Jesus Christus gestern, heute, morgen und in alle Ewigkeit
„Jesus Christus gestern,heute, morgen und derselbe auch in alle Ewigkeit“
Diesem einprägsamen Satz aus dem 13.Kapitel des Hebräerbriefes, geht unmittelbar ein anderer Satz voraus, der beschreibt, was Gedächtnis – oder Erinnerungs-Kultur unter uns bedeutet:
„Gedenkt an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben. Ihr Ende schaut an und folgt ihrem Glauben nach.“
Über 100 Jahre TIFPEC feiern, heißt auch: sich zu Erinnern. Heißt, eine besondere Form der Gedächtniskultur zu pflegen, die die Vergangenheit gleichsam mit an den Tisch holt. Zum kulturellen Gedächtnis unserer Kirche gehört auch die Erinnerung an unsere Gründer und Lehrer, die uns das Wort Gottes gelehrt und verkündigt haben. Wir brauchen diese Kultur, damit wir nicht bei jedem Ereignis von null anfangen müssen Geschichte neu zu schreiben. Und eine Kultur des Erinnerns hilft uns, allem Erinnern eine Struktur zu geben. Dazu wollen wir mit diesem Jubiläum beitragen.
Ich bin in den letzten Tagen nicht müde geworden, anlässlich unseres schönen Festes zu erinnern und Erinnerungen aus dieser Sicht aufzuschreiben. Manches trifft dabei den Kern, anderes ist kulturlos. Denn natürlich setzt jede und jeder, der sich dazu äußert, bei seinem Kenntnisstand ein – und der ist oft einseitig, weil das Erinnern an die Lehrer fehlt, wie es unser Bibeltext sagt. Und so hängt eine Einschätzung dieses Ereignisses von dem Vor-Verständnis oder den Vorkenntnissen ab, die jeder mitbringt.
Die Geschichte ist auf Schritt und Tritt im wahrsten Sine des Wortes mit Händen zu greifen. Und das Bischofskollegium, als das Leitungsorgan dieser Kirche, hat fast auf jeder Sitzung auch mit der Erinnerung zu tun.
Aber bevor wir uns, auch in diesen Tagen, der Geschichte dieser Kirche stellen, müssen wir uns doch der Gottes-Geschichte stellen. Zu allererst fragen wir nach Gottes Geschichte in dieser Kirche und unserer Geschichte mit Gott.
Und für diese Frage eignet sich die Reformation gut. Dieses Erinnern an die Gottes – Geschichte geht für uns gar nicht anders, als dass wir dazu die ganze bewohnte Erde in unser Herz holen: die Ökumene- Gottes bewohnte Erde. Das griechische Wort : ökumenisch heißt: die ganze Menschheit betreffend. Deshalb holt, wer ökumenisch feiert, die ganze Welt in sein Haus. Wer sich der Gottesgeschichte und ihrer Lehrer erinnern will, muss dazu alle mit einladen, die in gleicher biblischer Tradition stehen. Erinnern geht nicht alleine. Und auf die Lehrer zu hören geht nur mit anderen Klassenkameraden. So holen wir gleichsam am Vorabend vor dem Fest die Welt ins Haus. Wir buchstabieren gemeinsam mit den Katholiken und Methodisten, Armeniern und Herrenhutern, den lutherischen Finnen und den Reformierten die Aussage:
„Jesus Christus, gestern und heute und der selbe auch in Ewigkeit“.
Was heißt das für unsere Kirche heute und zukünftig ?
Wenn wir morgen wieder im Gotteshaus zusammen sind, ist der heutige Abend schon von gestern. Was heute gesagt wird, ist morgen schon Vergangenheit. Und morgen schon lässt sich vortrefflich darüber reden, wie der Abend heute war. Er ist Vergangenheit.
Aber: getragen wird unsere Zeit von der Zusage, dass Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit ist.
Wenn wir uns Erinnern, dann sprechen wir von vergangenen Zeiten, auch von veränderten Bedingungen, von anderen gesellschaftlichen Verhältnissen und zeitgeschichtlicher Ereignissen – aber wir sprechen immer von dem gleichen Christus. Von der Kanzel ist zu allen Zeiten immer von dem selben Christus gepredigt worden, den wir auch heute bekennen. In dieser Kirche ist immer von dem selben Christus die Rede gewesen, wie heute auch. Und diese Kirche ist immer von dem selben Christus getragen worden, wie zukünftig auch. Es gab auch in schwierigen und dunklen Zeiten deutscher Geschichte – und auch unserer Kirchengeschichte keinen anderen Christus als den, den wir heute predigen und auch morgen predigen werden. Aus dieser Sicht, gab es nie eine Zeit, wo es kirchlich besser oder schlechter ging. Denn so, wie Christus heute unter uns ist, war er es auch gestern. Und uns trägt die unerschütterliche Hoffnung, dass er es auch morgen sein wird. Das haben wir auch von den Lehrern im Glauben gelernt dass das, was bleibt der Bleibende ist. Auch unsere Mütter und Väter ahnten dass die Zeit kommt und geht. Sie haben erlebt, dass Kaiser und Könige kamen und gingen. Auch das sog. Tausendjährige Reich kam und ging. Selbst der so einprägsame Satz – siegessicher gesprochen – „ Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf“ hat die Zeit nicht überdauert. Im Gegenteil: gerade die vielen vermeintlichen Ochsen und Esel haben diesen Lauf aufgehalten, sie können es täglich in der Zeitung lesen, weil sie wussten dass das, was bleibt allein der Bleibende ist : Jesus Christus
So ist dies heute unser entscheidendes Glaubenszeugnis, dass wir in diesen Tagen und Wochen in die Stadt und die Welt tragen: auch Kirchen predigen. Und sie predigen, dass es in unserem Leben und dieser Welt, in unserer Kirche eine Kontinuität gibt, die durch nichts unterbrochen und durch keine Macht der Welt aufgehoben werden kann. Christus hat sich gebunden. Er hat sich an seine Gemeinde gebunden, an die auf seinen Namen und in seinem Namen Getauften. Von Anfang an galt ihnen die Verheißung, dass er sie weder aus dem Auge noch aus dem Sinn lassen wird. Und so bindet er über Generationen Menschen an sich. Jeder Gottesdienst und jede Andacht, die gefeiert wurde und gefeiert wird, lädt zu dieser Bindung an Christus ein. TIFPEC spricht für sich. Aber ich predige nicht für mich selbst. Ich werbe und lade ein zur Bindung an Christus. Dass die TIFPEC-Gemeinde auch heute immer weiter wächst, ist auch ein Zeichen dafür, dass diese Botschaft verstanden wird. Wer kommt, fühlt sich bald gebunden, wer hört findet seine Geschichte wieder.
„Die Wahrheit braucht keinen Vatikan. Das liebe Evangelium kriecht in jede Hütte und hält sie warm.“
Das ist wohl war. Die Wahrheit Gottes braucht keine Basilika. Aber die Kirchen brauchen die Wahrheit Gottes. Die Wahrheit, dass hier nichts anderes getan wird, als den zu verkündigen, der gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit bleiben wird. Die Protestantische Kirche braucht auch keine Dome. Aber diese Kirche braucht das Evangelium. Denn nichts darf sich in dieser Kirche ereignen, was dem Evangelium und damit einer dem Evangelium verpflichteten Kirche widerspricht. Hausherr, auch in dieser Gemeinschaft war, ist und bleibt Jesus Christus. Und die Verwalterin ist seine Kirche. Eine Kirche, die aus lauter einzelnen betenden hoffenden tatkräftigen und unglaublich ehrenamtlich engagierten Menschen besteht. Dafür gebührt auch an dieser Stellen allen die bei uns arbeiten, mithelfen und Leitungsverantwortung tragen unser aller großer Dank.
Auch durch die Mithilfe vieler Menschen in dieser Gemeischaft bleibt der Glaube erkennbar – gestern und heute. So wird auch in dieser Kirche jeder, der in sie eintritt, wissen woran er ist, und wo er sich befindet. So klar wie die Ausstrahlung dieser Kirche mit all ihren Bildern und Symbolen ist, so klar muss auch die Verkündigung sein, die diese Kirche trägt und von der diese neue Gemeinschaft getragen wird.
Gott, unser Vater und der Vater unseres Herrn Jesus Christus braucht auch öffentliche Orte. Gott will sich zeigen. Er will gesehen werden. Er braucht die öffentlichen Orte, da, wo sich Menschen zeigen, da, wo sie sich zu erkennen geben, da, wo unsere Kirche offen und öffentlich wird.
Das ganze Land soll wissen: wann immer sie die Schwelle dieser Gemeinde betreten, treten sie in das Haus Gottes ein. Und wann immer sie über die Schwelle dieses Hauses treten, begegnen sie einer anderen Wirklichkeit als der, die sie täglich umgibt. Die Vergangenheit und auch die Gegenwart hat gelehrt, dass jeder von uns solche Orte braucht. Denn sie sind der notwendige Kontrast zu der sich schnell verbrauchenden Zeit mit ihren Ritualen, ihrer Sprache, ihren Gebärden, ihrer Kultur. Der Stadtraum braucht sie diese Orte der Begegnung mit dem lebendigen Gott, diese Orte in denen uns eine andere Wirklichkeit, eine andere Sprache, ein anderer Geist und ein anderes Zeitmaß umgibt. Das macht sie für manchen schwer verständlich. Aber bei genauerem Hinsehen und Hinhören wird jedem bald klar, dass die Gottesgeschichte auch unsere Geschichte ist und das die vielen Darstellungen in diesen Kirchen immer nur auf dieses eine Bekenntnis hinführen. Hinführen auf die Entdeckung, dass Zeit immer Gottes Zeit ist und auch bleiben wird.
Amen
+Horst-Karl, Xth BP,TIFPEC
