Elizium

11.09.2009 um 09:43 Uhr

Arrivando.

von: Schattenwind   Kategorie: Alltagsgedöns

Musik: A-ha

Ich habe fast Bergblick. Die ersten Tage sonnig, sommerlich und mit viel zu wenig Zeit, um zu realisieren, dass ich nun hier wohne und nicht nur Urlaub mache. Die ersten Tage mit ungetoastetem Brot und dem Problem, wie man die Marmelade ohne Messer verstreicht, sind nun bereits passé dank überfallartigem Einkauf im Ikea. Das Zimmer ist groß und bis auf die hässlichen Gardinen, die ich nicht abnehmen darf, zu ertragen. Und dekorieren kann ich gut. Wir haben die ultimative Ikea-Lampe Storm und wünschen ihr jeden Abend eine gute Nacht. Es gibt Einkaufszentren wie in Irland und Kühe wie im Rheinland. Ich lerne neue Wörter und habe gestern beim Vorbeilaufen zwei Mädchen komisch reden hören, was daran lag, dass sie Deutsche waren. Ich musste lachen.

Jetzt ist Freitag und jemand bohrt. Draußen auf dem Hof ist so etwas wie ein Scheiterhaufen. Ich habe noch keinen Ofen gesehen, aber vielleich blühen mir hier noch böse Überraschungen. Wir haben eine Senseo und sind verliebt. Sie wird vorallem morgens begrüßt. Kevin spielt Gameboy. Manche Dinge ändern sich nicht. Langsam verebbt der Stress. Gestern war ich erst nach zehn Uhr im Bettchen. Irgendwann wird der Alltag kommen, erst in zwei Wochen geht die Uni los. Und solange: ist alles gut.

04.09.2009 um 15:47 Uhr

Manifest

von: Schattenwind   Kategorie: Alltagsgedöns

Gekommen, um zu sagen: Ich habe keine Angst. Auch wenn man sie erwartet, herbeisehnt, vielleicht. Ich fürchte mich nicht. Gekämpft habe ich für diese Momente, seien sie auch schwer. Was mich heute angebrachte Tränen kostet, die ich mühsam aus meinen Lidern quetsche, wäre noch vor gar nicht allzu langer Zeit unmöglich gewesen.
Es wird schwer werden und ganz anders. Vielleicht werde ich allein sein, aber ich bin gern allein und brauche nicht viel Kontakt. Vielleicht werde ich Freunde verlieren, weil ich mich verändern werde, diesmal auch nach außen. Ich werde nicht viel Freizeit haben und das habe ich mir so ausgesucht. Es wird dort Menschen geben, die in ihrem Fach besser sind als ich, aber wer auf die Elite-Schule geht, muss einstecken können. Das Leben ist kein Ponyhof und auch keine Abiklausur. Das Leben, das ich will, ist mehr.

Ich bin jung, viel jünger als die meisten, auf die ich treffen werde. Ich bin klug, klüger als viele meinen, ich sollte mich trauen, den Joker endlich auszuspielen und nicht dumm umherzustammeln, obwohl ich eigentlich im Kopf schon tausend Schritte weiter bin. Und ich kann beißen. Mich durch.beißen und notfalls auch weg.beißen, was mich lähmt.

Ich werde das schaffen. Ich habe Respekt, aber keine Angst. Ich bin kein kleines Mädchen mehr. Es beginnt eine neue Zeit.

20.08.2009 um 11:07 Uhr

Genießen Sie Ihre Freizeit, so lange Sie können.

von: Schattenwind   Kategorie: Alltagsgedöns

Stimmung: dumdidumdidu

In einem großen DIN-A4 Umschlag flatterte er gestern durch meinen Briefschlitz. Er prophezeit das endgültige Ende meiner Kindheit. Vier Stunden Mathe am Stück lassen keinen Platz für Illusionen. Jede Woche anderer Plan, manchmal frei, meistens werde ich nicht vor sechs zu Hause sein. Maximal zwei Fächer am Tag. Es ist toll. Naja. Es wird stressig und anstrengend und ich werde viel lernen und mosern. Aber ich wollte es nicht anders und wusste das alles in etwa auch vorher. Auslandsplätze werden nach Notendurchschnitt vergeben. Ah. Wenn das mal kein Leistungsdruck ist.

Die letzen Briefe werden zur Post gebracht, in gut zwei Wochen bin ich weg. Weg. Endlich. Und bleiben will ich doch.

08.08.2009 um 18:21 Uhr

Post ist da.

von: Schattenwind   Kategorie: Alltagsgedöns

Stimmung: aufgeregt

Die Zeit plätschert so vor sich hin. Ein Monat jetzt noch, das Abreisedatum verschiebt sich aus verschiedenen Gründen nach hinten. Ich sollte mehr lernen, aber irgendwas kommt immer dazwischen und wenn es nur diese furchtbaren Rückenschmerzen sind, für die ich nächste Woche zum Orthopäden muss, der mir wahrscheinlich sagt, dass mein Kreuz vollkommen zerdeppert ist. Ich freue mich und die Angst, die ich habe, ist zum Großteil nur eingeredet. Etwas Nervosität gehört wahrscheinlich zu so einem Unterfangen.

Mich erreichten heute zudem die Unterlagen zum Stipendium und ich werde die nächsten Wochen zur Vorbereitung darauf verwenden. Wenn die mich nehmen, habe ich tausend Sorgen und einige Schulden weniger. Irland und Kanada dürften zwar auch so funktionieren, aber nur mit einem Studienkredit. Auf den würde ich gerne verzichten. Außerdem freue ich mich auf die ganzen interessanten Menschen auf dem Auswahlseminar. Es wird schon schiefgehen.

01.08.2009 um 23:38 Uhr

Fuck the title.

von: Schattenwind   Kategorie: Alltagsgedöns

Stimmung: Fuck the system.

Ich habe acht Stunden Kartons geschleppt wie ein zwei Meter mal zwei Meter Mann und kann meinen Körper vor Schmerzen nicht mehr spüren. Morgen geht es weiter und übermorgen wohl auch. Auf niemanden kann man sich verlassen, aber das ist keine Erkenntnis des heutigen Tages. Schlappschwänze und Jammerlappen. Überall. Derweilen warte ich darauf, dass meine Schlaftablette wirkt und ich vergessen kann, dass meine alten Barbiepferde in einem großen Müllhaufen liegen und jetzt nicht mehr sind als genau das: Müll. Eine Wohnung mit Dingen wegzuschmeißen, die einen Menschen ein ganzes Leben lang begleiten haben, ist nicht so einfach, wie es klingt. Mir bleiben die Fotos und Erinnerungen, aber diese Ausbeute ist dürftig. Mais c'est la vie. Nothing more and nothing less. Ich könnte heulen, aber tu es nicht, will schlafen und kann es nicht. Ein dummer Moment um allein zu sein. Und auch daran lässt sich nichts ändern. Die Nacht ist noch jung und meine Knochen zu alt an diesem Abend.

Die Welt ist gut, wenn man männerfeindliche, weil männerreduzierende youtube-Videos guckt, auf denen sich der potenzielle Schauspielerschwarm gekonnt entblättert. Jetzt geht es meinem Hormonspiegel zumindest besser, der alten Sau.

24.07.2009 um 23:06 Uhr

Unfaithful.

von: Schattenwind   Kategorie: Seiltänzerin

Musik: Iamx

Warum du das getan hast, kann ich nur vermuten. Fakt ist, dass es ein sehr dummer Zeitpunkt war. Ich bin müde und ausgelaugt. Und ob ich Hoffnung habe, weiß ich nicht. Wie lange kann ich das noch, wie lange immer aushalten und geduldig sein, wenn man dafür auch noch angelogen, betrogen, verarscht wird? Meine Augen sind schwer. Wenn ich wüsste, was ich nun tun soll. Es könnte alles so einfach sein, ist es aber nicht. Schnapsatem und flirrendes Licht. Ich will nur noch schlafen.

21.07.2009 um 01:02 Uhr

To be free.

von: Schattenwind   Kategorie: Zitate/Songtexte

It shouldn`t hurt me to be free
It`s what I really need
To pull myself together
But if it`s so good being free
Would you might telling me
Why I don`t know what to do with myself

Emiliana Torrini

20.07.2009 um 19:08 Uhr

Sehnsuchtsvoll.

von: Schattenwind   Kategorie: Bilderbuch

Stimmung: euphorisch

Land der Berge, Land am Strome,
Land der Äcker, Land der Dome,
Land der Hämmer, zukunftsreich!
Heimat bist du großer Söhne,
Volk, begnadet für das Schöne,
Vielgerühmtes Österreich,
Vielgerühmtes Österreich.

österreichische Nationalhymne

19.07.2009 um 02:03 Uhr

Siebzig Prozent.

von: Schattenwind   Kategorie: Alltagsgedöns

Ein neon-Artikel. Der mir sagt: Traummänner gibt es nicht. Es gibt Partner. Es gibt nie mehr als 70% von dem, was man gerne möchte. Siebzig Prozent sind viel. Relativ. Ich bin zwanzig und am Rande eines Nervenzusammenbruches. Dreißig Prozent fehlendes Glück und ich soll zufrieden sein? Dumm ist, wer solche Regeln aufstellt. Dumm ist auch, dass es niemanden gibt, der mich versteht. Klingt nach Jammern, ist es auch. Mein kompletter Freundeskreis ist Single, darüber wahlweise glücklich, lässt sich also ebenso wahlweise das Hirn rausvögeln oder ertränkt es zumindest im Alkohol auf einer Party nach der nächsten. Die paar Unglückseligen erzählen mir, wir toll doch eine Beziehung ist, wobei ich noch im Ohr habe, wie eingeengt und gelangweilt sie doch nach ewigen sechs Monaten waren. Und ich sitze hier und höre mir das an und hasse alle. Ich sitze hier mit meinen fast dreieinhalbjährigen siebzig Prozent und verdrehe die Augen. Deswegen gehe ich immer weniger weg. Ich will nicht riskieren, dass für mich dreißig Prozent auf einmal mehr sind als mathematisch begründbar.
Es sind wahrscheinlich die besten siebzig Prozent, die ich bekommen kann. Dennoch bleibe ich ein absoluter Mensch. Und kreuzunglücklich.

19.07.2009 um 01:37 Uhr

Zerrissen.

von: Schattenwind   Kategorie: Seiltänzerin

Wenn ich nur finden könnte, was ich suche. Wenn ich nur wüsste, was genau es ist. Wenn ich nur wüsste, wo ich beginnen kann. Wenn ich nur wüsste, dass ich irgendwann finden kann.

16.07.2009 um 00:11 Uhr

Firmenmotto, Memo an mich selbst

von: Schattenwind   Kategorie: Zitate/Songtexte

Stimmung: Gut bis müde

Wir, die Willigen, geführt von den Unwissenden, tun das Unmögliche für die Undankbaren.
Wir haben so lange so viel mit so wenig gemacht, dass wir inzwischen in der Lage sind, alles mit nichts zu tun.


Der Pinky und der Brain

14.07.2009 um 22:29 Uhr

Abendrot

von: Schattenwind   Kategorie: Alltagsgedöns

Stimmung: melancholisch

Maybe one day I'll return again. Ein seltsamer Tag mit einer Wärme, die bereits nach Herbst roch, als wäre es nicht mehr nötig, einen Sommer zu feiern. Die Zeit rennt und vergeht gleichzeitig nicht. Ich will Kisten packen, in meiner neuen Wohnung stehen und meine erste Nacht dort herum haben und gleichzeitig doch nie hier weg. Hier ist es einfach. Sicher. Und vertraut. Wer ist so grausam, mich aus dem Nest zu schubbsen? Ich selbst. Und das ist auch gut so. Der Verstand weiß das, nur das Herz eben nicht mehr. Aber - um Opa zu zittieren - das Leben ist nun mal so. Man wächst auf, wird erwachsen und dann trennen sich Wege. Und auch wenn ich weiß, dass es eine gute Entscheidung war und es mir besser gehen wird, ich bin auch traurig. The first cut is the deepest.

Heute bei Oma Kaffee trinken gewesen. Haben geredet, uns ausgesprochen. Schöne Stunden. Mit K. und Hund im Feld. Abendsonne. Jetzt müde. Sehr.

12.07.2009 um 17:32 Uhr

Erzählt mir euer Leben!

von: Schattenwind   Kategorie: Bilderbuch

Bald geht los. Wenn werde ich aus dieser Familie vermissen? Oma und Opa. Zum Abschied wünsche ich mir dieses Buch, ausgefüllt natürlich. 200 Seiten über euer Leben, mit Fragen und Platz für Bildern, damit ich etwas habe, in dem ich schmökern kann, wenn ich Heimweh habe und was ich auch noch in zwanzig Jahren euren Urenkeln zeigen kann. Eine schöne Idee. Auch wenn ich jetzt schon fast weinen muss, ohne auch nur eine Seite gelesen zu haben. Erhätlich natürlich wie immer beim Amazonhändler des Vertrauens.

11.07.2009 um 14:57 Uhr

Schönes Leben, schöne Welt!

von: Schattenwind   Kategorie: Alltagsgedöns

Stimmung: sehr gut!
Musik: Big Bang theory

Ich sollte mehr schreiben. Livejournal fucked mich ab, weil die dauernd die Server down haben und man keine Zusatzlinks angeben kann. Ist also im Test durchgefallen. Und wenn ich auf Nachtwelten schreibe, denke ich immer, dass das tiefen Sinn haben muss. Hier ist toll, auch wenn sich im Moment alle alten Einträge löschen will. Man wird sehen.

Aktueller Anlass ist, dass mich mein Bafög-Bescheid heute erreicht hat. Ich werde nicht an Hunger sterben. Bisher ist das zwar alles noch vorläufig, aber weniger wird es nicht werden, eher mehr und dann haben wir kein reiches, aber ein ausreichend gesichertes Leben in der perfekten Stadt. We will live at the foot of the mountain. Langsam aber sicher packe ich die Nostalgie in eine kleine Box und öffne die Vorfreudenkoffer, die schon seit Jahren auf dem Dachboden liegen.

Meine Diät schreitet auch vorran, vielleicht werde ich im September wirklich wieder in meinen Hosenanzug passen und das wäre doch einfach perfekt. Ich trinke drei Liter am Tag und muss dauernd wohin, das nervt. Aber das gesunde Kochen macht so Spaß und ich lerne Lebensmittel kennen, von denen ich nicht dachte, dass es sie gibt. Gestern habe ich vegane Bechamel-sauce gemacht, wie geil die war Fröhlich und sogar diättechnisch wirklich zu vertreten. Es geht weiter waagenabwärts!

08.12.2008 um 22:21 Uhr

Aachen, nikolausig.

von: Schattenwind   Kategorie: Alltagsgedöns

Da sind nicht viele Worte momentan. Ich war kurz davor, einfach liegen zu bleiben, die Decke über den Kopf, man hätte mir es verziehen. Aufgestanden bin ich, weil es doch nicht lohnt, nichts ändert. So, wie ich euch vermisst habe, seit Sommer, seit dem ich euch kenne, so wird es immer bleiben. Wie viele werden noch da sein, in fünf, in zehn Jahren. Euch beide werde ich nicht verlieren. Nächstes Jahr werde ich vielleicht in einem anderen Land leben, ein etwas anderes Leben, aber ich war noch nie besonders konstant, ihr werdet euch daran gewöhnt haben. Ich werde euch einladen, wir werden in meinem zu kleinen Bett schlafen und ich werde wirklich froh sein, dass ihr da seid.

Danke, dass es euch gibt. Danke. Ich weiß, ihr seid Freunde, bei euch fühle ich mich aufgehoben, egal was ist. Ich liebe euch.

29.11.2008 um 11:38 Uhr

This time.

von: Schattenwind   Kategorie: Alltagsgedöns

Musik: allein, allein, allein, allein :)

A prisoner behind the walls
a heart awakes
once to lead us through universe
just a heart away
the time has come for us to laugh
a heart awakes
to celebrate our loneliness.
-Polarkreis 18-

Happily ever after. Heute ist ein guter Tag. Seit Wochen fühle ich mich zum ersten Mal wach und draußen ist eisiger Frühlingsmorgen. Die Schule wringt mir die Knochen aus, aber bald, bald ist es vorbei. Wir schauen uns im Internet Wohnungen an und verzweifeln über Bafög-Anträgen und Auslandsbestimmungen, spielen ein bisschen Erwachsen-Sein. Es läuft soweit, auch wenn ich nicht mehr richtig schlafen kann. Februar wird kommen. Wenn ich diesen Test nicht bestehe, dann ... wird man weitersehen.

09.11.2008 um 20:01 Uhr

Innsbruck, die Erste.

von: Schattenwind   Kategorie: Fernweh

Es ist eine Stadt, es wird eine Heimat werden. Das bleibt zu hoffen. Ich sehe mich die Fingernägel in frisch tapezierte Wände schlagen und mich fragen, wer zum Teufel überhaupt auf die Idee gekommen ist, díe heimatlichen Gefilde zu verlassen. Der Kreis wird sich irgendwann schließen und ich kann mich anpassen, atmen, weiteratmen.
Eine schöne Altstadt, italienischer, größer als Aachen, gemütlicher als Köln, zukunftsbeladen, die Vergangenheit wiegt dort wenig. Eine Universität von der ich bislang nur zu träumen wagte, nette Leute überall, wundervolle Berge, Weite und Himmel. Bunte Häuser wie in Dublin, große Leuchtreklamen, Modegeschäfte, ein bisschen Milano, ein bisschen nicht hier. Eine lange, fast meditative Fahrt und die Erkenntnis, dass man auch alleine klarkommt, ganz gut und ganz frei. Das man Babyschritte geht, aber große und wichtige. Und dass man geschafft hat, ein bisschen so zu sein, wie man werden wollte. Will. Der Weg ist noch lang und ich freue mich, dabei zu sein.

23.10.2008 um 15:31 Uhr

And she is back, back!

von: Schattenwind   Kategorie: Explodierhäschen

Stimmung: gut
Musik: nope

Nach fast einer Woche spontanem Verschwundensein ist sie wieder daaaaa! Beziehungsweise war sie nie weg. Hat sich einfach im Loch versteckt, ist wohl nur nachts rausgekommen um zu essen. Liegt wahrscheinlich daran, dass sie noch kein Winterfell entwickelt hat und es im Loch wärmer ist. Was bin ich erleichtert! Wir hatten alles abgesucht und nichts gefunden und dachten schon, dass die Eulen hier das Übrige getan hätten, aber nein, Kiki saß schlummernd im Gehege. Ein Glück, die Kleine ist einfach zu goldig!

22.10.2008 um 23:01 Uhr

Dear mister presidents

von: Schattenwind   Kategorie: Alltagsgedöns

 
Quelle, Foto von Jörg Quente

Und sie malen Blumen...
 Eine Aufname aus dem Irak, vom Dezember 2004. Das Bild macht sich selbst lächerlich, ist traurig zugleich, durch das bisschen Blumennaivität. Ich wurde irgendwann einmal gefragt auf welcher Seite ich sei, auf der Amerikaner oder der der Iraker. Ich habe geantwortert, auf der der Menschen.
Ich weiß nicht viel darüber. Ich weiß nur, dass es um den 11.September geht, um Bush, um Hussein, um Sunniten und Shiiten und die "Friedensbringer" aus Amerika. Es geht vorallem um Öl und eine entsprechende Lobby dahinter. "Mein Feind" ist nicht Bush, er sieht nur so aus als passe der Job des Sündenbockes. Leider wird wohl auch ein neuer Präsident den Karren nicht aus dem Mist fahren können, ohne vom selbigen überrollt zu werden. Es ist schon manchmal ein sehr seltsames Spiel und ich beginne, Opas Kapitalismuskritik zu verstehen. Aber mal sehen, wie lange der noch in den letzten Zügen liegt und hoffentlich auch von denen überfahren wird. Vielleicht wartet dann eine andere Welt, die wir wieder in Schutt und Asche legen können, bis sich wieder ein System in den Schwanz beißt. Es wird immer macht- und geldhungrige Menschen geben und leider sind nicht alle dumm genug dazu, ihren Frust herunterzuschlucken und nichts zu tun. Es ist nichts daran auszusetzen, gutes Geld zu verdienen, aber auf die Kosten der anderen, der Gesellschaft, der Welt(wirtschaft), der Umwelt?
Ich habe meine Revolution verpasst.

Ich habe gestern auf arte eine Dokumentation über die "Generation Irak" gesehen (könnt ihr euch auf der Homepage angucken, wenn ihr mögt) und war doch ein wenig schokiert, was von Gleichaltrige von sich gegeben wurde. Neben denen, die keine Alternative zum Militär hatten, waren dort Leute, die sich freuten, die in den Trainingcamps Krieg spielten und irgendwie zu vergessen schienen, dass da draußen im Irak keine Playmobil-Festung auf sie wartete. Sie wurden gefragt, ob sie keinen Skrupel hätten zu töten, ob sie denn sagen könnten, was genau ein Terrorist íst und ob sie bereit wären, zu sterben. Lächeln, verlegenes Grinsen. Dann auswendig gelernte Sätze, manchmal ein Winken, dass die Kamera wegdrehen soll. Objektiv im Sand. Das war's.
Ich lebe in einem anderen Land, hinter einem großen Ozean und mit einer Geschichte, die mit Propaganda selbst ihre Erfahrungen gemacht hat, aber ich verstehe sie trotzdem nicht, die Jungs und Mädchen die sich die Uniformen schnüren und losmarschieren und denken, sie retten ihr Land, die denken, sie demokratisieren. Das hat noch nie funktioniert und wird es auch nie. Das ist ein Hegemonialstreben, dass uns allen fast schon alltäglich vorkommt.
Ich habe diese Ideale nicht. Ich bin nicht Patriot. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich Deutsche bin und das Patriotismus nur das schönere Wort für Nationalismus ist und ich mich damit einfach nicht identifizieren kann. Ich würde nicht für "mein Land" kämpfen, nicht sterben. Für meine Familie, für meinen Freund, meine Freunde, für jeden Menschen, der meine Hilfe braucht würde ich versuchen, ihm diese zu geben. Aber nicht für ein Land, in das ich zufällig geboren wurde.

19.10.2008 um 23:32 Uhr

Fallschirme

von: Schattenwind   Kategorie: Alltagsgedöns

Stimmung: nachdenklich
Musik: Nikolai Tokarev - La Campanella

 
Nikolai Tokarev

Und alles was wir wollten
War doch nur so richtig leben
Alles was wir liebten
War das Leben im Extrem
Ohne Rücksicht auf Verluste
Haben wir uns den Kick gegeben
Und den Fallschirm übersehen
Jonas Goldblum

Ich weiß nicht, wie man komponiert, ich habe kein musikalisches Gehör und kann maximal Blockflöte spielen. Aber ich verstehe etwas von Besessenheit. Dem unstillbaren Drang etwas Perfektes zu spüren, zu schaffen. Ich bewundere Menschen, die sich dem hingeben können und ich fürchte mich. Denn hinter dem, was den anderen gefällt und einen selbst doch nie zufrieden macht, steckt soviel Hingabe und Zeit und Energie, stecken die Selbstzweifel und das kategorische "Nein!" zu den Fragen, die das Aufgeben dem Leben manchmal stellt. Und ich höre mir die Musik des Pianisten an, höre nur die Ganztöne und finde es trotzdem schön. Weil ich hoffe zu wissen, was es ihm bedeutet. Ich kann nichts so beindruckendes, nichts was Menschen in Hallen strömen lässt, aber ich kann arbeiten, schaffen. Ich kann lernen, unermüdlich, wenn die Essenz des Stoffes es schafft, mich süchtig zu machen, süchtig danach, diese zu suchen und aufzuschlüsseln, mir eigen zu machen.
Ich kann keine großen Bilder malen, mein Sinn für Realität schwebt in keiner Metapher. Meine Wörte werden immer weniger. Ich vermisse ein anderes Leben und liebe es, wie es ist. Ich will mehr sein, mehr als das, immer so viel mehr als das. Ich habe den Fallschirm aufgespannt, kurz vor dem Knall und bis auf die paar Blessuren nicht viel davon getragen. Vielleicht sollte ich wieder fliegen. Oder lernen, mit geschlossenen Augen zu schweben.

Meine Berufung ist der Weg. Der Erfolg nach einem langen, mühsamen trial-and-error-Spiel. Die sensible Phase, in der ich Wissen aufsaugen will wie ein Schwamm, wird nicht vorbeigehen, nicht, niemals so ganz. Denn Wissen ist Macht, nicht wahr? Ein bisschen Macht über meine Welt. Ein bisschen Wissen darüber, wie sie funktioniert und wie ich meinen Platz in ihr finden kann.