Sightseeing und Abschied
Musik: Edguy (vielleicht baut mich das ein bisschen auf... Toooooooooooby :) )
Ja, die schönste Zeit kam, als Chris und seine Leute mit den Aufnahmen fertig waren. Zwei von der Band sind direkt hinterher wieder heimgeflogen zu ihren Familien, Gerry (unser "Ausleih-Basser") wollte noch in Deutschland bleiben, er hat hier Freunde und Verwandtschaft, die er bei der Gelegenheit mal wieder besuchen wollte... klar, und Chris blieb natürlich auch noch, denn wir hatten noch was ganz Tolles vor. An einem etwas bier- und whiskeyseligen Abend hatte ich ihm mal den Vorschlag gemacht, ihm Deutschland zu zeigen, halt alles, was hier schön und sehenswert ist (ja kar, ALLES kann man nicht, aber einiges).
Und genau das haben wir dann gemacht. Wir waren knapp vier Wochen unterwegs durch Deutschland und haben alles Mögliche besucht ... die Zugspitze und die bayerischen Königsschlösser, Bodensee, Schwarzwald (Chrissy, sag' noch mal "Hexen-loch-mühle" - oh Mann, tut das so weh, die Erinnerung!)... die Mosel mit ihren Weinbergen, der Rhein und die Burgen dort (auf Schlösser und Burgen oder Ruinen ist Chris voll abgefahren, da hätten wir uns zehn Stück pro Tag angucken können). Auch Städte... München, Trier, Köln... dann weiter Richtung Norden, Hannover, Hamburg, die Nordsee, weiter nach Berlin... und, und, und. Es war mehr als schön.
In dieser Zeit haben wir auch zum ersten Mal angefangen, über eine gemeinsame Zukunft zu reden. Wir wollten echt zusammen bleiben; es war alles so gut, das kann man gar nicht beschreiben. ALLES ALLES ALLES hat gestimmt. Und trotzdem ... Scheiße, sorry... je öfter wir drüber geredet haben, desto mehr war uns klar, dass es KEINE gemeinsame Zukunft geben kann und wird, denn - wie sollte die aussehen? Wir sind beide Musiker, haben unsere Bands, unser Umfeld, und wir leben an unterschiedlichen Enden der Welt. Einer von uns hätte alles aufgeben und zu dem anderen kommen müssen. Das wäre nicht das Problem gewesen, wir waren dazu beide bereit... das eigentliche Problem lag woanders... ist schwer zu erklären. Also, angenommen, Chris wäre hier geblieben... was hätte er hier machen sollen? In meinem Haus auf mich warten, bis die Proben oder Aufnahmen rum sind? Bei den Gigs beim Aufbau mithelfen? Ein kreativer und begabter Musiker wie er??? Oder sollte er eine neue Band hier gründen... aber er hat ja bereits eine Super-Band!... oder wir zusammen in einer Band, aber das wäre auch nichts, wir machen nun mal nicht dieselbe Musik. Und umgekehrt (ich zu ihm) wäre es dasselbe gewesen. Egal, wie man es dreht und wendet, unsere Beziehung wäre mit Sicherheit nach und nach gestorben... durch Frust, Unzufriedenheit, Leerlauf...
Es hat uns beiden tierisch weh getan, als wir das langsam begriffen haben. Wir haben ganze Nächte durch diskutiert und jedes Mal geheult. Irgendwann haben wir dann nur noch über ein "später" geredet... später, wenn wir älter sind, wir machen ja nicht ewig Musik, die Zeit wird für uns arbeiten, vielleicht ergibt sich was, an das wir jetzt nicht denken...
Ja, und dann kam der Tag, an dem es zu Ende war. Irgendwann wird das geduldigste Management nervös, und Verträge können leicht platzen, wenn man nicht im Zeitplan bleibt... Chris musste zurück in die Staaten, und meine Jungs wurden mittlerweile auch etwas unruhig.
Es war soweit, und wir wussten es beide.
Ich habe ihn noch zum Flugplatz gefahren, aber nur bis vor die Tür, mit rein ging ich nicht mehr, und er wollte das auch nicht. Ich bin zurück in mein Haus, das jetzt wieder allein mein Haus ist und doch nie mehr sein wird. Oh Mann, ich kann plötzlich die Leute vestehen, die jemand verloren haben, und dessen Zimmer einfach so lassen, nichts wegräumen und so... ich hab' hier ALLES so gelassen. Hab' unterm Bett noch Schuhe von ihm gefunden und hinter der Couch ein T-Shirt... und zwei von seinen Ringen im Bad. Wer weiß, was ich noch finde, wenn ich mal irgendwann aufräume. Und einen Brief hatte er mir noch geschrieben und hingelegt... oh damned, ich kann das nicht
