Â
Quelle, Foto von Jörg Quente
Und sie malen Blumen...
 Eine Aufname aus dem Irak, vom Dezember 2004. Das Bild macht sich selbst lächerlich, ist traurig zugleich, durch das bisschen Blumennaivität. Ich wurde irgendwann einmal gefragt auf welcher Seite ich sei, auf der Amerikaner oder der der Iraker. Ich habe geantwortert, auf der der Menschen.
Ich weiß nicht viel darüber. Ich weiß nur, dass es um den 11.September geht, um Bush, um Hussein, um Sunniten und Shiiten und die "Friedensbringer" aus Amerika. Es geht vorallem um Öl und eine entsprechende Lobby dahinter. "Mein Feind" ist nicht Bush, er sieht nur so aus als passe der Job des Sündenbockes. Leider wird wohl auch ein neuer Präsident den Karren nicht aus dem Mist fahren können, ohne vom selbigen überrollt zu werden. Es ist schon manchmal ein sehr seltsames Spiel und ich beginne, Opas Kapitalismuskritik zu verstehen. Aber mal sehen, wie lange der noch in den letzten Zügen liegt und hoffentlich auch von denen überfahren wird. Vielleicht wartet dann eine andere Welt, die wir wieder in Schutt und Asche legen können, bis sich wieder ein System in den Schwanz beißt. Es wird immer macht- und geldhungrige Menschen geben und leider sind nicht alle dumm genug dazu, ihren Frust herunterzuschlucken und nichts zu tun. Es ist nichts daran auszusetzen, gutes Geld zu verdienen, aber auf die Kosten der anderen, der Gesellschaft, der Welt(wirtschaft), der Umwelt?
Ich habe meine Revolution verpasst.
Ich habe gestern auf arte eine Dokumentation über die "Generation Irak" gesehen (könnt ihr euch auf der Homepage angucken, wenn ihr mögt) und war doch ein wenig schokiert, was von Gleichaltrige von sich gegeben wurde. Neben denen, die keine Alternative zum Militär hatten, waren dort Leute, die sich freuten, die in den Trainingcamps Krieg spielten und irgendwie zu vergessen schienen, dass da draußen im Irak keine Playmobil-Festung auf sie wartete. Sie wurden gefragt, ob sie keinen Skrupel hätten zu töten, ob sie denn sagen könnten, was genau ein Terrorist Ãst und ob sie bereit wären, zu sterben. Lächeln, verlegenes Grinsen. Dann auswendig gelernte Sätze, manchmal ein Winken, dass die Kamera wegdrehen soll. Objektiv im Sand. Das war's.
Ich lebe in einem anderen Land, hinter einem großen Ozean und mit einer Geschichte, die mit Propaganda selbst ihre Erfahrungen gemacht hat, aber ich verstehe sie trotzdem nicht, die Jungs und Mädchen die sich die Uniformen schnüren und losmarschieren und denken, sie retten ihr Land, die denken, sie demokratisieren. Das hat noch nie funktioniert und wird es auch nie. Das ist ein Hegemonialstreben, dass uns allen fast schon alltäglich vorkommt.
Ich habe diese Ideale nicht. Ich bin nicht Patriot. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich Deutsche bin und das Patriotismus nur das schönere Wort für Nationalismus ist und ich mich damit einfach nicht identifizieren kann. Ich würde nicht für "mein Land" kämpfen, nicht sterben. Für meine Familie, für meinen Freund, meine Freunde, für jeden Menschen, der meine Hilfe braucht würde ich versuchen, ihm diese zu geben. Aber nicht für ein Land, in das ich zufällig geboren wurde.