Stimmung: Geht.
Musik: Entwine.
Diese Ueberschrift mag auf den einen oder anderen von euch sicherlich schon merkwuerdig klingen. Oder depressiv stimmend. Ich persoenlich sehe es nicht ganz so schlimm... Zwar habe natuerlich auch ich schon am Grab bestimmter Menschen getrauert, aber die positiven oder lustigen Ereignisse, die ich bisher auf Friedhoefen erlebt habe, ueberwiegen doch. Wie sollte es anders sein, wenn man den Grossteil seiner Freizeit auf Friedhoefen totgeschlagen hat? Heute weniger als damals, damals dafuer absolut exzessiv. Zuerst zum Zweck der Fotografie, spaeter einfach nur aus Spass an der Freude. Wer solche Dinge, wie auf dem Friedhof Freude zu empfinden, pietaetlos findet, sollte diesen Beitrag nicht weiter lesen. Alle anderen werden vielleicht laecheln muessen, bei der Auswahl merkwuerdiger Erlebnisse auf dem Friedhof... Die einen mehr, die anderen weniger schoen...
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Ein Samstag im Januar 2005... Ich wollte mich mit IHM treffen, da ich die Wohnung jedoch schon mittags verliess, ER aber erst abends Zeit haben wuerde, musste ich mir einen Ort suchen, die Zeit bis dahin zu verbringen. Es war zwar eisig kalt, aber auf laermende Musik im Einkaufszentrum hatte ich keine Lust, also entschied ich mich doch fuer den Friedhof. Am Suedstern. Kennt ja vielleicht der eine oder andere von euch... Ich war dort angekommen, ging nichts ahnend spazieren. Es wurde immer kaelter, es wurde langsam dunkel, ich rauchte eine Pfefferminzzigarette nach der anderen, um mir wenigstens das Gefuehl von Waerme zu geben. Seitdem habe ich uebrigens mit dem Rauchen aufgehoert, soweit ich weiss... Ich fuehre ueber soetwas nie Buch. Nun... Ich war spazieren gegangen, war blass vor Kaelte, hatte eine raue Stimme vom Rauch, trug meinen langen schwarzen Ledermantel... Da komme ich an einem Grab vorbei, an dem eine junge Frau eine Kerze abstellt, ihr kleines Kind steht neben ihr und erblickt mich. Es zerrt die Mutter aufgeregt am Aermel und ruft: "Mama! Mama! Guck mal! Ein Vampir!" ...
Ich hatte mich spaeter auf einer Bank niedergelassen, dann sah ich Touristen mit einem Friedhofsfuehrer, die irgendwie verwirrt wirkten. Ich wollte freundlich sein und lief auf sie zu. "Entschuldigen Sie, suchen Sie ein Grab?", fragte ich, ohne mir der Zweideutigkeit bewusst zu sein, und schon nahmen beide alten Leute panisch Reissaus. *lol*
Ein Tag im Sommer. Ich lief gerade um die Ecke, konnte nicht sehen, was mich dort erwartete, denn ein altes Grabmal stand haushoch im Weg. Ich zuckte zusammen, denn ich hatte, um diese Uhrzeit und bei diesem Wetter, niemanden erwartet. Ich war auch schon eine Stunde unterwegs gewesen, ohne einer Menschenseele zu begegnen. Doch ploetzlich stand dieses junge Paar vor mir... Wie gesagt, ich zuckte aus Ueberraschung zusammen. Das Paar reagierte noch panischer: Der Mann packte die Dame bei der Hand, beide rannten schreiend davon und versteckten sich hinter einem Baum, von dem aus sie mich ab und zu beobachteten. Komische Voegel. Ich blickte mich noch ab und zu nach ihnen um, lief dann aber unberuehrt weiter...
Spaeter war ich zu jenem Teil des Friedhofes gelangt, wo die meisten alten Gruften stehen. Ich kenne diesen Friedhof so gut, wie meine Wohnung, daher weiss ich auch, welche der Gruften leer sind und welche nicht abgeschlossen sind... Fuer Fremde nicht zu erkennen, ob eine schwere Holztuer abgeschlossen ist, oder nicht. Ich ging also zu so einer leeren Gruft, um mich ein wenig in den Schatten zu setzen. Drinnen stand eine Marmorbank, das wusste ich, ansonsten war das Grab leer. Ich schloss die Tuer brav hinter mir, Licht schien nur noch schwach durch die hoch gelegenen, milchigen Fenster. Ich hatte genug gerastet und wollte die Gruft wieder verlassen. Langsam oeffnete ich die Tuer, und dann sah ich, dass ich zwei mittelalten Menschen genau ins erblassende Gesicht starrte. "Guten Abend.", sagte ich, und ging weiter... Hinterhergestarrt haben sie mir noch, bis ich um die naechste Ecke verschwand.
Ein Wochenende im Mai oder Juni 2003. WIR waren gemeinsam unterwegs. Es gibt am Suedstern so ein grottenartiges Grabmal, mit Wandnischen, Sitzbaenken und einem altaraehnlichen Gebilde in der Mitte. Man kann nur frontal hinein sehen, da die Seitenwaende den Raum sehr weit umschlingen. Nun, WIR hatten es uns dort bequem gemacht, denn Baenke sind zum Sitzen da und ausserdem hatten wir lange nichts mehr gegessen. Es war so eines der Wochenenden, wo wir im Grunde heimatlos waren, kein Hotelzimmer hatten und demnach irgendwo durch die Gegend ziehen mussten, bis es Zeit war, wieder zu meinem Vater nach Hause zu gehen bzw fuer ihn, zum Flughafen zu fahren. Wir hatten es uns am Altar sehr schoen gemacht, ein Deckchen ausgebreitet, ein kleines Picknick aufgebaut... Wein, Obst, Schokoriegel ;) Nein, ich weiss nicht mehr, was es war. Aber auf jeden Fall hatten wir uns gesetzt, ein wenig unterhalten... Das Grab ist uebrigens sowieso nicht mehr in Benutzung, sonst haette ich garantiert Abstand davon gehalten, so viel Respekt habe ich, das koennt ihr mir glauben! Wir assen, da kamen nichtsahnend Menschen um die Ecke. Weit aufgerissene Augen. Ein offenstehender Mund. Sie sagten kein Wort, ich sagte auch keines. Sie liefen einen grossen Bogen um uns herum und wir packten doch lieber zusammen... Wer weiss, was ueberkonservative Menschen vollbringen koennen, wenn sie meinen, man wuerde etwas Widriges tun...
Es war Samstagabend und WIR kamen gerade aus einem Restaurant. Wollten zum Friedhof, um noch ein wenig spazieren zu gehen. Es war an der G.allee. Der Friedhof ist immer geoeffnet. Und entgegen kam, direkt auf der Strasse vor dem Friedhof, ein kleines Maedchen. Was es um 21 Uhr noch allein in dieser Gegend machte, das war mir unverstaendlich. Jedenfalls sah es uns, rannte in den naechsten Eingang, den es finden konnte... Was dummerweise das Friedhofstor war. Armes Kind. Es hat wohl einen Schock fuers Leben bekommen. Dabei haette ich ihm nie etwas getan.
Es gibt so viele solcher absurder Erlebnisse. Wieso haben Menschen Angst, wenn ihnen eine Frau von Furcht erregenden 166 cm Koerpergroesse gegenuebersteht, die schwarz gekleidet ist? Ich werde es nie verstehen, wie Menschen so eine Furcht vor etwas Harmlosen haben koennen. Aber es scheint immer wieder zu geschehen. Nun, Erlebnisse nach dem einfachen Schema "Person sieht mich auf dem Friedhof - Rennt weg" gibt es sicherlich schon mehrere Dutzend, daher will ich auch nicht alle hier erzaehlen. Ich denke, die bisherigen reichen. Sollte mir noch etwas einfallen, etwas Bedeutendes, was ich ggf. vergessen habe, ich werde es schon noch nachholen... Gehabt euch wohl.
cn P