Memoriae Ex Aeterna Nocte

26.09.2005 um 23:59 Uhr

Der Tod der Kunst

Es waren die ersten paar Monate meiner Musikerkarriere. Keine Klassik, nichts auch nur partiell Orchestrales... Rock. Vielleicht auch schon Metal, wenn man so will. ;) Irgendetwas zwischen melodischem Gesang und wutabbauendem Geschrei. Ich traeumte von Touren durch gesamt Europa, von mehreren Aufenthalten in Finnland, letztendlich auch noch von einigen Interviews und die typischen Tuecken der Medien... Genau genommen verschwammen drei Hauptelemente miteinander... Skandinavien, die Medien und kuenstlerische Auftritte. Und den Medien versaute ich die Schlagzeilen... Getreu dem Motto, wie ich es eigentlich immer im Leben zu sagen pflege... 'Es ist mir egal, wenn die Bravo ueber meinen fetten Arsch oder ueber den schlecht gefaerbten Haaransatz meines Gitarristen laestert, Menschen, die noch immer nicht verstanden haben, dass es bei Bands um Musik geht, und nicht um das Aussehen der Bandmitglieder, kann ich ohnehin nicht ernst nehmen. Auch muss ich mich fuer nichts rechtfertigen. Ich mache die Musik, die ich liebe, ich hoere, was ich will, ich rauche und trinke so viel ich will. Auch, wenn ich damit ein schlechtes Vorbild darstelle, sind nicht die Medien Schuld daran?! Ich will kein Vorbild sein, ich will, dass die Menschen sich an meiner Musik erfreuen koennen. Mehr nicht. Und waere nur das der Fall, haetten wir die ganzen Probleme mit Raucherei und Suizidversuchen gar nicht. Ich bin auch nur ein Mensch und ich weiss nicht, wieso ich intensiver eine Rolle spielen sollte, als ich es auch will. Wenn mir Journalisten bis in den Arsch kriechen wollen, um zu erkennen, was ich als letztes zum Mittagessen gegessen habe, dann ist das ihr Problem. Ich werde es nicht unterstuetzen. So, jetzt stuerzt euch auf mich, ich habe nichts mehr zu sagen'.

Realitaet und Traum verschwimmen immer zu einem Brei, in jenem Traum besonders. Ein Wunschtraum muss es nicht unbedingt sein. Ich wollte nie ein Star sein, das muss ich ehrlich sagen... Dieser ganze Rummel, das Trara, tausende kleiner, kreischender Kinder, die mich ach wie toll finden, dabei aber... Nicht wirklich an der Musik interessiert sind, sondern nur an meiner Kleidung oder was weiss ich. Nee danke. Auf Beruehmtheit lege ich keinen Wert, dazu bin ich eigentlich zu introvertiert. Wenn ueberhaupt, dann moechte ich nur kuenstlerisch Arbeiten, um mein Geld mit etwas zu verdienen, was ich wirklich liebe. Um Spass an der Arbeit zu haben, und das sind eben Lyrik, Fotografie, Graphik und Gesang. Mehr als jeder andere Beruf wuerde mir ein kuenstlerischer gefallen, doch verdient man damit leider nicht genug Geld... So wird es wohl ein daemlicher Buerojob werden. Ich hoffe, ein ertraeglicher... Ich wollte, im Gegensatz zu den ganzen anderen tollen Girlies, nie Popstar werden, Rockstar auch nicht, genau genommen gar kein Star. Ich sehe es immer wieder, wie die Medien die Musik und die Kuenstler soweit zerreissen, dass einem der gesamte Spass an der Arbeit verschwinden koennte, und das waere ziemlich schade. Woellte ich irgendwann Musik machen... Gern, aber nur, wenn dann nicht taeglich kleine Kinder vor meiner Haustuer stehen und mich um Autogramme anbetteln... Aber es wird ohnehin nicht geschehen. Selbst wenn ich musikalisch aktiver werden sollte, ich bin weder 1,80 gross, noch bin ich blond oder laufe vor Publikum halb nackt herum... Ich habe also Null Prozent Chance, in die Charts zu kommen, zwischen den ganzen hirn- und stimmlosen Hupfdohlen mit ihrer Wespentaille und den knappsten Kleidern. Musik zaehlt im heutigen Musikgeschaeft ja leider gar nicht mehr. Nur noch Schein, bloeder Schein, und nackte Haut.

cn P


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