Times of Life

20.08.2010 um 18:00 Uhr

Kurze Meldung

von: Galahad

Bitte macht euch keine Sorgen, wenn ich mich jetzt ein paar Tage nicht melde oder maile.

Wir sind ein paar Tage bei Drew in Texas, er macht diverse Tests und Untersuchungen mit uns beiden. Und wir wohnen bei Drew daheim... und ich durfte keinen Laptop mitnehmen... ;-)

Bis jetzt ist aber alles ok, bei uns beiden! :-)

hugs

Danny 

17.08.2010 um 09:30 Uhr

Wunder

von: Galahad

Und genauso lief es… 

Ethan erklärte sich (natürlich!) bereit - er wollte mir ja wirklich gerne helfen und war jetzt völlig überwältigt von seiner plötzlichen Wichtigkeit. Die Krankenhausleute stellten ein Bett in meinem Zimmer für ihn auf, Malter regelte alles mit dem Heim und der Schule (Ethan durfte aus der Schule fernbleiben gegen Malters Zusage, ihn von einem Hauslehrer unterrichten und am Ende des Schuljahres die vorgesehene Prüfung ablegen zu lassen - sowas geht hier locker, wenn man die richtigen Leute kennt).

Dann setzen sie alle Medikamente ab, nur die Schmerzmittel und die Nährstoffe bekam ich weiterhin - und natürlich wurde ich ständig ärztlich überwacht. Das Warten begann… 

Und das Wunder geschah!  

Die vorhandenen Metastasen bildeten sich nach und nach zurück oder starben ganz ab. Neue bildete der Tumor nicht mehr. 

Der Tumor selbst wurde ebenfalls kleiner, aber nur unwesentlich. Drew beschloss, ihn in einer äußerst riskanten Operation zu entfernen, und auf die Proteste seiner Kollegen reagierte er mit einem: "Verdammt - wann denn, wenn nicht jetzt? Auf was sollen wir warten - darauf, dass das Ding zu neuem Leben erwacht und wieder streut? Darauf, dass Danny noch schwächer wird, falls das im lebendigen Zustand Gadgets überhaupt noch möglich ist? Wir müssen das jetzt machen!" 

Die OP dauerte etliche Stunden, in denen es Drew gelang, den kompletten Tumor (sowie leider auch meinen halben Magen) zu entfernen. Nach seinen eigenen Worten hatte er noch niemals eine derart riskante Operation durchgeführt (und jede Krebs-OP ist ja an sich schon gefährlich!) Hinterher sah es für ein paar Tage erst mal gar nicht gut aus mit mir - es schien, als würde mein Körper das alles nicht mehr wegstecken zu können. Aber er konnte es doch!

Ich selbst erinnere mich an all das nicht. Meine erste bewusste Erinnerung ist, dass ich wach wurde und Chris an meinem Bett sitzen sah… er hatte die Augen geschlossen, den Kopf zurückgelegt, und ich dachte bei mir "my love, du wirst allmählich ganz schön grau an den Schläfen!". Das sagte ich dann laut - und Chris öffnete die Augen, sah mich an wie ein Gespenst und fragte nur: "Danny - are you here?" Und die Tränen begannen zu laufen bei ihm… und ich, ich war zwar völlig klar im Kopf, konnte aber seine Reaktion nicht begreifen, weil mir die letzten Wochen mehr oder weniger komplett fehlten. Für mich war das halt das Hospital, ich hatte Krebs und Chris war da - wie immer in der letzten Zeit. Die OP, die schlimme Zeit davor und danach, das alles fehlt mir bis heute. Es ist wohl noch irgendwo in meinem Unterbewusstsein gut versteckt und wird irgendwann ganz sicher rauskommen. 

Chris machte, als ich wieder zu mir gekommen war, sofort Ethan wach, der im Bett nebenan vor sich hin döste … Ethan rannte los, den nächstbesten Doc suchen, die Nachricht verbreitete sich, und dann stand irgendwann die Ärzteriege ungläubig um mein Bett herum. Und ich erfuhr, wir knapp ich dem Tod von der Schippe gesprungen war. 

Sie haben mir das Leben gerettet - Drew, Ethan - und dieser alte Indianer, der inzwischen längst schon wieder in seinem Heimatdorf war.

13.08.2010 um 18:55 Uhr

Entscheidung und Wendepunkt

von: Galahad

Und so kam der Tag, an dem sie im Hospital zusammen saßen… der alte Indianer, Gladys und Chris auf der einen Seite, auf der anderen Seite Drew und sein Ärzteteam. 

Der Indianer erläuterte ihnen die Theorie vom "Helferkörper", der einem Kranken beim Gesundwerden hilft. Als er fertig war, saßen erst mal alle schweigend und ungläubig da… Chris sagt, einige der Docs mit leicht süffisantem Grinsen.

Dann stand Drew abrupt auf, schlug mit der Faust kräftig auf den Tisch und sagte: "Ok… dann machen wir es also so! Wir holen den Jungen her, legen ihn zu Danny ins Zimmer, setzen alle Medikamente bis auf die Schmerzmittel ab und sehen mal, was passiert!" 

Und auf die Proteste seiner Kollegen hin fuhr er fort: "Leute, jetzt mal ehrlich - was sollen wir denn noch tun? Haben unser geballtes Fachwissen und all unsere Anstrengungen Danny bisher irgendwie geholfen oder ihm auch nur eine Linderung verschafft? Der Junge krepiert doch unter unseren Händen, wenn es so weiter geht, und lange dauert es auch nicht mehr bis dahin! (Ja, das ist sein O-Ton, so redet er). Was können wir denn verlieren? Wir wissen doch alle, dass es vieles zwischen Himmel und Erde gibt, was wir noch nicht wissen und begreifen - also lasst uns das jetzt probieren!"  

Und mit Blick zu Chris: "Chris, es ist an dir - du musst jetzt für Danny die Entscheidung treffen! Was würde er wollen, wenn wir ihn fragen könnten?" Und Chris entschied sich (mit Bauchweh), dem Rat des Indianers zu folgen.

Drew daraufhin: "Gut - dann los, let's make a plan! Chris, du redest mit dem Jungen! Frag ihn, ob er mitzieht, und erklär ihm, wie wichtig es ist. Er muss absolut verlässlich sein und bei der Stange bleiben (zu Chris). Jemand muss auch alles mit dem Heim und der Schule des Jungen abklären - das soll mal Malter machen, ich rufe ihn gleich an. Und dann stellen wir ein Bett und all das Zeug für ihn in Dannys Zimmer, kümmert ihr euch bitte darum? (zu seinen Kollegen). Und es besteht wirklich für den Helfer keine gesundheitliche Gefahr? (zu dem alten Indianer). Also auf geht's… let's move on…" 

Und genauso lief es…

09.08.2010 um 18:48 Uhr

Der alte Indianer und sein Wissen

von: Galahad

Die Ärzte fragten nicht nach der Ursache - aber Gladys! 

Gladys war in der Anfangszeit meiner Erkrankung eine Zeitlang bei uns gewesen, dann aber - weil sie ja doch nichts helfen konnte - nach Florida zurückgekehrt, um eigene Termine wahrzunehmen. Chris erzählte ihr am Telefon von der Wirkung, die Ethans Besuche anscheinend auf mich hatten… und Gladys erinnerte sich an etwas, das sie vor langer Zeit einmal gehört hatte. Sie suchte, forschte nach - und beschloss schließlich, einen alten Heiler ihres Stammes aufzusuchen.

Das war bei weitem komplizierter Schnäppchen, als es sich jetzt so anhört, denn der alte Mann lebt irgendwo im kolumbianischen Bergland. Gladys musste für das letzte Stück sogar einen Hubschrauber chartern, der sie zu dem Ort brachte. Und wenn man dann endlich da ist, kann man auch nicht so einfach an sein Zelt (oder seine Hütte, keine Ahnung!) gehen und anklopfen - nein, der weise Mann entscheidet selbst, mit wem er spricht und wann. Ich denke, es ist wohl Geld geflossen… zwar lebt der alte Mann selbst sehr anspruchslos und einfach, aber er "sammelt" Gelder, die er in die Ausbildung von Kindern, deren Familien zu arm sind, um ihnen eine Schulbildung zu ermöglichen, investiert (und es gibt dort im Stamm viele arme Familien…).

Naja, auf jeden Fall bekam Gladys ihre Audienz und erzählte ihm von Chris, von mir und meiner Erkrankung und von Ethan und der Wirkung seiner Besuche bei mir. 

Der Indianer nickte daraufhin nur und antwortete, das sei nicht selten, er habe das öfter gehört und es auch im Laufe seiner Zeit einige Male selbst erlebt. Nach seinem Wissen suche sich ein Körper, wenn Schmerzen und Krankheit zu schwer für ihn werden, oft einen "Helferkörper", der ihm helfen soll, alles zu ertragen und zu überwinden (jaaaaaa - ich weiß selbst, wie sich das anhört!!!). Das einzige, was den alten Mann wunderte, war, dass das bei mir als Europäer passierte - bisher war er der Meinung gewesen, dass dies nur bei den native people geschehen könnte. Bei ihnen sei es jedoch keine Seltenheit und zumindest früher in den Sippenverbänden nie besonders aufgefallen.  

Auf Gladys Einwand, wenn ich diese Gabe hätte, würde ich mir doch sicher Chris als "Helfer" aussuchen, meinte er dann, nein, ein Kranker wähle normalerweise nie den Menschen, mit dem er noch den Rest seines Lebens verbringen will, sondern meistens einen jungen, unverbrauchten, kräftigen "Körper" aus dem näheren Umfeld. Und als Gladys wissen wollte, ob für den "Helfer" eine Gefahr bestünde, verneinte der Alte das… soweit er wusste, konnte es zwar etwas anstrengend sein, aber nicht gefährlich in der Art, dass der Helfer von dem Kranken angesteckt wird oder die Krankheit auf ihn übertragen wird. 

Gladys sprach noch eine ganze Zeitlang mit dem Heiler über das Thema. Und irgendwie schaffte sie es, ihn zu überreden, mit ihr zu kommen und diese Theorie den behandelnden Ärzten zu erklären. Der Indianer sah eigentlich keinen Sinn darin, da er die Denkweise weißer Ärzte zu kennen glaubte. Gladys allerdings kennt Drew und war daher anderer Meinung - und schließlich war der alte Mann bereit, mit ihr zu kommen. (Anmerkung: er reist durchaus sehr gerne, das ist bekannt, so groß war das Opfer also nicht *g*. Und umsonst hat er es auch sicher nicht gemacht. Aber darüber redet Gladys nicht - sie sagt nur, es war eine gute Investition). 

Und so kam der Tag, an dem sie im Hospital zusammen saßen… der alte Indianer, Gladys und Chris auf der einen Seite, auf der anderen Seite Drew und sein Ärzteteam.

06.08.2010 um 16:10 Uhr

Nichts geht mehr!

von: Galahad

Ich hatte mir vorgenommen, trotz meiner Krankheit mein Leben so normal wie möglich weiterzuführen - also auch Musik, Proben und Konzerte. Eine Weile klappte das auch noch ganz gut… bis ich eines Abends bei einem Gig dann zusammengebrochen bin. Glück war noch, dass es nach unserem Auftritt und backstage passierte, es hat niemand etwas davon mitbekommen. 

Ich wurde mit der Ambulance ins Hospital gebracht und musste von da ab dort bleiben. Ernährt wurde ich jetzt über Infusionen (und ich habe es fertig gebracht, sogar die gleich anschließend wieder rauszukotzen). Es ging mir nicht sehr gut - und es wurde von Tag zu Tag schlechter Telefon-Vorwahl suchen. Die Ärzte probierten alles Mögliche, nichts half. 

Ich selbst kann mich an diese  Zeit kaum erinnern. Ich erinnere mich an die Schmerzen… unglaublich starke Schmerzen. Manchmal habe ich gedacht, dass ich nur noch aus Schmerzen bestehe, ich konnte an nichts anderes denken, nichts anderes fühlen. Die Schmerzmittel konnten da nicht dagegen halten. 

Ich erinnere mich auch an Chris’ Gesicht - Chris war immer da. (Inzwischen weiß ich, dass er keineswegs immer da war, er musste ja zwischendrin auch mal weg, Sachen erledigen - aber ich habe ihn dann anscheinend nicht vermisst. Für mich war er immer bei mir, wenn ich mal zu mir kam.) 

Und ich erinnere mich - wieder mal an Ethan! 

Weder Chris noch die Ärzte hatten es für eine besonders gute Idee gehalten, Ethan Besuche bei mir im Hospital zu erlauben, aber er hatte sich durchgesetzt und so lange auf Chris eingeredet, bis er mit durfte. Und eigenartigerweise schienen mir seine Besuche gut zu tun… ich war in seiner Anwesenheit nicht so unruhig, schlief fester und hatte offenbar weniger Schmerzen. Chris erzählte diese Beobachtung sofort den Ärzten, die konnten aber nichts damit anfangen und meinten schulterzuckend, wenn er der Meinung sei, solle er den Jungen halt öfter mitbringen. Nach der Ursache fragten sie nicht. 

Sie nicht - aber Gladys!