GEDANKENFLUG

05.09.2010 um 16:18 Uhr

Brutale Aufklärungskampagne im Saarland

Embryonenoffensive, des Vereins Durchblick e.V., um über Abtreibung aufzuklären.

Vor ein paar Tagen lag ein brauner DIN A 5 Umschlag in meinem Briefkasten, ich sah ihn mir nicht genauer an, sondern öffnete ihn sofort, da ich eine Warensendung erwartete. Es  fiel mir ein Kunststoffmodell eines 10 Wochen alten Embryos, in Originalgröße, entgegen. Ein Info-Flyer  mit der Aufschrift “Dieses Geschenk vertrauen wir Ihnen heute an“ war beigefügt. Jetzt erst betrachtete ich mir den Umschlag genauer.

Links oben ein gezeichneter Embryo, links unten, folgender Text:

Dieser Umschlag enthält ein originalgetreues Kunststoffmodell eines Embryos in der zehnten Schwangerschaftswoche und Informationen zur embryonalen Entwicklung des Menschen. Wenn Sie unter den Folgen einer Abtreibung oder einer Fehlgeburt leiden, öffnen Sie den Umschlag bitte nur, wenn Sie sich mit dem Anblick des Modells konfrontieren möchten.

Ich bin eine Betroffene und ich hätte den Umschlag nicht geöffnet. Ich glaube ich muss meine Gefühle nicht beschreiben.  Ich habe gelernt damit umzugehen, zu  (über)leben damit...und trotzdem hat dieses “Geschenk“ mich an die Grenze gebracht. Ich denke an die Frauen die noch nicht soweit sind, wo das Erlebte noch ganz frisch ist, und die arglos diesen Umschlag öffnen. Ich frage mich, wer sich sowas ausdenkt und was das für Menschen sind.

Aufklärung ist wichtig und ich unterstütze und bewundere Menschen, die aktiv werden wo andere passiv bleiben, aber diese Aktion finde ich einfach nur brutal. Es wurden 300.000 solcher Modelle angefertigt und man brüstet sich damit, dass schon gut die Hälfte verteilt wurde. Hätte man dieses Geld nicht sinnvoller verwenden können, indem man in Schulen, Jugendtreffs und vergleichbaren Einrichtungen gezielt aufklärt und informiert? Die Modelle werden wahllos verteilt, meine Nachbarin eine nette 79 - jährige Dame erhielt es auch. Aus rein biologischen Gründen gehört sie sicher nicht mehr zur „Zielgruppe“.  Wieder einmal wurde eine sicher nicht unbeträchtliche Summe verballert für eine, meiner Meinung nach, absolut fragwürdige Aktion.

04.09.2010 um 09:41 Uhr

Unsichtbare Barriere

zum Greifen nah ... und doch unerreichbar ...