Elizium

24.07.2009 um 23:06 Uhr

Unfaithful.

von: Schattenwind   Kategorie: Seiltänzerin

Musik: Iamx

Warum du das getan hast, kann ich nur vermuten. Fakt ist, dass es ein sehr dummer Zeitpunkt war. Ich bin müde und ausgelaugt. Und ob ich Hoffnung habe, weiß ich nicht. Wie lange kann ich das noch, wie lange immer aushalten und geduldig sein, wenn man dafür auch noch angelogen, betrogen, verarscht wird? Meine Augen sind schwer. Wenn ich wüsste, was ich nun tun soll. Es könnte alles so einfach sein, ist es aber nicht. Schnapsatem und flirrendes Licht. Ich will nur noch schlafen.

19.07.2009 um 01:37 Uhr

Zerrissen.

von: Schattenwind   Kategorie: Seiltänzerin

Wenn ich nur finden könnte, was ich suche. Wenn ich nur wüsste, was genau es ist. Wenn ich nur wüsste, wo ich beginnen kann. Wenn ich nur wüsste, dass ich irgendwann finden kann.

27.10.2007 um 16:24 Uhr

I've become so numb ...

von: Schattenwind   Kategorie: Seiltänzerin

Ich fühle mich wie ein Vakuum. Durchsichtig und inhaltsleer. Die Woche ist zu Ende und der Akku leer. Wenn ich schlafe, ist es mehr so, als wenn ich mit geschlossenen Augen nur einen Schritt hinter dem Wachsein stehe und die ganze Nacht auf den Wecker zu starren scheine, der mich irgendwann dazu auffordert, mich endlich zu erheben. Meine Augen werfen trübe Schleier über alles und alles ist unangenehm kalt.

704 Tage. Noch. Dann beginnt das Wintersemester 2009 und ein anderes Leben. Ob es besser sein wird, ist zu bezweifeln, aber ich muss langsam aus dem Alltagstrott raus, der auch durch sein Chaos nicht mehr begeistern kann. Ich lerne, esse, lerne, schlafe. Wenn ich morgens rausgehe, ist es dunkel. Wenn ich wiederkomme, auch. In anderthalb Jahren mache ich mein Abitur. Danach werde ich zusammenbrechen.

Trotz allem habe ich dankbar zu sein. Für vieles. Dafür, dass ich auf diese Schule gehen kann, dass ich lernen darf und nicht mein Leben lang auf irgendeinem Feld arbeiten muss. Dass ich selbst entscheiden kann, was ich danach mache und nicht jemanden heiraten muss, den ich mir nicht ausgesucht habe um Kinder zu kriegen, die ich nicht will. Ich bin dankbar dafür, dass ich intelligent bin, dass ich alle Möglichkeiten habe, die sich andere in meinem Alter schon längst verbaut haben oder nie hatten. Ich bin dankbar, dass ich in einem Land lebe, in dem ich als Frau dieselben Rechte habe wie ein Mann und in dem ich nicht gesteinigt werde, wenn ich Ehebruch begehe. Ich bin dankbar, dass meine Familie zum Großteil noch lebt. Dass wir nicht der ständigen Gefahr durch Krieg, Hunger oder Krankheiten ausgesetzt sind. Ich bin dankbar dafür, dass ich gesund bin, dass ich Kapazitäten habe und ein selbstständiges Leben führen kann. Ich bin dankbar. Jeden Tag. So nervig es momentan auch alles ist, kostbar ist es auch.

06.10.2007 um 22:34 Uhr

Jeanny

von: Schattenwind   Kategorie: Seiltänzerin

Ich bin gegen Tabuthemen. Gegen so ziemlich alle. Denn ein Tabuthema ist immer auch ein Zwang. Der Zwang, zu schweigen, zu unterdrücken. Ich bin gegen Zwänge. Denn was man versucht, immer kleiner werden zu lassen, damit es möglichst bald verschwindet, ist das, was einen am meisten vergiftet und was schließlich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit irgendwann ausbricht. Dieses Irgendwann sind manchmal nur Monate, manchmal Jahre oder sogar Jahrzehnte, aber irgendwann ist Irgendwann.

"Untersuchungen belegen, dass etwa jedes 4. Mädchen und jeder 10. Junge vor dem 18. Lebensjahr einen sexuellen Missbrauch erlebt."
Quelle: http://www.missbrauch-opfer.info/main.asp?ID=19

Das ist viel. Natürlich sind das nur statistische Werte, aber man stelle sich eine Schulklasse mit 30 Jugendlichen im Alter von 18 Jahren vor. Weil Mathe so schön realitätfremd sein kann, gehen wir davon aus, dass 15 Jungen und 15 Mädchen in die Klasse gehen. Dieser Klasse würden der Statistik nach 1 Junge und 3 Mädchen angehören, die sexuell missbraucht worden sind.

Ich selbst war damals 12 bzw. 13. Das ist schon lange her, vielleicht. Manche Dinge brennen sich so in einem ein, dass sich die Frage nach dem Zeitbegriff gar nicht stellt. Und manche Dinge, die sich damals abgespielt haben, sind mir erst dieses Jahr wieder eingefallen. Meine Psyche scheint zu wissen, wann sie mir etwas antun kann.
Ich bin kein Mensch, der gerne gegen Windmühlen kämpft. Ich glaube nicht, dass Aufmerksamkeit in der Öffenlichkeit und Sensibilisierung für dieses Thema hilft, Missbrauch zu vermeiden. Wovon ich allerdings überzeugt bin, ist, dass viel eher wahrgenommen wird, dass viel mehr Mädchen und Jungen es wagen, sich hinzustellen und die Wahrheit zu erzählen, über das, was man ihnen angetan hat oder in welcher Hölle sie noch immer leben müssen. Über etwas, was nicht totgeschwiegen wird, kann man viel leichter sprechen.

Es ist keine Schande, missbraucht zu werden. Es ist eine Schande, zu missbrauchen.
Wahrscheinlich ist es mit die größte Schuld, die man auf sich laden kann. Überschreitet man diese Grenzen eines Kindes oder eines Jugenlichen, wird man dessen ganzes Leben nachhaltig verändern. Vielleicht nicht zwangsläufig zerstören, aber in unterschiedlicher Weise beeinträchtigen. Und nicht nur der/die Missbrauchte leidet, sondern auch immer das jeweilige Umfeld.

Die Spätfolgen, die weit ins Erwachsenenalter hineinreichen, sind Persönlichkeitsstörungen wie Borderline, Schizophrenie und die multiple Persönlichkeitsstörung. Es treten in den meisten Fällen mittelschwere bis schwere Depressionen auf. Essstörungen zählen ebenfalls zu den Folgen.
Bis zu 70% der Missbrauchopfer verletzen sich selbst.

Ich bin kein kleines Mädchen mehr. Aber ich weiß, dass da draußen eine Menge kleiner Mädchen und Jungen sind, die erleben, was ich erlebt habe und noch viel schlimmeres. Und ich möchte einfach nur, dass diese Kinder und Jugendlichen den Mut fassen können, in einer Gesellschaft die Stimme zu heben, die nicht mehr wegschaut und totschweigt. In der Kindesmissbrauch kein Tabuthema mehr ist, dass unter den Teppich gekehrt gehört. Kindesmissbrauch ist Fakt. Jeden Tag.

03.10.2007 um 21:50 Uhr

When did my heart go missing?

von: Schattenwind   Kategorie: Seiltänzerin

Manchmal, ja, manchmal gibt es diese Tage. Dumme, öde, unsympathische Tage. Eigentlich sollte es mir gut gehen, tut es aber nicht. Ich kriege einfach zu wenig Wissen in meinen Kopf gehämmert und mich nervt alles. Dieses Wetter, meine Tiere, Schule, Großeltern im Speziellen und Menschen im Allgemeinen. Das Karnickel frisst gerade den Schrank auf. Who cares ...

Ich will hier weg und zwar jetzt. Ich will eine Wohnung und will, dass Menschen aufhören, ungefragt in mein Leben zu quatschen. Ich habe einfach keine Lust mehr. Ich will verdammt nochmal entscheiden können, wieviele Shampoos ich mir kaufe und nicht dreimal am Tag Fritten essen. Wenn ich meine Kaninchen kämmen muss (siehe Foto unten -> 1-mal in der Woche mindestens kämmen, sonst Filzklumpen) dann will ich das tun. Und wenn ich ins Fitnessstudio gehen will, dann ist das mein gutes Recht. Wenn mir Geld gekürzt wird, damit ich das nicht machen kann, bin ich sauer. Wenn dieses Geld dann meinem Vater zu Gute kommt, der das a priori in Flachmänner investiert, werde ich ziemlich ungemütlich. Und wenn ich einen Quadratmeter Gras im Garten unter Rindenmulch vergraben muss, damit die Kaninchen einen Auslauf haben, will ich dafür auch keinen fragen.

Ich will endlich ein eigenes Zimmer und Privatsphäre. Wenn diese Tür hier zu ist, dann ist sie zu und das wird einen Grund haben. Nur weil diverse Personen Aversionen gegen geschlossene Türen haben, kann ich da nichts für. Wenn ich einen Bademantel anhabe, dann gibt es nur einen Menschen, der mich zu fragen hat, ob ich da was drunter habe und das ist mein Freund. Und es hat verdammt nochmal niemand das Recht, meinen Pullover hochzuziehen, obwohl ich mich wehre, um sich zu vergewissen, ob ich wieder "geschnibbelt" hätte (was ist das eigentlich für ein scheiß Wort dafür? Mein Arm ist doch keine Karotte). Manche Dinge gehen manche Menschen einfach nichts an. Mein Leben, mein Geld, mein Arm, mein Körper, mein Shampoo. E basta.

Ich weiß, man meint es ja nur gut. Aber ich fühle mich hier trotzdem erdrückt und finde es einfach nur peinlich, wie versucht wird, die Fehler, die man in der Vergangenheit gemacht hat, an einer 18-jährigen wieder auszubügeln. Mit 13 wäre ich echt froh gewesen, wenn Mister "ich mische mich nicht in Familienangelegenheiten ein" seinen Sturkopf mal andersweitig eingesetzt hätte, das hätte mir eine Menge erspart. Der Zug ist wohl abgefahren, längst. Und meine Meinung ist, dass man mich auch schwimmen lassen sollte, wenn man mich erstmal ins kalte Wasser geworfen hat. Bevor ich ertrinke, melde ich mich schon.

19.09.2007 um 23:19 Uhr

Anfangs.

von: Schattenwind   Kategorie: Seiltänzerin

Warum fällt unsere Wahl unter den tausenden Männern und Frauen, die unseren Weg kreuzen, gerade auf dieses einzige Wesen und macht es zum Mittelpunkt unseres ganzen Denkens?

Es war dieser eine Moment. Annika hat an deiner Haustür geklingelt, mir missfiel es ein wenig, dass sie noch einen Freund mit in die Disco nehmen wollte. Du machtest die Tür auf und mein Herz. Die Welt blieb stehen und als sie sich wieder in Gang setzte, drehte sie sich anders als zuvor. Du hattest das schwarze "System of a Down"-T-shirt an und deine Haare so schön wie danach nie wieder. Ich glaube, ich habe dich einfach nur angesehen, mit Glubbschaugen und offenem Mund und so. Eigentlich dachte ich gar nicht: "Den wirst du heiraten". Ich wusste es. Als hätte jemand Synapsen in meinem Gehirn aktiviert, die vorher noch gar nicht existiert haben. Du umarmtest mich schüchtern, als wir in den Flur gingen. Alles wirkte fremd und klinisch und kalt, heute ist es mein zweites Zu Hause.
Ich werde nie vergessen, wie du warst, an diesem ersten Abend. Heute weiß ich, was du damals gedacht und gehofft hast und ich muss darüber lachen, wie niedlich du warst. Und ich ließ dich zappeln, weil ich einfach wusste und nicht befürchten musste, dass du plötzlich verschwindest. Es war ein kleines Spielchen und bis heute haben wir beide gewonnen.
Ich habe so viel geraucht an dem Abend und zuviel getrunken. Es roch nach Nebel und Flashlight. Die Musik dröhnte, ich war glücklich, irgendwie. Du standest auf der Tribüne hinter mir und hast mich kopfüber geküsst. Wie in Spiderman. Es lief das Lied "Revenga" von System of a Down. Manchmal kann man sich "unser Lied" halt nicht aussuchen.

Es war schön. Du hast mich später nach Hause gebracht, in einer herbstlichen Aprilnacht und die Autos haben gehupt, weil wir uns dauernd geküsst haben. Es ist keine spektakuläre Erinnerung, aber eine schöne. Wir sind nicht spektakulär, aber nach anderthalb Jahren immernoch wahnsinnig angenehm.