woche bitte vegetarische Metaphern.

14.11.2007 um 14:53 Uhr

Was lange währt..

Ich hab ja selber schon nicht mehr daran geglaubt... in jeder Stunde wurde er auf den Tisch gelegt, mitunter höflich angeschielt aber nie besprochen. Mein Kirschbaum.
Und heute, in der Funktion eines konzeptuellen Notnagels musste er dran glauben.
Wie er mir denn selbst so gefalle.. nach all der Zeit.
Ganz gut. Eigentlich. Hm.
Wie er seinen Lebensraum wohl nutze, wie sein Boden beschaffen sei, wie tragfähig Stamm und Geäst seien..
Hm. Er macht sich breit, aber hat noch Platz. Der Boden macht auf einen agrartechnischen Laien wie mich einen guten Eindruck. Stamm und Geäst sind nicht obstbaumtypisch (Narzisschen ärgert sich und möchte umgehend korrigieren) aber stabil.
Und so führte uns das Gespräch über den Baum und dessen Erscheinungsbild hin zu den männlichen und weiblichen Prinzipien der Psychodynamik, zum Grad der emotionalen Differenziertheit und der Fähigkeit, die eigene Mitte zu fühlen.
Ich bin geneigt zu leugnen, je eine Mitte besessen zu haben. Sie hingegen ist der Ansicht, ich habe lediglich den Zugang dazu verloren.
Alte Machtspielchen gewinnen Raum. Die überwunden geglaubte Dreiteilung mit der Exklusivität ihrer Pole ist längst wieder Realität. Wer von uns ist denn jetzt die Wahrheit? Dass diese Frage so gestellt nicht zu beantworten ist, weiß ich. Das Fühlen aber verlangt eine Stellungnahme. Verlangt Verlässlichkeit.
Und was ist das hier unten am Stamm für eine Stelle.. ein Loch? Ein Knick? Was war da mit dem jungen Bäumchen?
Fauler Zauber! Magie! Nicht alles darf eine Bedeutung haben. Nicht alles, bitte.

25.07.2007 um 19:43 Uhr

Seid fruchtbar und mehret euch!

Heute morgen hatte ich es also wieder, das große Vergnügen mit der roten Couch, die in Wahrheit ein Rattansessel ist. Und auf der Suche nach den Gründen meiner derzeitigen Verstimmtheit erfuhr ich, dass es mein inneres Kind ist, das sich meldet und bemüht ist, die Oberhand zu gewinnen. Aha. Jetzt gesellt sich zu Narzisschen, Madame Ratio und zum Schwarzen Ich also auch noch ein Balg, um das sich gekümmert werden soll. Ist ja prima. Wenn ich zukünftig noch ein paar mal den Therapeuten wechseln sollte, brauch ich ne größere Wohnung.
Was mache ich denn jetzt mit dem Kind? Kinder sind mir unheimlich, deshalb meide ich für gewöhnlich den Kontakt.
Jetzt hab ich selber eines, und noch dazu im Kopf! Das kann ich nicht mal eben Zigaretten holen schicken und in der Zeit schnell das Türschloss wechseln. Was soll ich machen?
Ignorieren?
Mobben?
Traktieren?
Beobachten. Ich werde es vorerst nicht aus den Augen lassen, jeden Schritt belauern und verfolgen. Vielleicht verzieht es sich ja von alleine wieder.

14.06.2007 um 13:08 Uhr

Fruchtige Gedanken.

„Ich möchte Sie bitten, einen Obstbaum zu zeichnen."
Damit fing es also an.
Erster Gedanke: Apfelbaum. Natürlich. Aber Moment. Schließlich handelt es sich hierbei um einen Test (ha!) zur Psychodiagnostik. Ich muss also bedachter an die Sache herangehen.
An einen Apfelbaum denkt vermutlich jeder sofort. Narzisschen ist aber nicht jeder, muss sich also etwas anderes einfallen lassen. Sie denkt an Zitronen-, Kirsch- oder Kartoffelbäume. Stopp. Wenn sie die Überlegungen später erklären muss, könnte die Therapeutin krampfhafte Größenideen daraus ableiten. Also vielleicht doch lieber Apfel. Der demonstrativen Bescheidenheit wegen.
Steht als nächstes die Frage nach der Größe an. Blattfüllend in der Mitte, möglichst noch über die Ränder hinaus gemalt? Nein, das widerspricht der harmonisch-ästhetischen Bildaufteilung. Winzig klein, rechts unten in der Ecke, und daneben überdimensioniert der böse Nachbar mit einer gigantischen Axt in der Hand? Ach nein, Therapeuten provozieren ist Kinderkram. Lieber eines mit Gärtchen und Gießkännchen, spielenden Kinderchen und Hündchen hinter einem weißen Zäunchen. Ich sehne mich nach meinem heilen Weltchen, und mein Bäumchen steht mittendrin.
Schattiert dreidimensional oder platte Umrisse? Verwurzelt oder frei schwebend? Winter oder Sommer? Allein oder in Gesellschaft?
„Ich möchte Sie bitten, einen Obstbaum zu zeichnen." Die gute Frau ahnt vermutlich nicht einmal, was sie mir mit einer derartigen Aufgabe antut..

13.06.2007 um 23:35 Uhr

Die Kategorie spricht

Ich soll einen Obstbaum malen. Einen Obstbaum! Mit weichem Bleistift. Narzisschen ist gnadenlos überfordert.

08.06.2007 um 17:25 Uhr

Meine Therapeutin sagt..

Ich darf wiederkommen. Das ist doch schon mal ein Anfang, der Freude macht. Oder Mut. Oder sogar beides.
Jetzt hab ich fünf Tage Zeit, sämtliches, in der Uni über Jahre eingehämmertes verhaltenstherapeutische Vokabular aus meinem Hirn zu prügeln. Denn auch wenn uns der ein oder andere Professor gern erzählt hat, dass sich die psychologischen Schulen (grob gesagt die Verhaltens- und die Tiefenpsychologie) annähern und sich fast schon lieb haben, ist die Bewegung in der Praxis noch lange nicht angekommen.
Während die einen - huschhusch - die Kindheit mit einem Nebensatz abhandeln, wühlen die anderen mit Wonne in ihr herum. Für die einen äußert sich eine gestörte Psyche in inadäquaten Verhaltensmustern, für die anderen ist die Seele durch psychodynamische Prozesse in ihrer Entwicklung eingeengt und sucht, sich durch diverse Neurosen Luft zu schaffen. Seele. Wie lange hab ich das Wort Seele nicht gehört. Na mal gucken, ob ich meiner Seele wieder zum Atmen verhelfen kann.
Dazu muss ich, nein, natürlich die Therapeutin erstmal wissen, wo sie denn klemmt. Und wie findet man das heraus? Indem ich erzähle. Viel erzähle. Und außerdem durch diagnostische Fragebögen, Tests und andere hübsche Verfahren, die sich gelangweilte motivierte Psychologen irgendwann mal ausgedacht haben. Sie nannte mir dann zwei, die sie gedenkt, in den nächsten Stunden anzuwenden. Madame musste sich kichernden Protest verkneifen. (Würde ich in der Prüfung erwähnen, einen Patienten ein Bild malen lassen zu wollen, dürfte ich umgehend den Raum verlassen.) Narzisschen hat sich auf der Stelle ins Hemd gemacht und sich gefragt, ob wohl ein Öl- oder Aquarellbild gefordert wird. Ich hab entspannt genickt und mich auf Erfahrungen außerhalb der universitären Norm gefreut.
Insgesamt hab ich ein erstes gutes Gefühl. Mal sehen, ob ich das nach meinem künstlerischen Seelenstriptease auch noch behaupten kann..