Memoriae Ex Aeterna Nocte

05.07.2008 um 22:16 Uhr

Kinder

WIR diskutieren gerade wieder ueber Volksverdummung, Verdummungspraevention und Kindererziehung. Schade, dass sich darueber viele Leute, die im Gegensatz zu UNS Kinder haben wollen, weniger Gedanken machen... Zu Beginn die These: "Die Menschheit wird immer duemmer". Nehmen wir mal an, das stimme wirklich. Woran koennte das liegen? Ein Gedanke war, dass gebildete Leute immer weniger Kinder bekommen, meist nur wenige oder gar keine. So genannte "sozial schwache" Personen hingegen bekommen oft sehr viele Kinder, manchmal wohl nur, um das Kindergeld zu kassieren. Dann werden die Kinder zudem gerne vernachlaessigt. Ausserdem waere eine Frage, ob man Familien mit vielen Kindern nicht vielleicht mehr bei der Erziehung unterstuetzen sollte, weil drei kleine Kinder eben auf einmal mehr Aufwand darstellen, als wenn die Mutter sich "nur" um eins kuemmern muss. Das soll nicht heissen, dass Kinder aus grossen Familien unbedingt schlechter erzogen sein muessen, aber mehr Aufwand sind mehrere Kinder sicher, verglichen mit "nur" einem - rein logisch betrachtet. Generell waere es doch wuenschenswert, wuerden ALLE Eltern, egal, mit wievielen Kindern, Unterstuetzung bekommen, wenn sie welche brauchen. Wie schon geschrieben: bei Leuten, die nur am Kindergeld interessiert sind, werden die Kinder an sich vernachlaessigt. Ein Problem ist aber auch, dass "sozial schwache" Familien (sozial schwach heisst nicht "arm", sondern bezieht sich auf Defizite im Sozialverhalten!) oft mehr Kinder bekommen, als nicht sozial schwache. Also gibt es mehr Kinder, um die sich wenig gekuemmert wird, als solche, die angemessen aufgezogen werden. Da es in den Koepfen vieler Menschen ein Schichtdenken gibt, bleiben nicht oder schlecht sozialisierte Menschen und solche, die "normal" sozialisiert wurdn, oft getrennt. Die schlecht sozialisierten Kinder heiraten spaeter also wieder untereinander und bekommen dann ggf. wieder viele Kinder, die - die Eltern haben es nie vorgelebt bekommen und koennen so uU selbst keine Vorbilder sein - ebenfalls wieder schlecht sozialisiert werden... Folge: immer mehr Kinder, um die sich niemand wirklich kuemmert. Das gesellschaftliche Niveau sinkt. Was kann man dagegen tun? Hilfsangebote fuer Familien mit vielen Kindern? Zwang ist nie schoen, aber auf freiwilliger Basis wuerde es wohl auch nichts bringen, da die Eltern, die sich eh nicht um ihre Kinder scheren, wohl auch keine Hilfe annehmen woellten. Und Infobroschueren, Buecher zur Kindererziehung? Zwangslektuere gibt es nicht, also werden sich diese Hilfe auch nur die nehmen, die an ihren Kindern interessiert sind, und die sind ja sowieso nicht das Problem.

ACHTUNG: Ich sage nicht "asoziale Eltern - asoziale Kinder". Wir sind alle Individuen und KOENNEN unser Leben aendern, wir muessen nicht zwangslaeufig auch leben, was die Eltern vorgelebt haben. ABER viele Leute machen sich diese Muehe nicht, etwas zu aendern, sondern leben dann doch nur ihre Eltern nach. Das ist bei Familien, in denen Kinder vernachlaessigt werden/wurden, ein Problem. Auch moechte ich noch einmal betonen, dass fehlende Sozialisierung mit Armut oder Reichtum nichts zutun hat. Auch, wenn man beim saloppen Wort "Asi-Familie" oft ein bestimmtes Bild im Kopf hat, Reiche koennen ihre Kinder genauso vernachlaessigen.

Diese ganzen Gedanken mache ich mir unter Anderem auch wegen der Schwiegersippe... Die Kinder, 7, 4 und 1, "kennt" ihr ja mittlerweile aus meinen Erzaehlungen. WIR werden uns wohl tatsaechlich anonym ans Jugendamt wenden, wenn ich auch skeptisch dieser Institution gegenueber bin - oft werden Fehlentscheidungen getroffen und Missstaende auch haeufiger mal ignoriert (dann geben sie den Eltern eben einen "Besichtigungstermin", da spielen die dann heile Welt vor, der Sachbearbeiter geht mit "die Familie ist doch einwandfrei!" wieder nach Hause, und die Sache hat sich erledigt - den Kindern hat keiner geholfen). Ich habe dann auch nochmal nachgelesen, wie es mit der Kindesentwicklung aussieht, was in welchem Alter gekonnt sein sollte... Nicht MUSS, aber wenn viele Sachen nicht erfuellt werden, obwohl das Kind schon aelter ist, und es wohl auch sonst nirgends vorraus ist, mache ich mir schon so meine Gedanken... Wobei ich selbst, zumindest meinen Eltern nach, als Kind auch relativ wenig gesprochen habe, um ein Beispiel zu nennen. Ich habe zwar, wenn man es verlangt hat, ueberdurchschnittlich gut sprechen koennen, aber im Alltag meist ziemlich wenig gesagt. Und bei meiner Untersuchung zur Feststellung der Schultauglichkeit habe ich auch interessante Anomalien gezeigt ;) Auf die Aufforderung "Mal mal etwas!" habe ich jedenfalls ein abstraktes, blattfuellendes Gemaelde gemalt, mit vielen psychedelischen Farben und geometrischen Formen - sogar mein "Vater" merkt bei Erzaehlungen darueber immer an, das Bild habe "sehr schoen" und kuenstlerisch aesthetisch ausgesehen (und sogar farblich harmonisch). Nachdem man sich einig war, dass soetwas ja noch nie vorgekommen sei, da Kinder immer irgendwelche bekannten Dinge malen wuerden (Oma, Mama, Haustier, Haeuser - bei meinem Bild fragt man sich wohl heute noch, wie ich auf die Idee gekommen war; mittlerweile weiss ichs leider nicht mehr), hat man mich noch einmal aufgefordert, Menschen zu malen, und dann habe ich problemlos die Anforderungen uebertroffen und meine Zulassung bekommen...

Irgendwie schon fast traurig, diese Normierung, was Kinder koennen sollten. Man sollte viel eher auf das Gesamtbild achten... Nur, weil ein Kind zB nicht gut malen kann, muss es nicht zurueckgeblieben sein, es kann dafuer auch andere Talente haben. Nur, wenn es irgendwie ueberall nicht so gut aussieht, sollte man sich Gedanken machen. Was ich auch noch anmerken moechte: Viele deutsche Aerzte und Paedagogen scheinen ernsthafte Probleme im Umgang mit auslaendischen Kindern oder solchen mit teilweise auslaendischer Abstammung zu haben. Nach der Geburt werden/wurden(?) Kinder irgendwie auf Behinderungen o.ae. untersucht und bekommen eine Art Bewertung ueber bestimmte koerperliche Merkmale, bzg. Deformationen o.ae. (haben mir jedenfalls mehrere Menschen bestaetigt, was es GENAU damit auf sich hat, weiss ich aber nicht - waere fuer Infos dankbar). Mir wollte man einen Punkt abziehen, da ich eine Epikanthus-Falte habe - bis mein "Vater" diese Leute ueberzeugen konnte, dass meine "Mutter" genau solche Augen hat und das bei Asiaten so ueblich und vollkommen gesund ist (vielleicht sollte man dazu sagen, dass das Krankenhaus sich in fast doerflicher Gegend befand und dort wohl nur sehr selten mal auslaendische Kinder geboren wurden, Asiaten schonmal gar nicht). Dann wurde eine Zeitlang, ohne meine asiatische Abstammung zu beachten, bemaengelt, ich sei fuer mein Alter zu klein. In Asien haette man mich hingegen als eher grosses Kind betrachtet. Und dann waren da noch die Psychologen nach der Scheidung meiner Eltern, die meine Malereien analysieren wollten und mit meinem doch eher asiatischen Denken absolut gar nicht klar kamen. Konkret sollte ich zB mal meine Eltern als Tiere malen und habe sie dann in Form ihrer chinesischen Sternzeichen dargestellt. Auf die Idee ist natuerlich kein Psychologe gekommen, und so gab es dann die wildesten Spekulationen, was ich damit wohl ausdruecken wollte... Bis ichs gesagt habe, und diese Leute mich dann nur entgeistert ansahen, wie koenne ein Kind bloss auf solche Ideen kommen. Danach wurden die Zeichnungen als nutzlos weggepackt. Natuerlich ist es schlecht moeglich, solche Vorfaelle zu verhindern... Bei hunderten von Nationen gerade in einer Grossstadt, kann man nicht aus jeder Nation einen speziellen Arzt bereit halten. Und man kann sicher auch nicht jedem deutschen Psychologen Sonderunterricht ueber asiatische Astrologie, Mythologie und Symbolik geben, nur, weil vielleicht irgendwann ein asiatisches Kind da sitzt. Die Frage ist also: Was KANN man tun?

cn P

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierensternenschein schreibt am 06.07.2008 um 02:00 Uhr:Ich glaube auch nicht, dass man von sozial schwach automatisch auf ein geringes geistiges Potential der Kinder schliessen könnte. Nur sie werden eben zu wenig gefördert, oft vor dem Fernseher oder der Playstation abgestellt.
    Bei der Einschulungsprüfung fragte mich der aus Bayern kommende Schulleiter, welches Steckenpferd ich hätte. Da konnte ich ihm keien richtige Antwort drauf geben, denn dieses Wort brachte ich mehr mit einem Spielpferd in Verbindung. Ich kannte es nicht. Hätte er mich nach Hobbys oder freizeitbeschäftigung gefragt, hätte ich ihm antworten können.
    Er beweifelte meine Schultauglichkeit daraufhin, wurde aber trotzdem dann doch eingeschult.;-)
    Was kann man tun? Eine interessante Frage, auf die nach Antworten wohl noch gesucht werden muss.
    Hüther, bei dem du eine gespaltene Meinung hast, meinte, es müsse dem Kind mehr ermöglicht werden in seiner kindlichen Welt zu leben. Samt den ganzen Fantasien und Erlebnissen die Kinder brauchen um sich entwickeln zu können. Vertrauen in die Welt und in sich selbst zu bekommen.
    Und dieses bekommt man nicht, durch pure Wissensaneignung, auch nicht, indem Kinder vor dem Fernseher gesetzt werden.
  2. zitierenAngelInChains schreibt am 06.07.2008 um 02:23 Uhr:Ich denke auch, das geistige Potential ist bei Kindern bei Geburt erst einmal vollkommen unabhaengig von aeusseren Einfluessen, den Eltern, Armut, o.ae. Abgesehen vielleicht von geistigen Behinderungen, die durch zB Alkoholmissbrauch der Mutter entstanden sind. Das "Problem" ist die Erziehung bzw eben Nicht-Erziehung und die Foerderung des Kindes... Ein Kind kann noch so klug sein, wenn man es einfach nur ohne Beschaeftigungsmoeglichkeit irgendwo in eine Ecke setzt, wird es den Intellekt nicht nutzen koennen.

    Die Einschulungspruefungen fanden/finden hier immer zu Sammelterminen beim Gesundheitsamt Unterabteilung Schulgesundheit statt... Genau wie Pflichtimpftermine. Da bekomme ich immernoch Magenschmerzen, wenn ich an dem Gebaeude vorbeigehe ;) Aber es ist schon merkwuerdig, aufgrund welcher Merkmale Kinder als schultauglich oder -untauglich betrachtet werden.

    Natuerlich muessen Kinder auch Kind sein duerfen und Fantasien haben duerfen. Nur ganz ohne Bildung und Erziehung (hauptsaechlich verstehe ich dazu das Erlernen von sozialem Verhalten) gehts dann wohl auch nicht... Und auch Wissen ist wichtig, natuerlich muss man es da in frueher Kindheit noch nicht zu sehr uebertreiben, aber spaeter in Schule und Beruf kommt man nicht drum herum. Aber viele Kinder sind ja von Natur aus neugierig und lernen so schon viel, wenn man sie laesst. Und trotzdem gibt es Kinder, die auch nicht das Glueck hatten, so gut aufwachsen zu koennen, aber dennoch genau so gute, soziale und intelligente Menschen sind, wie alle anderen.
  3. zitierensternenschein schreibt am 06.07.2008 um 03:37 Uhr:Das ist ja gerade das Problem, dass vor der Playstation oder dem Fernseher eben kein soziales verhalten geübt und erlernt werden kann.
    Kinder sind im Grunde wohl immer von Natur aus neugierig. Wenn diese Neugier gefördert und auch gestillt werden würde, ausserdem dieses selbst ausprobieren können, sich probieren an den Dingen, ich glaube dann wäre schon einiges gewonnen.
    Die lernlust wird ja leider zu oft in der Schule kaputt gemacht. Nicht immer und in jedem Falle, aber doch häufig.

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